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Angst im Alltag

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Silverbell, 1 August 2008.

  1. Silverbell
    Silverbell (34)
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    vergeben und glücklich
    Jaja, das Selbstbewußtsein. Das ist ja eben das große Problem. Ich denke vieles würde sich von selbst lösen, wenn ich irgendwie lernen könnte, mir mehr Selbstbewußtsein beizubringen. Diese innere "scheißegal-Einstellung" hätte ich unheimlich gern. Also jetzt nicht in rücksichtslosem Sinne, aber einfach zwischendurch mal denken: "ist mir jetzt egal, was die anderen denken, ich mache das jetzt so und so". Wenn ich den Schalter gefunden hab, wo man das umstellt, dann sag ich Bescheid :smile:

    Mein Freund meint, daß ich immer recht böse gucke, wenn ich unsicher bin. Das glaube ich ihm sofort. Und das würde auch so einige Reaktionen erklären. Es heißt ja, daß man oft arrogant wirkt, wenn man unsicher ist. Das "Flirtlächelproblem" spielt sich ja auch nur in meinem Kopf ab. Ich selbst denke, daß ich jemanden dadurch anflirte, obwohl es wahrscheinlich überhaupt nicht so ist. Aber ich freu mich, dich zum Lachen gebracht zu haben :smile:

    Im Bezug auf Männer hab ich wahrscheinlich sowieso nen Schaden :smile: Auf der einen Seite wünsche ich mir, als attraktiv wahrgenommen zu werden und ein bißchen Bestätigung fürs Selbstbewußtsein zu kriegen. Denn ich war nie diejenige, nach der ein Mann sich umgedreht hat. Meine Freundinnen mit denen ich weg war, waren meist interessanter. Insofern wünsche ich mir auch mal zu spüren zu bekommen, daß mich jemand interessant findet. Es gab bestimmt schon solche Situationen, aber die habe ich unter Garantie nicht erkannt oder falsch interpretiert. Und umgekehrt habe ich bestimmt auch oft in ein harmloses, nettes Lächeln mehr hineininterpretiert. Da fehlt mir zum Beispiel auch jede Menge Menschenkenntnis. Auf der anderen Seite kann ich mit Aufmerksamkeit aber auch überhaupt nicht umgehen. Wenn mich jemand anschaut, denke ich direkt der schaut mich nicht wohlwollend an, sondern wegen irgendeinem Makel. Und dann möchte ich lieber unsichtbar sein.
    Klar könnte man jetzt sagen: du hast doch einen Freund, der sollte dir diese Aufmerksamkeit geben. Ja, wäre schön. Allerdings zeigt er es mir viel zu wenig. Er beteuert zwar immer wieder daß er mich liebt und hübsch findet, aber ich möchte sowas auch spüren. Durch kleine Gesten, Umarmungen im richtigen Moment, Komplimente, Blicke... Vielleicht bin ich deshalb so darauf aus, mir von anderen Bestätigung zu holen. Ich will ja auch nicht mehr als einfach das Gefühl zu haben attraktiv zu sein.

    Hm, irgendwie schweife ich ab.

    Das mit der Kontrolle ist schon wahr. Oft kontrolliert man sich selbst viel zu viel. Dabei wäre es viel einfacher und auch besser, wenn man seine Reaktionen zuläßt und offen ist. Nur so kann der andere ja merken, ob er eine Grenze überschritten hat, bzw wie sein Verhalten angekommen ist. Es bringt ja nichts, wenn einer auf dich verbal eindrischt, du höflich und ausdruckslos bleibst und es sich immer weiter steigert. Aber ich habe das Gefühl wir verlernen immer mehr echte Gefühle zu zeigen, aus dem Zwang heraus sich "angemessen" zu verhalten.
    Ich weiß, daß ich mich definitiv viel zu stark kontrolliere. Heute wieder ein Paradebeispiel in der Mittagspause. Ich hab was getrunken und wollte das Glas wieder aufs Tablett stellen. Aber dadurch daß ich genaustens darauf geachtet habe nichts zu verschütten und das Glas vernünftig wieder hinzustellen, hat meine Hand irgendwie total gezittert, was mir dann wiederum auch peinlich war. Anstatt das Glas einfach hinzustellen ohne sich Gedanken zu machen...

    Die Liste von meinen Freunden habe ich noch nicht. Ich merk grad, ich sehe meine Freunde viel zu selten um mal sowas anzusprechen :smile:

    Ich werd das mit dem Nachfragen mal versuchen. Es interessiert mich ja doch ob da irgendwelche Mißverständnisse durch meine Reaktionen entstehen. Das ist eine gute Idee.
     
    #21
    Silverbell, 25 August 2008
  2. it's me
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    Hmm... offen gesagt: Woher sollte das Selbstbewusstsein kommen, wenn Du Dir so viele Gedanken machst, Dich stark selbst beobachtest und leicht zu verunsichern bist? Damit drehst Du Dich dann im Kreis, denn ohne Selbstbewusstsein machst Du Dir viele Gedanken, beobachtest Dich selbst und bist dadurch leicht zu verunsichern. Das musst Du durchbrechen, dafür auch die angesprochene Liste.

    Einen Schalter gibt es dafür -meiner Meinung nach- nicht. Selbstbewusstsein und die damit verbundene "Mir egal, ich habe Recht"-Haltung kann man nicht ein- und ausschalten, das wäre auch nicht sehr überzeugend. Entweder man weiß dass man richtig liegt, oder eben nicht.

    Was stört Dich eigentlich an dem "Flirtlächel-Problem"? Dass Du glaubst missverstanden werden zu können? Oder dass Du tatsächlich missverstanden werden könntest? Denn wie Du schreibst, zweifelst Du ja selbst daran, dass ein Lächeln alleine gleich als große Liebeserklärung aufgefasst werden könnte.

    Vor allem, wenn ich das jetzt mit dem folgenden Absatz verknüpfe, bei dem Du so ganz offen darüber schreibst, nicht als attraktiv wahrgenommen zu werden. Ich bin mir sicher, die Reaktion auf ein unverkrampftes Lächeln würde Dir beweisen, dass das nicht stimmt. Ein Lächeln aussenden und eine freundliche Reaktion, ein Lächeln, zurück zu bekommen, das würde Dein Selbstbewusstsein doch -wie gewünscht- steigern. Warum versuchst Du es nicht einfach? Und wie gesagt: Ein Lächeln alleine macht noch keinen Flirt aus.

    Ganz bestimmt gab es das. Warum sollte es Dir da anders als den restlichen paar Milliarden Menschen gehen? Da fällt mir beispielsweise das öftere Lächeln einer Bekannten ein, in das ich vor einiger Zeit auch "mehr" hineininterpretiert habe. Da lag ich auch völlig daneben, einige Zeit später irrte ich mich bei ihr wieder, da hatte sie ihre Meinung geändert. Sie irrte auch, am Anfang hatte sie nichts erkannt, später irrte sie sich auch wieder... Dennoch entstand eine Beziehung daraus. Hmm...irgendwie basierte die wohl nur auf Irrtümern? :zwinker:

    Ich bin davon überzeugt, in dieser Hinsicht unterscheiden sich Männlein wie Weiblein überhaupt nicht. Genauso wie vielleicht nur 10 Prozent der Frauen die Männerherzen mit einem Wimpernschlag erobern können, werden auch nur 10 Prozent der Männer von den Frauen angegraben. Aber auch die restlichen 90 Prozent ernten gelegentlich anerkennende Blicke. Fragt sich nur, ob die dann auch wahrgenommen werden...

