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Das Gefühl

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von ogelique, 5 Oktober 2003.

  1. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    Déjà-vu.


    Stop.
    Mein Körper ist völlig verkrampft, es zieht sich alles zusammen in der Magengegend, die Zähne knirschen zwischen fest zusammengekniffenen Lippen, der Atem stockt und die Luft bleibt weg. Das Herz hört längst nicht auf mein Gehirn, sondern holt zu immer häufigeren Schlägen aus und droht hinter den Rippen hervor zu springen.
    Was habe ich noch mal gegessen? Wo bin ich? Wieso bin ich hier? Wo bin ICH?
    Nein, es ist keine Verliebtheit, keine Vorfreude und auch keine Angst.
    Oder doch? Vielleicht alles zusammen?
    Nein. Heute weiß ich genau, was es ist. Es ist ein Déjà-vu mit einem alten Bekannten: Gefühl. Ja, genau das ist es, genau dieses habe ich schon mal erlebt - stärker und vielleicht begründeter, aber ich hab's erlebt. In dieser Hinsicht bin ich bereits erfahren.
    Es ist v. a. Angst. Angst, dass ich etwas Falsches mache, Angst, dass ich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort bin, Angst, etwas zu verlieren, das nicht mehr da ist. Eine falsche Angst. Eine unbegründete. Was kann mir schon passieren?
    Und dann ist es noch etwas: Die Vortrauer. Nach der schwindenden Verliebtheit, nach einer von mir und ihm sorgfältigst aufgebauten Illusion, nach einem schon im Voraus verpatzten Tag. Eine Vortrauer - die ehrlichste und unnützeste aller Trauern. Man trauert etwas nach, was noch nicht eingetreten ist. Eine falsche Trauer.
    Es ist auch Stolz. Denn ich weiß, dass das nicht mehr wird rückgängig zu machen sein, dass ich ausgeliefert bin, dass ich nur jemand bin, der jemandem nachrennt, etwas nachrennt, was schon längst weg ist. Der Zug ist abgefahren. Ich kann nicht mehr zurück, nicht mehr umkehren, genau wie damals. Wegrennen geht nicht - ich muss mich der Gefahr stellen auch, wenn sie nicht mehr abwendbar ist. Und das beste daraus machen. Ein ehrlicher Stolz. Er ist der ehrlichste Teil meiner selbst, aber er ist hier fehl am Platz. Wieder falsch.
    Ich guck' instinktiv in den Spiegel, genau wie damals und genau wie damals sehe ich gut aus. Braungebrannt, diesmal nur keine Solariumbräune, geschminkt und verängstigt.
    Die Treppe rauf - da steht er. Er ist so hübsch! Genau wie damals der Andere. Jedesmal, wenn ich ihn sehe, bin ich von Neuem überrascht, dass er so gut aussieht und ich falle ihm um den Hals. Wie gut ist das, die Geborgenheit ist wunderschön. Mir kommen die Tränen - das Gefühl. Und die Hoffnung, nein, die Erleichterung, dass das Gefühl diesmal versagt hat, dass es nicht gestimmt hat und die Sorgen unnötig waren. Jetzt wird alles wieder gut. Ich bin glücklich, aber ich trauere. Es ist die Vortrauer.
