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Bin ich anders?

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Bailadora, 3 Februar 2010.

  1. Bailadora
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    nicht angegeben
    Entschuldigung, wenn das hier etwas wirr ist, aber ich bin einfach so verzweifelt.

    Ich war vor zwei Jahren wegen dem Abistress depressiv und deswegen damals auch in Behandlung. Damals dachte ich "Du musst nur das Abi überleben, danach wird alles besser!"
    Ich hab einfach geglaubt, dass ich, wenn ich das studiere, was mir Spaß macht, keine Probleme mehr haben werde mit Zuverlässigkeit und Motivation. Klar, es ist immer mal schwierig, sich zu motivieren...aber das ist ja normal und davon bin ich ja ausgegangen. Ich mein, ich hab die Schule vorher ja auch irgendwie gemeistert, zuverlässig meine Aufgaben erledigt etc.
    Aber jetzt bin ich schon 11/2 Jahre am studieren und dreh so langsam echt am Rad. Nehmen wir nur dieses Semester als Beispiel. Mein Semesterprojekt (wir haben immer pro Semester ein Projekt und dann noch Vorlesungen etc) hat mir von Anfang an gut gefallen, ich war total motiviert und hab mich einfach gefreut, sowas tolles machen zu dürfen. Wir haben auch mit einem Unternehmen kooperiert und die haben sich super viel Mühe gegeben, uns konstruktives Feedback zu geben. Also eigentlich alles toll.

    Aber jetzt, vor der großen Endpräsentation war wochenlang mein Kopf einfach DICHT. Dabei hatte ich einen so schönen Zeitplan, der jetzt auch nicht zu straff war. Ich hab mich trotzdem immer weiter gequält, auch wenn es mir verdammt schwer fiel.
    Und gestern ist dann die Präsentation einfach total gefloppt. Die haben nicht verstanden, was ich rüberbringen wollte - ich hab es anscheinend super mies erklärt.

    Und jetzt sitz ich hier und mach mir selbst Vorwürfe. Wieso bin ich selbst nicht darauf gekommen, es so einfach wie möglich zu halten, damit das Wesentliche zu Geltung kommt und auch verstanden wird? Alle Details hätte ich ja noch erläutern können.
    Wieso hab ich es nicht geschafft, meinen Zeitplan einzuhalten? Wieso war ich plötzlich so demotiviert?! Ich versteh mich einfach selbst nicht. Es hat mir doch Spaß gemacht!

    Ich hab einfach das Gefühl, dass ich lebensunfähig bin. Klar, die anderen haben auch mal Motivationsprobleme. Aber ich hab sie ständig. Und das selbst bei Dingen, die mir eiegntlich Spaß machen!
    Wenn es nur die Motivation wär - ich bin ja dann auch wie betäubt, verstehe selbst die einfachsten Sachen nicht mehr, die mir andere Male sofort einleuchten. Wieso ist das so? Bin ich irgendwie gestört? Ist in meinem Kopf was kaputt?

    Ich hab damals bei Abi Antidepressiva bekommen, und die bekommt man ja, wenn was im Stoffwechsel des Gehirns nicht richtig läuft. Immer öfter denke ich, dass ich einfach einer der Fälle bin, wo dauerhaft was kaputt ist. Anders kann ich mir das echt nicht erklären. Aber mein Studienort hier ist eine Stadt mit relativ hohem Arbeitslosenanteil, was zur Folge hat, dass jeder Therapeut hier Wartezeiten von mindestens 2 Jahren hat oder schon gar keine Warteliste mehr führt, weil einfach so viele Bedarf haben. Ich hab schon 4 Therapeuten angerufen und die haben mir alle dasselbe gesagt.
    Ich weiß nicht, wie ich unter diesen Umständen jemals meinen Abschluss schaffen soll bzw ihn gut schaffen soll. Ich würde so gerne einen Master ranhängen, aber das geht ja nur mit guten Noten. Und die versaue ich mir regelmäßig durch meine psychischen Probleme :frown:

    Ich hab echt keine Ahnung, was ich tun kann. Geht es vielleicht jemandem genauso und er kann mir helfen?
     
    #1
    Bailadora, 3 Februar 2010
  2. User 12900
    where logic cannot intervene
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    nicht angegeben
    Mir geht es auch manchmal so. Gerade das "betäubt sein" kenne ich sehr gut. Vielleicht eine absurde Idee, aber ich habe jetzt schon so oft gelesen, dass Frauen nach dem Absetzen der Pille den "Schleier" vor ihren Augen verloren haben etc. - vielleicht ist es ja sowas? Ich würde sie daher gerne absetzen und schauen, ob es daran lag.

