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Alkoholiker in der Verwandschaft

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von little witch, 28 August 2007.

  1. little witch
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    Hallo ihr Lieben, es gibt keine direkte Frage, die ich stellen möchte, sondern viel mehr ein Rat, den ich suche, den mir vielleicht der ein oder andere im Bezug auf eigene Erfahrungen geben kann.

    Seit jetzt ca vier Monaten wissen wir (meine Familie und ich), dass mein Onkel (Bruder meines Vaters) seit mehreren Jahren alkoholabhängig ist.
    Dies blieb so lange unbemerkt, da sich mein Onkel und seine Frau vor jetzt lolcker zehn Jahren vollkommen vom Rest der Familie abgekapselt haben. Beide führen ein sehr "einfaches" Leben, sie haben beide das Abitur, das noch nicht mal schlecht, haben beide angefangen Jura zu studieren hatten dann allerdings keine Lust mehr und haben bereits nach drei oder vier Semestern abgebrochen, soweit ich weiß.
    Nun ja meine Tante hat dann wie gesagt vor ca vier Monaten bei meinem Dad angerufen und um Hilfe gebeten, jetzt auf einmal aber ok wenn jemand Hilfe braucht kriegt er sie. Wir haben uns dann mit meiner anderen Tante (Schwester meines Vaters) kurz geschlossen und haben meinen Onkel aufgesucht. Er war ziemlich runter gekommen, wenn ich das so sagen darf und er war mit seinen Nerven ziemlich am Ende, dazu muss ich sagen, dass er seit Jahren Medikamente nimmt, weil er große Probleme damit hat, sich in die Öffentlichkeit unter Menschen zu begeben, ich weiß leider nicht, wie es korrekt heißt.
    Lange Rede kurzer Sinn, er wollte in eine Entzugsstation auf halbem Wege (wir wohnen ca 60km auseinander, die Station liegt eben auf halbem Weg dazwischen). Es ging ihm sehr gut dort, aber wie sich erahnen lässt, hat er nichts von alledem eingesehen, er meinte es gäbe dort Menschen, die weitaus schlimmer dran wären als er :kopfschue nach einer Woche radikalem Entzug kam er in die Therapie, musste allein mit anderen einkaufen und auch einmal zu seiner Frau fahren. Nach drei Wochen, musste er gehen, die Therapie war zu Ende, er dachte er wäre geheilt, wollte nichts mehr von uns wissen und fuhr heim. Die erste Nacht hat er nicht ohne ausgehalten :geknickt: dann ging es weiter, wir alle habens uns die Finger wund telefoniert durch ganz Deutschland auf der Suche nach einem Platz, das finanzielle hätten wir mühsam aber irgendwie möglich übernommen, letztendlich hatten wir ne Klinik...einen Platz und sogar die Krankenkasse hätte es übernommen. Er wollte nicht, warum, weil seine Frau ihn immer weiter runter drückt "du schaffst es eh nicht" ( bei ihr wurde mittlerweile eine Co Abhängigkeit diagnostiziert) auf der anderen Seite will sie nicht, dass er so weit weg ist.... Sie sagt selbst, sie will ihn verlassen, er würde ihr gegenüber aggressiv werden, etc er würde sich um nichts mehr kümmern, er behauptet das Gegenteil, doch wem glauben?! Samstag dann hat er sich in den Zug gesetzt, er wollte wieder in den Entzug, wo er das letzte Mal war, nach drei Stunden Irrfahrt kam er dort an, mit 3,5 Promille im Blut :kopfschue

    Entschuldigt den langen Text, aber zum erklären war es irgendwie notwendig...viele sagen man sollte kein Mitleid haben, er wäre es selbst Schuld, ich habe auch kein Mitleid, aber ich weiß, dass er ein herzensguter Mensch ist und seine Frau ihm immer weiter unrecht tut...ich weiß, eigentlich kann man nichts tun, wenn er nicht will. Ich werde ihn trotzdem die Woche besuchen und versuchen mit ihm zu reden...vielleicht hilft es, wenn er begreift, dass jemand hinter ihm steht.

    Hat vielleicht jemand von euch Erfahrung mit Alkoholkranken? Hab ich irgendwas übersehen, was wir noch versuchen könnten, bin wirklich ratlos... :cry:
     
    #1
    little witch, 28 August 2007
  2. kleineskekschen
    Verbringt hier viel Zeit
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    in einer Beziehung
    hey :smile:

    das mit deinem Onkel tut mir sehr leid...es ist sehr schwierig in so einer Situation..ich kann dir leider nicht wirklich weiterhelfen, aber dir zumindest Trost spenden idem ich dir sage dass du nicht allein bist mit der Sorge, einen Menschen zu verlieren der (in welcher Weise auch immer ) von irgendeiner Droge abhängig ist.