    Darum gleich meine, vielleicht etwas böse Rückfrage, zeigst Du denn Deinem Freund diese Aufmerksamkeit in dem gleichen Maße, wie Du es von ihm gerne hättest?

    Wenn Du Dich schon so sehr unter Kontrolle hälst, wie reagierst Du Dich dann ab? Sport? Irgendwie muss die aufgestaute Wut/Enttäuschung/Frust doch ein Ventil finden. Oder explodierst Du -wenn es mal passiert- ganz besonders heftig?
     
    #22
    it's me, 28 August 2008
  3. Silverbell
    Silverbell (34)
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    vergeben und glücklich
    Ich denke das Selbstbewußtsein kommt in allererster Linie, wenn ich es irgendwie schaffe umzudenken und mir nicht mehr so viele Gedanken über meine Wirkung nach außen machen muß. Das Problem besteht ja größtenteils im Kopf und gerade das macht es so schwer daran etwas zu ändern. Durch meine Angst bremse ich mich selbst, das weiß ich. Und deshalb gehe ich dieses Problem zu allererst an. Mir ist klar, daß man eine gewisse gleichgültige Einstellung erstmal lernen muß. Es schockiert mich halt nur, wenn ich daran denke, wie ängstlich ich in den letzten paar Jahren geworden bin. Davor war ich zwar auch nie wirklich selbstbewußt, aber ich hatte zumindest nicht diese leichten Anflüge von Panik, wenn ich mit anderen Menschen zu tun hatte. Woher das kommt, weiß ich bis heute nicht.

    Dann kommt Selbstbewußtsein durch Erfolge, wenn ich selbst wieder ein bißchen zufriedener mit mir selbst werde. Das heißt wenn ich beruflich weiterkomme, endlich mein Studium abschließe und dann auch einen guten Job finde, wenn ich mich endlich aufraffe um wieder etwas fitter und sportlicher zu werden, und damit auch das nächste Problem, meine Figur, in den Griff kriege. Das führt dann hoffentlich dazu, daß mein Freund mir wieder mehr zeigt, daß er mich begehrt. Was mir unheimlich viel Selbstbewußtsein geben würde... :engel:

    Deine Frage zum Flirtlächel-Problem verstehe ich nicht ganz. In dem Moment wo man glaubt, daß etwas mißverstanden wird, befürchtet man doch, daß es tatsächlich mißverstanden wird, oder nicht? Ich möchte halt keineswegs den Eindruck erwecken, daß ich meine Kollegen anflirte oder angebaggert werden will. Andererseits will ich auch nicht die arrogante Kollegin sein, die nie lächelt. Mir fällt es schwer da eine Balance zu finden, weil ich die Reaktionen meines Gegenübers nicht deuten kann.

    Ich merke, daß es tatsächlich mein Selbstbewußtsein steigert, wenn jemand offen lächelnd auf mich zugeht und ich mich ganz ungezwungen mit demjenigen unterhalten kann. In der Hinsicht bin ich genau wie ein Spiegel. So wie man auf mich zukommt, so reagiere ich. Wenn jemand total lustig und sympathisch ist und mich anspricht, dann kann ich sehr ungezwungen und gut damit umgehen und traue mich entsprechend auch was zu sagen. Sobald aber jemand nervös und unsicher ist, ist es vorbei. Das wäre die nächste Aufgabe: auch bei unsicheren oder unfreundlichen Menschen gelassen und freundlich zu bleiben.

    Die Geschichte mit deiner Bekannten bestätigt irgendwie meine Befürchtungen. :grin: Ganz viele Irrtümer aber immerhin doch eine Beziehung. Hat die Beziehung denn wenigstens längere Zeit gehalten? Oder stellte sie sich dann auch als Irrtum heraus?

    Vielleicht will ich das Fehlinterpretieren ja um jeden Preis verhindern um nicht irgendwann vor dem Problem zu stehen, den anderen aufklären und enttäuschen zu müssen. Ich hasse es nämlich, jemanden zu enttäuschen. Womit wir wieder beim Thema "nein sagen" wären.

    Ich finds übrigens echt total lieb von dir, daß du mir immer noch schreibst und weiterhelfen möchtest. Irgendwie drehe ich mich ja doch im Kreis mit dem Thema. Aber es hilft mir unheimlich deine Meinung und Tipps dazu zu lesen.

    Deine Rückfrage bezüglich meines Freunds ist völlig gerechtfertigt, denn wer Aufmerksamkeit fordert muß auch selbst welche geben. Ich kann das natürlich schlecht beurteilen, aber ich bin schon der Meinung, daß ich mich um meinen Freund bemühe und ihm Aufmerksamkeit gebe. Vielleicht sogar zu viel, denn er hat mir schon öfters gesagt, daß er auch mal Zeit für sich braucht und ich das nicht persönlich nehmen soll. Daß ich manchmal dazu neige zu klammern, weiß ich und ich arbeite dran. Ich habe mich am Anfang ziemlich abhängig von ihm gemacht und meine Planung nach ihm ausgerichtet, weil ich eben viel mit ihm gemeinsam unternehmen wollte, aber das hat sich besonders im letzten Jahr geändert. In letzter Zeit haben wir uns ziemlich wenig gesehen. Ich hatte gehofft, daß er mich, wenn er mich ein paar Tage nicht gesehen hat, wieder mehr vermißt und wieder aufmerksamer ist, aber irgendwie passiert das nicht. Ich hab schon öfters überlegt ob ich mich einfach mal komplett verplanen soll und abwarten soll bis er von sich aus ein bißchen Sehnsucht zeigt, aber das sind genau die Spielchen, die ich nicht spielen kann und will...

    Wie ich mich abreagiere? Gute Frage. Im Moment gar nicht. Deshalb befürchte ich ja, daß ich irgendwann platze. Ist zwar bisher noch nicht passiert, aber klar nimmt irgendwann der Frust Überhand. Und das ist auch eine Sache, vor der ich ein bißchen Angst habe: nämlich, daß ich irgendwann auf eine Kleinigkeit, die das Faß zum überlaufen bringt, völlig unangemessen, zickig, unfreundlich, heftig, wie auch immer reagiere. Ich versuche mich seit Ewigkeiten zum Sport zu motivieren, aber stehe mir dabei selbst im Weg.

