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An alle, die in der DDR aufgewachsen sind

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von envy., 5 März 2009.

  1. envy.
    Meistens hier zu finden
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    nicht angegeben
    Hallo

    Weil ich meine nächste Abiturprüfung in Geschichte schreibe, beschäftige ich mich derzeit intensiv mit Deutschlands Vergangenheit.
    Dazu gehören ja auch der Aufbau und Fall der DDR, und zu diesem Thema habe ich eine allgemeine Frage, an alle die diese Zeit noch bewusst miterleben konnten.

    Wie habt ihr den Mauerfall empfunden und wie seid ihr damit umgegangen?
    Ich frage mich immer, wie es sein kann, dass ein Staat seine Bürger gefangen halten konnte, und ich finde den Mauerfall, und die Emotionen, die dieses Ereignis und die deutsche Wiedervereinigung in den Köpfen der Menschen ausgelöst hat, sehr faszinierend.

    Kann mir da jemand aus erster Hand Informationen geben, und seine Erfahrung zum Thema DDR und den Fall der Mauer bzw. Wiedervereinigung geben?

    Würde mich über geschichten freuen.
     
    #1
    envy., 5 März 2009
  2. FreeMind
    Gast
    0
    Ich habe recht viele Freunde (gehabt), die ihr Leben lang im Osten der Republik verbracht haben und die meisten haben das nicht als "Strafe" empfunden, sondern sich ganz normal damit arrangiert.

    Es ist ja nicht so das man sich irgendwie eingesperrt fühlte, sondern einfach so, dass man nicht in alle Länder reisen konnte. Das ist heutzutage ja auch nicht viel anderes, nur der Grund ist ein anderer. Früher war es nur mit großen Hürden erlaubt in westliche Länder einzureisen, heute scheitert es meist ein Geld oder Zeit. Überspitzt gesagt, die Karibik ist ebenso stark unereichbar wie vorher.

    Der Fall der Mauer wich nach der ersten Euphorie der Angst was nun finanziell und in der Arbeit werden sollte. In der DDR hatte jeder eine Arbeit und es war ihnen bewußt das diese Leistungen nicht mit dem Westen konkurieren konnte. Die Produkte der Arbeitsleistung waren veraltet und nicht marktfähig.

    Zudem wurde viele Neu-BRD'ler in den ersten Monaten von üblen Geschäftemachern abgezockt.

    Allerdings, ich habe mir die Erlebnisse z.b. in Leibzig von einem Augenzeugen erzählen lassen. Die Menschen sind aufgestanden und haben gegen den Staat demonstriert, obwohl niemand wußte ob sie dafür nicht mehrere Jahre in den Bau gehen - meine Hochachtung haben sie.
    Auf alten Demo-Fotos war "mein" Augenzeuge sogar in der ersten Reihe hinter einem Plakat zu erkennen.

    Heutzutage redet eigentlich jeder von Freiheit - aber was bedeutet die einem eigentlich. Die Leute haben nicht für ihre Freiheit gekämpft, sondern gegen Restriktionen die ihre Lebensbereiche einschränkten. Die westlichen Länder waren den meisten ziemlich egal.

    Ein gutes Zitat dazu (sinngemäß):
    "Freiheit, im Sinne von Glück bedeutet nicht das man alles tuen kann was man will, sondern das man will was man tut."

    Die Menschen hatte Arbeit, Geld, Wohnung und was am wichtigestens war Freunde und Familie. Jetzt nach der Wende haben viele diese Standpfeiler ihres Lebens verloren.

    Freiheit bedeute auch Verantwortung für sich übernehmen zu wollen und zu können, Menschen die 40 Jahre lang das nicht gewohnt waren, können nur schwer aus diesen Strukturen ausbrechen.
     
    #2
    FreeMind, 5 März 2009
  3. andy_lanos
    andy_lanos (39)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Zu DDR Zeiten waren wir schon Leistungsfähig nur haben wir vom Westen nie das Geld erhalten was eigentlich der Leistung entsprechen würde so. z.B 1Tonne Stahl hat uns der Westen für 8000 DM abgekauft und für 16000 weiterverkauft ob die zahlen zu 100% stimmen das kann ich nicht genau sage, Aber wir haben an den Westen damals alles für ein Apple und ein EI verkauft und er hat es mit Gewinn weiter verkauft. Und in DDR wurde viel für die Kinder getan die vielen AG's waren sehr schön und die Kinder mussten nicht auf der Straße rumhängen wie es jetzt der Fall ist.
     