    Was ist denn mit dem Therapeuten, bei dem du vor dem Abi warst, hat der auch keine Termine frei?
     
    #2
    User 12900, 3 Februar 2010
  3. aiks
    Gast
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    Ich hab grad sooooo irrsinnig lächeln müssen, wie ich das gelesen hab.

    Das ist vollkommen normal, ich kenn das genau so von vielen von meinen Freunden, von meinem Freund und auch von mir selber. Immer "ich hab mich so darauf gefreut und jetzt hab ich überhaupt keine Lust mehr und sitz stattdessen gelangweilt vor dem Monitor"

    Und weisst du was? Genau in diesem Moment sollte ich echt dringend eine Arbeit schreiben, mich interessiert das Thema, ich will eine gute Note, es ist auch nicht schwer - aber was mach ich? ich quäle mich furchtbar durch, lese hier auf Planet Liebe und schreib alle heiligen Zeiten mal einen Satz hin, der so furchtbar ist, dass ich ihn lösche und wieder ein schlechtes Gewissen hab.

    Von meiner Seite aus bist du absolut normal :smile:
     
    #3
    aiks, 3 Februar 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 5
  4. Dunja
    Dunja (23)
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    Hey Bailadora :knuddel:

    Das mit der Präsentation ist doch nicht sooo schlimm. Ok du hast es vielleicht nicht so gut erklärt, ist doch menschlich und kann jedem passieren. Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich gar kein Wort rauskriegen. Also mach dir keine Vorwürfe deswegen, kann doch mal passieren, das nächste Mal wirds bestimmt besser. :smile:

    Ich glaub nicht, dass du irgendwie unnormal bist. Motiviationsprobleme haben doch viele. Nur von vielen wird dann halt einfach gesagt sie wären faul, ohne mal zu schauen wieso man so unmotiviert ist. Mir geht es auch manchmal so, wenn in der Schule Referate vergeben werden versuch ich immer das interessanteste Thema zu bekommen und dann bin ich super motiviert und male mir dann schon alles im Kopf aus wie ich das machen will. Aber dann fällts es mir doch immer wieder total schwer es zu machen, ich kann mich nicht darauf konzentrieren, muss mich dazu richtig zwingen und dann wirds am Ende auch manchmal nicht so gut. Und ich kenn auch viele andere bei denen es genauso ist. Also unnormal ist das bestimmt nicht. Die Frage ist nur wie man es schafft sich besser zu motivieren und konzentrieren, da gibts bestimmt ein paar Tricks.

    Antidepressiva bekommt man doch nicht einfach so oder? Muss dafür nicht erstmal ein Arzt herausfinden was du hast? Warst du denn schon mal bei einer Beratung oder so? Ich mein es muss ja nix in deinem Kopf "kaputt" sein, ist vielleicht nur eine Einstellungssache, die man mit ein paar Tricks ändern kann.

    Gibts an der Uni keinen "Vertrauens-Professor" oder vielleicht eine Lerngruppe wo sich Leute mit demselben Problem treffen? Find ich ja schon schlimm, wenn man zwei Jahre auf eine Therapie warten muss. Kannst du denn vielleicht auch mal versuchen einen Therapeuten aus einer anderen Stadt in der Nähe anzurufen?
     
    #4
    Dunja, 3 Februar 2010
  5. User 20976
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    vergeben und glücklich
    Hast Du schon nach der psychologsichen Beratungsstelle in Deiner Hochschule geschaut? Entweder in der Uni selbst als Teil der psycho-sozialen Beratung oder beim Studentenwerk gibt es Beratungsangebote; sowohl für Lern- und Studienprobleme, Prüfungsangst als auch für andere Dinge. Denn psychische Probleme gleich welcher Natur können eben das Studium beeinträchtigen - und um dann Lösungen zu finden, gibt es beim Studentenwerk und/oder in der Uni selbst Psychologen zur Unterstützung.
    Habe ich selbst in Anspruch genommen und jeweils relativ schnell Termine bekommen. Es gibt auch Gruppenangebote, zum Beispiel für Studenten, die Probleme mit dem selbstdisziplinierten und selbstständigen Arbeiten haben. Natürlich weiß ich nicht, wie das in Deiner Uni ist, erkundige Dich doch mal. :smile:

    So außergewöhnlich scheint mir Deine Geschichte auf Anhieb übrigens nicht. Ob Du medikationsbedürftige Depressionen hast, kann ich nicht beurteilen, aber aus eigener Erfahrung ein paar Gedanken äußern.