    Naja vielleicht kann ich in gewisser Weise Musik als Mittel zum Abreagieren bezeichnen. Jedenfalls kann ich mich damit sehr gut beruhigen oder wieder aufbauen, wenn es mir schlecht geht. Weil ich mich in solchen Momenten selbst verblüffe. Da spiele ich auf einmal Dinge, die ich seit Jahren nicht mehr gespielt habe, aus dem Kopf und frage mich, in welchem Winkel des Unterbewußtseins das jetzt wieder gespeichert war :smile: Und es tut gut, weil ich mir damit ein bißchen Bestätigung geben kann, daß es eine Sache gibt, die ich gut kann. Aber Bewegung muß auch sein. Wenn nur der innere Schweinehund nicht wäre... :zwinker:
     
    #23
    Silverbell, 1 September 2008
  4. it's me
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    Wie wir ja festgestellt haben, befindest Du Dich in einem Teufelskreis: Geringes Selbstbewußtsein --> Fühlst Dich nicht wohl und lässt Dich deshalb leicht aus dem Konzept bringen --> Geringes Selbstbewußtsein. So glaube ich auch, dass es mit einer gewissen Gleichgültigkeit alleine nicht getan ist. Verstehe mich nicht falsch: Das könnte so funktionieren, ich glaube aber, dass das der extra-schwierige Weg ist. (Echte) Gleichgültigkeit basiert meiner Ansicht nach auf einem soliden Selbstbewusstsein und der Stärke, sich nicht leicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Du weißt bestimmt schon worauf ich raus will, auf zweigleisiges Vorgehen: Besser fühlen und gleichgültiger werden.

    So wie Du schon schreibst, Du solltest Erfolge verbuchen können. Dazu gehört natürlich nicht nur, dass Du diese schaffst, sondern auch, dass Du Dir diese anrechnest. Also keine falsche Bescheidenheit! Das Schöne ist, solche Erfolge kannst Du auch selbst herbeiführen. Einfach "Warten" bis z.B. die Jobsuche beginnt, dauert einmal lange und gibt zudem kein so gutes Gefühl wie wenn man sich auch noch überwinden muss. Wäre das Gefühl, den besagten inneren Schweinehund zu besiegen da nicht viel besser? Eine regelmäßige Runde Sport, z.B. Schwimmen bis zum Umfallen, schlägt da mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sich selbst überwunden, Vorsatz erfüllt und die Gesundheit und Stimmung gleichzeitig auch verbessert. Wenn das keinen Schub für Stimmung und Selbstbewusstsein gibt? Achja, zum Abreagieren ist es auch noch gut...
    Ich kenne das gut, Sport ist leider so anstrengend :zwinker: und außerdem kann man ja noch später... morgen?... anfangen. Was hilft ist ein regelmäßiger Plan. An einem festen Tag die Woche, z.B. nach der Arbeit einen kleinen Umweg fahren und beim Schwimmbad vorbei, die Schwimmsachen bereits am Abend vorher eingepackt und in die Arbeit mitnehmen.

    Welche denn? Es ist eine Beziehung draus geworden, kein Grund für Befüchtungen.
    Der Vollständigkeit halber: Sie hielt knapp ein Jahr und das Ende hatte weniger mit Irrtümern als vielmehr mit den nicht-konformen Ansichten der Beteiligten zu tun.

    Meine Frage zum "Flirtlächel-Problem" war etwas hinterhältig. So frage ich mich, ob Du nicht hauptsächlich Angst vor der Angst missverstanden zu werden hast, als tatsächlich Angst davor missverstanden zu werden. (bss... welch' Satz!) So schreibst Du selbst, dass ein Lächeln alleine noch nicht als Liebeseingeständnis zu werten ist. Deshalb denke ich, dass Du mit einem Lächeln auf den Lippen wenig riskierst, aber viel gewinnen kannst. Nicht nur dass Deine Umgebung fröhlicher wird (Stichwort "Gegenseitiges Spiegeln"), Du Dich dadurch wohler und sicherer fühlst, sondern dass Du durch das positive Feedback auch eine Spur interessanter fühlst. Was die Missverständnisse angeht, so reicht ein Lächeln zu jedem, kein Dauerlächeln oder Lächeln-Wegschauen-Lächeln und auch ein gleiches für jeden.

    Eben! :grin:
    Und der Umgebung geht es ebenso, damit wird die Stimmung gleich viel besser und sicherlich bist Du in guter Atmosphäre auch wesentlich sicherer und nicht so schnell zu verunsichern. Kreis durchbrochen.

    Zum Durchbrechen gehört aber auch noch etwas anderes: Risiken eingehen. Was, wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt und jemand das eine/einzige Lächeln fehlinterpretiert? Ganz einfach, er wird einige Testballons starten. Und da Du Deine Umgebung bereits stark überprüfst, wird Dir so ein jähes und extrem gesteigertes Interesse auffallen.

    Du hast da eine gute Frage gestellt, nämlich woher die Anflüge von Panik eigentlich herkommen. Ich glaube Dir, dass Du das nicht genau sagen kannst, solche Veränderungen sind in der Regel ein schleichender Prozess. Vielleicht hilft es Dir aber, wenn Du in Gedanken zurückgehst. War da vielleicht ein besonderes Erlebnis, bei dem Du in Panik geraten bist? Wann ist es Dir das erste Mal bewusst geworden, dass Du ängstlich geworden bist? Wie war es früher, was war da anders und vor allem: Wie hast Du da auf die Dinge reagiert, die heute Panik auslösen?

    Du hast Recht, Du drehst Dich im Kreis, aber das ist ja genau das Problem: Wie da ausbrechen? Leider kann ich Dir da auch nicht richtig helfen und nur meine Gedanken kundtun, leider. Das mache ich aber gerne.
     
    #24
    it's me, 2 September 2008
  5. Silverbell
    Silverbell (34)
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    Du hast recht. Zunächst mal den inneren Schweinehund überwinden. Auch wenn du es nicht glauben wirst, ich nehme mir seit drei Wochen vor Sportzeug einzupacken und nach der Arbeit den Umweg bei McFit zu machen :smile: Und immer kommt irgendwas dazwischen. Natürlich sind das alles Ausreden, aber man flüchtet eben gerne in Ausreden. Ich hoffe in meinem nächsten Beitrag von einem Erfolgserlebnis zu berichten :grin: Denn das geniale Gefühl nach dem Sport kenne ich. Es ist eine Mischung aus totaler Erschöpfung, Stolz und unheimlich guter Laune. Und das Wissen etwas gutes für seine Fitness getan zu haben.


    Damit meinte ich die Befürchtungen, daß jemand in ein Lächeln zu viel hineininterpretiert.