    Wir könnten jetzt miteinander reden, alles klären aber es gibt nichts zu klären. Ich weiß es. Das Problem liegt an ihm, es liegt in seinem Kopf, der für meine Argumente unzugänglich geworden ist, der mehr und mehr eine Mauer um ihn aufbaut, eine immer dickere. Nein, Reden bringt nichts. Nicht dafür treffen wir uns nach 5 Wochen wieder. Ich will mit ihm schlafen. Und er mit mir. Das ist viel besser, ich wollte doch das Beste aus diesem Tag machen.
    Eigentlich sollten die Männer nach dem Sex glücklich sein. Er wirkt so abwesend und konzentriert - konzentriert, aber nicht auf mich. Ich will das nicht. Mir geht's gut, ich fühle mich sexy und hübsch, aber ihm scheint das völlig egal zu sein. Warum? Warum kann er das alles nicht vergessen und einfach so sein, wie vor den Ferien? Déjà-vu.
    Es ist falsch und ich komme nicht davon los, dass etwas so sein kann wie es einmal war. Es wird niemals so sein. Wer macht so einen Fehler zwei Mal hintereinander? Ich. Aber warum? Ich bin hübsch, ich bin sexy, ich lache und fühle mich pudelwohl - warum will er mir nicht wenigstens das lassen? Und ich fange an zu weinen, weil er unglücklich und unzufrieden ist und ich überempfindlich. Ich will nicht, dass er es sieht, doch er versucht mich zu trösten. Ich will nicht. Wie ein kleines Kind. Genau wie damals. Es ist die Erkenntnis, die vage, dass es nicht mehr gehen wird. Die Angst. Der verletzte Stolz. Die Vortrauer.
    Und schon geht's mir wieder gut und ich bin glücklich. Oder ich tue so, um ihn und hoffentlich auch mich selber zu überzeugen. Wo ist die Nähe? Wo ist das alles hin, was zwischen uns mal war?
    Ich will Sex.
    "Du bist so schön. Du bist so schön. Es ist so schön mit dir." Ich will es spüren, so, dass es jede einzelne Zelle meines Körpers weiß, so, dass es jede meiner grauen Zellen glaubt und jeder Herzschlag es mir bestätigt. Ich will es spüren. Nicht hören.
    Nacht. Kuscheliger ist es niemals zu zweit, als einfach nur nachts unter einer Bettdecke einzuschlafen. Aber bei uns ist es nicht kuschelig. Er umarmt mich nicht. Wieso? Was ist denn mit ihm? Was hab' ich denn falsch gemacht? Ich muss schmunzeln. So läuft das also... Wie konnte ich nur so naiv sein, zu denken, dass alles wieder gut werden würde? Warum vertraue ich dem Gefühl nicht? Ich bin doch nicht blöd. Und ich drehe mich um, ihm den Rücken zukehrend. Er umarmt mich nicht. Ich kann nicht schlafen, bin zu aufgedreht - wie immer nach dem Sex. Er umarmt mich nicht. Der Stolz.
    Bei Frühstück liest er die Zeitung und ich habe Angst etwas zu sagen, um ihn nicht zu stören. Was ist das denn? Ich habe Angst? Vor ihm? Ja. Zum ersten Mal, weil ich weiß, dass er mir entgleitet, entglitten ist. Sonst habe ich doch immer alles im Griff und jetzt liest er einfach die Zeitung. Wieso Angst? Ihn zu verlieren? Wen denn? Ist da überhaupt noch jemand da? Die Angst.
    Am Auto umarmt er mich und küsst mich auf den Hals, nicht auf den Mund. Genau wie damals der Andere in der anderen Stadt aber vor demselben Auto. Als wenn es ein Zeichen sein soll des Abschieds für immer. Ich küsse ihn, aber er küsst etwas widerwillig zurück. Nur etwas, aber ich spüre es. Und ich weiß, was es bedeutet.
    Déjà-vu, Gefühl!
    "Was fällt dir bloss ein, mir nicht zu glauben?"


