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Darüber reden…nach 13 Jahren

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von hans-werner, 8 Januar 2007.

  1. hans-werner
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    nicht angegeben
    :ratlos: Momentan habe ich anscheinend mal wieder so eine Phase, in der ich über alles Mögliche nachdenke. Darum würde ich gerne mal eure Meinung zu der folgenden Sache hören.
    Das Hauptproblem lässt sich in einem Satz sagen: Ich wurde früher von meinen Eltern geschlagen. Eine Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet hätte.
    Dazu muss ich sagen, dass meine Eltern nicht meine richtigen Eltern sind. Meine richtigen Eltern kamen im Februar 1989 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Mit Ausnahme meiner Großeltern hatte ich keine Angehörigen. Bis auf einen Onkel, doch der lebte im Westen. So nahmen meine Großeltern mich auf, doch nur übergangsweise, denn sie waren damit alsbald überfordert. Im Sommer 1989 wurde ich dann zur Adoption freigegeben. Selber daran erinnern kann ich mich kaum noch. Doch so lange ich zurückdenken kann, gaben mir meine Eltern immer das Gefühl, für sie ein Kind zweiter Klasse zu sein. Sie hatten bereits eine Tochter (3 Jahre älter als ich). Meine Großeltern waren ja meine einzigen Angehörigen gewesen, und meine Eltern versuchten stets zu verhindern, dass ich sie allzu oft sehe. Meine wirklichen Eltern waren ein absolutes Tabu.
    Nach außen hin wirkte unsere Familie eigentlich völlig normal. Doch im inneren gärte es. Den Unmut bekam vor allem ich, manchmal auch meine Schwester zu spüren. Manchmal hatte ich regelrecht Angst vor meinen Eltern, insbesondere vor meinem Vater. Er waren stets Kleinigkeiten, die das Fass zum Überlaufen brachten, doch tat es jedes Mal weh. So versuchte ich, es meinen Eltern möglichst recht zu machen, doch es half nichts. Meine Kindheit war nicht wirklich schön.
    Es war im November 1993, da war es besonders schlimm. Ich war 9 Jahre alt und glaubte, dass mich meine Eltern einfach nur hassten. Ich lief von zu Hause weg, ohne jegliches Ziel. Lediglich einen naiven Gedanken hatte ich im Kopf: “Sollen sie doch sehen, was sie davon haben.“ Irgendwann am späten Abend fiel ich einer Frau auf, weil es schon recht spät war. Sie brachte mich nach Hause. Mein Vater sah mich an ohne ein Wort zu sagen, zum ersten Mal nahm er mich richtig lange in den Arm. Ich musste weinen.
    Danach wurde ich nie wieder geschlagen. Wir waren dann eine ganz normale Familie. Die Vergangenheit wurde totgeschwiegen. Sie haben nie mit mir darüber geredet, mich nie gefragt, warum ich damals weggelaufen bin. Die Zeit ließ es vergessen. Wenn wir heute über vergangenes sprechen, dann wird der Zeitraum 1990-93 tunlichst vermieden. Aus meiner Kindheit gibt es nur wenige Bilder. Meine wirklichen Eltern sind auch heute noch ein Thema, das möglichst übergangen wird. Im Bewusstsein meiner Eltern existiere ich erst seit dem November 1993. Die 9 Jahre davor gibt es praktisch nicht.
    Inzwischen ist das alles Jahre her. Auch später habe ich meine Eltern nie so geliebt, wie es andere Kinder tun. In letzter Zeit spüre ich, dass sie wohl wieder etwas gutmachen wollen. Neulich haben sie mir sogar 100 € geschenkt.
    Mir wäre eine Aussprache allerdings lieber. Doch wann immer ich versuche, dieses Thema zu besprechen, gerate ich in eine Sackgasse. Ab einem gewissen Punkt komme ich nicht mehr weiter. Es ist dann immer, als spräche ich mit völlig fremden Menschen.
    Hat von euch jemand etwas ähnliches erlebt? Oder vielleicht einen Tip, wie man diese Sache angehen kann?
     