    Ich habe es geschafft mich nach einem total bescheuerten Montag, die letzten beiden Tage etwas sicherer und besser zu fühlen und hab direkt mal versucht das nach außen hin zu zeigen, indem ich meine Kollegen von mir aus in Gespräche verwickelt und angelächelt habe. Hab einfach versucht gute Laune auszustrahlen (ohne jetzt einen Witz nach dem anderen zu reißen). Merkwürdigerweise habe ich den Eindruck, daß einige damit nicht so ganz umgehen können. Ich weiß nicht ob das eher Verwirrung war ("wie die kann reden? und sie lächelt sogar?!") oder was sonst. Jedenfalls habe ich ein paar mal deutlich bemerkt, daß der Kollege plötzlich wegguckte, mich dann entweder irritiert wieder anschaute oder plötzlich ziemlich distanziert oder zerstreut war. Na toll! :grin: :engel:

    Aber wie du schon sagst, ich riskiere wenig und gewinne viel. Deswegen versuche ich da jetzt einfach nicht drüber nachzudenken, lasse solche Ereignisse ganz schnell aus meinem Kopf verschwinden und fahre weiterhin die positive Schiene. Zumindest solange ich mich auch so fühle. Denn irgendwie ist das bei mir total seltsam. Mal bin ich kurz vorm Nervenzusammenbruch und will einfach nur in einem großen Loch versinken und kurze Zeit später könnte ich Bäume ausreißen... Weniger Extreme, dafür kontinuierliches Selbstbewußtsein wären mir lieber... :frown:

    Zu der Panik. Wenn ich in Gedanken zurückgehe, dann ist es tatsächlich ein schleichender Prozess gewesen. Ich kann nicht genau sagen, wann ich das erste Mal dieses Gefühl hatte, aber ich kann mich erinnern, daß ich mich zuerst einfach nur unwohl gefühlt habe. Dann kam irgendwann das Gefühl beobachtet zu werden dazu. Typische Situationen waren Bahn- und Busfahrten oder wenn ich durch eine Fußgängerzone gegangen bin. Und natürlich nur wenn ich alleine war. In Gesellschaft habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Irgendwann habe ich angefangen den Blicken anderer Menschen auszuweichen und wußte nicht mehr wohin ich in den Bahn gucken soll. Es fing an mir unangenehm zu werden. Und das steigerte sich dann eben immer weiter. Bis ich wirklich eingeschüchtert war.
    Wenn ich jetzt so zurückdenke, dann fällt mir eine Sache ein. Ich wurde vor Jahren in der Schule wegen meiner Kleidung ziemlich gehänselt (auch von Mitschülern, die ich überhaupt nicht kannte). Zugegeben, meine Mutter hatte auch irgendwie ein Händchen dafür mich mit den unmöglichsten Klamotten auszustatten... :smile: Aber das hat sich zumindest so weit festgesetzt, daß ich seitdem nie etwas extravagantes angezogen habe, sondern immer eher unauffällig gekleidet war und mich immer versichert habe, daß das was ich mir kaufe und trage nicht irgendwie in Kritik geraten kann. Dieses Denken habe ich unterbewußt schon seit der Schulzeit, aber ich habe es nie als Problem gesehen.

    Ich habe durchaus eine Vermutung, womit diese Ängstlichkeit zusammenhängen kann, auch wenn ich mir irgendwie nicht vorstellen kann und will, daß so ein Ereignis einen Menschen derart kaputt macht. Meine Eltern haben sich vor 5 Jahren getrennt und für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen. Ich bin kein Kind mehr und natürlich passiert sowas ständig, aber irgendwie hat mich das total mitgenommen. In dem Moment ist in mir etwas kaputtgegangen. Vielleicht könnte man auch sagen, ich habe meine naiv-gutgläubige "Weltanschauung" verloren und plötzlich menschliche "Abgründe" gesehen, von denen ich nie geglaubt hätte daß sie existieren. Sorry, wenn das jetzt zu dramatisch klingt. Ich weiß nicht so recht wie ich das beschreiben soll, was da passiert ist. Ich will das auch auf keinen Fall dramatisieren.

    Jedenfalls war der Halt, den mir meine Familie gegeben hat, von heute auf morgen weg. Mein Vater, der mir immer ein großes Vorbild und ein sicherer Ratgeber war, wandelte sich in einen eiskalten und rücksichtslosen Menschen, der stur sein Ziel verfolgt ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Er hat uns nicht nur im Stich gelassen, sondern noch zusätzlich psychisch unter Druck gesetzt. Und meine Mutter, die vorher voll im Leben stand und immer wußte was zu tun ist, ist zusammengebrochen und war plötzlich völlig hilflos. Es ist ein ziemlich bescheuertes Gefühl, seine eigene Mutter in einer Nervenklinik zu besuchen und nicht so recht zu begreifen, was da eigentlich mit ihr passiert ist.

    Hinzu kam der Trubel um die Scheidung, viele Streits und Anwaltsbriefe, ein Hausverkauf und mehrere Umzüge, die meine Schwestern und ich fast alleine gestemmt haben.

    Um es kurz zu machen: es war eine sehr unschöne Zeit und Trennung, die mir mehrere Tiefschläge verpaßt hat, in Momenten, in denen ich geglaubt habe, daß es doch langsam wieder aufwärts gehen müßte. Am belastendsten war eigentlich das rücksichtslose Verhalten meines Vaters in dieser Zeit.

    Aber jetzt geht es aufwärts. Meine Mutter scheint sich vom schlimmsten erholt zu haben und hat endlich wieder einen halbwegs geregelten Alltag, der Unterhaltsstreit zwischen meinen Eltern dürfte bald beendet sein und ich bin auf dem besten Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. Auch das Ziel alleine zu wohnen habe ich erreicht. Meine Schwestern scheinen die Erlebnisse gut weggesteckt zu haben und mit ihrem Alltag klarzukommen. Und deshalb verstehe ich nicht, warum ich jetzt plötzlich solche Probleme habe. Und ob die Probleme überhaupt damit zusammenhängen.

    Fakt ist, ich habe schnell gemerkt, wie unangenehm es sein kann, einen wichtigen Halt im Leben zu verlieren. Aber auf der anderen Seite bin ich doch erwachsen und müßte damit eigentlich besser klarkommen.

    In Panik geraten bin ich in der ganzen Zeit allerdings nie. Und deshalb kann ich mir die Angst vor solch vergleichsweise banalen Situationen auch nicht erklären. Wenn ich mal in eine Situation kam, die mir unangenehm war, dann konnte ich damit früher gut umgehen. Entweder ich habe es ignoriert oder hatte innerlich genügend Sicherheit um es nicht als Bedrohung wahrzunehmen. Den Drang bestimmte Situationen zu meiden oder plötzlich verschwinden zu wollen, hatte ich vorher nie. Auch in meiner Schulzeit konnte ich mit Anfeindungen umgehen und habe mich dadurch nicht komplett runterziehen lassen. Ich war zwar nie besonders schlagfertig und immer eher höflich zurückhaltend als offensiv, aber nie mutlos und unterwürfig. Ich denke, dieses Gefühl es allen recht machen zu wollen, hat sich ganz massiv verstärkt, nachdem ich die Erfahrung gemacht habe zwischen meinen Eltern zu stehen und egal was ich tue, es falsch zu machen. Oder anders gesagt, Situationen kennenzulernen, in denen es keine richtige Reaktion oder Verhaltensweise gibt.

    So richtig bewußt geworden ist mir das mit der Panik übrigens erst irgendwann letztes Jahr, nachdem ich ein paar Monate allein gewohnt habe.

    Sorry, ist jetzt doch etwas lang geworden. :smile:

    Viele Grüße

    Silverbell
     
    #25
    Silverbell, 3 September 2008
  6. it's me
    it's me (35)
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    Also dann will ich mal:
    Ich kenne das auch, gerade nach der Arbeit will man doch lieber aufs gemütliche Sofa als sich ...iiih.. auch noch (mal) anzustrengen. Da lässt man dann halt immer wieder was dazwischen kommen. Vielleicht funktioniert das bei Dir ja auch: Nachdem ich das Sportzeug in die Arbeit mitgenommen hatte, habe ich es nur noch einmal unbenutzt zurückgefahren. Da hat man seinen Vorsatz nämlich vor Augen und fühlt sich auch noch richtig schlecht dabei, wenn man den nicht umsetzt.

