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An Dich, Liebe!

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Der Poet, 22 November 2007.

  1. Der Poet
    Der Poet (32)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Ich sitze nun wieder hier am Schreibtisch und lasse mich von meiner Intuition, meinen tiefsten Gefühlen und dieser unsichtbaren Macht leiten, die mich in die Lage versetzt, einen nur einen Herzschlag dauernden Moment für immer auf Papier verweilen zu lassen.

    So sehr ich auch versuche mich auf andere Dinge zu konzentrieren, umso mehr klopft etwas an der Pforte zu meinen Gedanken. Manchmal ignoriere ich es, schaue aber wenig später dennoch aus dem Fenster um zu sehen, wer es gewesen ist. Ab und zu sehe ich Vergangenes, das mir einen Besuch abstatten möchte, um mich daran zu erinnern, dass Mutter Vergangenheit mich nicht vergessen hat; selbst heute nicht; heute in der Gegenwart. Manchmal sehe ich noch nicht Geschehenes, das sich mir als Dein zu erahnendes Geschenk an mich offenbart. Und ein anderes Mal wiederum erhasche ich den Saum eines samtigen Mantels, der letztendlich um der nächsten Ecke verschwindet. So stehe ich ein weiteres Mal am Fenster und frage mich, wer es gewesen sein könnte.

    Aber anstatt traurig darüber zu sein, freue ich mich. Wahrscheinlich, weil ich weiß, dass dieses Wesen etwas Reines und Gutmütiges an sich hat. Etwas, das nicht nachtragend ist und mich nicht dafür verurteil, dass ich so oft in meinem Leben zweifel und verzweifel. Und hin und wieder rieche ich den Duft seines Parfums. Bis heute habe ich den Eindruck, dass er mich irgendwann schon einmal um eine Ewigkeit reicher gemacht hat.

    Jedoch kommt es auch mal vor, dass ich weine. Sehend und wissend, dass all meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen werden, bringt mich etwas Unheilvolles um den Verstand. Dieses Unheilvolle enthüllt Erinnerungen an ein Mädchen, das ich liebe, aber zugleich auch nicht lieben darf. Tausende Melodien schwirren wie Fliederblüten durch die Luft, wenn ich auch nur an sie denke. So, als ob ich der einzige bin, der sie hören kann. Vor meinem geistigen Auge schreite ich durch eine von Farbenvielfalt geprägte, sinnlich anmutende und mich mit einem lauen Wind umspielende zarte Allee. Wohl wissend, dass am Ende die Dunkelheit wieder auf mich wartet. Einzig und allein dieses Mädchen brachte mit immer wieder Licht in mein Leben.

    Dieses Mädchen ist voll von Wunderbarem. Das Schöne dabei ist, dass sie eben dieses nicht in sich zu sehen vermag, auch wenn sie manchmal eine Ahnung davon hat. Sie sieht Menschen, und deren tiefste Emotionen. Aber sie weiß sie nicht einzuordnen. Ebenso, wie sie es mit ihren nicht kann. Sie glaubt sich oft alleine gelassen, meint des Öfteren, dass sie mit ihren Entscheidungen alleine gelassen wird. Sie möchte aber jemanden haben, der sie auffängt, wenn sie fällt. Sie will nicht im Glauben leben, dass andere ihre Entscheidungen akzeptieren. Sondern sie möchte auch das Gefühl dafür haben, dass diejenigen es auch wirklich tun, und hinter ihr stehen. Und genau das vermisst sie. Ab und zu kann es auch vorkommen, dass sie flüchten möchte. Vielleicht an einen anderen Ort, vielleicht in eine andere Welt. Abgeschieden von der beängstigenden Situation, irgendwann einmal eine Entscheidung zu treffen, die andere verletzen könnte. Und sie wünscht sich dann einen ruhigen Ort herbei. Sie schließt die Augen und geht ihr vertraute Wege. Einmal sagte sie, die Wälder gäben ihr dieses Gefühl von Ruhe und innerer Zufriedenheit. Dort, wo die Ruhe eingekehrt ist, wird sie in reinster Form träumen. Wissen, was sie möchte; wissen, wem sie vertrauen kann; wissen, wer hinter ihr steht; wissen, wer sie liebt. Gleichzeitig macht es mich auch glücklicher, dass sie diese Eindrücke erfährt.

    Kannst Du mir sagen, Liebe, ob es ein all umfassendes Gefühl von Dir gibt? Vielleicht nur ein Funken von Dir, den ich inmitten der Bedrohung durch Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit an meiner Seite weiß? Ich habe ihn nötiger denn je; die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit ist bald überschritten. Und je mehr ich darüber nachdenke, dass mich eine Armee und ihre Waffen aus Verzweiflung und Angst hier und jetzt bedrohen, umso mehr erfahre ich Angst in mir selbst.