    #1
    hans-werner, 8 Januar 2007
  2. Jises Kreist
    Verbringt hier viel Zeit
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    hm dein fall schwint schwer und vielleicht habe ich noch nicht genug lebenserfahrung um ihn richtig zu beurteilen aber für mich sieht es auch so aus als wollten sie etwas gut machen. ich glaube an dem tag als du weggelaufen bist haben sie das erste mal richtig gemerkt, wie doll sie dich lieben und dass du für sie kein kind 2. klasse bist. vielleicht ist auch das der grund warum sie mit dir nicht über deine leiblichen eltern sprechen wollen... vielleicht haben sie angst du würdest sie nicht richtig lieben und sie nicht las deine eltern akzeptieren. das mit der aussprache ist sone sache... ich meine stellen sie sich denn völlig quer oder geht alles so bröckchenweise vor sich?... du solltest dich nicht in eine sackgasse treiben lassen, sondern darauf beharren mit ihnen zu reden und zwar solange bis sie darauf eingehen. es werden bestimmt viele gefühle hochkommen und es werden so denke ich auch tränen fließen aber wenn ihr euch ausgesprochen habt wird es euch besser gehen und euer umgang miteinander wird bestimmt auch nicht mehr so wie früher sein

    Gruß Jises
     
    #2
    Jises Kreist, 8 Januar 2007
  3. klatschmohn
    Meistens hier zu finden
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    Single
    Also ich weiß ja jetzt nicht in wie weit Kamelia recht hat mit dem was sie schreibt, hab jetzt nicht nach deinen Beiträgen geguckt und dein Name sagt mir auch erstma nichts....deswegen bin ich mal ganz vorurteilsfrei....

    ich habe ein ähnliches Problem mit meiner Mutter..ich wurde über einen ziemlich langen Zeitraum hinweg mißhandelt und meine Mutter wußte davon,,,ich würde sogar sagen, dass sie mich vorgeschoben hat, damit mein Stiefvater sie in Ruhe lässt. Sie hat mich dann mit 16 rausgeschmissen, weil ich mich geritzt habe und magersüchtig war und sie mit mir nicht mehr klar gekommen ist...wie dem auch sei...

    Heute sehen wir uns vielleicht drei mal im Jahr und dann ist immer alles sehr merkwürdig. Das letzte mal sahen wir ums zu Weihnachten und sie tut immer so als sei nie was gewesen. Sie schweigt dieses Thema vollkommen tot. Ich habe schon oft überlegt, ob ich sie auf all die Dinge anspreche, habe es bis jetzt aber noch nicht geschafft, da es mir irgendwie zu peinlich ist.

    Ich denke aber, dass es für unsere Beziehung gut wäre. darüber zu reden und vielleicht einige Dinge aus der Welt zu schaffen. Ja, ich würde gern wissen, wieso sie jahrelang zugesehen hat ohne etwas zu unternehmen.....

    Ich denke du solltest einfach mit deinen Adoptiveltern darüber reden, vielleicht fühlst du dich ihnen dann näher ...
     
    #3
    klatschmohn, 8 Januar 2007
  4. Gantz
    Gantz (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Ich würde auch körperlich misshandelt.
    Ich würde auch geschlagen, getreten usw seit ich 6 Jahre alt war, bis ich mit 18 sie einmal zurückgeschubst habe. Dann hat sie aufgehört mich körperlich zu misshandeln. ich bin jetzt 23 jahre alt und begreife jetzt erst, wie schlimm es wirklich gewesen ist/ist. Ich lebe auch noch mit meiner Familie zusammen.

    Mit der Aussprache hab ich es auch schon mindestens 5 mal versucht. Das erste mal an das ich mich erinnere( das war noch während ich geschlagen würde so mit 10) hat sie gesagt das ich schlecht sei und selber Schuld habe(angeblich schlechte Noten , eine drei zum Beispiel...)
    Manchmal fragt man auch als Kind direkt, warum man geschlagen wird(wenn man den Grund nicht kennt) während man geschlagen wird... thja ... da kam dann sowas wie , wiel du dein Gesicht schützt( wenn ich merkte , dass sie schlechte Laune hatte und zum Schlag ausholte, hab ich schon automatisch meine Hände vor mein Gesicht gehalten, was sie nur noch wütender machte).

    Nun habe ich auch mindestens 4 mal nachdem ich nicht mehr geschlagen wurde(mit zeitlich mind 1/2 Jahre Abständen) gefragt(bzw sie darauf angesprochen) , beim ersten mal(als ich so 20 war) meinte sie,dass ich mir alles einbilde und es NIE geschehen sei....
    Beim zweiten mal meinte sie, ich habe selber Schuld gehabt und dass ich ein schwererziehbares Kind gewesen sei( das stimmt absolut nicht, hatte gute Noten, habe NIE mit anderen geredet, wenn nicht aufgefordert, war TOTAL introvertiert, war IMMER vorsichtig(dass ich bloß nicht falsch mache))
    beim dritten mal wieder dasselbe wie beim ersten mal.... beim vierten dasselbe wie beim 2. mal...

