Wer braucht schon Sex, Drugs and Rock'n'Roll?
Von der Muse geküsst
Veröffentlicht: 22. Juli 2010 um 13:00 von Shiny Flame
Die vielen ovalen Karteikärtchen an der Wand meines Arbeitszimmers, die den Plot bzw. die Entwicklung der einzelnen Charaktere nach dem Modell der Heldenreise darstellen sollen, waren fast fertig. Aber eben nicht ganz. Shanti, meine Hauptfigur, war einfach noch zu schwammig. Ich hatte sie fast greifbar - aber immer, wenn ich sie packen und in die normale Handlung einbauen wollte, flutschte sie mir aus den Fingern. Ich wurde fast wahnsinnig darüber. Nachmittags war ich extra im Schwimmbad gewesen, um mich körperlich ein bisschen auszupowern, damit ich nachts wenigstens schlafen konnte. Und abends war ich dann wieder damit beschäftigt, Karteikarten zu Ovalen zurecht zu schneiden, sie hin und her an meiner Wand zu verschieben, sie mit farbigen PostIts den fünf Akten zuzuordnen (so was ist doch eine sinnvolle Einteilung)...
Ich bin immer wieder aufgesprungen und durch die Wohnung gelaufen, weil es einfach nicht passte, meine Hände zitterten und die Muse mir ins Ohr flüsterte, dass ich es heute abend noch schaffen müsste. Bis um zwei, länger würde ich nicht brauchen. Aber meine Hände zitterten, mein Bauch flatterte, mir war abwechselnd heiß und kalt, ungefähr genauso schlimm wie vor einem ersten Date. Ich weiß, warum Leute dann besonders kreativ sind, wenn sie verliebt sind. Das Gefühl eines Kusses der Muse fühlt sich genauso an. Grauenvoll. Euphorisch. So intensiv wie nichts anderes, dass man glauben könnte, ein menschlicher Körper ist gar nicht dafür gemacht, so etwas auszuhalten. Aber es macht süchtig. Und der arme Kilian musste sich meinen ganzen inneren Monolog beim Charakterentwerfen im Chat antun, bis er schließlich ins Bett floh.
Zum Glück war mein Schatz auf Arbeit, ich hätte ihn total kirre gemacht - bzw. mich eingesperrt und keinen reingelassen, und das herumlaufen tat doch so gut. Ich habe Musik angemacht und ein bisschen getanzt, aber das bot keine Erfüllung. Schließlich habe ich mir Kirschpfannkuchen gemacht und dabei ganz zufällig herausgefunden, wie man Kirschmarmelade herstellt. Das Essen beruhigte ein bisschen, erdete mich wieder, und ich hätte ins Bett gehen können und friedlichen Schlaf finden... Da war es kurz vor elf. Aber ich fing doch noch an, weiter zu arbeiten...
Die Muse ist eine launische Geliebte, aber in dieser Nacht begriff ich zum ersten Mal, dass nicht nur die Schriftstellerin die Muse liebt, sondern auch umgekehrt. Früher, als ich nur sehr selten geschreibselt habe, habe ich Kerzen angezündet und Räucherstäbchen, damit die Muse sich bei mir willkommen fühlt. So, als wäre sie eine fremde, seltsame Göttin und ich privilegiert, weil sie mir Gesellschaft leistet.
Ja, sie ist wirklich eine Göttin, sie ist launisch, aber auch die Muse liebt die Künstler, die ihr Respekt erweisen. Letzte Nacht, ungelogen, da fühlte ich ihren warmen Atem an meinem Ohr, als sie mir Ideen einflüsterte, da fühlte ich ihre Hände über meinen verknäulten Bauch streicheln und neues Feuer darin entfachen, da spürte ich sie neben mir tanzen, als ich mit den Fingern die Muster des Plots in die Luft zu zeichnen versuchte und farbig glühendes Licht zurückblieb, dass sich in ihren Augen brach und spiegelte. Seltsame, fremde Wesenheit, diese Muse - körperlos und zur Einsamkeit verdammt, wenn niemand mit ihr schweben, tanzen, spielen und Liebe machen will.
Ja, ich habe sie zurückgeküsst, letzte Nacht. Gierig tat ich es, rücksichtslos und heiß entbrannt, und ich zerkratzte mit meinen ungeschnittenen Nägeln ihren Rücken, biss mit meinen Zähnen in ihren Hals und liebkoste ihre Ohren mit meinen Lippen. Meine Hände umfingen ihre Brüste und zwickten ihre Nippel, als sie sich spöttisch wand und mir zu entkommen versuchte, als meine Hand ihren Hintern packte und darauf niedersauste, als ich ihr ein Halsband anlegte, in ihren Augen ertrank und mich in ihren Küssen verlor. Ich liebte sie, sie liebte mich, und wer das für Metaphern hält, hat so etwas selber noch nie erlebt. Wieder und wieder brachten wir uns gegenseitig zur Extase, wieder und wieder kam sie in mir und ich in ihr, während meine Lippen zitterten und ich den Verstand zu verlieren glaubte und mir an die Stirn fasste, als ob ich Fieber hätte.
