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Computerspielesucht

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Linguist, 28 Juli 2009.

  1. Linguist
    Linguist (26)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Im Alter von 13 - 16 war ich computerspielsüchtig, auch wenn ich dies erst rückwirkend festelle. Damals war ich ein pickliger, dicker Nerd ohne Selbstbewusstsein, dem die Welten von Onlinespielen wie eine alternative, bessere Scheinrealität erschien. Mobbing in der Schule tat ihr übriges; ich zog mich weiter zurück und hatte über einen längeren Zeitraum keinerlei soziale Kontakte. Mein Tagesablauf bestand eigentlich nur aus Schule und Computerspielen. Die Schule besuchte ich regelmäßig, auch wenn ich mich in dieser Umgebung alles andere als wohlfühlte. Für Außenstehende mag das weniger verständlich erscheinen, aber die Zeit in der Schule brachte ich eigentlich nur damit zu, Pläne für den Nachmittag zu schmieden. Im optimalsten Falle war ich dann um 14 Uhr zu Hause, schob eine Pizza in den Ofen und ging Online. Der Gedanke "Eigentlich müsstest du doch jetzt Hausaufgaben machen" wurde routiniert beiseite geschoben. Und los ging der Exzess, meist tief bis in die Nacht. 14 - 24 Uhr, 10 Stunden waren keine Seltenheit, schließlich hatte ich keinerlei Verpflichtungen und Eltern, die mit neuen Medien nur wenig Umgang hatten.

    Die Gefühle, die ich während des Zockens empfand, kann ich nur schwer in Worte fassen. Es war wohl eine Mischung aus purer Euphorie, Spaß und dem Gefühl, in diesen ganz anderen Welten etwas "erreichen" zu können. Sogar Freunde - wenn man das so nennen mag - kamen hinzu. Ich fühlte mich aktzeptiert; anders als in der Schule, wo Mobbing noch an der Tagesordnung stand. Computerspiele und die damit verbundenen Emotionen waren wirklich lange Zeit mein Lebensinhalt und -mittelpunkt.

    Das Ganze ging 2 - 3 Jahre lang, wann ich genau aufhörte, kann ich nicht mehr genau sagen. Es dürfte kurz vor meinem 16ten Geburtstag gewesen sein. Zur damaligen Zeit musste ich ein Praktikum absolvieren. Meine Chance mich von der Abhängigkeit zu lösen. Ich arbeitete zwei Wochen lang in einer Buchhandlung, wurde sehr freundlich aufgenommen und war plötzlich nicht mehr der Außenseiter, sondern Teil eines Teams. Die reale Welt gewann wieder an Attraktivität. Ich wollte nicht mehr wie bisher weitermachen und tagtäglich viele Stunden mit Onlinespielen verschwenden. World Of Warcraft flog von der Platte, ebenso alle andern Spiele. Dann habe ich angefangen Sport zu treiben und Kontakte zu knüpfen, beides gelang mir sehr schnell. Das alles dürfte sich vor ungefähr 1 1/2 Jahren gewandelt haben.

    Trotzallem fehlte mir seither "etwas". Dieses "etwas" kann ich nicht genau definieren, aber es hang und hängt mit meiner Computerspielesucht zusammen. Es ist wohl dieses Gefühl der Reizüberflutung und der bequemen Onlinewelten, in denen alles so einfach erscheint. Probleme lassen sich sehr einfach beiseite schieben. Ich merke auch heute noch, dass ich die exzessive Zockerei und die daran gekoppelten Gefühle "vermisse". Es gibt Tage, da falle ich in tiefes Loch und sehne mich danach, noch einmal in die Alten Welten eintauchen zu können. Oft bin ich dann sehr antriebslos. Ich bin diesem Verlangen in der Vergangenheit einige male nachgegangen, in der Hoffnung, mein Verhalten kontrollieren zu können. Aber es gibt bei mir nur zwei Alternative: Vollständiger Verzicht oder exzessiver Konsum.

