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Bist Du behindert?

Dieses Thema im Forum "Liebe & Sex Umfragen" wurde erstellt von Klaus-Bärbel, 15 November 2006.

  1. Klaus-Bärbel
    Verbringt hier viel Zeit
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    86
    0
    vergeben und glücklich
    Vor den Sommerferien hatten wir Projektwoche in der Schule. Ich hatte mit meiner Gruppe das Projekt "Behinderte in unserer Gesellschaft". Habe ich extra gewählt, weil ich vielleicht mal was in der Richtung beruflich machen will (auf jeden Fall erstmal Zivi in dem Bereich). Wir haben uns eine Woche lang verschiedene Sportgruppen (Basketball, Rugby, Hockey mit Elektro-Rollstühlen [voll fett, ich durfte auch mal fahren]) und Einrichtungen (Pflegeheime, Schulen) angeguckt und mit den Leuten gesprochen. War sehr beeindruckend und hat mir schlaflose Nächte gemacht (nicht weil es so schlimm war, im Gegenteil, aber weil mir so viele Gedanken im Kopf herumschwirrten).

    Unsere Standardfrage war: "Fühlst Du Dich von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?"

    Wenn es erlaubt ist, möchte ich hier eine Frage stellen, die ich mich dort nicht getraut habe. Ich hoffe es ist okay.

    Es ist ja hier (Suchfunktion klappt) mehrfach gefragt worden, ob man sich vorstellen kann, mit einem Behinderten eine Beziehung einzugehen oder eine Beziehung fortzuführen, wenn jemand behindert wird. Ich möchte aber mal die andere Seite fragen und wissen:

    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?
    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?
    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?


    Vielleicht ist das ja hier völlig fehl am Platz, dann tut es mir leid, ich möchte niemandem zu nahe treten. Aber die Frage beschäftigt mich schon, ich würde gerne etwas darüber erfahren.
     
    #1
    Klaus-Bärbel, 15 November 2006
  2. keenacat
    keenacat (29)
    Sehr bekannt hier
    5.580
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    vergeben und glücklich
    ich könnte mir vorstellen, dass hier nicht viele antworten werden, gerade weil diejenigen, die schón länger da sind einen gewissen bezug zu den anderen haben, ich denke das ist nicht das richtige forum dazu... aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren :zwinker:
     
    #2
    keenacat, 15 November 2006
  3. User 48246
    User 48246 (30)
    Sehr bekannt hier
    9.372
    198
    108
    vergeben und glücklich
    Off-Topic:
    du erstellst gerne umfragen oder??? irgendwie erinnerst du mich an büschel.... :zwinker:
     
    #3
    User 48246, 15 November 2006
  4. User 48753
    User 48753 (31)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?

    Ich bin hochgradig, an Taubheit angrenzend schwerhörig. Hab also auch einen Schwerbehindertenausweis mit einem Grad der Behinderung von 70 %.

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?

    Ich habe einen wunderbaren Freund, der normalhörend ist. Die Probleme, die wir in der Beziehung hatten, hatte nix mit meiner Schwerhörigkeit zu tun. Doch ich hatte lange Angst, dass er mich nicht so nimmt, wie ich bin. Bin vielleicht deshalb etwas misstrauisch. Wobei bisher auch jeder meiner Exfreunde kein Problem damit hatte.

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?


    Kannst du mir diese Frage bitte mal genauer erläutern? Wie meinst du da mit "insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft"? Im Zusammenhang mit der Gesellschaft? Ob andere Leute mir ne Beziehung nicht zutrauen oder was? Kapier jetzt nicht, was du meinst. Wenn du mir dann deine Frage genauer stellst, beantworte ich sie dir gerne.

    Übrigens finde ich den Titel des Threads nicht so toll gewählt. Das "bist du behindert" hat einen negativen Beigeschmack.

    Bis später! Bin heute Abend wieder da. Beantworte dir auch gerne noch weitere Fragen!
     
    #4
    User 48753, 15 November 2006
  5. trust4fun
    trust4fun (38)
    Verbringt hier viel Zeit
    78
    91
    0
    nicht angegeben
    Na dann will ich auch mal:

    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?

    Mein rechter Arm ist von Geburt an deformiert, in Fachkreisen heißt das Dysmelie.

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?

    Keineswegs.

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?