    Soviel zu meiner Mutter, da aber auch mein Bruder davon wusste hab ich ihn auch gefragt, nach dem ich meine Mutter zum ersten mal darauf angesprochen hatte... er meinte dann dass ich lüge/ dass es nie passiert sei/ich es mir einbilde. Beim 2.mal (war nachdem ich meine Mutter zum 2 . Mal fragte) meinte er, ich hätte Schuld daran gehabt...
    Dazu ist zu sagen, dass mein Bruder nicht misshandelt würde, sondern nur ich, und er musste immer raus gehen, wenn sie mich bestrafte.Er hatte auch viele Vorteile davon...ich würde für sein Fehlverhalten verantwortlich gemacht( er ist 2 Jahre jünger)

    Heute frage ich nicht mehr danach/spreche sie nicht mehr drauf an. Ich verdränge es einerseits, aber ich muss mich immer damit auseinandersetzen, wenn ich Zeit zum Nachdenken habe...

    Es ist nur so richtig schlimm , wenn meine Mutter mal wieder Besuch hat(bzw wenn ich meine Freundin eingelagen habe) und sie denen erzählt , dass sie Alleinerziehend ist, eine Arbeit hat, sich von ihrem gewalttätigen Ehemann alleine getrennt hat (in einem fremden Land sich scheiden lassen hat ) blablabla...macht sie zum Glück nicht immer...
    dabei wird das, was sie mir antat schön ausgelassen, dann die Reaktion der Zuhörer:Bewunderung ....wenn es anfängt muss ich dann schnell den Tisch verlassenfalls wir essen(deshalb esse ich immer ganz schnell auf ) gehe in mein Zimmer oder bin soweit es geht anderweitig beschäftigt...oder wenn sie mal wieder im TV irgendetwas über Gewalt in Familien sieht, dann fängt sie auch an zu reden...ich solle ihr dankbar sein, dass sie sich getrennt hat , sie eine tolle Mutter sei, wir beide uns toll verstehen usw
    Alle sehen sie nur als Opfer, das sich wieder aufgerichtet hat... na toll.Deswegen können sie es sich auch nicht vorstellen, dass die Möglichkeit besteht , dass sie auch so ist. Sie würde5-6 jahre misshandelt( ein paar heftigere Sachen waren bei, Trommelfell gerissen usw) und ich würde leider nie krankenhausreif geschlagen, aber mind 5 mal am Tag, bishin zu 20 mal am Tag( wenn keine Schule)und das von 6-bis ich 18 war....und dann noch psych. übelst misshandelt.

    Der Unterschied zu dir ist halt, dass meine Mutter und mein Bruder gegen mich wären in einem 'aufklärendem Gespräch' so dass es wirklich NICHTS bringen würde. Alle Freundinnen meiner Mutter/unsere Bekannte bewundern sie... eine Freundin die ich 4 jahre kannte , der ich es auch nach 4 Jahren erzählte(die dann meine Mutter kannte) hat mir nicht geglaubt...Na toll...
    Ich habe es nun 4 Menschen erzählt(+ eine Emailfreundin sehr detailliert erzählt) die mir alle glauben, aber nur mit einer konnte ich etwas detaillierter reden. Bei den anderen 3 war es eher so, dass ich sagte ich würde geschlagen. Die, denen ich es erzählt hab die mir glauben war es so, dass sie meine Mutter vorher nicht kannten. Übrigens konnte ich erst mit 22 Jahren es zum ersten Mal jemanden erzählen...

    Jetzt wo ich teilweise das ganze Begreife , merke ich, dass die psychischen Misshandlungen viel schlimmer waren als die körperlichen.... ich hoffe, dass du nicht wie ich Zwangsverhaltensstörungen davon getragen hast.Ich hatte eine Menge... jetzt bin ich nur noch ein Messie und noch ein paar Kleinigkeiten, die ich auch noch bewältigen werde.Die schlimmen hab ich alle zum Glück nicht mehr.

