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Eltern/Familie Brief an meinen Dad

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von User 27629, 28 Dezember 2009.

  1. User 27629
    User 27629 (32)
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    nicht angegeben
    Hallo, liebe Foris,

    jetzt schreibe ich auch mal was im Kummerkasten, denn es gibt momentan ein großes familiäres Problem, dass mich ziemlich hilflos macht.

    Ich mache mir Sorgen um meinen Dad!

    Er ist eindeutig alkoholabhängig. Quartalstrinker war er schon seit jungen Jahren und in den letzten Monaten verschärft es sich nun zusehends. Er fährt jetzt sogar betrunken Auto, ist also auch nicht ungefährlich das ganze.

    Ich muss dazu sagen, dass ich nicht bei meinem Dad aufgewachsen bin. Meine Eltern trennten sich, als ich 2 Jahre alt war. Seitdem habe ich ein eher oberflächliches Verhältnis zu ihm, wir haben sporadisch Kontakt, sehen uns 1-2 mal im Jahr und wenn wir uns sehen, ist es nicht wirklich ein ungezwungenes Treffen. Er ist sehr verschlossen.. außer, wenn er getrunken hat.

    Meine ältere Schwester wohnt nun seit ein paar Jahren im gleichen Ort wie er, sie kennt ihn besser als ich und von ihr bekomme ich eben die ganzen Eskapaden mit. Jetzt hat er sie sogar am Heilligen Abend versetzt. Sie hatte sich angemeldet, mit ihrem Kleinen nachmittags zu ihm zu kommen und er war einfach nicht da. Er kam erst Stunden später und war völlig betrunken, was ihm auch unangehm war.

    Ich selbst habe ihn natürlich auch schon oft genug betrunken erlebt. Bei meinem letzten Besuch zum Beispiel und auch vor ein paar Tagen, als wir telefonierten, hat er ziemlichen Stuss zusammen geredet, wo ich denke, dass er da auch gut was intus hatte.

    Er lebt mit seiner langjährigen Lebensgefährtin zusammen, die wohl auch schon mehrfach ihren Auszug angedroht, aber es nie durchgezogen hat. Meine ältere Schwester hat ihn vor Jahren schon mal auf sein Alkoholproblem angesprochen, worauf er eher sauer reagiert hat.

    Im Zusammenhang mit Suchtkranken wird ja oft empfohlen, sich zu distanzieren, damit die Erkrankung nicht durch co-abhängiges Verhalten unterstützt wird, aber weder meine Schwester noch die Lebensgefährtin meines Vaters trauen sich, dies umzuetzen, weil sie Angst haben, dass er sich dann was antut. Er hatte früher schon mal Suizidversuche gestartet. Ich gehe also davon aus, dass er auch noch chronisch depressiv ist..

    Da meine ältere Schwester Angst hat, ihn nochmals darauf anzusprechen, überlege ich nun, ob ich ihm einen Brief schreiben und ihm meine Sorge mitteilen soll. Ich habe aber keine Ahnung, ob das irgendwas bewirken könnte oder alles nur noch verschlimmert. Und ich bekomme das ganze ja auch eher indirekt mit. Allerdings möchte ich auch nicht tatenlos zusehen, wie er sich zugrunde richtet. Ich denke eigentlich, dass ihm von allen Seiten mitgeteilt werden sollte, dass er offensichtlich dieses Problem hat und dass das so nicht mehr tragbar ist, also vor allem eben von seiner Lebensgefährtin und meiner älteren Schwester.

    Was meint ihr? Ich weiß, es gibt da kein Patentrezept, aber vielleicht habt ihr ja irgendwas dazu zu sagen oder habt selbst mal Erfahrungen mit Suchterkrankungen gemacht.
     
    #1
    User 27629, 28 Dezember 2009
  2. Orgasmusmaus
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    :winkwink: Syleena

    Ganz ehrlich ? Du kannst leider nicht viel tun.
    Ich weiß genau wie Du Dich fühlst. Mein Dad hat es letztendlich geschafft und sich zu Tode gesoffen. Als er starb war ich 19 Jahre, habe somit meine ganze Kindheit mit einem schwer alkoholkranken Menschen verbracht und heute noch, habe ich viele Probleme deswegen.
    Das mit dem Brief ist keine schlechte Idee, denn erstmal kann er ihn alleine lesen und muß nicht gleich eine Antwort geben. Doch wie es sich für mich raushört, kann ihm nur noch eine stationäre Behandlung etwas bringen vor allem auch wegen der Depressionen. Und das, liebe Syleena, muß er selber wollen. Siehst Du, wir sind 3 Kinder, meine Mutter hat sich nicht von unserem Vater getrennt und trotzdem hat er nicht aufgehört zu trinken. Er hatte ungefähr 6 Entziehungsversuche, hat aber alles nichts gebracht, weil er ein paar Wochen in eine Therapieeinrichtung sollte und das hat er nicht gewollt. Trotz Familie.
    Zeigt ihm, dass er wichtig für Euch ist und das es sich lohnt das Leben wieder in den Griff zu bekommen.
    Bei allem anderen seid Ihr leider machtlos :frown:.
    Tut mir leid Dir nichts anderes raten zu können.
     