    #3
    andy_lanos, 5 März 2009
  4. Fuchs
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    Zum Zeitpunkt der Wende war ich noch 6 - da habe ich nicht so viel davon mitbekommen. Ich wußte nur, dass es meine Eltern wie irre gefreut hat. Sie kamen irgendwann rein und meinten sowas wie: "Jetzt sind wir auch der Westen".

    Ich hab das alles nicht kapiert. :tongue:
     
    #4
    Fuchs, 5 März 2009
  5. 4more_boy86
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Und gleichzeitig wurde ihnen schon mal der ganze offizielle Blödsinn von wegen Klassenfeind und böser Kapitalismus indoktriniert...
     
    #5
    4more_boy86, 6 März 2009
  6. -itz-
    -itz- (26)
    Benutzer gesperrt
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    nicht angegeben
    Erzähle uns doch vom Gegenteil.
     
    #6
    -itz-, 6 März 2009
  7. ülpentülp
    0
    @FreeMind

    zunächst einmal: ohne dir zu nahe treten zu wollen: sachen vom hören-sagen helfen da wohl nicht weiter. von wegen alles war doch gut... *tz*
    aber ich greife gern deine darstellung auf ...

    @topic

    natürlich fühlte man sich in der ddr eingesperrt. westreisen waren quasi für den nurmalsterblichen unmöglich (bei den rentnern hoffte man dann nach 72 immer, sie würden nicht zurückkommen) und selbst reisen in die "bruderländer" waren visapflichtig. ausahme: polen und die damalige cssr.
    ein visa für die anderen staaten wie ungarn oder bulgarien z.b. zu erhalten war durchaus nicht selbstverständlich und quasi ein lotto; visa konnten ohne angaben von gründen verweigert werden. von den beschränkungen der "reisemittel" (genehmigter satz an landesüblicher währung des ziellandes) einmal abgesehen.
    ich hatte zb. bis 1985 einen personalausweis, der mir nicht einmal die ausreise in die damals noch visafreie cssr gestattet hätte (PM12) - und jeder dumme polizist hätte bei einer kontrolle sofort gewusst: das ist mein feind!
    wirtschaftlich gesehen war die ddr 1989 gesamtheitlich ganz sicher am ende .. bzw. schon davor. einzelne zweige der industrie aber waren durchaus wettbewerbsfähig und wurden dann nach der wende einerseits gezielt , andererseits durch dummheit und die "abwicklungs"-verantwortlichen platt gemacht.
    die folgen davon wirken bis heute nach.

    ich meinerseits meine, das anfang vom ende der ddr begann schon 1979 mit der aufhebung des visafreien reiseverkehrs nach polen (solidarnosc). ich war kurz zuvor noch in polen ... und dort war gut was unterwegs.

    die ersten offenen demonstrationen gab es bereits 1983 in leipzig anlässlich der dokumentar- und kurzfilmwoche vor dem kino "capitol". zu dieser zeit gab es schon länger die friedensgebete in der nicolaikirche, von der aus ja dann 1989 die grossen demos ausgingen. letztlich war es ein wachsen des offen geäusserten unmutes über jahre hinweg.
    und wenn man sich erinnern mag: die ersten rufe galten nicht der d-mark oder der wiedervereinigung ... sondern der reisefreiheit und der demokratie, die es in der deutschen "demokratischen" republik nun einmal nicht gab.
    ein "sozialismus mit menschlichem antlitz" wurde gefordert.