    Deine Befüchtungen kann (will?) ich nicht nachvollziehen. Meine damalige Beziehung kam nicht durch ein Lächeln alleine zustande, es folgten einige Testballons und das Lächeln hielt an. Da braucht man sich doch nicht anstrengen um zu viel hinein zu interpretieren! Ich bleibe dabei, ein Lächeln alleine ist noch kein Zeichen für Interesse. Hmpf! :zwinker:

    Deinen Kollegen kann ich schon verstehen. Er hatte wohl einen schlechten Tag, alles grau, alles doof. Um seinen Kummer loszuwerden hat er sich verzweifelt an Dich gewandt. Aber nein, Du warst Quell der Frohsinns! Natürlich hat ihn das aus der Spur getragen. Du hast auch etwas Böses gemacht, Du bist aus der gedanklichen Schublade, in die wir alle unsere Mitmenschen stecken, rausgefallen. "Da denkt man, man kennt seine Umgebung und dann sowas." Ganz normales Verhalten also. Wenn Du jetzt ein paar Tage durchhälst, dann wird er Dich erstens in eine andere Schublade packen (mit Aufschrift "fröhlicher Mensch") und es dadurch -ganz wichtig- nicht als einmaligen Vorfall abtun. Damit hast Du den ersten Schritt zum Sieg: Deine Umgebung rechnet Dir gute Stimmung zu und signalisiert diese selbst wenn Du -ausnahmsweise- einen schlechteren Tag hast. Schon läuft der Kreislauf für Dich, Du fühlst Dich wieder besser usw. Du weißt bestimmt worauf ich hinaus will. :smile:

    Deshalb finde ich es gut, wenn Du weiterhin "die positive Schiene fährst". Versuche das aber auch, wenn Du Dich nicht gerade zum Bäume ausreißen fühlst. Klar, das ist nicht einfach, versuche es doch mal mit der oben beschriebenen Selbstüberzeugung: Such Dir einen Spiegel und lächel Dich an, sag Dir selbst vor, dass die schlechte Stimmung gleich verschwindet...
    Laut wissenschaftlicher Erkenntniss lässt sich der Kopf durch eigenes Lächeln selbst überlisten. Nach relativer kurzer Zeit des Lächelns werden Botenstoffe (v.a. Dopamin) ausgesandt, die bekanntlich das Wohlbefinden steigern. Nicht schlecht, nicht wahr?

    Jaja, die lieben Mitschüler. Das mit den falschen, nicht-im-Durchschnitt oder unpassenden Klamotten, das kenne ich zu gut. Den Kampf hatte ich auch jahrelang.
    Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass das zu Deiner Panik führte, bin aber auch in keinster Weise psychologisch geschult. Aber was Du mir so schreibst, so bist Du sicherlich nicht beim größten Trubel vorne weg, dennoch schätze ich Dich nicht als eine Person ein, die überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Meiner Einschätzung nach würdest Du sonst weder Deinen Kollegen anlächeln, als Musikerin auffallen oder überhaupt als Abschluß Deines Studiums in einer Firma arbeiten. Da gäbe es bessere Möglichkeiten um unauffällig zu bleiben.
    Das ist jetzt nur eine Vermutung, es ist schwer einen Menschen nur übers Internet abzuschätzen, deshalb sag mir wenn ich mich irre.
    Auch würde mich interessieren, wie Du Deiner Meinung nach diese Dinge mit Deiner Angst in Einklang kriegst. Inwieweit ist es eine Angst aus dem Mittelmaß herauszufallen? (Dazu am Ende nochmals)

    Was die Gefühle in Bus, Bahn und belebten Plätzen angeht: Wie ist es grundsätzlich mit engen Räumen? Anzeichen von Klaustrophobie?

    Die Trennung Deiner Eltern ist eine schlimme Sache, sowas belastet die Kinder immer, egal welchen Alters. Wie Du schon schriebst, es zerbricht da eine Welt und ausgerechnet ist es die, die uns am meisten geprägt hat: Die Welt der Kindheit. Keine Frage, das ist ein einschneidendes Erlebnis. Schwer zu sagen, ob das ein Auslöser für Deine Probleme sein kann, wie gesagt, mir fehlt da das Psychologie-Diplom an der Wand. :zwinker:
    Was ich jedoch aus Erfahrung sagen kann, so spielt der Zeitpunkt keine Rolle. Einschneidende Ereignisse können noch so viele Jahre zurückliegen, begraben und vergessen scheinen und schlagen doch plötzlich zu. Gerade wenn man sich nie mit diesen auseinandergesetzt hat, sie verdrängt als bewältigt hat, dann ist das möglich.
    Sicherlich hast Du mit Deinen Schwestern über die Erlebnisse gesprochen, wie haben diese das verarbeitet? Und sind diese älter oder jünger als Du? Hast Du vielleicht eine besondere Beziehung zu Deinen Eltern gehabt?
    Ich hoffe, ich bohre jetzt nicht in etwas herum, wenn Du es nicht willst, dann brauchst Du Dich hier natürlich nicht "offenbaren".

    Auf der Suche nach den Ursachen solltest Du noch etwas anderes beleuchten: Die Angst selbst. Das ist schwieriger als man denkt, aber vielleicht hast Du Erfolg. Wenn Dich das nächste Mal wieder so eine Angst überkommt, versuche mal festzuhalten, wovor Du Angst hast. Schreibe es ruhig mal auf und versuche zu beschreiben, wie Du Dich gefühlt hast, was wohlmöglich der Grund war, Deine Gedanken -ob konfus oder nicht- und versuche das einzuordnen: Ist Dir das schonmal in dieser Form passiert, was war damals, was war anders.
    Vielleicht kannst Du einiges davon schon jetzt beschreiben? Und wenn ja, dann vergleiche das mal mit dem, was in Dir wirklich beim Fall der Fälle vorgeht.

    Damit bekommst Du -hoffentlich- etwas Ordnung ins Chaos. Einmal hilft so eine Aufstellung beim Reflektieren, sodass Du beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation besser Bescheid weißt. Außerdem stelle ich mir nämlich die Frage, ob Du Deine Angst selbst genau fassen kannst: Sind es Menschen, deren Erwartungen, Meinungen oder verborgenen Gedanken, eine eigene oder fremde Wahrnehmung Deiner Person, die Angst vor der formlosen Menschenmenge oder vielleicht eine eigene Erwartungshaltung?
    Deine Ergebnisse würden mich auch interessieren.