    Es ist leider so, dass große Teile der Gesellschaft einen Menschen mit offensichtlichem Makel auf diesen reduzieren. Da kann man den Leuten auch keinen Vorwurf machen. Ich selbst habe bislang keine schlechten Erfahrungen im normalen Leben machen müssen, kam immer super mit allen klar. In punkto Partnerschaft sieht es da allerdings schon anders aus.
     
    #5
    trust4fun, 16 November 2006
  6. Sovereign
    Verbringt hier viel Zeit
    228
    101
    0
    nicht angegeben
    Moin,

    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?

    Ich bin mit einen seltenen, schweren Herzfehler auf die Welt gekommen, den zu erklären hier der Platz fehlt. Fachleute bezeichnen das als TGA.

    Angeblich gelte ich seit der OP als 30%ig behindert. Ich persönlich spreche aber nur ungern von einer Behinderung, eher von einer Eigenschaft, besonders wenn ich sehe, womit andere Menschen wirklich zu "kämpfen" haben.

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?

    Ja und nein. Bis jetzt hatte ich noch keine solche Beziehung, woran diese Eigenschaft nicht ganz unschuldig ist.

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?

    Siehe oben. Grundsätzlich werde ich von der Gesellschaft akzeptiert, solange keiner weiß, was mit mir los ist. Nur wenige akzeptieren mich wirklich so wie ich bin, wenn sie alles über mich wissen.

    Gruß

    Sovereign
     
    #6
    Sovereign, 16 November 2006
  7. Klaus-Bärbel
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    21
    86
    0
    vergeben und glücklich
    Erstmal vielen, vielen Dank an alle, die geantwortet haben.

    Off-Topic:
    @Mietzie: 1. Wer ist Büschel? 2. Lebt dieses Umfragen-Unterforum nicht von Umfragen? 3. Ich bin ein neugieriger Mensch, der gerne die Welt um sich herum verstehen möchte.


    @Sonnensche!n: Mit der dritten Frage meinte ich, dass mir bei meiner Projektwoche von den Leuten immer wieder erzählt wurde, dass ganz viele Menschen "Berührungsängste" haben. Also jetzt im weiteren Sinn, bezogen auf "wie gehe ich mit dem anderen um". Ich stelle es mir besonders schwierig vor, wenn Du Dich plötzlich in einen normalhörenden Menschen verknallst. So nach dem Motto: "Oh Gott, da ist jemand schwerhörig, da weiß ich erstmal gar nicht, wie ich mich verhalten soll, und dann will die mich jetzt auch noch anbaggern! Geht ja gar nicht!"

    Nach dem, was ich über die Suchmaschine gefunden habe, dürften irgendwie alle Menschen mit Behinderung es äußerst schwer haben, eine Beziehung/Partnerschaft zu einem nicht behinderten Menschen aufzubauen. Es schreiben ganz viele, dass sie sich sowas nicht vorstellen können. Meine Frage zielt in die Richtung: Hast Du das selbst auch schon so erfahren? Und wenn ja, hast Du einen Tipp, was man anders machen kann?

    @trust4fun: Genau das ist wohl der Punkt, die Reduzierung auf einen Makel. Diese Projektwoche hat mir das sehr nahe gebracht, dass mir eben morgen beispielsweise bei einem Unfall ein Arm verloren gehen kann, dass ich dann aber übermorgen immer noch Klaus-Bärbel bin, nur eben mit einem Arm weniger. Meine Eltern haben mir Behinderte immer als quasi ein seperates Lebewesen vermittelt. Ganz ganz schlimm! Ich denke, das ist ein wichtiger Ansatzpunkt: Zu sehen, dass es sich um einen ganz normalen Menschen handelt. Auch wenn ihm ein Arm fehlt oder er nichts hört.
     