    die wendezeit selbst (ca. sieben wochen) waren aufregend (gerade in leipzig) und erschreckend zugleich. ich habe zu dieser zeit in einem altenheim gearbeitet, das an einer (jetzt) bundesstrasse lag. am 09.10.89 sahen wir von dort einsatzkräfte der bereitschaftspolizei nach leipzig einrücken in einer ausstattung, die unser vorstellungsvermögen übertraf: vollvergitterte lkw´s ! sowas hatte es in der ddr nicht zu geben! wozu denn auch?
    ich weiss noch genau - leipzig hielt an diesen montagen den atem an. die strassenbeleuchtung war grossteils ausgeschaltet, kerzen in fast allen fenstern. .. peking war noch nicht lange her..
    zu dem einsatz der bereitschaftspolizei wäre noch zu sagen: der leipziger cheffe der truppe hat sich geweigert gegen die eigene bevölkerung vorzugehen. er wurde kurzerhand mit seinen leuten nach dresden geschickt - die räumung leipzigs sollte durch die bepo halle geschehen.

    den mauerfall an sich hab ich erst am nächsten tag erfahren - auf arbeit. wirkich überrascht war ich aber nicht; es war eine logische folge der vorangegangenen zeit.
    bewegt hat mich dann aber allerdings die öffnung des brandenburger tores in berlin im dezember. (ich war berlin-fan und hatte dort auch eine whg und viele freunde).
    das war für mich der mauerfall. oder dessen entgültigkeit.
     
    #7
    ülpentülp, 6 März 2009
  8. FreeMind
    Gast
    0

    Keine Sorge tuest du nicht :smile:. Natürlich ist dabei sein besser als es "nur" erzählt zu bekommen. Bei dem ersteren hatte ich keine Gelegenheit zu, aber ich habe bei den Erzählungen gut aufgepasst.
    Und da es direkte Erlebnis-/Augenzeugen waren, denke ich schon das ich so nah wie mir möglich an der Sache dran war.

    Ich wollte auch nicht behaupten das "alles gut war", ich wollte eigentlich mehr darstellen das die Bürger der DDR nicht "kleine Duckmäuser" waren die sich eingesperrt nicht getraut haben ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen - den genau das haben sie getan. Das Regime wurde durch das Volk gestürzt und das Land erneuert, wenn das nicht "wahre" Demokratie ist.


    Es ist richtig, wer reisen wollte und das Geld dazu besass fühlte sich vermutlich eingesperrt. Jetzt können die meisten Leute zwar reisen, aber das Geld ist immernoch nicht vorhanden. Verstehst du was ich sagen wollte?

    Übrigens danke für deinen guten und ausführlichen Beitrag.
     
    #8
    FreeMind, 6 März 2009
  9. Schweinebacke
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Jo, und Adolf hat uns auch die Autobahnen gebaut, war schon alles ganz schnafte früher :ratlos:
     
    #9
    Schweinebacke, 6 März 2009
  10. Guzi
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Der Vergleich hinkt aber. :zwinker: Bzw. ich finde ihn nicht ganz so passend. Ich weiß, dass es für meine Mutter einfach toll war, dass sie wusste "Nach einigen Monaten werd ich einen Platz in der Kinderkrippe für meine Kleine haben und danach im Kindergarten." Sie wusste von vornherein, dass die Betreuung kein Problem sein würde. Und da es staatlich gefördert war, war die Unterbringung auch nicht sehr teuer. Aber das war ja insgesamt das Problem der DDR: Vieles wurde staatlich gefördert (was für die Bevölkerung Vorteile hatte, sicher), aber das Geld dafür gab es nicht.
    Ich weiß, dass meine Eltern mir gesagt haben, dass sie jetzt nicht wie einige total erfreut etc durch die Straßen gelaufen sind, weil die Mauer gefallen ist. Sie waren sich eher unsicher: Wie würde es weiter gehen? Was war mit ihren Arbeitsplätzen? Ihnen war von Beginn an eigentlich klar, dass die DDR nicht mehr lange existieren würde. Und sie meinten auch, dass es ja toll ist, dass man jetzt überall hinreisen könnte ... nur wenn sie keine Arbeit mehr hätte, hätten sie auch kein Geld -> ergo keine Reisen. Sie sind beide Lehrer und wenn sie Pech gehabt hätte, hätte es sein können, dass sie als "parteinah" eingestuft wurden und somit nicht mehr arbeiten sollten. Glück gehabt, war nicht so. Aber trotz allem war es damals einfach zu unsicher.
    Es gab übrigens einen positiven Aspekt für meine Eltern: Mein Vater wurde nicht mehr eingezogen. :smile: Er hätte sonst gehen müssen, aber dann kam der Mauerfall. Und für die BRD war er ja viiiieeel zu alt (25). :cool1:
     
    #10
    Guzi, 6 März 2009
  11. Thomaxx
    Gast
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    obwohl erst knapp 10 Jahre alt, kann ich mich relativ gut an den 9.11.1989 erinnern.