Dann, es war viertel vor zwei, war ich endlich erschöpft. Mein Körper sackte zusammen und konnte nicht mehr, auch wenn ihre vibrierende Gegenwart mich immer noch nervös zittern ließ. Ich brachte es nicht fertig, sie zu bitten, doch jetzt von mir zu gehen. Ich war verliebt, ich spürte ihre Einsamkeit, die daher kam, dass so viele Menschen eine Affäre mit ihr suchten, aber niemand wirklich bereit war, sie dauerhaft zu lieben, ihre Partnerin zu sein und von ihr zurück geliebt zu werden. Es war ein seltsamer Schmerz, den ich da in ihr spürte. Hegelchen riet mir, sie in den Arm zu nehmen und angekuschelt zu schlafen, nach einem extatischen Liebesspiel wäre das viel befriedigender als einfach aufzustehen und wegzugehen. Und so nahm ich sie in den Arm, streichelte ihr über den Kopf und küsste ihre Schläfe, als wir dann nebeneinander im Bett lagen. Zum ersten Mal seit langem fühlte ich mich beim Einschlafen wieder bedingungslos geborgen und in Sicherheit, während unsere Seelen träge und erschöpft ineinander flossen.
In dieser Nacht wachte ich mehrfach auf, und jedes Mal flüsterte sie mir neue Dinge ins Ohr, darüber, wie ich heute mit der Arbeit weiter machen könnte. Als ich schließlich wach wurde, zog sie mich wie ein kleines Mädchen in mein Arbeitszimmer, zeigte auf den Rechner und die Wand und hieß mich weitermachen. Und so schrieb ich am Rechner den Entwurf für dreieinhalb Szenen, bis ich jetzt vor Erschöpfung fast zusammenklappe. Ich verstehe, warum so viele Künstler eine Liebesbeziehungt mit ihr ablehnen und sich auf Affären und Minnegesang beschränken. Sie ist so anstrengend, meine geliebte Muse, so vereinnahmend - und weil sie körperlos ist, versteht sie nichts von der Erschöpfung, der Notwendigkeit zur Nahrungsaufnahme und der Pflege sozialer Kontakte und der Sehnsucht nach körperlichen Berührungen. Erst Recht nicht von der Pflicht zur Brotarbeit.
Aber gleichzeitig ist sie so wunderschön... Der Rausch ihres Kusses, des Liebesspieles, bei dem ich sie wieder und wieder kommen lasse, bis wir beide erschöpft zusammenbrechen...
Wie soll ich darauf je wieder verzichten?
Ich bin immer wieder aufgesprungen und durch die Wohnung gelaufen, weil es einfach nicht passte, meine Hände zitterten und die Muse mir ins Ohr flüsterte, dass ich es heute abend noch schaffen müsste. Bis um zwei, länger würde ich nicht brauchen. Aber meine Hände zitterten, mein Bauch flatterte, mir war abwechselnd heiß und kalt, ungefähr genauso schlimm wie vor einem ersten Date. Ich weiß, warum Leute dann besonders kreativ sind, wenn sie verliebt sind. Das Gefühl eines Kusses der Muse fühlt sich genauso an. Grauenvoll. Euphorisch. So intensiv wie nichts anderes, dass man glauben könnte, ein menschlicher Körper ist gar nicht dafür gemacht, so etwas auszuhalten. Aber es macht süchtig. Und der arme Kilian musste sich meinen ganzen inneren Monolog beim Charakterentwerfen im Chat antun, bis er schließlich ins Bett floh.
Zum Glück war mein Schatz auf Arbeit, ich hätte ihn total kirre gemacht - bzw. mich eingesperrt und keinen reingelassen, und das herumlaufen tat doch so gut. Ich habe Musik angemacht und ein bisschen getanzt, aber das bot keine Erfüllung. Schließlich habe ich mir Kirschpfannkuchen gemacht und dabei ganz zufällig herausgefunden, wie man Kirschmarmelade herstellt. Das Essen beruhigte ein bisschen, erdete mich wieder, und ich hätte ins Bett gehen können und friedlichen Schlaf finden... Da war es kurz vor elf. Aber ich fing doch noch an, weiter zu arbeiten...
