Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Annan fürchtet dramatische Folgen durch Aids in Asien

Dieses Thema im Forum "News zu Liebe, Erotik und Sexualität" wurde erstellt von Yakuza, 12 Juli 2004.

  1. Yakuza
    Gast
    0
    Bangkok (dpa) - Zu Beginn der weltgrößten Aidskonferenz in Bangkok hat UN-Generalsekretär Kofi Annan am Sonntag ausreichend Medikamente gegen die sich immer schneller ausbreitende Seuche verlangt.

    «Aids ist weit mehr als eine Gesundheitskrise, es ist eine Bedrohung für die Entwicklung», sagte Annan zur Eröffnung des einwöchigen Treffens in der thailändischen Hauptstadt unter dem Motto «Zugang für alle».

    Vorsorge und Behandlung müssten ausgebaut werden, verlangte der UN-Generalsekretär vor mehreren tausend Delegierten. Experten sind sich weitgehend einig, dass sich die Epidemie mit den vorhandenen Mitteln - Medikamenten und Aufklärungskampagnen - bereits eindämmen ließe. Aids bleibt auf unabsehbare Zeit unheilbar.

    Weltweit tragen Annan zufolge zunehmend die Frauen die Last der Epidemie. Obwohl sich dieser «Furcht erregende» Trend überall zeige, habe ein Drittel aller Länder noch kein Programm, um Frauen vor dem Virus zu schützen. Im Süden Afrikas träfen 58 Prozent aller neuen Infektionen die Frauen.

    Rund 2,9 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr an der Immunschwäche gestorben. Etwa 5 Millionen haben sich neu mit dem Virus infiziert, so viele wie in keinem Jahr zuvor. Jeder vierte Betroffene lebt in Asien. Angesichts dieser Bedrohung müssten sich die höchsten Regierungsstellen mit dem Kampf gegen Aids befassen, verlangte Annan. Die UN-Generalversammlung zum Thema Aids habe vor drei Jahren die zum Stopp der Epidemie nötige Hilfe zugesagt. Trotzdem geschehe noch immer nicht genug, sagte Annan. Die Welt sei noch nicht auf dem Weg, die Auswirkungen der Epidemie zu verringern.

    Zuvor hatte der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria vor einer medizinischen und sozialen Katastrophe gewarnt, wenn die Organisation in Zukunft nicht deutlich mehr Geld für ihre Arbeit erhalte. Bislang sei nicht einmal sicher, ob der Fonds im November überhaupt die nächsten Förderprojekte starten könne, sagte Fondschef Richard Feachem in Bangkok. Im laufenden Jahr fehlten von 1,65 Milliarden Dollar (1,33 Milliarden Euro) noch 100 Millionen Dollar (80,5 Millionen Euro). 2005 steige der Bedarf dann auf 3,5 Milliarden Dollar. Der vor drei Jahren auf Anregung der UNO gegründete Fonds ist eine unabhängige Stiftung, die bei Regierungen und Organisationen Geld sammelt und einen Großteil der Ausgaben im Kampf gegen HIV finanziert.

    Weltweit sind 38 Millionen Menschen HIV-infiziert, etwa 6 Millionen benötigen dringend Medikamente gegen das Virus, 3 Millionen sollen sie bis 2005 tatsächlich erhalten. Bei diesem Ziel ist die Weltgesundheitsorganisation WHO nach eigenen Angaben wegen Geldmangels aber in Verzug. «Ohne die Arbeit des Fonds werden wir dieses Ziel nicht erreichen», warnte Feachem. Bislang sind auf den Konten des Fonds in Genf 2,61 Milliarden Dollar eingegangen. Der Fonds und das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) schätzen jedoch, dass vom Jahr 2007 an allein zum Kampf gegen Aids weltweit etwa 20 Milliarden Dollar im Jahr nötig sind.

    Kurz vor der Eröffnung hatten rund 1000 Demonstranten in einem Protestzug in Bangkok mehr Geld für die meist in den armen Ländern lebenden Aidskranken gefordert. In Abwandlung des Konferenzmottos «Zugang für alle» gelte zurzeit vielfach «Hilfe für alle verweigert». Wenn das Konferenzmotto Wirklichkeit werden solle, müsse auch die deutsche Regierung ihren finanziellen Beitrag für spezifische Aidsprogramme substanziell erhöhen, verlangte Katja Roll vom Aktionsbündnis gegen Aids in Bangkok. Darin haben sich rund 70 Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland zusammengeschlossen.