    Meine Oma hatte an diesem Tag Geburtstag und meine Eltern und ich waren am Abend noch hingefahren zum gratulieren.

    Die Lage in der DDR wurde dann auch kontrovers diskutiert, insbesondere, da gerade einige Familienangehörige bei der Armee waren und man sich um sie sorgte.


    Wir fuhren dann irgendwann nach Hause und hatten noch gar nichts mitbekommen, da der Fernseher bei meiner Oma nicht lief.
    Unterwegs wurden wir aber immerzu angehupt von anderen Autofahrern und mein Vater meinte noch so ungefähr: "Da ist irgendwas im Busch."

    Wir kamen dann im kleinen Heimatstädtchen an, in unserer Straße, wo wir von unseren Nachbarn schon sehr euphorisch begrüßt wurden und auch wir erfuhren endlich von der Öffnung der Mauer.

    Ich weiß noch, mein Vater hatte mit den Tränen zu kämpfen. Fing sich aber schnell wieder um mich in's Bett zu schicken, denn "morgen ist Schule" (der 9.11.89 war glaub ich ein Donnerstag)
    Da meine Eltern aber nicht da waren, sondern bei den Nachbarn und des Krachs wegen ich sowieso nicht schlafen konnte, schaute ich noch Fernsehen und begriff ziemlich schnell, da passiert etwas, das wohl in die Geschichte eingehen wird.

    An meine Gefühle kann ich mich nicht so gut erinnern, war aber wohl ein Mix aus Neugier und Spannung.

    Am 10.11., in der Schule, waren wir zu viert in der Klasse und, wenn ich mich recht erinnere, hat es noch drei bis vier Wochen gedauert, bis wir wieder bei kompletter Klassenstärke Unterricht hatten.

    In dieser Zeit war das Hauptthema unter Freunden wer alles in den "Westen" abgehauen ist. Während die 4a und 4c immer mehr "ausbluteten" und viele Gesichter für immer verschwanden, blieb meine Klasse, die 4b, aber ohne einen "Ausfall" erhalten.

    Diese Abwanderung nahm sogar teilweise so groteske Ausmaße an, dass in manchen Klassen in der Schule, von ehemals knapp 30 Schülern nur noch acht saßen und wir beim Fußball nicht mehr antreten konnten, gingen uns doch die Spieler aus.


    An die DDR an sich, habe ich gute und schlechte Erinnerungen.

    Als negativstes Beispiel fällt mir eine Geschichte ein, die verdeutlicht, wie pervers dieses System war und wohl die Zustände dort sehr gut beschreibt.

    Ich bin ja in Halberstadt geboren, was man damals als "grenznah" bezeichnete, war der Westen ja praktisch in Sichtweite.

    Ich spielte Fußball und im Sommer 1988 begann eine neue Saison. Unser erstes Spiel führte uns auswärts zu einem Aufsteiger. Dieser kam aus dem "direkten Grenzgebiet" und die Vorbereitung des Staates waren an Wahnsinn kaum zu überbieten.

    Wir bekamen bei der Abreise zum Spiel solche komischen Pässe dass wir das Grenzgebiet betreten dürfen, in unserem Mannschaftsbus saß ein Volkspolizist bei, unsere Eltern durften uns nicht begleiten.
    Wir mussten uns unter Aufsicht des Volkspolizisten aufwärmen, durften während der Halbzeit das Spielfeld nicht verlassen und nach dem Spiel mussten wir ungeduscht zurück in den Bus und wurden direkt nach Hause kutschiert....

    Wir waren acht (!!!!) Jahre alt!!!