    Deine Probleme resultieren aus meiner Sicht aus einem ganz bestimmte Übel: Trägheit.
    Trägheit ist eine absolut menschliche Eigenschaft und furchtbar lästig und kontraproduktiv. Die Frage ist, wiie sehr man unter seiner Trägheit leidet bzw. ob man lernt, oft genug und lange genug diese Trägheit zu überwinden. Wie kriegt man es hin, angesichts der positiven Folgen bei Unterdrückung der Faulheit ebendiese zu überwinden? Zu wissen, dass man sich am Ende über eine gute Note freuen wird, wenn man fleißig ist und konstant arbeitet und lernt, genügt vielen Menschen nicht, um sich wirklich zum kontinuierlichen Arbeiten und Lernen durchzuringen. Eventuell muss man sich überlisten und sich ein effizientes Belohnungssystem ausdenken. Es ist nur natürlich, Anstrengung zu vermeiden - da hilft Vernunft nur bedingt. Ich falle selbst immer wieder in so einen faulen Sumpf. Ein paar recht individuelle Tricks habe ich mir angeeignet, eben Selbstbelohnung, außerdem hab ich ein paar Leute, die schubsen dürfen und das auch gern tun - wissend, dass letztlich doch ich selbst entscheide und verantwortlich bin.

    Hier zur Aufheiterung ein Video - die alternative Schöpfungsgeschichte. Wie es wirklich war. :zwinker:

    [ame="http://www.youtube.com/watch?v=YAlGk6NKZHI"]YouTube- Rowohlt: Passig, Lobo, Dinge geregelt kriegen[/ame]
     
    #5
    User 20976, 4 Februar 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  6. Bailadora
    Meistens hier zu finden Themenstarter
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    nicht angegeben
    Heihei,

    entschuldigt meine späte Antwort! Aber wie das immer so ist, man will sich mit den unangenehmen Dingen im Leben nicht beschäftigen... :zwinker:

    Ich weiß, dass viele mit Motivationsproblemen und Prüfungsängsten kämpfen und ich deshalb gar nicht so aussergewöhnlich bin. Dennoch denke ich, das bei mir noch ein anderer Aspekt hinzu kommt. Wie gesagt war ich bereits einmal in psychotherapeutischer Behandlung - damals habe ich es teilweise kaum aus dem Haus geschafft vor lauter Angst und ständig die Schule und Klausuren geschwänzt vor lauter - ja, Betäubtheit?
    Dass ich mein Abi noch geschafft hab, war pures Glück und lauter nette Lehrer, die mit sehr viel Verständnis reagiert haben, als ich endlich mit der Sprache rausgerückt bin und erzählte, dass ich offiziell als depressiv diagnostiziert bin.
    Ich habe es so spät erzählt, weil nämlich die meisten mit "Na, das ist doch normal! Stell Dich doch nicht so an! reagieren, die noch nie eine Depression hatten oder einen nahestehenden Menschen kennen, der eine hat/hatte.

    Ich habe damals auch zwei verschiedene Antidepressiva plus Schlaftabletten bekommen. Und eine Therapie gemacht, die mir sehr weiter geholfen hat. Leider musste ich die aber abbrechen, weil ich zum Studium 450 km weit weg gezogen bin.
    Inzwischen ist meine damalige Therapeutin auch nicht mehr als solche tätig, sondern arbeitet in einem psychologischen Forschungsinstitut. Das heißt, ich kann sie noch nicht mal in den Semesterferien kontaktieren. Und selbst wenn, ich glaube, dass ich jetzt, auf dem aktuellen Stand, einen anderen Therapeuten mit einem anderen Ansatz bräuchte.
    Denn damals war ich ja am Boden und habe nichts mehr auf die Reihe gekriegt - heute wohne ich allein, bin weitestgehend selbstständig, habe viele Ängste abgebaut. Es ist eine ganz andere Situation.

    Meine Therapeutin hat mir damals viele "Werkzeuge" mitgegeben, die mir oft helfen. So zum Beispiel das gezielte Hinterfragen. Beispiel: ich habe den negativen Gedanken "Ich kann das nicht!" - daraufhin frage ich mich "Wieso eigentlich nicht?! Ich kann es doch versuchen! Und wenn ich es wirklich nicht kann, dann finde ich jemanden, der mir helfen kann - oder mache es ganz anders (andere Wege führen auch zum Ziel)!"