    Mein Ex- Freund ist Alkoholiker. Wie soll ich sagen...ich fang am besten mal an wie sichs gehört, mit einer übersichtlichen Kurzfassung.

    Ich bin mit ihm im Sommer 2004 zusammen gekommen... im Jänner 2006 war Schluss...Resultat= ich hab ein Trauma davon getragen und er war mittlerweile im Knast und ist jetzt Alkoholiker.

    Im Grunde fing es an , wie bei vielen Mädls. Ich war 18 und lernte ihn im Stadtpark kennen..er hat mir auf Anhieb gefallen...er hatte was starkes und männliches an sich (er war noch nicht alkoholkrank). Damals war ich gerade in der Phase..lieber ein Macho und Idiot als lieber zuverlässiger Freund :tongue: Ich hab ihm auch gefallen und wir waren schnell ein Paar. Er war wenn mans arg ausdrückt ein Streuner...er war als Waisenkind aufgewachsen, hat sich immer irgendwie durchgeschlagen, und hatte teils kriminelle, teils normale Freunde. Er hat immer schon recht viel getrunken, was sehr bald ein Streitthema wurde..Anfangs war alles nur sehr in Grenzen...dann immer mehr...er wurde dann aggressiv wenn er trank...(näher gehe ich jetzt nicht drauf ein) das war auch der Trennungsgrund...(als ich mich endlich traute ihn zu verlassen)...dennoch hab ich gemerkt dass ich sein Halt im Leben war...denn seit der Trennung ging es rasant nach unten mit ihm. Ich hatte es in der Beziehung geschafft, ihn unter der Woche vom trinken abzuhalten (er war also WE-Säufer) ...seit schluss war trank er ständig (hörte ich zumindest--Kontakt war ganz weg)und noch schlimmer..3 wochen nach Beziehungsschluss wurde er wegen bewaffneten Raubüberfall mit 2Promille ins Gefängnis gesperrt (hörte es wieder nur..war auf Ski Urlaub) ..dann war er fast ein Jahr im Knast...hat also nichts mehr getrunken..

    Als er raus kam habe ich mich ein mal mit ihm getroffen, da er mich eindringlichst darum gebeten hatte. Ich tat es also...wir saßen in einem Cafe und er meinte ..es wäre ihm eine Lehre gewesen...er macht jetzt die Matura nach und den Führerschein hatte er bereits begonnen (er ist 22) ...ich dachte ..hut ab...sehr gut..weiter so..

    Danach wollte er sich noch öfter treffen aber ich verwies ihn da ich schon seit monaten einen neuen (liebevollen und zuverlässigen *wurde klüger*:tongue:) Freund hatte, der alles von meinem Ex wusste, da ich offen bin, und der natürlich dagegen war dass ich mich mit sojemanden treffe.

    Irgendwann hörte er auf mich anzurufen...selten seh ich ihn in der Stadt...hängt mit Punks rum...hat immer ein Sackerl Bier bei sich..mal hat er mich gegrüßt wo ich aus der Bank kam, seine Pupillen waren sichtlich geweitet (also Droge)

    manchmal überkommt mich das Gefühl , ich wäre schuld...aber ich weiss ich bin es nicht...ich bin so dermaßen glücklich jemanden gefunden zu haben der mich glücklich macht und mir nicht weh tut (in welcher hinsicht auch immer)

    Alkoholkranke oder Drogenkranke sind sehr arme Menschen. Sie packen ihr Leben nicht. Ich war zu schwach um ihm zu helfen (ganz allein) ich ging selber fast zu Grunde daran (am We hatte ich sogar angst wann er nach Hause kommt in seinem Suff, da er immer so wahnsinnig aggressiv war..ich konnte nicht schlafen, nicht essen...ich wusste ich muss raus)aber ihr seit eine Familie,...ihr könnt deinem Onkel helfen. Er braucht Ziele, Aspekte für sein weiteres Leben..er braucht Hoffnung....

    Ich wünsche euch alles erdenklich Gute.
     