    So, ich hoffe, das passt in dieses Forum. Kennt jemand von euch auch dieses Gefühl, das schon einmal exakt gleich war und wiederkehrt in einer Situation, in der man dann genau weiß, was kommt?
    Sorry für die Länge...
    Ich hoffe auf Verbesserungsvorschläge.
     
    #1
    ogelique, 5 Oktober 2003
  2. Bea
    Bea (30)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    *hm* Als was hast du diese Geschichte geschrieben? Als Kurzgeschichte - das ist sie eigentlich nicht direkt... Für eine "klassische" Kurzgeschichte ist der Anfang gut, das Ende aber nicht unbedingt... Normalerweise soll das Ende abrupt abbrechen und wirklich alles offen lassen. Außerdem hat deine KG zu wenig Handlung. Es ist schwierig, sich in dem Gewirr von Gedanken zurechtzufinden... Sie scheint irgendwie wegzugehen, zu einem anderen, nach fünf Wochen und mit dem ins Bett zu steigen, gleichzeitig aber zu wissen, dass sie mehr für ihn empfindet, als er für sie und das macht sie dann traurig... So ungefähr habs ich verstanden... Aber das sind alles nur so halbvage vermutungen...

    Ich würde an deiner Stelle den Text nochmal etwas überarbeiten. Viele Gedanken und Gefühle sind nicht schlecht, aber bei dir sind es schon zu viele. Bau einige Sätze ein, wie sie hinkommt, beschreib den Mann oder so. Einfach ein bisschen was, um den Text aufzulockern und leichter zu machen. Eigentlich besteht dein ganzer Text aus einem Monolog, der eigentlich gar keiner ist, weil er immer wieder unterbrochen wird... Aber du schreibst ihn so, als wäre er total am Stück... Als würde sie einen mehrstündigen Monolog in ihrem Kopf halten, der sogar während dem Sex weitergeht...


    Ich hoffe du kannst mit meiner Kritik etwas anfangen
    Bea
     
    #2
    Bea, 7 Oktober 2003
  3. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Verheiratet
    Danke für die Kritik.

    Eigentlich ist das nicht wirklich eine KG, ich wüßte auch überhaupt nicht wirklich, als was ich es beschreiben müsste und die Geschichte ist auch etwas anders, als du sie verstanden hast... Es ist eigentlich eine Beziehung, die auseinander geht und sie denkt an eine andere, die schon länger zurückliegt aber am Ende so ähnlich abgelaufen ist. Und deshalb weiß sie genau, wie dieses Treffen ablaufen wird, da sie dasselbe Gefühl hat und will es nur nicht wahrhaben.
    Ich wollte wissen, ob es einigermaßen verständlich ist - scheint nicht ganz so zu sein - danke für den Hinweis.
    "Innerer Monolog" entspricht dem aber ganz gut, am ehesten ist es sowas wie ein "inneres Tagebuch".

    Was meinst du mit dem abrupten Abbrechen?
     
    #3
    ogelique, 7 Oktober 2003
  4. Bea
    Bea (30)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    Bei den typischen Eigentschaften heißt es immer "offenes Ende"... Meistens wird das so umgesetzt, dass man am Höhepunkt ist, den aber nicht ausklingen lässt, sondern einfach mit dem Höhepunkt aufhört - also ziemlich abrupt... Das meinte ich eigentlich damit :zwinker:
     
    #4
    Bea, 7 Oktober 2003
  5. Luzi
    Gast
    0
    Apropos
    Ehrlich gesagt hab ich die Geschichte beim ersten Lesen überhaupt nicht verstanden, da ich einfach nicht herauslesen konnte, von was sie das déjà-vu hatte... aber nachdem du es jetzt erklärt hast, versteh ich sie jetzt! :smile:
     
    #5
    Luzi, 7 Oktober 2003
  6. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    1
    Verheiratet
    @ Bea: Ich weiß, dass es so in den Eigenschaften für eine Kurzgeschichte heißt :eckig: . Wollte nur wissen, was du dir in dieser Geschichte so als offenes Ende vorstellen könntest.

    Ok, ok, ist klar, ich müsste das Ganze noch sehr stark überarbeiten zwecks verständlich machen usw. Viell. nehm' ich's auch als Anfang für eine längere Geschichte, wo später dann alles wieder erklärt wird...
     
    #6
    ogelique, 7 Oktober 2003
  7. Marcel_23
    Gast
    0
    Ich finds einfach nur schöööön!
     
    #7
    Marcel_23, 7 Oktober 2003
  8. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Verheiratet
    @ marcel: Danke
     
    #8
    ogelique, 7 Oktober 2003
  9. Writer
    Gast
    0
    Hallo ogelique,

    gefällt mir sehr gut Dein Text, vorallem die kurzen, spotartigen Sätze sagen mir zu.
     