    #7
    Klaus-Bärbel, 16 November 2006
  8. User 48753
    User 48753 (31)
    Verbringt hier viel Zeit
    858
    113
    46
    Verheiratet
    Also, ich habe lange Zeit gedacht, dass wohl nie einen Freund haben werde. Konnte mir nicht vorstellen, dass mich mit den Hörgeräten jemand haben will. Doch nachdem ich meinen ersten Freund hatte, gab es immer wieder neue. Ich hatte lange Zeit sogar ne ziemlich große Auswahl an Männern. Als ich Single war, da gab es Zeiten, zu denen bis zu 6 Männern gleichzeitig mit mir eine Beziehung anfangen wollten. Und jeder von ihnen war nicht behindert, sondern ganz normal. Keiner hatte ein Problem mit meiner Schwerhörigkeit.
    Ich denke aber, dass ich es vielleicht auch deshalb noch relativ leicht habe, weil man mir diese Behinderung nicht von weitem ansieht. Wer erst mal mit mir normal geredet hat, der merkt ja dann auch, dass diese Schwerhörigkeit mich kaum einschränkt. Ich kann ja schließlich auch sehr gut von den Lippen ablesen und normal reden. Ich habe nie Gebärdensprache gelernt.
    In einer gewissen Weise hat mir meine Schwerhörigkeit sogar einen kleinen Vorteil bei den Männern verschafft. Da ich von den Lippen ablese, schau ich ja meine Gesprächspartner immer an. Und da haben manche mir schon gesagt, dass ich ihnen das Gefühl gebe, etwas ganz besonderes zu sein. Ich bin ziemlich offen und direkt.
    In beziehungstechnischen Angelegenheiten hatte ich keine Probleme. Nur in der Schule hab ich mich immer sehr ausgeschlossen gefühlt, war also immer eher eine Außenseiterin. Das hat mir sehr sehr weh getan. Nie konnte ich mich unter anderen Menschen richtig wohl fühlen.

    Jetzt habe ich mit dem Studieren angefangen. Hier sind die Leute sehr hilfsbereit und total nett. Keine einzige Person hat mir das Gefühl gegeben, dass sie mich nicht akzeptiert. Manche haben natürlich vorsichtig fragen gestellt. Als sie aber gemerkt haben, dass sie mich das ruhig offen und direkt fragen können, sind sie auch lockerer geworden. Ich habe auch nicht versucht, diese Schwerhörigkeit zu verstecken. Bin gleich am ersten Tag vor alle hingestanden (wir haben so ne kurze Vorstellungsrunde gemacht) und hab eben gesagt: "Ich bin die .... und das hier ist meine Anlage (Höranlage mit Mirkofon, die sich der Professor ansteckt) und die brauche ich, weil....Ich hoffe, dass ihr mich auch unterstützen werdet, weil ich eben doch auf Mithilfe angewiesen bin.

    So war schon alles geklärt. Ich könnte fast heulen, weil ich mich hier so richtig wohl fühle, bin endlich mal Teil einer Gemeinschaft. Auch wenn ich das Studium nicht schaffen sollte, habe ich doch hier mal ganz andere Erfahrungen gesammelt.

    Wenn du noch weitere fragen hast, melde dich ruhig.

    -> das gilt übrigens auch fü andere User!
     
    #8
    User 48753, 16 November 2006
  9. bergfan
    Verbringt hier viel Zeit
    316
    101
    0
    Single
    Tja

    Was soll ich da noch dazu schreiben
    mir geht es genau so, nur, das ich eben schn 2 mal opperiert worden bin auch am Herzen
    Meiner meinung nach, haben sehr viele Frauen Angst davor, warum, weis ich nicht.:kopfschue
     
    #9
    bergfan, 16 November 2006
  10. Staubsauger
    Verbringt hier viel Zeit
    245
    101
    0
    Verlobt
    Also ich will mich auch mal hierzu äußern, wenn ich darf. Bin zwar mehr oder weniger nicht behindert, nurn paar kaputte Bandscheiben und ein Immundefekt, nicht der Rede wert..., Spaß beiseite. Ich hatte mal eine Freundin, die hatte ein künstliches Auge und auf dem anderen noch 40 %, um ehrlich zu sein hab ich das so gar nicht gemerkt, nur gesehen das sie etwas hat, dachte das Auge ist kaputt, habe nicht gemerkt das es nicht echt war. Solange ich mit ihr zusammen war, wars mir egal.

    Ich habs erziehungsmäßig so gelernt, Behinderte sind Menschen wie jeder andere auch. Als Zivi hab ich nur mit Behinderten und Schwerstbehinderten gearbeitet. Ist für mich kein Problem im Umgang. Um ehrlich zu sein , körperliche Gebrechen die ihr hier beschreibt würden mich nicht im Geringsten stören. Mit Epilepsie, Ticks usw. kann man auch umgehen. Dauerhafte geistige Behinderung wäre jedoch auch für mich das Limit. Durch Alter,Unfälle und Krankheiten kann sich der Partner und man selbst auch immer verändern, aber das wäre was anderes, da wäre alles egal. Ich glaube es gibt noch einen Haufen Barrieren, die verhindern, das man Menschen mit Handicap einfach als normale Teilnehmer am Leben betrachtet, die genau die gleichen Bedürfnisse in Sachen Liebe haben. Im Prinzip hat man doch Glück wenn man gar nichts hat.