    Aber diese Trägheit, diese Betäubung ist etwas, gegen das ich mit den bisher erlernten Werkzeugen nicht in den Griff kriege.
    Ich hab mal überlegt, wann sie auftritt. Und zwar tut sie das immer dann, wenn ich entweder denke "Boooah, so ein Riesenberg bis Du fertig bist!" oder wenn ich die Chance habe, wirklich zu beeindrucken, weil mir meine Prüfer wohlgesonnen sind.

    Und dann passiert etwas, das in meinen Augen total paradox ist. Zuerst kommt die Trägheit/Betäubtheit, die dazu führt, dass ich nicht mehr klar denken kann und somit nichts mehr schaffe. Dann kommt die totale Panik, weil ich mir die Zeit davon rennen sehe. Und letzten Endes starte ich fast jedes Mal eine Nacht-Durchmach-Aktion um noch rechtzeitig fertig zu werden. Dann komme ich völlig übermüdet zur Präsentation/Prüfung und liefere eine mittelmäßige Vorstellung ab.

    Dabei könnte ich mit viel weniger Stress ein besseres Ergebnis erzielen! Aber ich schaffe es einfach nicht, meinen Kopf frei zu kriegen! Egal, was ich an Selbstbelohnung versuche: Sport, mit Freunden reden/telefonieren, was Schönes kochen, meinen Freund sehen...
    ...ich fühl mich immernur schlecht. Zweifle an mir selbst und bin wie benebelt. Zu solchen Zeiten schreibe ich manchmal auch total bescheuerte Beiträge in dieses Forum, die ich sonst nie verfassen würde oder ecke in der Uni überall an - weil ich irgendwie nicht ich selbst bin, viel ruppiger und irgendwie total beschränkt.

    Als ob mein IQ sich spontan auf 80 senken würde und ich nichts mehr begreife. Ich arbeite dann zwar einigermaßen konsequent weiter (was ich früher ja gar nicht geschafft habe, da habe ich nur auf PL gesurft :zwinker: ), aber das reisst mich da auch nicht raus. Ich schaffe in 5 Stunden, was ich normalerweise in 1 1/2 schaffe. Und das, obwohl ich mich noch nicht einmal ablenke (kein Fernsehen etc).
    Und das ist es, was mir so Angst macht. Ich fühle mich total hilflos. Die Probleme/Gefühle, die ich in der Therapie angegangen bin, die waren zwar auch schwer zu lösen - aber irgendwie war es leichter als das jetzt. Ich bin so ratlos und habe keine Ahnung, wie ich meinen Kopf dazu bringen kann, nicht die Hälfte der Gehirnzellen auszuschalten.

    Ich fürchte einfach, dass es viel tiefer steckt und eine viel stärkere Fessel ist als die anderen Dinge, die ich schon viel besser im Griff habe.




    Aber ich habe jetzt an die psychologische Beratungsstelle meiner Studienstadt geschrieben und nach einem Termin gefragt.
    Und das Buch von Mosquitos Video habe ich mir inzwischen ausgeliehen und lese es jetzt. Bestimmt ist es nicht schlecht, das Ganze auch mal von der humorvollen Seite anzugehen!
    (Übrigens ist das Video typografisch echt ein Genuss :smile: danke für das kleine Juwel).

    Ich versuche, nicht zu verzweifeln und mit Freunden über meine Ängste und Gefühle zu reden. Selbst wenn die mir nicht wirklich helfen können, immerhin hilft mir ihr offenes Ohr. Zumal meine beste Freundin auch gerade eine schwere Phase hat, da kann man sich gegenseitig verstehend bemitleiden :zwinker:
    Ich setze jetzt meine Hoffnung in ein Beratungsgespräch mit den Uni-psychologen.

    Übrigens hab ich in meinem Semesterprojekt trotz vergeigter Präsentation eine 2,0 bekommen. Das Einzige, was mich ärgert: das hätte ich echt viel einfacher haben können.
     
    #6
    Bailadora, 18 Februar 2010
  7. User 20976
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    vergeben und glücklich
    Nur kurz: Ich drück Dir die Daumen, dass Dir der Unispychologe weiterhelfen kann. Wenn Du magst, erzähl dann doch mal, was er für Vorschläge für Dich hat.

    Das Buch von Passig und Lobo finde ich nur zum Teil gelungen, aber einige Gedankenansätze fand ich interessant.
    Das Video fand ich super, ich fand die Idee genial - und die typografische Umsetzung hat mir auch extrem gut gefallen. Gern geschehen.