    #9
    Writer, 7 Oktober 2003
  10. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Verheiratet
    Fortsetzung

    "Warum vertraust du mir nicht? Ich habe dir bisher immer die Wahrheit gesagt und du solltest wissen, dass ich dein einziger wahrer Freund bin." - hörte ich später mein Gefühl sagen. Damals unterdrückte ich diese Stimme. Es war mir lästig, es hat meine innere und meine äußere Welt gestört, schließlich war ich immer ein Kopfmensch.
    Und trotzdem hat dieses Deja-vu mit meinem eigenen, tief in meinem Herzen wurzelnden Ich mein ganzes Leben verändert, auf eine nur ihm eigene Art und Weise.

    Er wurde immer abweisender und je abweisender er wurde, desto mehr wollte ich retten. Er war nicht schuld daran, es ging nicht anders seit diesem dummen Vorfall. Ich merkte es förmlich, wie ich - die von ihm einmal vergöttert wurde - wieder Schritt um Schritt entthront wurde und mein Heiligenschein in seinen Augen immer schwächer wurde. Ich glaube wirklich, dass er nichts dafür konnte. Aber ich auch nicht.
    Und deswegen kämpfte ich. Was habe ich nicht alles versucht!?! Ich war abwechselnd alles: Mal traurig, mal lustig, mal leidenschaftlich oder zurückhaltend, zuversichtlich und verzweifelt. Es war ihm wenig Wert. Immer weiter entglitt er mir, immer fremder wurden mir seine Umarmungen und seine Worte, immer seltener hörte ich seine Stimme in meinem Herzen.
    Und je weiter weg er war, desto erniedrigter fühlte ich mich.
    Ich sank immer tiefer in meinen eigenen Augen. Mein Selbstwertgefühl schrumpfte zu einem kaum erkennbaren Punkt, je weiter er war, je stärker sein Schatten verblasste.
    Ich ließ unsere Beziehung revue passieren, Tag für Tag.
    Ich sah ihn wieder zum ersten Mal, ich sah, wie er mir sagte, wie hübsch ich sei. Ich bekam wieder die Rosen von ihm und hörte die wundervollste Liebeserklärung meines Lebens.
    Unendlich oft hintereinander spürte ich die erste Berührung, seiner Hand, seiner weichen Lippen auf den meinen und das schwindelerregende Kribbeln am ganzen Körper.
    Und ich hörte wieder die Frage: "Darf ich dich küssen?" und spürte, wie sich alles in meinem Magen umdrehte.
    Ich sah seine Augen vor mir und das Lächeln, das mir immer so unheimlich gutmütig erschien und seinen Gesichtsausdruck, wenn er mich ansah, den ich über alles liebte.
    Er hielt meine Hand, umarmte mich und lief wieder gegen ein Schild, weil er nur für mich Augen hatte.
    Er sagte mir, dass ich seine Traumfrau sei und dass er noch nie so ein Mädchen kennengelernt hatte, wie mich.
    Und dann umarmte er mich wieder beim Kochen und sagte mir, dass er mich nie wieder loslassen würde.

    Nie wieder, nie wieder will ich so weinen, wie ich in diesen Tagen geweint habe.
    Nie wieder will ich mich so elend fühlen.

    Mein Verstand wusste nicht mehr weiter. Mein Kopf hat ausgesetzt, er wollte mir bei der Beantwortung dieser Frage nicht helfen, an der mein Inneres verbrannte.

    Dann fiel mir das Gefühl wieder ein und zum ersten Mal in meinem Leben fragte ich es nach einem Rat. Und es sagte:
    "Aus zwei Sachen wähle immer das aus, was dich glücklicher macht."
    Und wenn mich beides unglücklich macht?
    "Dann wähle das, was dich weniger unglücklich machen würde."

    Die nächsten Tage, nachdem es aus war, fühlte ich mich in einem mir noch nie bekannten Hoch.
    Ich habe alles richtig gemacht.
    Ich war mit meinem Gewissen im Reinen.
    Ich war frei.
    Ich war glücklich.
    Ja, glücklich, nicht weniger unglücklich, sondern glücklich. Und es war unglaublich befreiend.