    Also Kopf hoch, dafür findet ihr glaube ich dann auch richtig nette Leute, dann geht der ganze oberflächliche Kelch an Euch vorrüber, ist doch auch nicht schlecht.

    LG
     
    #10
    Staubsauger, 16 November 2006
  11. Feynman
    Verbringt hier viel Zeit
    26
    88
    1
    in einer Beziehung
    Habe mich bei meiner Musterung darüber aufklären lassen, daß Stottern als geistige Behinderung gilt, darf daher tatsächlich hier antworten :grin:

    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?
    Wie aus der Einleitung bereits hervorging - ich stottere. Im Alltagsleben weniger, in Streßsituationen mehr...

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?
    Nö ^_^ Menschen die stottern sind i.A. etwas schüchtener, aber abgesehen davon stellt das kein Problem dar. Flirten könnte u.U. etwas doof sein (ich glaube jedes Mädel wäre etwas irritiert wenn sie jemand anschmachtet mit den Worten: "Hey, du hast nen geilen A-A-aA-Aa-aaA... Hintern!") Nein im Ernst, erstens bin ich nicht so der Flirttyp und außerdem leidet die Zungenfertigkeit auch nicht darunter, wenn ihr versteht was ich meine :drool: :zwinker: Und Bettgeflüster wird ab manchem Punkt sowieso etwas... unartikuliert.
    Es gibt noch einen weitere Effekt: gerade in der Partnerschaft ist es wichtig, daß man auch mit Schattenseiten des anderen klarkommt. Da dies nun mal ein sehr offensichtliches "Negativmerkmal" ist, kann man gleich vorselektieren: wer damit nicht klarkommt, wird auch mit meinen restlichen Macken Probleme haben, und wem das egal ist traue ich deutlich mehr zu :grin:

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?
    Oh, super Akzeptanz, bis hin zur Ignoranz :zwinker: Interessant sind nur Situationen in denen man nicht drumrum "reden" kann, wie z.B. bei Vorträgen oder so, grade wenns um die Beurteilung der verbalen Präsentation geht. Bisher war das immer so, daß sich die beurteilenden Personen dann regelrecht um das Thema drumrum gewunden haben, obwohl ich da schon gerne Feeback gehabt hätte...
     
    #11
    Feynman, 16 November 2006
  12. Sovereign
    Verbringt hier viel Zeit
    228
    101
    0
    nicht angegeben
    Moin,

    das wüßte ich auch gerne. Schließlich macht sich diese Eigenschaft bei mir nur im 1000-Meter-Lauf und durch die Narbe auf der Brust bemerkbar.

    Ohne hier jemanden angreifen zu wollen (bin ja selbst auch im Boot): Vielleicht ist ein un(ter)bewußter Instinkt sich mit einem "Gebrechlichen" zum "Wohle" etwaiger Nachkommen lieber nicht einzulassen daran schuld... Bei gewissen Tierspezies ist das so.

    Gruß

    Sovereign
     
    #12
    Sovereign, 17 November 2006
  13. Shiny Flame
    Beiträge füllen Bücher
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    Verlobt
    Ich arbeite seit einem Jahr bei einer schwerbehinderten Frau in mittlerem Alter, die auf einen elektrischen Rollstuhl und ständige Pflege angewiesen ist. Dinge der täglichen Hygiene und Haushaltsarbeiten sind für sie ohne einen aufmerksamen Betreuer ein Ding der Unmöglichkeit, und sie wird fast rund um die Uhr betreut. Zu Dingen wie Sexualität möchte ich mir hier auf die Feststellung beschränken, dass sie kaum bis keine Kontrolle über ihre Beckenmuskeln hat.

    Meines Wissens hatte sie noch nie einen Freund. Sie hat romantische Gefühle für einen Pfleger, der immer versucht, möglichst höflich und diskret damit umzugehen und ihr schon mitgeteilt hat, dass er eine Freundin hat, die er sehr liebt...