    Glückwunsch zur guten Note. Ich habe mal eine 2,0 für eine Hausarbeit bekommen, die ich selbst extrem schlecht fand. In dem Fall war die Dozentin von meinem Vortrag im Seminar so begeistert und hingerissen, dass sie erklärte: "Ich weiß, dass Sie es besser können, und in Anbetracht Ihres mitreißenden Vortrags gebe ich Ihnen insgesamt eine 2,0." Ich bin eine Nächtedurchmachexpertin und finde das Abgeben in letzter Minute fürchterlich - aber nachdem mir schon mehrere Dozenten versichert haben, bei Ihren Fachartikeln für Zeitschriften ginge es Ihnen ähnlich, halte ich das für eine sehr menschliche Eigenschaft... Mal klappt es besser, mal wird es richtig knapp - ein Geheimrezept zum Überwinden der Selbstblockade habe ich noch nicht gefunden. Aber ich bin optimistisch.
     
    #7
    User 20976, 18 Februar 2010
  8. Bailadora
    Meistens hier zu finden Themenstarter
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    nicht angegeben
    Danke. Das werd ich tun! Vielleicht hilft es dann ja auch einem stillen Mitleser und -leider weiter :zwinker:

    Klar, jeden Ratgeber sollte man mit Vorsicht lesen und nicht unbedingt 1:1 übernehmen. Aber die guten Ratschläge rausziehen und eventuell ein wenig Schmunzeln :smile:

    hah, sehr genial! Genau das hab ich auch schon gehört :zwinker: Deine Dozenten sind ja auch sehr entspannt, wenn sie so etwas offen zugeben - find ich sympatisch!

    Tut gut zu lesen, wie ähnlich es andern doch manchmal geht. Das hat mich jetzt aufgemuntert :smile:
     
    #8
    Bailadora, 18 Februar 2010
  9. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Du bist nicht allein. Ganz bestimmt nicht. Sicher kann nicht jeder zugeben, wenn er so ein Last-Minute-Fertigwerder ist, ich fand es jedenfalls sehr tröstlich, das von erfolgreichen Professoren zu hören. Und sicher gibts auch Menschen, die so organisiert und strukturiert sind, dass ihnen Nachtschichten kurz vor der Abgabe unbekannt sind. Aber Aufschieben ist verdammt menschlich (und, wie wir dank der alternativen Schöpfungsgeschichte wissen, auch göttlich :zwinker:.)

    Oft bin ich erstaunt, was andere mir alles zutrauen bzw. wie andere mich wahrnehmen - langsam bin ich dran gewöhnt, manchmal nervt es auch, wenn ich mich mal schwach fühle und dann zu hören bekomme: "Klar kannst Du das/schaffst Du das." Stimmt ja meistens auch, aber ich habe lernen müssen, dass es hauptsächlich für einen selbst wichtig ist zu lernen, dass man manchmal auch etwas NICHT schafft. Und dass das nicht das Ende der Welt ist. Auch mal zu scheitern ist nicht automatisch katastrophal, sondern eventuell lehrreich, charakterformend :zwinker: und einfach Teil des Lebens. Und Familie und Freunde mögen einen weiterhin.

    Ich weiß nicht, wie relevant Deine jeweiligen Noten für die Gesamtnote sind, aber manchmal ist es in Ordnung, NICHT _alles_ gegeben zu haben und nicht die Bestnote zu erhalten, sondern schlicht zu bestehen und etwas als erledigt abhaken zu können. Gegen meinen eigenen Perfektionismus sage ich mir das selbst immer wieder. Meistens sind andere mit dem, was ich abliefere, dann erstaunlich zufrieden - ich muss nicht grundsätzlich brillieren, diese Ambition kann ungesund sein - vor allem, wenn man Perfektionist UND Aufschieber ist.

    Inwiefern Deine Form des Blackouts bzw. Betäubtseins therapierbedürftig ist, weiß ich nicht, aber da Du aus Deiner früheren Krise gut herausgefunden hast und jetzt auch wieder nach Unterstützung vom Profi suchst, bin ich sicher, dass Dein "Anderssein" zu bewältigen ist. (Im Übrigen finde ich Anderssein generell eher positiv als negativ.)
     
    #9
    User 20976, 18 Februar 2010
  10. Dandy77
    Meistens hier zu finden
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    nicht angegeben
    Mmmh,

    klar ist es ein Weg, die TS aufzubauen. Aber hilft das "in Watte packen" wirklich weiter? Was erwartet jemand, der beim Abi Depressionen wegen Prüfungsangst bekommt, bei einem Studium? Zumal er diesen Weg "unbegleitet" - d.h. ohne Therapeuten - bestreitet? Wenn man zu Depressionen neigt, sollte man auch professionell etwas dagegen tun. Depressionen wirken wie ein Strudell. Je mehr Zeit man hat, sich selber mit den eigenen Depressionen zu beschäftigen, um so mehr ziehen sie einen nach unten. Das einfachste wäre also, der TS die Zeit dafür zu nehmen. Wie sieht es mit körperlicher Arbeit oder Sport aus? Richtig auspowern, einen anderen "Streßverursacher" aufbauen.
    Wer keine Zeit hat, über Depressionen nachzudenken, hat auch oft keine.
     