    #2
    kleineskekschen, 28 August 2007
  3. gecko80
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    nicht angegeben
    Hi,
    ich denke Selbsterkenntnis ist Grundbedingung, damit Deinem Onkel geholfen werden kann. Und da müssen verschiedene Menschen unterschiedlich tief fallen, bevor es Klick macht.
    Derweil müsst Ihr Deiner Tante helfen, Ihre co-Abhängkeit aufzulösen. Sie muss Deinen Onkel verlassen. Ist er trocken, dann sollte Deine Tante zu Ihm halten. Bis dahin nicht.
    Es gibt Selbsthilfegruppen auch für Angehörige von Alkoholkranken (auch für Kinder / Jugendliche) in denen man lernt den Angehörigen nicht in seiner Sucht zu unterstützen (Isolation ggü. Anderen; Tolerieren d. Verhaltens; Auffangen der sozialen Probleme;...)

    Ich wünsche Euch und vor allem der angesprochenen Familie Mut und Kraft auf dem Weg.

    Grüsse. gecko
     
    #3
    gecko80, 28 August 2007
  4. little witch
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Verheiratet
    Ich danke euch für eure Antworten. Ich glaube, wenn man mit jemandem zusammen ist der abhängig war oder ist, kommen immer mal Schuldgefühle auff, auch wenn sie nicht berechtigt sind, oft meint man, man hätte nicht alles getan.

    Das Problem ist einfach, dass es bei den beiden über Jahre so daher gedümpelt ist und sie sich irgendwo fest gefahren haben, da hinzugehen und ihr zu sagen, du musst auch eine Therapie machen ist einfach gesagt und einfach getan aber ob sie es umsetzt ist eine andere Sache.
    Ebenso ist es bei ihm. Wir haben schon in alle Richtungen überlegt, ob ihm ein Ortswechsel gut tun würde, ein kleiner (wirklich kleiner) Job, sei es Gartenarbeit oder was in der Art (als er in der Therapie sowas machen musste ist er komplett aus sich heraus gegangen, war glücklich und hatte immer was zu tun) aber so hängt er daheim rum und die beiden ziehen sich gegenseitig immer weiter runter :kopfschue

    kleineskekschen...ich finde es beachtenswert und unglaublich tapfer von dir, dass du den Weg aus der Beziehung zu deinem Exfreund gesucht und gefunden hast. Dass es bei ihm so geendet ist, hat er selbst zu verantworten, niemand sonst. Die Hauptsache ist, dass es dir gut geht und du nicht größeren Schaden davon getragen hast, sowohl psychisch als auch physisch.
     
    #4
    little witch, 28 August 2007
  5. gecko80
    Verbringt hier viel Zeit
    3
    86
    0
    nicht angegeben
    Dein Posting hier geht mir nahe. Du provozierst immerhin meinen 3. Post hier. :zwinker:

    Ortswechsel kann helfen (ein wenig), Arbeit kann helfen (ein wenig), ...
    Doch die grösste Motivation, die Dein Onkel erhalten kann, ist m.E. die Gefahr dass seine Frau und Familie weg sind und er alleine mit der Sucht ist.

    Co-Abhängige unterstützen die Sucht Ihres Partners aus Liebe. Man tut das falsche aus den richtigen Motiven.

    Ich kenne einen Fall, in dem der Teufelskreis erst dann durchbrochen wurde als das Umfeld "ihn" hätte fallen lassen.

    Süchte sind stark, Liebe kann stärker sein.

    Alles Gute, gecko
     
    #5
    gecko80, 28 August 2007
  6. kleineskekschen
    Verbringt hier viel Zeit
    382
    103
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    in einer Beziehung
    vielen dank...es hat allerdings schon einige zeit gedauert, bis ich mich damals drüber getraut habe, diesen schritt zu gehn..mittlerweile liegt es schon fast 2 jahre zurück und ich bin dankbar dass ich bei meiner glücklichen Beziehung die ich heute führe, all das Vergangene gut und geregelt verarbeiten kann..

    ja ich glaube eine arbeit würde ihm sehr gut tun...natürlich muss alles langsam gehn, sonst ist er überfordert und springt gleich wieder vom boot ab...er muss langsam lernen sich in die normale gesellschaft wieder einzugliedern..vl findet ihr gemeinsam ein hobby für ihn? gibt es etwas was er gern machen würde? evtl modelleisenbahn bauen (mein opa ist begeisterter modellbahnbauer..ganzer keller ist voll *g*) oder hat ihn früher eine sportart begeistert??
    wichtig ist meiner Meinung, dass er von deiner Tante und von allen Menschen die ihn runter ziehen loskommt...er braucht aktive Power entgegengebracht...Motivation von jedem...dann besteht eine gute Chance für ihn von seiner Sucht loszukommen.

    LG Kleineskekschen :zwinker:
     
    #6
    kleineskekschen, 28 August 2007

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