    So weit ich sie kenne, ist das schlimmste für sie, dass sie wohl nie Kinder haben wird und langsam auch über das Alter dafür hinaus ist. Denn sie liebt Kinder heiß und innig und ist in der Regel darauf beschränkt, solche im Fernsehen anzugucken. Da sie ihre Gesichtsmuskeln auch nicht völlig unter Kontrolle hat, wirkt sie für Kinder auf der Straße im ersten Moment etwas erschreckend, und sie hat außerdem Übergewicht, weil sie natürlich keinen Sport machen kann...

    Ihre Behinderung besteht von Geburt an. Irgendwann hat sie, um mit den täglichen Angstsituationen des Liftens vom Bett in den Rollstuhl oder zum Schutzhosenwechsel besser fertig zu werden, das Trinken angefangen. Mittlerweile (vielleicht auch schon früher) ist sie dadurch sehr wechselhaft in ihren Stimmungen geworden. Vielleicht war das aber auch schon früher.

    Leider kann ich mir kaum vorstellen, dass sie noch einmal einen Freund finden wird... nicht zuletzt auch, weil sie wegen der damit verbundenen Umstände fast nie die Wohnung verlässt. Das tut mir sehr leid für sie. Denn sie hat, wie man so schön sagt, ein Herz aus Gold. Selbst, wenn ihre Stimmungen sehr schnell wechseln können, ist doch die Grundstimmung Freundlichkeit und Aufmerksamkeit für die Leute um sich herum, in der Regel halt die Pfleger, und sie entschuldigt sich meistens sofort, wenn sie einmal "laut" wurde...
     
    #13
    Shiny Flame, 17 November 2006
  14. trust4fun
    trust4fun (38)
    Verbringt hier viel Zeit
    78
    91
    0
    nicht angegeben
    Das ist eine sehr interessante Erfahrung, die du da schilderst. Ich kenne aus meiner "Arbeit" mit geistig behinderten Menschen ähnliche Fälle. Es ist auch für mich immer noch schwierig mit so etwas umzugehen.

    Für den Menschen mit Behinderung ist es sicher eine traumatische Erkenntnis, womöglich niemals eine Familie und Kinder zu haben. Das klingt jetzt sehr blöd, ich weiß, aber manchmal kann man als Außenstehender die Menschen beneiden, die sich dessen aufgrund ihrer geistigen Behinderung niemals bewußt werden.
     
    #14
    trust4fun, 17 November 2006
  15. Shiny Flame
    Beiträge füllen Bücher
    6.934
    298
    1.627
    Verlobt
    Es gibt ja unglaublich viele Formen von Behinderung... Ich kann mir vorstellen, dass "unsichtbare" Behinderungen wie Seh- oder Hörstörungen bei der Partnerwahl weniger schwerwiegen als sichtbare körperliche Behinderungen... Ganz zu schweigen von geistigen Behinderungen.

    Mit einem verkümmerten Arm, einer Seh- oder Hörbehinderung (so lange bei letzterer die Kommunikation funktioniert) hätte ich sicher kaum bis keine Probleme. Stottern - ich war schon mal in einen Stotternden verliebt, und dass daraus nichts geworden ist, hatte andere Gründe. Er war einfach als Mann so interessant, reif, nachdenklich und spöttisch, möglicherweise ist er sogar erst durch die Sprachbehinderung so geworden?

    Aber durch meinen Job weiß ich, wie schwer es für einen Menschen ist, so schwer behindert zu sein, dass er/sie quasi ständig hilflos und auf Hilfe angewiesen ist. Es ist für das eigene Selbstbild sehr schwer und man wird leichter gereizt. Wenn sich die Behinderung auf Körperregionen, die normalerweise mit Sexualität in Verbindung gebracht werden, erstreckt, kann so etwas eine Beziehung in meinen Augen sehr beeinträchtigen.

    Es gab hier ja öfter Umfragen, was ist, wenn der Partner plötzlich behindert wird. Da habe ich meistens "eher nein" angekreuzt, ich hatte irgendwie immer automatisch an eine Querschnittslähmung gedacht. Auf keinen Fall würde ich deswegen Schluss machen, bitte versteht mich nicht so! Aber so etwas belastet den Partner, so etwas belastet mich, so etwas belastet die Beziehung, und ich habe Angst, dass ich psychisch an so etwas kaputt gehen würde. Auf alle Fälle wäre eine Paarberatung fällig, wenn sich das Gleichgewicht in einer Beziehung auf einmal so fundamental verschiebt!