    #10
    Dandy77, 19 Februar 2010
  11. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Wo siehst Du hier die Watte?

    Ob es jetzt wieder "echte" Depressionen sind, kann ich nicht beurteilen. Bailadora hat einen Termin beim Unipsychologen, und meine Erfahrung ist, dass die ggf. auch auf einen Psychiater verweisen (eventuell zusätzlich zu einer Gesprächstherapie).*)

    Hier gings außerdem spezifisch um Lernblockaden bzw. Selbstmotivationsprobleme, ich hatte nicht den Eindruck, als kreise Bailadora deprimiert um sich selbst oder steigere sich selbstbemitleidend in Probleme hinein.

    --
    *) Edit: Okay, wenn auch die Psychiater in der Gegend alle ausgebucht sind, wird das ein Problem - aber warten wir mal, was der Unipsychologe an Unterstützung anbietet. --
     
    #11
    User 20976, 19 Februar 2010
  12. Bailadora
    Meistens hier zu finden Themenstarter
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    nicht angegeben
    Lieber Dandy, ich würde den Weg ja gerne begleitet bestreiten - aber wie bereits schon einmal (oder zweimal) geschrieben, gibt es hier keinen Therapeuten, der einen Platz für mich frei hat. Die haben hier Wartelisten von 2 Jahren oder schon gar keine Wartelisten mehr, weil so viele Hilfe brauchen. Ich habe bei 4 Therapeuten angerufen und jeder von denen hat mir das gesagt - und auch, das es bei allen anderen genauso aussieht. Was soll ich dann Deiner Meinung nach tun? Das Studium abbrechen? Mich nie wieder einer Prüfung stellen, so lange ich keine "Begleitung" habe? Das Leben muss doch irgendwie weiter gehen...

    Zumal ich schon 1 1/2 Jahre in Therapie war und damals dachte, alles Wichtige mitbekommen zu haben um solche Dinge zukünftig besser anzugehen. Ich dachte damals, dass es aufgrund des Abiturs so weit kam und hätte nie gedacht, dass es in einem Gebiet, an dem ich wirklich Spaß habe, so weit kommt. In den Fächern, die mir lagen, war ich in der Schule bis zuletzt im zweistelligen Punktebereich. Was hätte also darauf hin deuten sollen?

    Du tust grad so, als wäre ich total naiv, weil ich einfach nur das machen will, was andere tun: studieren, und zwar an einer guten Uni, die nunmal in meinem Heimatort nicht zu finden war.

    Und ganz ehrlich, mein Studium ist sehr zeitintensiv. Das erste Jahr habe ich pro Nacht lediglich 6 Stunden Schlaf gehabt. Jetzt ist es besser, aber selbst in den Semesterferien und über Weihnachten sitze ich fast täglich für die Uni. Ich gehe regelmäßig laufen, aber mehr körperliches Auspowern geht beim besten Willen nicht. Ich bin doch jetzt schon ständig müde.

    Mein Eindruck ist, dass Du anscheinend nicht wirklich weißt, was eine Depression heißt. Zumal jeder Mensch anders damit umgeht und umgehen muss - Dir mag es vielleicht helfen, Dich richtig auszupowern. Mir hilft es, darüber zu sprechen, Anregungen zu bekommen, wie ich es besser machen kann - und mich ab und zu ein kleines bisschen in Watte packen zu lassen. Weil mir das die Kraft gibt, weiter zu machen.
    Dann dürfte es ja keine Burnouts geben - oder Depressionen bei Menschen, die täglich 17 Stunden arbeiten.

    Ich geb Dir Recht, dass ewiges Grübeln nichts bringt. Aber gar nicht Nachdenken auch nicht.

    _________________________________________________________

    EDIT:
    Zur Löwin: wenn es eine Depression ist, dann keine so Schlimme wie beim letzten Mal. Ich glaube aber eher, dass ich strauchle auf dem Weg nach vorn. Oder anders gesagt: jetzt ist grad ein Wellentief und ich suche den Weg rauf auf die Welle.
     