    Es gibt noch VIELE Sachen die ich hier nicht reinschreiben kann(ist einfach zu lang), die den wahren Ausmaß erst begreiflich machen können ( die Schläge empfand ich nichtmal als schlimm, die psych. Misshandlungen waren das was mir Angst machte), aber ich möchte es für dich kürzen und so bleibe ich bei den körperlichen Misshandlungen. Nebenbei:ich würde zumindest NIE vergewaltigt.
    Ich liebe meine Eltern NICHT. Ich liebe meine Familie NICHT. Ich kann es mir aber gut vorstellen wie es ist , wenn ich sehe wie andere Familien sich verhalten. Aber ich kann und werde meine Familie nie wieder lieben, diese Chance haben sie sich selber genommen. Ich habe so mit 10 Jahren aufgehört sie zu lieben. Alles hat seine Grenzen.
    Ich habe es Ihnen noch nie gesagt und spiele ihnen und allen anderen schön 'heile Familie' vor und hoffe insgeheim, dass endlich was passiert( dass einer von denen überfahren wird usw).Das ist der wahre Grund(und das finanzielle) weshalb ich noch bei meiner Familie lebe.Ich möchte Gerechtigkeit, auch wenn es jetzt etwas seltsam klingt...falls das nicht funktioniert ist es schade drum , aber wenn ich mein Studium fertig habe und Arbeit gefunden habe, werde ich selbstverständlich den Kontakt zu denen abbrechen.

    Ich kann dir nur empfehlen zu versuchen deine Eltern darauf anzusprechen. Es ist halt ein Anfang für dich an dem du deine Aufarbeitung ansetzen kannst.Es ist egal ob sie dir eine Antwort geben werden ( die dich vielleicht nicht zufrieden stellt), es geht um die Handlung an sich. Spreche doch zuerst deine Schwester darauf an. Du kannst, wenn sie es möchte, dann mit ihr zusammen deine Eltern konfrontrieren.Das wäre sinnvoller, dann kannst du zumindest sicher sein, dass sie nicht wie bei mir mit der Ausrede, du hättest dir alles eingebildet,kommen können und hättest eine Stütze, die dir vielleicht im Gespräch behilflich sein könnte.

    Sorry, dass es so lang wurde...
     
    #4
    Gantz, 9 Januar 2007
  5. User 631
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Karmelia, wenn du einen konkreten Fakeverdacht hast, dann gehört der nicht in den Thread, wo du ihn vermutest, sondern als Beitragsmeldung an uns. Angenommen, du irrst dich, dann hast du gewaltigen Schaden an der Glaubwürdigkeit eines Users angerichtet, nur aufgrund deiner Vermutungen.

    Entsprechende Beiträge entfernt

    Zurück zum Thema
     
    #5
    User 631, 9 Januar 2007
  6. hans-werner
    Benutzer gesperrt Themenstarter
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    nicht angegeben
    Hab mich schon gewundert :schuechte

    @klatschmohn
    @Gantz

    Ohje, das ist ja wirklich hart :geknickt: Da weiß man gar nicht, was man sagen soll...:ratlos: auf jeden Fall tut es mir sehr leid für dich
    Zum Glück ist es bei mir nie so schlimm gewesen. Wenn ich in deiner Situation wäre, ich wüßte nicht, wie ich damit umgehen soll...solche Dinge werden sicher immer ein dunkler Fleck bleiben, da ist ja zu viel vorgefallen...
    Nunja, ich wollte eigentlich in all den Jahren immer mit meinen Eltern darüber reden. Auch schon kurz nachdem es aufgehört hatte...doch damals war ich nur froh, dass alles normal wurde, ich war vielleicht auch noch zu klein, um es zu begreifen. Nur derzeit ist ein Punkt erreicht, an dem ich die ganze Sache als extrem störend empfinde. Ich verstehe mich heute gut meinen Eltern, was nicht immer so war. Seit damals hat sich unser Verhältnis zwar sehr langsam, aber doch kontinuierlich normalisiert. Manchmal, ganz selten, wurde auch von meinen Eltern etc. gesprochen. Doch ich hatte jedesmal das Gefühl, es wäre ein sehr wunder Punkt für meine Eltern...warum das so ist...:ratlos: ...vielleicht erfahre ich es ja einmal. Als ich 12 war, habe ich zum ersten Mal meine richtige Schwester gesehen. Jeder wußte, dass das für mich eine große Sache war...meine eltern haben mich nie gefragt, wie ich das ganze erlebt habe...
    Vielleicht muß ich auch akzeptieren, dass sie eben nicht meine wirklichen Eltern sind...:ratlos:

    PS:@klatschmohn/Gantz
    Hoffe ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich jetzt an euch beide das gleiche zurückgeschrieben habe...eigentlich macht man ja sowas nicht...:schuechte
     
    #6
    hans-werner, 9 Januar 2007

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