    Ganz wichtig ist es in meinem Augen auch, wie jemand mit einer Behinderung umgeht. Die eine Schreiberin, die sich in ihrem Seminar so selbstverständlich vorgestellt hat, flößt mir starken Respekt ein! Wenn ein Mann so damit umgehen könnte, würde mich diese Stärke eher sogar noch anziehen.

    Jemand, der sich selbst nicht mehr lieben kann und durch die Behinderung jeden Selbstrespekt verliert oder erst mal mit seiner auf Hilfe angewiesenen Lage umgehen lernen muss... Ich weiß, dass das gemein ist, aber damit könnte ich auf Dauer in einer Partnerschaft nicht umgehen. Auf Arbeit kann ich dann motivieren und helfen, wenn die Frau Selbstzweifel hat, und ich tue es gerne und meine es ernst, aber zu Hause will ich mich auch mal entspannen können und selber mal schwach sein dürfen.
     
    #15
    Shiny Flame, 17 November 2006
  16. dummdidumm
    dummdidumm (53)
    Verbringt hier viel Zeit
    726
    101
    0
    nicht angegeben
    Off-Topic:
    Meine Frau macht integrative Reitgruppen und therapeuthisches Reiten. Oft helfe ich natürlich dabei. Und jedesmal frage ich mich, wer eigentlich mehr "behindert" ist.
     
    #16
    dummdidumm, 17 November 2006
  17. Kenshin_01
    Kenshin_01 (33)
    Verbringt hier viel Zeit
    1.453
    123
    1
    Verliebt
    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?
    Habe Epilepsie und einen Behindertenstatus von 50%

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?
    Nicht direkt...

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?
    Im großen und ganzen wird's akzeptiert. In meiner direkten Umgebung die Leute wissen bescheid, damit sie wissen, wie sie sich verhalten müssen, falls ich einen Anfall habe.
     
    #17
    Kenshin_01, 17 November 2006
  18. Asti
    Verbringt hier viel Zeit
    1.686
    123
    14
    nicht angegeben
    Off-Topic:
    Ich hab einen mehr oder weniger schweren Herzfehler, der operativ nicht beseitigt werden kann. Allerdings gelte ich nicht als behindert. Ich muss nur beim Sport aufpassen, wegen Überanstrengung etc.
     
    #18
    Asti, 17 November 2006
  19. Dunsti
    Dunsti (39)
    Verbringt hier viel Zeit
    590
    103
    2
    vergeben und glücklich
    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?
    Ja, eine inkomplette Querschnittlähmung (Unfall beim Schulschwimmen)

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?
    Naja, ich kann halt nie oben liegen...

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?
    Viele Menschen gucken nicht über den Tellerrand, sondern leben in ihrer kleinen Welt, in der Behinderte nicht vorkommen. Begegnen sie dann einem auf der Straße, sind sie mit der Situation völlig überfordert. Wie das kleine Kind, das zum ersten Mal in seinem Leben den Weihnachtsmann sieht.

    Viele Leute sehen vor sich einen Behinderten, der aussieht wie ein Mensch. Besser wäre es, sie würden vor sich einen Menschen sehen, der sich in einem Punkt von einem unterscheidet: Er kann nicht sehen, nicht sprechen, nicht hören oder ist vielleicht einfach nur mal fies auf den Fliesen ausgerutscht.

    Für mich ist es eigentlich kaum ein Problem, einen Partner zu finden (das muss gerade jemand sagen, der bisher irgendwie fast nur schräge Vögel abgekriegt hat). Spätestens nach 2 Stunden hat auch der letzte Idiot gemerkt, dass ich weder ansteckend bin, noch mir eine Hand abbricht, wenn man sie mir zur Begrüßung schüttelt. Und nach dem das denn geklärt ist, kann die Flirterei ja beginnen.

    Ich weiß aber, dass es genügend Leute gibt, die es wesentlich schwerer haben, einen Partner zu finden. Viele stellen ihre Behinderung in den Vordergrund und geben ihr viel zu viel Raum. Anstatt sich an dem zu erfreuen und das auszubauen, was geht, blicken sie wehmütig auf das, was vielleicht nicht geht. Zusammen mit einer großen Prise Selbstmitleid und Egoismus jagt man sich damit den offensten und schärfsten Typen vom Hof.