    #12
    Bailadora, 19 Februar 2010
  13. dollface
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Ich kann nicht beurteilen, ob deine Trägheit und "Betäubung", wie du es nennst, von deinen Depressionen, die Aufgrund des erneuten Stresses (der ja nunmal beim Studieren nicht ausbleibt), wieder aufgetreten sein könnten herrühren oder ob es dir einfach nur so geht, wie es vielen Menschen geht.

    Ich kann nur sagen, dass eine gewisse Trägheit und die Unfähigkeit sich zu motivieren, auch für Themen die einen interessieren, sicher nichts Abnormales ist.
    Mir geht es exakt genau so. Ich habe jetzt Semesterferien, muss allerdings 3 Hausarbeiten schreiben, zwei zu Themen, die mich nicht soo interessieren, eine zu nem Thema was ich mir explizit genau so selber ausgesucht habe und was ich total spannend und interessant finde und trotzdem kann ich mich (noch) nicht dazu aufraffen mich intensiv damit zu beschäftigen. War schon vor zwei Wochen in der Bibliothek und habe mir Unmengen an Büchern ausgeliehen, in denen ich dann am selben Nachmittag noch begeistern angefangen habe zu lesen. Das ist jetzt wie gesagt 2 Wochen her. Seit dem besagten Nachmittag habe ich kaum mehr reingeguckt, hab mich vorhin dazu gezwungen ne Stunde zu lesen, sitze jetzt hier, im Hinterkopf die ganzen Sachen, die ich noch machen muss und habe nen kleines schlechtes Gewissen, dass sich etwa alle 10 Minuten kurz meldet :zwinker:

    Ich würde sagen, solange du nicht über einen wirklich längeren Zeitraum den gesamten Tag benommen dasitzt und nichts zustande bringst, ist dein Zustand noch einigermaßen normal und menschlich.
    Und dass deine Präsentation nicht so super gelaufen ist, ist zwar blöd aber kein Weltuntergang. Es hat sich für mich so angehört, als hättest du an dem an sich Projekt gerne und motiviert gearbeitet oder liege ich da falsch?

    Es ist aus deinen Beiträgen nicht so ganz rausgekommen, vielleicht hab ichs auch überlesen aber hast du ne (extreme) Prüfungsangst? Dagegen kann man ja auch was tun und das hat ja nicht unbedingt was mit Depressionen zu tun.

    Um nochmal auf die fehlende Motivation zurückzukommen...mir hilft es zum Beispiel bei meiner einen Hausarbeit (wo mich das Thema mitnichten interessiert), dass ich sie mit nem Kommilitonen zusammen schreibe. Das heißt ich weiß, wenn er am Dienstag nachmittag kommt gibt es keinen Ausweg als sich nen paar Stunden auf den Hosenboden zu setzen und zu denken und zu schreiben.
    Ich weiß nicht, ob das bei dir möglich ist aber vielleicht hilft es dir ja, wenn du dich an andere dranhängst. Und sei es nur, dass du zu nem Kommilitonen sagst, dass er dir Bescheid sagen soll, wenn er beispielsweise in die Bibliothek zum Lernen geht und dich mitnimmt, dass du dich neben ihn oder auch sie setzt und dann eben keine Möglichkeit hast nach 10 Minuten wieder zu verschwinden.

    Hmm, mehr fällt mir grad auch nicht ein. Das Einzige, was ich an deiner Stelle vielleicht NICHT machen würde, ist jede Schwierigkeit, an der du zu knabbern hast, jede Unmotiviertheit oder Trägheit gleich als Depression zu betrachten. Ich wette mit dir, dass auch bei dir viele dieser Dinge einfach ganz normal sind und genau so, wie sie millionen Menschen (ohne Depression) auch haben :smile:
     
    #13
    dollface, 19 Februar 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 3
  14. Bailadora
    Meistens hier zu finden Themenstarter
    991
    128
    99
    nicht angegeben
    Also vielen Dank nochmal für alle bisherigen Antworten, ich fürchte, das habe ich bisher zu wenig gesagt :smile:

    Das geht auch an Dandy77. Dein Beitrag hat mir nicht geschmeckt, aber Du hast es sicher nur gut gemeint und ich hätte anders reagieren sollen. Ich habe mich den Moment geärgert, das tut mir leid.


    @munich-lion: Bisher habe ich leider keine Antwort auf meine Mail erhalten. Ich werde Montag mal anrufen und nachfragen, ob sie sie schon gelesen haben und wie es ausschaut mit einem Termin.