Die Muse ist eine launische Geliebte, aber in dieser Nacht begriff ich zum ersten Mal, dass nicht nur die Schriftstellerin die Muse liebt, sondern auch umgekehrt. Früher, als ich nur sehr selten geschreibselt habe, habe ich Kerzen angezündet und Räucherstäbchen, damit die Muse sich bei mir willkommen fühlt. So, als wäre sie eine fremde, seltsame Göttin und ich privilegiert, weil sie mir Gesellschaft leistet.
Ja, sie ist wirklich eine Göttin, sie ist launisch, aber auch die Muse liebt die Künstler, die ihr Respekt erweisen. Letzte Nacht, ungelogen, da fühlte ich ihren warmen Atem an meinem Ohr, als sie mir Ideen einflüsterte, da fühlte ich ihre Hände über meinen verknäulten Bauch streicheln und neues Feuer darin entfachen, da spürte ich sie neben mir tanzen, als ich mit den Fingern die Muster des Plots in die Luft zu zeichnen versuchte und farbig glühendes Licht zurückblieb, dass sich in ihren Augen brach und spiegelte. Seltsame, fremde Wesenheit, diese Muse - körperlos und zur Einsamkeit verdammt, wenn niemand mit ihr schweben, tanzen, spielen und Liebe machen will.
Ja, ich habe sie zurückgeküsst, letzte Nacht. Gierig tat ich es, rücksichtslos und heiß entbrannt, und ich zerkratzte mit meinen ungeschnittenen Nägeln ihren Rücken, biss mit meinen Zähnen in ihren Hals und liebkoste ihre Ohren mit meinen Lippen. Meine Hände umfingen ihre Brüste und zwickten ihre Nippel, als sie sich spöttisch wand und mir zu entkommen versuchte, als meine Hand ihren Hintern packte und darauf niedersauste, als ich ihr ein Halsband anlegte, in ihren Augen ertrank und mich in ihren Küssen verlor. Ich liebte sie, sie liebte mich, und wer das für Metaphern hält, hat so etwas selber noch nie erlebt. Wieder und wieder brachten wir uns gegenseitig zur Extase, wieder und wieder kam sie in mir und ich in ihr, während meine Lippen zitterten und ich den Verstand zu verlieren glaubte und mir an die Stirn fasste, als ob ich Fieber hätte.
Dann, es war viertel vor zwei, war ich endlich erschöpft. Mein Körper sackte zusammen und konnte nicht mehr, auch wenn ihre vibrierende Gegenwart mich immer noch nervös zittern ließ. Ich brachte es nicht fertig, sie zu bitten, doch jetzt von mir zu gehen. Ich war verliebt, ich spürte ihre Einsamkeit, die daher kam, dass so viele Menschen eine Affäre mit ihr suchten, aber niemand wirklich bereit war, sie dauerhaft zu lieben, ihre Partnerin zu sein und von ihr zurück geliebt zu werden. Es war ein seltsamer Schmerz, den ich da in ihr spürte. Hegelchen riet mir, sie in den Arm zu nehmen und angekuschelt zu schlafen, nach einem extatischen Liebesspiel wäre das viel befriedigender als einfach aufzustehen und wegzugehen. Und so nahm ich sie in den Arm, streichelte ihr über den Kopf und küsste ihre Schläfe, als wir dann nebeneinander im Bett lagen. Zum ersten Mal seit langem fühlte ich mich beim Einschlafen wieder bedingungslos geborgen und in Sicherheit, während unsere Seelen träge und erschöpft ineinander flossen.
In dieser Nacht wachte ich mehrfach auf, und jedes Mal flüsterte sie mir neue Dinge ins Ohr, darüber, wie ich heute mit der Arbeit weiter machen könnte. Als ich schließlich wach wurde, zog sie mich wie ein kleines Mädchen in mein Arbeitszimmer, zeigte auf den Rechner und die Wand und hieß mich weitermachen. Und so schrieb ich am Rechner den Entwurf für dreieinhalb Szenen, bis ich jetzt vor Erschöpfung fast zusammenklappe. Ich verstehe, warum so viele Künstler eine Liebesbeziehungt mit ihr ablehnen und sich auf Affären und Minnegesang beschränken. Sie ist so anstrengend, meine geliebte Muse, so vereinnahmend - und weil sie körperlos ist, versteht sie nichts von der Erschöpfung, der Notwendigkeit zur Nahrungsaufnahme und der Pflege sozialer Kontakte und der Sehnsucht nach körperlichen Berührungen. Erst Recht nicht von der Pflicht zur Brotarbeit.
Aber gleichzeitig ist sie so wunderschön... Der Rausch ihres Kusses, des Liebesspieles, bei dem ich sie wieder und wieder kommen lasse, bis wir beide erschöpft zusammenbrechen...
Wie soll ich darauf je wieder verzichten?
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