    Ich möchte von dieser Sucht endgültig loskommen und dieses latente Verlangen nach Computerspielen gänzlich bezwingen. Ich glaube, dass ich so ausgeglichener und glücklicher wäre. Mein Problem ist, dass mir Freunde fehlen, die Verständnis für diese Sucht haben. Gespräche würden helfen, aber Computerspielesucht wird von vielen noch nicht wahrgenommen. Ich würde mir gerne professionelle Hilfe suchen und möchte deshalb meinen Hausarzt konsultieren. Momentan hemmt mich nur mein Alter. Mit 18 zum Seelenklempner ist irgendwie strange, auch wenn ich so endgültig damit abschließen könnte. Ich werde mich trotzdem überwinden.

    Wollte das nur mal niederschreiben. Vielleicht um einige Anregungen zu erhalten, aber es tut auch einfach mal gut, das große Ganze zu betrachten.
     
    #1
    Linguist, 28 Juli 2009
  2. ThirdKing
    ThirdKing (28)
    Benutzer gesperrt
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    146
    offene Beziehung
    Mit 18 zum Seelenklemptner ist kein Problem. Den ganzen Tag vorm Computer hängen, würd ich da eher als "strange" bezeichnen.

    Computerspielsucht wird nur vordergründig nicht ernst genommen. Wend dich mit deinem Problem an deinen Hausarzt und lass dich zu einem Psychologen überweisen.
    Wenns mit dir zu schlimm ist kannste dich auch nach Mainz überweisen lassen, da shteht dir erste Entzugsklinik Deutschlands speziell für Computerspielsüchtige.

    ThirdKing

    Edit: Was dein Problem mit dem vollständigen Verzicht betrifft, ist das wie bei jedem (ex)abhängigen. Ein trockener Alkeholiker kann sich auch nicht einfach mal so inner Kneipe ein Bier bestellen...
    Den Schaden haste.
     
    #2
    ThirdKing, 28 Juli 2009
  3. envy.
    Meistens hier zu finden
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    133
    29
    nicht angegeben
    Versuchs mal mit einer Drogenberatung bei dir in der Nähe. Da gibt es Menschen mit denen du reden kannst und das ist auch nicht gleich so eine ärztliche Behandlung. Teilweise arbeiten da auch solche, die selbst einmal süchtig waren. Mit Menschen zu reden, die ähnlich denken ist wirklich eine enorme Entllastung.

    ---------- Beitrag hinzugefügt um 22:32 -----------

    Glaub ich gar nicht mal. Bei psyschischer Abhängigkeit kann man schon lernen, sich zu kontrollieren. Bei Essstörungen ist es schließlich das Gleiche, und da funktionierts halt auch irgendwann wieder.
     
    #3
    envy., 28 Juli 2009
  4. Faffa
    Faffa (34)
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    0
    vergeben und glücklich
    Ich sehe auch nicht das Problem darin, mit "18 zum Seelenklempner" zu gehen.

    Ich denke sogar, je früher Du Dir ärztlichen Rat holst und somit Dein Verlangen, mit jemandem über Deine Krankheit zu reden, desto geringer werden die Folgeschäden und umso früher kannst Du in Dein neues Leben starten!

    Ich wünsche Dir dabei viel Erfolg, aber ich denke, dass Du innerlich ganz genau weißt, was Du willst (ein erfülltes Leben im "Real-Life") bzw. was Du nicht willst (Scheinerfolg in einer Scheinwelt). Das wird Dir bei Deinem Weg helfen, und es ist dabei keine Schande, sich ein wenig Antrieb und Unterstützung von einem Psychologen zu holen.
     
    #4
    Faffa, 28 Juli 2009
  5. ThirdKing
    ThirdKing (28)
    Benutzer gesperrt
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    146
    offene Beziehung
    Nein, auch ein essgestörter Mensch bleibt für den Rest seines Lebens gestört. Völlig verzichten kann er nicht, der essen muss er ja. Ist logisch.
    Aber er bleibt Rückfallgefärdet. Ein Fettsüchtiger/ Magersüchtiger wird den Rest seies Lebens auf seine Ernährung achten müssen. Lässt er die "Selbstüberwachung" schleifen, fällt er sehr wahrscheinlich wieder in alte Muster zurrück.
    Gleiches passiert auch unter Stress oder in Problemsituationen, eben wie bei andeen abhängigen auch.