    So bin ich etwas über Deine Beschreibung der Angst in Bus und Bahn gestolpert. Anfangs dachte ich an eine Angst vor Erwartungen, wie dies im Beruf sein kann, aber das beschriebene Gefühl beobachtet zu werden, das -finde ich- passt irgendwie nicht richtig. Wie oben erwähnt, fällt auch das Musizieren, der Abschluss des Studiums in einer Firma hierunter. So beschreibst Du bei Deiner Schulzeit eine Lage, die eine Angst aus dem Durchschnitt herauszufallen begründen könnte. Aber gleichzeitig sagst Du, dass Dich das früher überhaupt nicht runtergezogen hat. Und -wie schon beschrieben- habe ich nicht den Eindruck, dass Du regelrecht Angst vor dem gelegentlichen (!!) Ausbruch aus der Mittelschiene hast und ein gewisses Unwohlfühlen ist da auch nicht ungewöhnlich.
    Schwierig das jetzt in Worte zu packen, ich hoffe Du verstehst was ich meine?

    Könntest Du -nur wenn Du willst- da noch etwas mehr zu sagen? Vor allem das erste, dass Du es allen Recht machen willst, halte ich für einen wesentlichen Punkt. Inwieweit war das schon immer vorhanden? So rechne ich das mit den "falschen" Klamotten ja eher zu einer passiven Sache, entweder man hat diese oder nicht, etwas "recht machen" ist aber eine Tätigkeit (also aktiv) und damit meiner Meinung nach eine andere Kategorie.

    Was ich das letzte Mal noch schreiben wollte:
    Was hättest Du denn erwartet? Oder anders: Was genau passiert nicht? Und wie lange kennst Du ihn schon?

    So, jetzt muss ich aber aufhören...

    Viele Grüße zurück!
     
    #26
    it's me, 4 September 2008
  7. Silverbell
    Silverbell (34)
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    Hi, deine Beschreibung meines "verzweifelten" Kollegen und des Schubladendenkens hat mich echt zum Lachen gebracht. An sowas denke ich in dem Moment gar nicht, aber es ist bestimmt was dran. Ich arbeite auch fleißig daran, in die "fröhlicher Mensch"-Schublade zu gelangen. Es scheint zu helfen, denn die letzten Tage waren außerordentlich positiv. Wenn ich mir dabei nur nicht so albern vorkommen würde :smile: Mir fehlt da manchmal das Gespür für die richtige Dosis. Und wenn ich mir das Verhalten meiner Kollegen in den letzten Tagen so angucke, frage ich mich, ob ich die irgendwie zum Herumalbern animiere, oder irgendwas in der Luft liegt. Jedenfalls haben die mich sehr oft zum Lachen gebracht. Vielleicht wachsen wir ja tatsächlich gerade zu einem Team zusammen :smile:

    Daß Lächeln dem Körper Wohlbefinden vorgaukelt hab ich auch schonmal irgendwo gelesen. Ich versuche mich daran zu erinnern, wenn ich mal wieder schlecht drauf bin.

    du hast schon recht. ich bin von Natur aus nicht schüchtern und möchte auch nicht irgendwo in der Versenkung verschwinden. es fällt mir zwar schwer auf andere Menschen zuzugehen, weil ich einfach nicht weiß, wie ich sie ansprechen/unterhalten soll, aber eigentlich möchte ich Teil einer Gemeinschaft sein, in der ich ganz normal behandelt und wahrgenommen werde und dazugehöre. ich muß nicht im mittelpunkt stehen, will aber auch nicht übersehen werden. es ist irgendwie schwer zu erklären. auf der einen Seite brauche ich Bestätigung für das was ich tue und freue mich über Aufmerksamkeit, aber auf der anderen Seite habe ich eine unheimliche Versagensangst, Angst davor ausgegrenzt zu werden und möchte nicht unangenehm auffallen.

    Alleine durch meine Hobbies falle ich ja schon aus dem Mittelmaß heraus, und das finde ich auch gut, weil ich nichts langweiliger finde, als Menschen die keine Besonderheiten haben. Ich hab nur anscheinend eine ziemlich verzerrte Selbstwahrnehmung und denke, daß andere Menschen mich seltsam finden. Es wurde mir ja lange Zeit so vermittelt: du trägst die falschen Klamotten, du interessierst dich für klassische Musik, du gehörst nicht zu uns... Natürlich ist das Jahre her, aber ich merke selbst, daß ich das irgendwie nicht verarbeitet kriege. Und mir ist aufgefallen, daß ich immer wieder das selbe Schema erlebe. Ob in der Schule, im Studium oder bei Projekten. Ich bin mit den Leuten nie wirklich in Kontakt gekommen obwohl ich es versucht habe. Letztendlich stand ich immer wieder außen vor. Vielleicht habe ich mich unbewußt auch selbst ausgegrenzt, ich weiß es nicht. Aber dieses Schema hat sich mehrmals wiederholt und jedesmal wurde meine Angst davor, wieder Außenseiterin zu sein, immer größer.


    Wie ich meine Musik und mein Studium mit der Angst in Einklang kriege? Gute Frage. Es funktioniert. Ich kann mich sehr gut beherrschen und es müßte einiges passieren, bis ich zum Beispiel in der Firma die Nerven verliere. Ich wurde dazu erzogen stark zu sein und nicht bei jeder Kleinigkeit zu jammern. Insofern merkt man mir wahrscheinlich äußerlich nicht an, wenn ich innerlich in Panik gerate. Die Angst bezieht sich ja auch nicht grundsätzlich auf andere Menschen, sondern darauf, selbst etwas falsch zu machen, oder für seltsam gehalten zu werden. Also eigentlich auf die Meinung anderer Menschen über mich und deren Verhalten mir gegenüber.
    Bei der Musik, weiß ich, daß ich etwas leiste und es macht mich stolz nach einem Konzert Anerkennung zu bekommen. Und im Studium habe ich mir bewußt eine Diplomarbeit extern gesucht, weil ich in meinen Praktika immer super Erfahrungen mit den Leuten im "echten" Berufsleben gemacht hatte (im Gegensatz zu den "klappt schon irgendwie"-Projekten mit meinen Kommilitonen) und meine Arbeit auch in einer solchen Umgebung schreiben wollte. Außerdem muß ich ja irgendwie mein Studium abschließen, also blieb mir keine andere Wahl, als die Diplomarbeit in Angriff zu nehmen. Ich will mir ja nicht meine komplette Zukunft verbauen.

    Vor engen Räumen habe ich überhaupt keine Angst. In einem leeren Bus würde ich mich total wohlfühlen. Es ist einzig und allein die Möglichkeit, daß da jemand sitzen könnte, der mich anstarrt und sich denkt: die ist aber komisch/sieht seltsam aus/benimmt sich unnormal... Bzw mittlerweile die Überzeugung daß mein Umfeld auch tatsächlich so denkt.