    #2
    Orgasmusmaus, 28 Dezember 2009
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  3. donmartin
    Gast
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    Tja, leider gilt auch in deinem Fall das, was du selber schon gesagt hast:
    ER und nur ER selber muss das Problem erkennen und Willens sein, es anzugehen.

    Mit einem Brief wirst du nichts verschlimmern, da es schon schlimm genug ist, was er Euch aufbürdet.
    Die Hilflosigkeit und die Selbstvorwürfe - sich die Schuld als Angehöriger zu geben ist das größte Problem, mit dem Alle die damit Erfahrungen machen zu kämpfen haben.

    Ein Brief ist eine gute Idee, aber nicht um ihn das Problem erkennen zu lassen sondern um Dir selber vielleicht Luft zu schaffen.
    Denn Angehörige haben oftmals das Gefühl oder es wird ihnen vom Süchtigen eingeredet, dass sie Schuld seien.

    Ein Suchtkranker, der sein Problem nicht erkannt hat, "erfindet" Millionen Gründe weil er trinkt und um zu Trinken.
    Zu seinem schlechten Gewissen (und das haben Alle) kommen die "Vorwürfe", die Einsicht "dass du leidest" und er Schuld daran ist - da kannst du schreiben was du möchtest - umgesetzt als Grund sich die nächste Flasche zu kaufen und das alles im Alkohol zu ersaufen und verdrängen.

    Ein Süchtiger hat so mit seinen Vorwürfen, dem körperlichen Entzug und der Frage nach dem nächsten Schluck zu "kämpfen", da bleibt keine Zeit für Vorwürfe anderer - sie "sehen" einfach nicht, was sie anrichten, das ihr hilflos zusehen müsst, wie er alle mit ins Verderben reißt.

    Daher sagt man, distanziert euch vom Süchtigen - sonst geht man selber unter.

    Damit du Dir keine Vorwürfe zu machen brauchst (und da zählt für mich NUR das Wissen dass er Auto fährt....) schnappe Dir seine LEbensgefährtin und/oder deine Schwester und meldet euch beim Blauen Kreuz, einer Notseelsorge oder einer anderen Einrichtung.

    Es gibt die Möglichkeit der Zwangseinweisung. Aber lasst Euch erst beraten, jede Entzugs/Suchtklinik hat Beratungsstunden auch für Angehörige! Dort können sie Euch sagen, wo ihr welche Schritte unternehmen könntet - das wird alles sein, nur nicht die Hilfe dabei, das Trinken aufzugeben.

    Vorwürfe, Schimpfen oder Drohungen auch wenn er mal Nüchtern ist nutzen garnichts. Ein Suchtkranker MUSS vor dem Nichts stehen und selbst dann erkennen es einige nicht.

    Viel Kraft und Erfolg!
     
    #3
    donmartin, 28 Dezember 2009
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  4. Orgasmusmaus
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    vergeben und glücklich
    :winkwink: donmartin

    Wollte Syleena gerade vorschlagen Dir zu schreiben, aber Du bist ja schon da :smile:.
     
    #4
    Orgasmusmaus, 28 Dezember 2009
  5. User 27629
    User 27629 (32)
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    Danke euch, für die Beiträge. Ist nicht schön, wahrzuhaben, wie wenig man tun kann, aber entspricht wohl den traurigen Tatsachen.. Werde das mit dem Brief die Tage mal angehen. Die Idee mit der Beratungsstelle finde ich auch sehr gut, gerade auch für seine Lebensgefährtin, die ja alles hautnah mitbekommt. In einer therapeutischen Einrichtung würde ich ihn natürlich auch gerne sehen, aber wäre schön, wenn er selbst zu dieser Einsicht gelangen würde, dass er das braucht, statt über eine Zwangseinweisung dahin zu gelangen. Wahrscheinlich bringt das dann auch keinen dauerhaften Erfolg, wenn er es nicht von sich aus einsieht.
     