    Hier zu Lande hatte das Aktionsbündnis am Wochenende zu einer «Nacht der Solidarität» in 55 deutschen Städten aufgerufen. Nach ersten Schätzungen des Bündnisses beteiligten sich insgesamt mehrere zehntausend Menschen in der Nacht zum Sonntag an Demonstrationen, Konzerten und anderen Veranstaltungen.
     
    #1
    Yakuza, 12 Juli 2004
  2. Hermann
    Gast
    0
    Die neue Sorglosigkeit

    In Bangkok endet die Welt-Aids-Konferenz mit eindringlichen Warnungen. Wie geht Deutschlands Jugend mit dem Thema um? Sie wiegt sich in falscher Sicherheit, warnen Experten: Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder


    [​IMG]
    "Go for Gold": Aktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des nationalen Olympischen Komitees
    Foto: obs/BZgA

    von Claudia Ehrenstein
    Samuel Arslan ist 32 Jahre alt. Seit sechs Jahren lebt er mit der Diagnose HIV. Lange hatte er geschwiegen. Dann aber begann er, immer offener über seine Krankheit zu sprechen. Heute engagiert er sich in der Berliner Aids-Hilfe. Vor allem Jugendliche will er für das Thema Aids sensibilisieren. "Schützt Euch!", lautet sein dringender Appell. Denn während Nelson Mandela zum Abschluss der 15. Welt-Aids-Konferenz in Bangkok die dramatischen Gefahren von Aids beschwört, macht sich unter Deutschlands Jugendlichen eine neue Sorglosigkeit breit.

    Vorbei sind die Zeiten, als Aids-Kranke mit ausgemergelten Gesichtern auf Plakaten mahnten: "Gib' Aids keine Chance." Die geradezu hysterische Aids-Angst und Endzeitstimmung der achtziger Jahre haben die Jugendlichen von heute nicht mehr miterlebt. Als 1984 der erste Aids-Test in Deutschland auf den Markt kam, waren sie noch nicht einmal geboren. Als der Aids-Tod von Freddy Mercury 1991 die Pop-Welt erschütterte, konnten sie gerade laufen. Und als sie schließlich lesen lernten, ließ das öffentliche Interesse an Aids schon wieder nach.

    Enorme Fortschritte in der Therapie haben Aids den tödlichen Schrecken genommen. Die Diagnose HIV-positiv muss heute kein Todesurteil mehr sein. Die Kombination verschiedener Medikamente ermöglicht es, den Zeitpunkt zwischen einer HIV-Infektion und dem Ausbruch von Aids immer weiter hinauszuzögern. So wandelt sich Aids allmählich zu einer chronischen Krankheit. Die medizinische Versorgung in Deutschland liegt dabei weltweit im Spitzenfeld. Und gerade darin liegt die neue Gefahr.

    "Viele Jugendliche verwechseln Therapie mit Heilung", sagt Volker Mertens von der Deutschen Aids-Stiftung in Bonn. Die Bedrohung durch Aids ist zwar eine "feste Konstante" im Leben der Jugendlichen, aber sie wähnen sich in falscher Sicherheit. Mehr und mehr geht das Bewusstsein dafür verloren, dass Aids eine tödliche Krankheit ist. Mit dem Schwinden der Angst wird Aids zu einem Randthema. Jugendzeitschriften sind dafür ein guter Indikator. "Die Anfragen zu Aids haben in den letzten Jahren abgenommen", berichtet Eveline von Arx, Leiterin der Dr. Sommer-Teams bei "Bravo" in München. In den wenigen Anfragen aber spiegelt sich zum Teil eine große Unwissenheit. "Ich habe ohne Kondom mit einem Mädchen geschlafen. Habe ich jetzt Aids?", fragt ein Junge. Mit Sorge beobachtet denn auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln Wissenslücken beim Thema Aids. Die große Mehrheit der Jugendlichen verhalte sich zwar noch sehr verantwortungsbewusst, versichert BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Doch seit Mitte der Achtziger Jahre wurden die Gelder der BZgA für die Aids-Aufklärung von rund 25 Millionen Euro auf heute neun Millionen Euro gekürzt. Immer weniger Jugendliche würden so mit den Kampagnen zu Aids erreicht, warnt Pott. "Die Prävention aber darf nicht nachlassen."