    ich habe mit meinen Schwestern zwar über die ganze Sache gesprochen, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, nie auf der Gefühlsebene. Bei uns in der Familie wurde sowieso sehr wenig über Gefühle gesprochen. Ich weiß also eigentlich gar nicht, wie meine Schwestern wirklich damit klarkommen. Unser Verhältnis hat sich zwar seit jede alleine wohnt unheimlich gebessert, aber wir stehen uns jetzt nicht so nah, daß die eine der anderen ihr Herz ausschütten würde. Ich habe nur den Eindruck, daß die beiden damit besser klarkommen, weil sie sehr selbstbewußt und sicher wirken, mitten im Leben stehen und nie Anzeichen von Zweifeln oder Schwäche zeigen. Die beiden sind ziemlich aufgeschlossen und gesellig. Dabei sind sie jünger als ich.
    Eine besondere Beziehung zu meinen Eltern ist mir nicht bewußt. Ich bin halt die älteste Tochter und war immer eher die brave unkomplizierte, während meine Schwestern recht früh rebelliert und ihren eigenen Kopf durchgesetzt haben. Was ich aber gut finde, denn ich habe mich viel zu lange untergeordnet auch wenn ich anderer Meinung war. Vielleicht fällt es mir deshalb jetzt so schwer klarzukommen, wenn niemand mehr da ist, der mir sagt was ich zu tun habe. Man gewöhnt sich ja irgendwann daran, seine Entscheidungen immer noch durch andere Meinungen abzusichern.
    Vor der Trennung war ich eher froh mich "abgenabelt" zu haben und nicht mehr so unter dem Einfluß meiner Eltern zu stehen. Deswegen überrascht es mich ja so, daß mich die Trennung meiner Eltern so mitgenommen hat.

    okay. ich glaube generell kann ich sagen, daß es nicht die Angst vor Menschen an sich ist, sondern die Angst vor deren Erwartungen an mich und deren Meinung über mich. ich bin ein sensibler und harmoniesüchtiger Mensch, weshalb ich mit Konflikten nicht umgehen kann. ich weiß, daß man sich nicht immer einig sein kann, aber dann bevorzuge ich, das in Ruhe und ehrlich zu klären. Es ist für mich auch ein großes Problem zu wissen, daß jemand mich nicht leiden kann, weil mein zugegeben naives aber erklärtes Ziel ist, mit allen Menschen gut auszukommen und keinen Anlaß zu geben, mich nicht zu mögen. das meine ich mit "es allen recht machen". mich aktiv so zu verhalten, daß es an mir nichts auszusetzen gibt. das bringt mich wiederum dazu darauf zu achten, nichts falsch zu machen. und da jeder Mensch mal Fehler macht, passiert mir das auch, was dann dazu führt, daß ich ein extrem schlechtes Gewissen habe. ich neige unheimlich dazu mich zu rechtfertigen und mache mir viel zu oft Sorgen über Mißverständnisse die entstehen könnten. Ein Beispiel: letztens beim Einkaufen kam ich zu meinem Auto zurück und sah, daß mir gegenüber ein Wagen geparkt hatte, der mir vorne aufgefahren ist. ich hatte mein Auto allerdings etwas zu weit vorne über der Markierung abgestellt. meine befürchtung: ein unbeteiligter, der nicht wußte, daß ich vorher da stand und erst danach das andere auto kam, könnte denken, ich wäre dem anderen aufgefahren. in dem fall hätte ich zwar recht aber pech gehabt.

    und womit ich auch noch schwierigkeiten habe ist kritik zu äußern. nenn mich feige, aber es fällt mir echt schwer jemandem zu sagen, wenn etwas nicht in ordnung war. weil ich denjenigen ja dadurch gegen mich aufbringen könnte. dabei ist es doch völlig in ordnung anderer meinung zu sein und dazu zu stehen. das ist ja keine kriegserklärung.

    wenn ich jetzt noch die berufliche situation dazunehme, dann ist es ganz klar eine fachliche angst. die angst für dumm und unfähig gehalten zu werden, weil mein thema fachlich für mich ziemliches neuland ist und ich das alles erstmal lernen muß, womit die anderen jahrelang arbeiten. angst den erwartungen nicht zu genügen oder mich besonders ungeschickt anzustellen. dann natürlich noch das klischee "frauen und technik" was mit sicherheit in einigen köpfen noch herumspukt.
    ich kann mich nicht verkaufen und wenn ich etwas nicht verstehe dann sage ich das offen anstatt so zu tun, als wüßte ich alles. das scheint bei einigen menschen allerdings nicht gut anzukommen, obwohl es heißt, daß es keine dummen fragen gibt. ich habe einen prof erlebt, der regelmäßig betonen mußte, daß wir "ja eigentlich nicht in diesem studiengang sein dürften, wenn wir das und das noch nicht wissen". sowas prägt sich ein...

    im vergleich zu früher mache ich mir eindeutig mehr gedanken über diese dinge. insofern fällt es mir schwer zu vergleichen. über vieles habe ich vor ein paar jahren einfach nicht nachgedacht.


    zuletzt noch die Sache mit meinem Freund: wir sind seit 4 Jahren zusammen und ich habe das Gefühl, daß wir zunehmend wie gute Freunde aber nicht wie ein Liebespaar miteinander umgehen. Im Alltag paßt alles, wir kommen super klar, haben ähnliche Vorstellungen und Ansichten, haben denselben Humor (auch wenn ich in letzterzeit den Eindruck habe, daß der Humor meines Freundes ein wenig flach geworden ist), können uns stundenlang unterhalten und beschäftigen und ich weiß, daß ich mich hundertprozentig auf ihn verlassen kann. Er unterstützt mich in allem, hat mir in der schweren Zeit mit meinen Eltern unheimlich geholfen und ist immer für mich da. Aber das könnte ein guter Freund auch. Wir sind beide sehr bequem geworden und ich fühle mich einfach nicht mehr begehrt. Daß er mich gern hat glaube ich ihm, aber ich vermisse dieses Gefühl vom Anfang, daß er mich attraktiv findet und begehrt, daß er nicht die Finger von mir lassen kann und mich eben als Frau und nicht nur als "Freundin" wahrnimmt. Ich hatte gehofft, daß das, wenn wir uns länger nicht sehen, wiederkommt. Daß er öfters die Nähe zu mir sucht, mich küsst, umarmt, mir Komplimente macht (...ich bin doch grad soo auf Bestätigung angewiesen :smile:) und vielleicht auch mal sexuell wieder was läuft...

    Ich ahne ja, daß es daran liegt, daß er mich nicht mehr so attraktiv findet, weil ich eben einiges zugenommen habe. Aber warum kann er das nicht einfach sagen? Das wäre vielleicht noch ein bißchen mehr Ansporn endlich die Sportsachen zu packen und was zu tun. Und mittlerweile kränkt es mich mehr das zu vermuten als es ausgesprochen zu hören. Aber nein, es liegt definitiv nicht an mir, er weiß selbst nicht woran es liegt (also daß wir zB kaum noch miteinander schlafen) und wie wir die Situation verbessern könnten weiß er auch nicht...

    Ich weiß es aber. Den Hintern hochkriegen, dafür sorgen daß wir fitter werden, wieder mehr unternehmen und uns mehr Zeit zu zweit nehmen. Aber er fühlt sich ja soo alt, will mal wieder ein gemütliches Wochenende ohne Streß, und sein Rücken, und und und. Entschuldige wenn ich jetzt etwas zynisch werde. Ich meine es ja auch nicht böse. Aber es frustriert mich, denn ich glaube die Lösung für das Problem zu wissen und kann ihn einfach nicht davon überzeugen. Und ich fühle mich definitiv zu jung um nur noch zu Hause vor dem Fernseher zu hocken. Außerdem ist man mit 30 überhaupt nicht alt. Aber ich selbst merke ja, wie träge und faul man wird, wenn man ein paar Kilos mehr drauf hat. Ich glaube momentan ziehen wir uns beide gegenseitig herunter und das ist überhaupt nicht gut.