    Da hast Du wohl Recht und ich werde versuchen, mir das vor Augen zu halten. Das mit dem gemeinsamen Lernen/Arbeiten finde ich eine gute Idee, und ich werde versuchen, das das nächste Semester umzusetzen. Viele von uns arbeiten hauptsächlich in der Uni, weil wir für jedes Semesterprojekt sozusagen unseren eigenen Raum haben. Wenn ich mich dazu setze, sollte mir Durchhalten leichter fallen und mir fällt dann bestimmt auch nicht so sehr die Decke auf den Kopf, was die Sache mit der Trägheit erleichtern könnte. Außerdem kann man sich dann auch leichter Anregungen bei Problemlösungen holen.
    Zu Hause arbeiten finde ich zwar bequemer, aber vielleicht ist diese Verlagerung des Arbeitsplatzes eher förderlich...ich werde es ausprobieren.

    So lange werkle ich hier an meinem Portfolio, das ich bis zum 22. März abgegeben haben muss - und an einer Hausarbeit. Bisher geht das ganz gut voran und macht Spaß, ich kann mich nach ein paar Tagen Unipause wieder besser motivieren. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass ich hier ein offenes Ohr gefunden habe!
    Vielen Dank nochmal für die vielen Anregungen und Tipps :smile:
     
    #14
    Bailadora, 21 Februar 2010
  15. Lupinchen
    Lupinchen (26)
    Öfters im Forum
    381
    53
    49
    in einer Beziehung
    Off-Topic:
    Bist du Kassenpatient? Falls ja würd ich mal über eine private Zusatzversicherung nachdenken.
    Ich bin zur Zeit auch in psychologischer Behandlung, in meinem Umkreis ist es genau das selbe.
    Als ich dort angerufe habe war die erste Frage: "Sind sie privat Versichert? Ja? Gut, dann werde ich ihnen in den nächsten zwei Wochen einen Termin vereinbaren."
    Die Terminpläne meiner Psychologin sind auch brechend voll, aber für Privatpatienten hat sie laut eigener Aussage immer noch einen Platz ...

    Informier dich vielleicht mal.
     
    #15
    Lupinchen, 21 Februar 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  16. Dandy77
    Meistens hier zu finden
    1.501
    133
    56
    nicht angegeben
    Hallo Bailadora,

    mein Beitrag sollte dir auch nicht schmecken. Er sollte dich provozieren. Dich aufrütteln, die Kämpferin in dir wecken.
    Dich bedauern und dir damit eine Möglichkeit geben, dich in Selbstmitleid zu baden, ist nicht mein Ding. Du sagst, dass du bereits im Abi Depressionen gehabt hast und in Therapie warst. Wäre es da nicht sinnvoll gewesen, sich mit dem Studienplatz auch gleich einen neuen Therapeuten zu suchen, sich am besten gleich auf drei Wartelisten einzutragen?

    Meine Erfahrungen mit Depressionen sind, dass sie einen wie ein Strudel nach unten ziehen. Man interpretiert nur noch alles negativ für sich, saugt das quasi auf, wie ein Schwamm. Ein halbvolles Glas ist dann immer nur halb leer. Aus einer letztlich mit zwei bestandenen Prüfung wird ein Drama gemacht.

    Das gefährliche ist, wenn man sich dem hingibt. Denn das Diskutieren der Depressionen ist wieder etwas negatives. Je öfter man darüber spricht umso mehr Besitz ergreift es von einem. Stimmungsschwankungen und Motivationsprobleme sind normal. Ich habe mich während des Studiums damit motiviert, dass ich mir ein bestimmtes Tagesziel gesetzt habe und eine "Belohnung" dafür gesucht habe. Diese Belohnung kann irgendetwas sein, was schön für einen ist. Ein Kinobesuch, Treffen mit dem Freund, ein schönes Essen mit einem Glas Wein .... Wichtig ist nur, dass man sich darauf freuen kann und diese Freude als Tagesziel definiert.

    Ich habe meine Frau, nachdem sie auf einem Hochhaus stand und springen wollte, mit Depressionen in eine geschlossene Anstalt einliefern müssen. Vor diesem Hintergrund finde ich, dass man Stimmungsschwankungen gleich im Vorfeld bekämpfen und sich nicht in Depressionen reinsteigern sollte. Solange es geht also nach der Devise "ich habe keine Depressionen - also kriege ich auch keine" leben. Wenn das aber nicht mehr gelingt, sollte man frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ich hoffe - du bist eine Kämpferin und findest genug Schönes, auf das du dich freuen kannst.
    Gruß

    Dandy
     
    #16
    Dandy77, 22 Februar 2010

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