    Positiv in Erinnerung ist mir die Kindheit an sich geblieben. Wir hatten ja nix und haben das Beste daraus gemacht :grin:

    Dazu fällt mir noch ein:
    Als die ersten "Westdeutschen" zu uns kamen hielt mal einer neben mir und frug nach dem Weg, als Belohnung für meine Auskunft bekam ich ein "Duplo" geschenkt.
    Meine Fresse, hatte ich mich über das "Duplo" gefreut :grin:
     
    #11
    Thomaxx, 6 März 2009
  12. User 39864
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    #12
    Zuletzt bearbeitet: 18 Mai 2014
    User 39864, 6 März 2009
  13. Schweinebacke
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Ich woltle damit nur andeuten, das er einen reichlichen spastischen Comment gemacht hat, das mit den Stahlpreisen ist so auch einfach glatt falsch.

    Wer anfängt irgendwelche guten Punkte an der DDR herauszustellen ist nicht weit entfernt von Eva Hermanns Naziskandal vor einiger Zeit. Klar gabs einiges was ganz ok war in der Zone, aber letztlich wars halt eine Diktatur und es wurden Leute einsperrt, zusammengeprügelt und erschossen, nur weil sie was gegen das System hatten.
     
    #13
    Schweinebacke, 6 März 2009
  14. User 39864
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    #14
    Zuletzt bearbeitet: 18 Mai 2014
    User 39864, 6 März 2009
  15. Chococat
    Chococat (30)
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    vergeben und glücklich
    1. Erinnerung: Ich habe zwei ältere Geschwister, die mich immer mit in die Schule genommen haben zu ihren Gruppennachmittagen. Das war schon schön, es gab eigentlich keine Außenseiter, alles war so organisiert, dass jeder im Grunde gleich war. Die Kinder und Jugendlichen wurden einfach beschäftigt, man hat zusammen gesungen, gebastelt oder Sport gemacht. Natürlich hatte das (auch) politische Gründe, aber das nimmt man als Kind ja nicht so wahr und du fragtest ja nach ganz persönlichen Erinnerungen. Jedenfalls habe ich mich immer total darauf gefreut endlich Jungpionier zu werden, aber leider habe ich es nicht mehr erlebt. Man hatte, gerade als kleines Kind, total Respekt vor den "Großen" und wollte auch endlich ein Halstuch tragen, bei den ganzen Veranstaltungen und Umzügen mitmachen.

    2. Erinnerung: Auch erinnere ich mich an den Intershop, in dem es Westprodukte gab. Da stand eine Virtine drin, in der eine Barbie war!!!! Natürlich war die viel zu teuer und nur mit Westgeld zu kaufen, das hatten wir leider nicht. Aber ich stand sehr oft davor und habe davon geträumt mal eine Barbie zu besitzen. Im Intershop hat es auch immer ganz toll gerochen.

    3. Erinnerung: Meine Mam arbeitete damals als Verkäuferin in einem Elektroladen, es gab dort sämtliche Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. Das war unser Glück, denn sie hatte damit eine sehr wichtige Position im ganzen System. Man muss wissen: Farbfernseher gab es schon, nur eben ganz ganz wenige. Die wurden meistens unter dem Ladentisch gehandelt, da wurde schonmal einer zurück getan für einen Kunden, der im Gegenzug eine andere sehr begehrte Ware hatte, zum Beispiel Autoersatzteile, auf die man sonst monatelang warten musste. Meine Großeltern hatten einen Bauernhof und haben immer selbstgemachte Wurst und Kuchen getauscht gegen West-Süßigkeiten und Eis für uns Kinder!!! So war das eben, die Mangelwirtschaft ließ nichts anderes zu. Es war also immer gut, jemanden zu kennen, der jemanden kannte, der jemanden ....