    Immer wenn wir darüber sprechen, wird das mit der Aufmerksamkeit einige Zeit besser, aber wir verfallen immer wieder in das selbe Muster.

    Was ich aber positiv anmerken darf: auf meine bessere Laune in den letzten Tagen hat er tatsächlich reagiert. Das ist einerseits für mich ein Grund wieder ein schlechtes Gewissen zu haben, weil dadurch die Vermutung aufkommt, daß ihn meine Ängste und Launen belasten, aber was ich viel wichtiger finde: vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Beziehung ist ja auch wie ein Spiegel. Wenn es mir gut geht, gehts dem anderen gut und demnach auch der Beziehung. Ich werde das mal weiter verfolgen...

    So, jetzt mache ich aber Schluß, weil ich seit stunden an diesem Text schreibe und das Ganze sowieso schon viel zu lang geworden ist.

    LG

    Silverbell

    P.S.: hab gemerkt, daß ich zwischendurch mal die Großschreibung vergesse, sorry :zwinker:
     
    #27
    Silverbell, 6 September 2008
  8. it's me
    it's me (35)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Uiuiui, das wird wieder lang.

    Zu aller erst: Warum kommst Du Dir albern vor? Gute Stimmung ist was schönes, griesgrämige Leute gibt es genügend. Solange Du nicht unangebracht Frohsinn verteilst, sprich in ernsten Situationen Witze reißt oder den Hauptclown mimst, ist das prima. Und ich glaube nicht, dass Du den Job des Clowns vom Zirkus Krone übernehmen willst. Vielleicht ist das komische Gefühl einfach nur Unsicherheit mit der neuen Lage?

    Gegenseitiges Lachen ist die starkste Waffe gegen die Angst ausgegrenzt zu werden, also liest sich das alles seeehr gut! Auch die Versagensanst sollte sich mit der Zeit legen. Aber überstürze es nicht, das ist genauso schleichend wie das Entstehen der Angst.

    Die Beschreibung Deiner Person, nicht im Mittelpunkt, nicht am Rande und nicht übersehen werden, die könnte auf fast die ganze Gesellschaft zutreffen. Den Krone-Clown jetzt mal ausgenommen. :zwinker: Also meiner Meinung nach auch ein Grund zur Entspannung, Du bist da nicht anders als Deine Mitmenschen.

    So jetzt meine Frage: Was meinst Du findet Deine Umwelt an Dir komisch? Die Sache der falschen Klamotten sollte doch -hoffentlich- mit der Schulzeit erledigt sein? Solange Du beim Big-Business nicht mit Shorts und Badelatschen anrückst, sollte Deine Umgebung da doch nicht (mehr) blöd drauf reagieren. Interesse an klassischer Musik kann ich auch nicht so schrecklich finden, vor allem wenn man sich im Vergleich dazu mal so einen echten Hardrock oder Hiphop-Fan vorstellt...

    Allerdings frage ich mich, inwieweit Du vielleicht auch Wert auf "Andersartigkeit" legst. Das klingt an dieser Stelle sicherlich komisch, Du betonst ja oft, dass Du Angst davor hast unangenehm aufzufallen, sprich aus dem anerkannten Durchschnitt herauszufallen. Vielleicht ist das deshalb nur ein verschrobener Gedankengang, ich versuche mal zu erklären wie ich darauf komme:

    So schreibst Du, dass Du in Schule, Studium und Projekten meist in das gleiche Schema rutschst, nicht voll ins Zentrum der jeweiligen Gruppe zu kommen, rein beruflichen/projektbezogenen Kontakt zu den Leuten zu erreichen. Meine Erfahrung ist, dass man in diesen Kern meist nur reinkommt, wenn man Hansdampf in allen Gassen ist. Da man dann aber auch an allen Fronten aktiv sein muss, zu allem etwas beitragen muss, sind das in der Regel zwar extrem extrovertierte, jedoch auch meist ziemlich oberflächliche Menschen. Ein Schuss ins Blaue hinein, aus Deinen Schilderungen habe ich eher das Gefühl dass Du das nun wirklich auch nicht sein willst. So meine vermutung, dass Du Dich eben deshalb mehr oder weniger bewusst auch ein bisschen abseits aufhälst. Du villeicht durch betonte Andersartigkeit eben signalisierst, dass Du zwar für einigen Spaß zu haben bist, aber nicht für alles.

    Gleichzeitig meine Frage, was wäre Dir denn lieber? Dass Deine Arbeitskollegen bei den ganzen Afterwork-Parties sofort an Dich denken? Wie sieht denn -wenn Du so mal frei träumen darfst- Deine Lieblingsgruppenbindung (hach welch ein Wort, Deutsch als Sprache der kreativen Dichter und Denker :zwinker:) aus?

    An einem Punkt muss ich Dir jetzt aber wiedersprechen. So glaube ich nicht, dass man Dir nicht anmerkt, wenn Du innerlich in Panik gerätst. Die Umwelt hat da doch ziemlich feine Antennen, selbst der gröbste Klotz kann sowas mitbekommen. Das soll Dich jetzt nicht in noch größere Sorgen stürzen, sondern die Suche nach dem Ventil verstärken. Ein Mensch, der -wie Du von Dir schreibst- der immer stark sein muss/will, sich stets unter Kontrolle hat und haben will, der wird irgendwann mal an einen Punkt kommen, an dem die Dämme brechen. Deshalb die Frage nach der Sporttasche. Schon genutzt?

    Wenn wir das alles mal Revue passieren lassen, dann ist Deine jetzige Lage vielleicht ein Vorzeichen für einen inneren Dammbruch. Vielleicht rebelliert innerlich etwas gegen Dein dauerhaftes Kontrollbedürfnis? Menschen sind nunmal keine Maschinen, Träume, Freude, Tränen und auch mal ein kleiner Wutanfall sind notwendig. Ein Ventil eben und die Erkenntnis, dass es viel zu Lachen gibt im Leben. Umso schöner, wenn die letzten Tage so positiv liefen!

    Da passt natürlich Deine Äußerung, dass in Deiner Familie nur wenig über Gefühle gesprochen wurde, sehr gut dazu. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, inwieweit Deine Schwestern wirklich so über den Vorfällen stehen wie vermutet. So schreibst Du:
    Einen Absatz drüber schreibst Du, dass auch Du Dir kaum Deine inneren Zweifel oder Schwäche ansehen lässt. Wer sagt also, dass Deine Schwestern nicht auch das Pokerface perfekt beherrschen, innerlich aber genauso mit den Dingen zu kämpfen haben wie Du?
    Dass Deine Schwestern zugleich aufgeschlossen und vor allem gesellig sind, das lasse ich als Argument für inneren Frieden nicht gelten. Da habe ich die bittere Erfahrung machen müssen, dass Mitmenschen das nur vortäuschen. Anstelle sich inneren Kämpfen zu stellen machen sie auf rastlos, Geselligkeit und Eifer kann auch ein Weglaufen sein. Weglaufen vor sich selbst...

     
    #28
    it's me, 8 September 2008

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