    #5
    User 27629, 28 Dezember 2009
  6. munich-lion
    Planet-Liebe ist Startseite
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    nicht angegeben
    Hallo Syleena,

    es ist schrecklich mitansehen zu müssen, wenn der eigene Vater durch den Alkohol vor die Hunde geht.
    Man fühlt sich nur noch hilflos, weil man zu gerne helfen würde, um sich auch nicht irgendwann den Vorwurf machen zu müssen, nichts dagegen unternommen zu haben, wenn es zu schlimmeren Dingen kommt.

    Ich würde an deiner Stelle den Brief schreiben...und zwar rein aus Sicht einer Tochter, die Angst hat ihren Vater zu verlieren, der trotz spärlichen und oberflächlichen Kontaktes sicherlich auf ihre Weise geliebt wird.
    Vermeide erst einmal Vorwürfe und auch Drohungen...er soll merken, wie sehr er immer noch von anderen Menschen gemocht und gebraucht wird.

    Setze dich aber ruhig zeitgleich mit seiner Lebensgefährtin und deiner Schwester zusammen, die ja viel näher an ihm dran sind und mit ihm leben müssen.
    Sucht euch Hilfe und Unterstützung bei Beratungsstellen, Familientherapeuten, Krankenkasse, Hausarzt etc...diese Einrichtungen/Personen wissen sicherlich am Besten, was man als Angehöriger/Lebenspartner tun kann, um vielleicht doch einen gewissen Einfluss zu erlangen.
    So hat man wenigstens den Trost und die Gewissheit, einigermaßen verstanden zu werden und richtig zu handeln.
    Und dazu kann durchaus auch zählen, wenn man ihn mal nicht aus peinlichen und beschämenden Situationen rettet, z. B. sein Erbrochenes selber beseitigen lässt, offen mit diesem Thema umgeht, nichts Vertuschen, Verbergen oder Schönreden will bzw. fremde Menschen mitbekommen, wie es um ihn wirklich steht.

    Aber eines solltest du bedenken und ich würde das nicht als alleinigen "Hoffnungsträger" ansehen, denn eine Zwangseinweisung wird verdammt schwierig werden...da muss über komplizierte Amtswege ein Arzt schon eine Unzurechnungsfähigkeit attestieren oder eine (erneute) Suizidgefahr.

    Wünsche dir viel Kraft und Alles Gute!
     
    #6
    munich-lion, 28 Dezember 2009
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  7. donmartin
    Gast
    1.903
    @orgasmusmaus: :zwinker: Bin ja da....

    Dir liebe Syleena sage ich, dass du dir keine Vorwürfe machen brauchst, auch wenn ihr ihn in eine Einrichtung "schleift". Eine Zwangseinweisung ist das allerletzte Mittel, sollte er aber weiterhin Dummheiten machen und andere gefährden.....
    "Erfolg" wird nie garantiert.
    Sollte er es einsehen und einen Entzug machen, wird es erst einmal dauern und er wird ein anderer Mensch sein (werden müssen).

    Verwandte und Angehörige kommen gerade dann auch nicht mehr mit diesem Menschen klar und befinden sich in einem Dillemma. Es gibt einige, die dann gesagt haben (wie fatal!) dann soll er doch lieber wieder trinken....
    Es trifft immer die falschen, als Angehöriger bleibt nur - wenn man denn aktiv Helfen möchte, sich beraten zu lassen und auch eventuell zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen UND diesen Menschen nach einem Entzug oder Entgiftung als "anderen Menschen anzuerkennen" und mit ihm daran zu arbeiten auf Dauer Trocken zu bleiben.

    Es ist eine große Last und es wird sehr viel kaputt gemacht.
    Das jemand trinkt, dafür verurteile ich niemanden, jemanden zu raten seinen Vater "auszuliefern" oder ihn "fallen zu lassen" fällt mir bestimmt nicht leicht, dazu kommen zuviele Erinnerungen hoch.

    Und Scham. Vor den Angehörigen und der Familie. Es ist sehr, sehr schwer - weil es immer noch als Tabu gilt und es in kaum einer Familie nicht "betroffene" gibt.

    Es gibt keine Alternative für Euch.

    Ich habe es warum auch immer selber eingesehen und die Reißleine gezogen.
    Bis es letztendlich klappt kann es dauern und Rückschläge gibt es immer. Lasst euch nicht entmutigen und in den Angehörigengruppen gibt es genug Mut und Zuspruch und vor Allem: Anweisungen , damit man sich NICHT wie ein Süchtiger verhält: In dem man verdrängt, verharmlost und versteckt.

    Ich habe großen Respekt vor Dir, und allen Angehörigen die etwas tun wollen und auch die, die ohne Scham und Vorwürfe dem Süchtigen gegenüber diesen ganzen Scheiß mitmachen müssen und mussten.
     
    #7
    donmartin, 28 Dezember 2009

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