    4. Erinnerung: Wenn man mal krank war, ging man nicht "zum Arzt", sondern in eine Polyklinik. Dort waren alle erdenklichen Ärzte unter einem Dach. Man ging also erst zum Kinderarzt rein, der schickte einen dann ggf. ein Zimmer weiter zum Hals-Nasen-Ohrenarzt, der entdeckte vielleicht nen kranken Zahn und man ging gleich noch gegenüber zum Zahnarzt, usw. Man kam immer dran und es war auch immer jemand da, nichts mit Wartezeiten beim Facharzt. (Das ist ja das System, was Politiker heute plötzlich wieder loben und erstrebenswert finden) Genauso war es auch mit Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Ich war eigentlich regelmäßig beim Arzt, wurde voll geimpft und habe jede U-Vorsorgeuntersuchung absolviert. Das war absolut selbstverständlich. (Ist ja auch gerade Thema in den Medien, die starke Masernverbreitung im Westen und keinen einzigen Fall im Osten, weil hier 98% geimpft sind) Bei uns war das eben so, da gabs kein Gemecker.

    5. Erinnerung: Westbekanntschaft. Meine Großeltern hatten Bekannte im Westen, ich hab schon als Kleinkind mitbekommen, dass das was ganz ganz Tolles ist. Die hatten ein Auto mit Holzverkleidung drinnen (wirklich, die sehe ich noch vor mir!!), was sehr schnell fahren konnte. Sie haben mir auch immer Spielzeug mitgebracht, Puppen und Stofftiere, auch Bücher. Es war also immer eine riesige Freude, wenn sie da waren. Und: (witzig) Ich habe sie nicht verstanden. Sie kamen aus Hessen und wir hatten natürlich extrem wenig Kontakt mit hessischem oder generall westdeutschem Dialekt, ich hab nie verstanden, was die von mir wollten (und hab bis heute ne Abneigung dagegen).

    6. Erinnerung: Kinderfernsehen. Ich kriege heute noch Pippi in den Augen, wenn ich Pittiplatsch, das Spielhaus oder Meister Nadelöhr sehe. Ich habe die Wende dafür gehasst, dass sie mir diese Figuren zumindest teilweise genommen hat.

    Die Wende: Daran kann ich mich kaum erinnern. Nur an unseren ersten Westbesuch. Da war ich total erstaunt über einen Spielplatz aus Holz!! Bei uns gab es nur Metallgerüste. Außerdem habe ich mir an den Schaufenstern der Läden die Nase platt gedrückt, weil alles so geglitzert hat.
     
    #15
    Chococat, 6 März 2009
  16. Schweinebacke
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    Warum?
    Klar wars ganz schnafte für diejenigen in der DDR, die sich dem System angepasst haben, aber daran kann man ja wohl kaum das System bewerten.
     
    #16
    Schweinebacke, 6 März 2009
  17. GreenEyedSoul
    0
    Na klar wurde viel für die Kinder getan. Wer sich kleine Sozialisten erziehen will, tut eben auch was dafür.


    Achja, und was ist daran falsch?
     
    #17
    GreenEyedSoul, 6 März 2009
  18. User 12216
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    klaro war in der der ddr vielles sehr schlecht und auch wirklich schlimm,aber beileibe nicht alles!

    chococat hat da ja einiges schon aufgezählt.vieles in der bildung,kindererziehung und im gesundheitswesen wäre auch heutzutage nochmal n blick wert und nachvollziebar.

    und ich bin immer noch der meinung das der sozialismus/kommunismus an sich ein gute idee war der leider nur an den noch nicht vorhandenen meschen scheiterte.

    wohin der ach so tolle kapitalismus führt sieht man ja.verarmung eines großteils der menscheit zugunsten einer immer kleiner werdenden elite.

    die wendezeit war damals schon sehr verwirrend für einen.das etwas passieren würde war schon länger klar,aber das es dann so schnell und soviel war.war schon überraschend.
     
    #18
    User 12216, 6 März 2009
  19. User 39864
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    #19
    Zuletzt bearbeitet: 18 Mai 2014
    User 39864, 6 März 2009
  20. Schweinebacke
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    Verstehe ich ehrlich gesagt in keinster Weise, was du mir da sagen willst. :ratlos:

    Klasse System, erfinden wir halt neue Menschen dafür! (Wie kann es eine gute Idee sein, wenn es nicht funktioniert? bzw. für wen soll es dann ein gutes System sein).
     
    #20
    Schweinebacke, 6 März 2009

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