    Viele nicht behinderte Menschen kompensieren aber ihre Unsicherheit auch mit größtmöglicher Distanz. Wer allerdings nichts an sich ran lässt, macht eben auch keine neuen, vielleicht wertvollen Erfahrungen. In diesem Sinne: Die ganzen Leute, die hier mit abgerissenem Kopf durch die Gegend ziehen, hatten mal Kontakt zu mir.

    Ich muss aber sagen, dass sich der Umgang der Gesellschaft mit ihren Behinderten in den letzten 10 Jahren enorm verbessert hat. Ich muss aber auch sagen, dass die Deutschen in dieser Hinsicht immernoch enorm hinter den Menschen in anderen Ländern hinterherhinken. Leider.
     
    #19
    Dunsti, 17 November 2006
  20. Speedybee
    Speedybee (33)
    Verbringt hier viel Zeit
    2
    86
    0
    vergeben und glücklich
    Erst einmal, ich bevorzuge Handicap und den Titel des Treads find ich bissel doof...

    1. Hast Du eine Behinderung? Was für eine?
    Ja, eine Muskeldystrophie (http://de.wikipedia.org/wiki/Muskeldystrophie wie schön das es wiki gibt:smile: ) bin dadurch auf einen Rollstuhl angewiesen

    2. Schränkt sie Dich im Bezug auf Liebe, Sex und Partnerschaft ein?
    Ja, ich kann mich schlecht alleine drehen, nicht oben liegen und hab verkürzungen an den Beinen... das meint ich kann meine Beine nicht strecken.

    3. Fühlst Du Dich, insbesondere bezogen auf Liebe, Sex und Partnerschaft, von der Gesellschaft akzeptiert? Was könnte sie Deiner Meinung nach besser machen, was ist genauso, wie Du es Dir vorstellst?

    Also ich bin Dunstis Meinung, Sie hat das Thema Behinderung und Gesellschaft schon gut erklärt!

    Ich bin seit 3 Monaten in der glücklichen Situation eine tolle Partnerinn zu haben (die beste die es gibt) kann also auch mit reden :zwinker: Sie hat mir gesagt: Unser Sexleben ist anders aber dafür Sau geil! Ich fand diesen Satz sehr schön... denn er zeigt wenn du offen bist und dich auf jemanden einlässt ist jedes Handicap nebensache...

    Ja die Gesellschaft, es ist einfach lustig wie die Leute auf der Straße schaun wenn einer mit dem E-Rollstuhl händchenhaltend mit einem hübschen Mädel auf Inlinen Skatern durch die Innenstadt fährt :smile: aber ich muß sagen, viele freuen sich wenn Sie uns sehen.

    Ich vergleiche die Situation auch immer mit Kindern... wenn diese zum ersten mal in ihrem Leben ein Auto sehen! Booooooaaaah
    Woher sollten Sie es auch kennen....? Und ich muß ehrlich zugeben, wenn ich jemanden mit einem Handicap sehe schau ich auch und ich denke es geht allen anderen auch so.... Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen schauen und gaffen! Ich finde es ehrlich gesagt viel viel schlimmer wenn Mütter ihre Kinder weg ziehen wenn diese auf mich zeigen und sagen schau mal Mami... was hat der Mann.
    Wenn dann von Mama kommt, "Das macht man nicht!" dann frag ich mich schon was die Mütter eigentlich denken? Wie sollen die Kinder lernen das es auch Menschen gibt die nicht auf 2 Beinen durchs leben gehen sondern z.B. durchs leben fahren!? Kinder sind sehr ehrlich und wenn Sie mich fragen was ich habe ist es absolut kein Problem es ihnen zu erklären!

    Ich bin gegen alle Behinderten Centren, Wohnheime, Werkstätten und den ganzen mist was es sonst noch gibt! Die Leute mit Handicap sollten sich viel öfter in der Gesellschaft zeigen und ihr Leben genießen. Auch ein Behinderter lebt nur einmal, wird leider viel zu oft vergessen! Es geht nicht alles klaro... aber sehr viel! Ich kenn einige in meinem Umfeld die sich fast schon verstecken weil Sie Angst haben vor der Gesellschaft! Ich finde aber das ist der falsche Weg! Raus in die Menge... und wenn du immer wieder auftauchst (z.B. Disco) gehörst du irgendwann zum Inventar und bist dort "normal" :smile:
     
    #20
    Speedybee, 18 November 2006

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