    Dabei gibt es durchaus positive Beispiele. Der DaimlerChrysler-Konzern etwa hat das Thema Aids im vergangenen Jahr wieder in den Lehrplan für seine 7500 Auszubildenden in Deutschland aufgenommen. Aber: "Mit dem Thema Aids allein hole ich keinen Jugendlichen mehr aus dem Sessel", klagt Dietmar Heyde von der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel. Das Interesse der Jugendlichen am Thema Liebe und Partnerschaft jedoch sei unverändert groß. "Aids-Prävention steht daher in einem sexualpädagogischen Kontext", sagt Heyde. Seine Zielgruppe sind die 14- bis 17-Jährigen. Die Jungen wollen wissen, wie sie am besten bei den Mädchen ankommen. Die Mädchen dagegen sind vor allem an Verhütung interessiert. Fast nebenbei und ohne Angst könne man den Jugendlichen so vermitteln, dass Kondome nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern auch vor Aids schützten. Doch besonders in ländlichen Regionen setzen Jungen und Mädchen statt auf Kondome zunehmend auf Treue, um sich vor Aids zu schützen. "Und schlittern von einem Treueverhältnis ins nächste", wie Heyde mit Sorge beobachtet. Ein Nebeneffekt: Weil weniger Kondome benutzt werden, nimmt die Zahl der Schwangerschaften bei Mädchen unter 15 Jahren deutlich zu. Oft sind diese Schwangerschaften durchaus gewollt: Gerade auf dem Land flüchten sich Jugendliche dann in ein romantisches Liebesideal, um der vermeintlichen Aussichtslosigkeit ihrer Lebenssituation zu entkommen.

    Insgesamt wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 189 Millionen Kondome verkauft, 18 Millionen weniger als noch im Jahr 2000. Doch das ist nur ein Indiz für eine veränderte Rangfolge der deutschen Ängste. Die Menschen sorgen sich heute um ihren Arbeitsplatz. Sie fürchten, die sechste Urlaubswoche zu verlieren. Sie haben Angst vor dem Terrorismus. Nur noch jeder dritte Deutsche stuft Aids als eine besonders gefährliche Krankheit ein. Das schlägt sich auch in der Zahl der Neuinfektionen mit HIV nieder. Mit 1958 HIV-Erstdiagnosen wurde 2003 der höchste Stand seit Ende der neunziger Jahre erreicht. Einen Anstieg der Infektionen beobachten die Statistiker des Berliner Robert-Koch-Instituts vor allem bei homosexuellen Männern in den Großstädten. Ein Trend, der sich auch im ersten Halbjahr 2004 fortsetzt. Mit rund 50 Prozent bilden homosexuelle Männer nach wie vor die größte Gruppe der rund 43*000 HIV-Infizierten in Deutschland - und insbesondere junge Schwule verzichten zunehmend auf Kondome. "Sie nehmen das Risiko einer Ansteckung mit Aids bewusst in Kauf", berichtet Anja Potthoff, Ärztin in der Aids-Ambulanz der Ruhr-Universität Bochum. Auch die Zunahme anderer sexuell übertragbarer Krankheiten wie Syphilis oder Gonorrhö liefert ein Indiz für den zunehmenden Verzicht auf Kondome und ein verändertes Risikoverhalten.

    Angesichts von weltweit fast 40 Millionen HIV-Infizierten steht Deutschland zwar immer noch "vergleichsweise gut" da, wie Bernhard Schwartländer vom Global Fund zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria erklärt. Doch Afrika oder Asien könnten nicht der Maßstab sein. Die Situation in Deutschland sei "Besorgnis erregend". Nach den Erfolgen der Aids-Kampagnen in den achtziger Jahren wurde es versäumt, die Prävention weiter zu stärken. Dabei ist es leichter, das Verhalten von Jugendlichen zu prägen, als das Verhalten von Erwachsenen zu ändern. Aids-Aufklärung müsse daher schon bei den 12- bis 13-Jährigen beginnen, fordert Schwartländer. Er ist überzeugt: "Aids in Deutschland ist vermeidbar."


    Artikel erschienen am 17. Juli 2004
    © WELT.de 1995 - 2004
     
    #2
    Hermann, 17 Juli 2004

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten
Test