    Ich habe Angst ihr zu sagen, dass jeder Gedanke an sie wie ein ohnmächtiger Traum ist. Ich habe Angst ihr zu sagen, dass sie mich nicht glücklich macht; dass sie mich nicht für immer glücklich macht. Ich habe Angst, dass alles, was ich ihr an Gefühlen entgegengebracht habe, nur eine Einbildung gewesen ist; ich habe Angst darüber nachzudenken. Ich habe Angst vor dem, was morgen sein wird; weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Ich habe Angst davor, auch nur einen Tag nicht an Dich zu denken. Ich habe Angst, dass Du, Liebe, an mir vorbeigehen wirst; ohne ein Wort.

    Manchmal gehe ich durch die Stadt. Komme an Cafés und Bars vorbei. Ich sehe Menschen; Menschen die verliebt sind. Menschen, die sich an den Händen halten. Ich habe keine Erfahrung, hatte auch noch nie eine Freundin oder gar mehr. Und trotzdem ist etwas in mir drin, das dieses Gefühl irgendwo her kennt. Ist es richtig, dass ich mich in dem geliebten Menschen wiedererkenne? Was ist das für ein Gefühl, die Hand des Anderen zu halten? Was empfindet man dabei? Was ist das für ein Gefühl diesen Menschen zu küssen; ihn - ohne Angst davor haben zu müssen, dass er danach weg ist – zu küssen? Was ist das für ein Gefühl, ihn heute zu küssen, und morgen küsst er Dich auf dieselbe bedingungslose, liebende Art und Weise? Wie fühlt es sich an, wenn man weiß, dass dieser Mensch auch morgen wieder zurückkommen wird? Weil er einen liebt. Wie muss ich mir dieses Gefühl vorstellen, auch nur erträumen zu dürfen, dass es so einen Menschen für mich gibt? Wie wunderschön muss es sein, wenn die eigene Liebe erwidert wird?

    Wohin meine Reise führen wird, Liebe, kann ich Dir nicht sagen. Ich werde auch bald wieder gehen. Schreiben kann ich Dir nicht. Ich habe keine Adresse von Dir. Tränen übermannen mich. Wehren kann ich mich nicht mehr dagegen. Es soll anscheinend so sein.

    Ich sitze also hier und schreibe im Begriff seiend zu gehen. Mein Koffer steht wieder offen; er liegt auf dem Bett, und wartet darauf mit Kleidern, Erinnerungen, Gedanken, Träumen, Sehnsüchten und einem Hauch von Dir gepackt zu werden.

    So werde ich ein weiteres Mal traurig sein; meinen Blick ein weiteres letztes Mal durch das Zimmer schweifen lassen. Auf den Boden, auf das Bett; auf die kleine Lampe, die mir etwas Licht und Trost spendete, wenn ich Angst hatte. Zuletzt werde ich vielleicht dafür beten, dass der nächste Gast dieses Zimmer wohltuend erfährt. Dass er ebenso wie ich aus dem Fenster schaut und Fragen stellt.

    Ein letztes Mal schaue ich durch dieses Fenster. Das Leben ist eingekehrt. Niemand wird sich an mich erinnern. Niemand wird wissen, wie sehr ich liebe. Niemand wird wissen, dass unter meiner Oberfläche ein tiefsinniger Mensch steckt, dessen Begrifflichkeit von Zeit und Raum auf einen unbedeutenden Punkt zuläuft. Ich sehe das Heute und Morgen, und es macht mir Angst; Angst davor, dass die Welt an mir vorbeigeht.

    Deshalb gehe ich nun los; weiß nicht, wohin ich gehen soll; ich spüre Wind auf meiner Haut; es ist noch nicht ganz hell; es dauert noch lange; kein Mensch zu sehen; niemand nimmt von meiner Abreise Notiz. Aus einem Fenster blickend hinter Vorhängen und Gardinen erkenne ich eine Gestalt; sie winkt mir zu; ich gehe weiter; drehe mich ein weiteres Mal um; sie ist weg.

    Ich glaube, meine Reise wird noch sehr lange dauern. Hoffnungslos und verzweifelt. Ohne das Gefühl zu atmen.

    Und manchmal glaube ich, Du, Liebe, hast Dich nur verkleidet.
     
    #1
    Der Poet, 22 November 2007
  2. User 77157
    User 77157 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    2.512
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    6
    vergeben und glücklich
    sehr schön geschrieben:smile: .

    viel glück auf deiner reise:smile:
     
    #2
    User 77157, 22 November 2007

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