    ThirdKing
     
    #5
    ThirdKing, 28 Juli 2009
  6. Zantedeschia
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    25
    nicht angegeben
    Mit 18 psychologische Beratung zu suchen ist gar nicht "strange" - im Gegenteil: viele psychische Probleme treten genau in diesem Alter auf. Und für Online-Spielsucht bist du als junger Mann wirklich der absolut typische Fall. Ich weiß ja nicht genau wo du wohnst, aber in vielen Gegenden gibt es Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Suchtgefährdete. Ich finde aber auch direkt einen Therapeuten aufzusuchen eine gute Idee, besonders wenn du sagst, dass die Spielsucht quasi eine Folge von Außenseiter-Dasein und Mobbing war und nicht umgekehrt.
     
    #6
    Zantedeschia, 28 Juli 2009
  7. Towley
    Towley (27)
    Sorgt für Gesprächsstoff
    137
    43
    17
    nicht angegeben
    Was dir fehlt, Linguist, ist WoW!

    Ich habe es selber mehr als ein Jahr gespielt. Level 70 Schurke und paar "Twinks". Mein Blutelf Magier war 55, dann habe ich aufgehört.

    Der Grund war, dass ein Bekannter, der ein echtes WoW Opfer ist, im Reallife ebenfalls ein Opfer ist, im Spiel "richtig große Fresse" hatte.
    Er war in seiner Gilde jemand, er hatte was zu sagen, schnell wurde er arrogant und als ich mal gesehen habe, wie er und sein Leader mit den Leuten umgehen, diese selbstsichere Arroganz, da habe ich mir gesagt:" Schluss jetzt!"

    Wie kann so eine Null, so ein Opfer, der nur durch mich auf der Schule akzeptiert wurde, einen auf "herbe" tun? Ich war sowas von auf 180. Ich weiss es noch genau, mit meinem Untoten Krieger im Brachland. ALT F4 gedrückt und sofort denn Account eingefroren.

    Ich bin selber mit Videospielen aufgewachsen, hatten zuhaus schon nen Atari, aber meine erste richtge Konsole war der Mega Drive. Seitdem zocke ich schon.

    Zuletzt war ich "Trophyhunter" auf der PS3, habe "Bioshock" an einem Tag mal 16 Stunden gezockt. Die ist aber kaputt gegangen und zur Reperatur hab ich erstmal keine Lust.

    Im Hinterkopf bleibt aber immer WoW.

    Es ist halt das "beste Game". Für die einen, weil sie Ingame jemand sind, während sie draussen Opfer sind, für mich, weil ich gerne farme. Egal in welchen Games.

    Dieses "etwas", was du meinst ist dieses Spiel. Es ist ja wie en zweites Leben, man hat viel Zeit investiert, viele Leute kennengelernt. Es ist so, als ob man seine Stadt verlässt, man denkt immer an sie, an die Leute.

    Ich wurde einmal "rückfällig". Mir wurde angeboten von nem Bekannten den Account weiterzocken, während er im Urlaub ist.
    Und ich war richtig heiss auf das Game, aber als ich es installiert habe und angezockt hab, brannte die Grafikkarte durch und das war ein ZEICHEN!

    Dann hab ich mich der PS3 zugewendet. Mal mehr, mal weniger gezockt. Konnte es kontrollieren. Wenn ich Bock hatte waren es mal 16 Stunden am Stück, wenn ich kein Bock hatte war sie eine Woche aus. Naja und so bin ich von WoW "fast" weggekommen, durch die Konsole und bessere Leute die ich dort kennengelernt habe. Aber es ist natürlich kein besserer Ersatz.

    Ich schreibe "fast", weil ich im Hinterkopf immer das Game habe, ich vergleiche es immer mit anderen Games.
    Vollständig kann man nicht wegkommen, ich kenne Leute die vom H runter sind, aber sie sagen das sie die Nadel immer im Kopf haben. Genauso ist WoW.

    Seelenklempner kann da auch nicht viel machen.


    Zockst du heute eigentlich noch? Und wenn ja warum?
     
    #7
    Towley, 28 Juli 2009
  8. xoxo
    Sophisticated Sexaholic
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    2.618
    Verheiratet
    Ich möchte dich gewiss nicht in eine neue Sucht treiben, aber dieses (fehlende) Gefühl der Euphorie erreicht man auch durch eine gewisse Dauer von Sport.
     
    #8
    xoxo, 29 Juli 2009
  9. Linguist
    Linguist (26)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    538
    103
    13
    vergeben und glücklich
    Ich weiß. Mache noch nicht lange Kraftsport, aber es ist definitiv ein toller Ersatz, die physischen Grenzen immer wieder auszuloten.


    Alleine nicht mehr. Wenn Freunde mit mir Wii oder Fifa zocken wollen, bin ich natürlich dabei. Passiert aber nicht oft.

    Ich habe mal versucht in kleinen Dosen zu zocken, aber das funktioniert (bei mir) nicht. Der Verstand schaltet auf Stand-By und man sitzt am Wochenende wirklich bis zu 14 Stunden an einem geilen Zock. Und das will ich nicht, also die aufkommende Langeweile durch Sport und Schule ersetzen. Das klappt auch ganz gut und ich bin sehr glücklich damit. Nur existiert das bereits erwähnte Verlangen immer noch. Ich brauche vielleicht keine Therapie mehr, es geht mir einfach darum, über das ganze Zeug mal reden zu können, weil mir im Freundeskreis das Verständnis dafür fehlt.
     
    #9
    Linguist, 29 Juli 2009
  10. Schulle
    Schulle (27)
    Verbringt hier viel Zeit
    40
    93
    1
    Single
    Eine Drogenberatung ist wohl der falsche Anlaufweg.

    Eine Drogensucht sind physisch im Gehirn verankert und man hat ein Bedürfniss danach, diese wieder zu befriedigen.

    Bei der Computer(spiel)abhängigkeit ist das eine emotionale Sucht. Man flüchtet aus der Realität vor Problemen. Dennoch gibt es keine verankerten Muster im Gehirn, die zu einem Trieb führen, der befriedigt werden muss. Am besten sieht man es beim "kalten Entzug". Wenn man das bei Drogen macht, kann das Lebensgefährlich sein (Schwitzen, Schüttelfrost, Schlaflosigkeit, etc.). Dies entsteht bei der Computerabhängkeit nicht.


    Was der Threaderöffner beschreibt, ist eher eine Gewohnheitssache. Ich würde es an seiner Stelle täglich mit einem Timer versuchen, der nach Ablauf einen nochmal 5 Minuten gibt und dann alles ausstellt um den Körper daran zu gewöhnen, dass man das nicht nur exzessiv betreiben muss. Ausserdem würd ich es erstmal mit anderen Spielen, wie WoW versuchen, die nicht an jeder Ecke eine "Belohnung" parat hat, die dazu führt, das man so sehr in die Spielewelt eintaucht.
     
    #10
    Schulle, 29 Juli 2009
  11. ThirdKing
    ThirdKing (28)
    Benutzer gesperrt
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    88
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    offene Beziehung
    Ist so nicht richtig. Auch bei einer psychischen Abhängigkeit können Entzugerscheinungen wie bei Drogen auftreten.

    Bei dem Ts ist das zwar nicht der Fall, aber eine Suchtberatungstelle ist trotzdem der richtige Anlaufpunkt.

    ThirdKing
     
    #11
    ThirdKing, 29 Juli 2009
  12. envy.
    Meistens hier zu finden
    1.758
    133
    29
    nicht angegeben
    Eine Drogenberatungsstelle bietet bei allen Suchtstörungen und ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, dass die Menschen dort sich genauso mit einem auseinandersetzen wie ein Psychater es tun würde und einen Zur Not zu spezielleren Profis überweisen können. Ihm geht es doch auch darum, dass man ihn Ernst nimmt und sich mit seinen Problemen auseinandersetzt, und diese Hilfe erhält man dort schon.
     
    #12
    envy., 29 Juli 2009

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