    Von nun an machte ich mich an mein eigenes Leben. Ich schaffte ein glänzendes Abitur, promovierte, verdiente mehr Geld, als ich es mir jemals erhofft hätte und - das Wichtigste - ich lebte im Einklang mit mir selber.

    Bis...
     
    #10
    ogelique, 22 November 2003
  11. User 10802
    Planet-Liebe Berühmtheit
    3.083
    348
    4.777
    nicht angegeben
    2 sides to the same story...?

    Hallo erstmal allerseits!

    Ich bin neu hier... Aber schön habt ihr's. Auf jeden Fall Riesen-Kompliment für die tollen Texte ogelique, wirklich schön. Und irgendwie hatte ich das Gefühl das aus ner anderen Perspektive fortsetzen zu müssen. Auch wenn ich mich damit einfach in Deinen Thread reindrängel... Aber es paßt so gut! Ich hoff mal das stört nicht allzu sehr und jetzt viel Spaß beim Lesen, auch wenn's viel zu lang geworden ist:

    Tears running down like a waterfall. Heul nicht, du Memme.
    Immer wieder diese große Frage. Warum? Und warum nahm es ihn so mit? Er hatte gedacht er sei im Reinen mit sich. Mit der Welt. Mit ihr. Ja, er hatte dieses Gefühl gehabt. Oder besser gesagt, dieses Gefühl das irgendetwas verschwunden war. Wann auch immer. Wo auch immer. Nur hatte er das nie bemerkt. Verdrängt. Auf lustige kleine Post-it’s geschrieben die jetzt irgendwo in einer dunklen Ecke seines Hinterkopfs darauf warteten, wiederentdeckt zu werden. Er wollte sie nicht sehen. „Sich eingestehen“ war nicht. Nie gewesen. Nicht seine Art. Nicht seine Welt. Nicht das, was er wollte. Oder konnte. Es tat weh. Er hatte Angst.
    Ihre Worte hingen ihm immer noch in den Ohren. Ihr Inhalt. Ansonsten war seine Erinnerung ein einziger Brei, Eine Wolke in dem großen Nebel, der ihm jeden klaren Gedanken unmöglich machte. Eine Frage: Warum tat es so verdammt weh? Sofort danach war er cool gewesen. Fast schon emotionslos. Er war stolz gewesen. Er hatte nicht geweint. Nicht eine Träne. Und hatte sich einfach nur leer gefühlt. Jetzt, Stunden später war er alleine. Und alles kam raus. Nach und nach schlichen sich all die Dinge an, die er vermisste. Die er vermissen würde. Ihr Lächeln. Ein Flüstern. Berührungen. Sex. Welten. Wärme. Gefühle. Unfair!
    Wut. War das die Lösung? Sie hatte es kaputt gemacht. Einfach so. Er wollte nicht wissen warum. Er wollte nicht hören, dass sie Recht hatte. Und sehen konnte er mit den Tränen in den Augen auch Nichts. Aber darum ging es auch gar nicht. Sie hatte ihn verletzt, so oder so. Und er würde ihr nicht den Gefallen tun, es sich anmerken zu lassen. Niemals. Er war stark. Er würde es ihr zeigen. Dass er sie nicht brauchte. Dass es andere gab. Jawoll. Er glaubte sich selbst kein Wort.
    Was war schiefgegangen? Systematisch rangehen. Nicht dass das etwas ändern würde. Aber irgendwie musste man es ja verstehen. Zurück gab es nicht, das war klar. Allein schon aus Stolz. ER würde nicht wimmernd angerannt kommen. Niemals. Irgendwo fühlte er sich jetzt ja auch freier. Und einsamer. Er vermisste vieles. Vermisste er sie? Und warum? Die letzte Zeit hatte sie ihn genervt. Gelangweilt. Er hatte versucht, es nicht zu zeigen. Schließlich war sie seine Freundin. Wie lange waren sie schon zusammen? Scheiße, selbst das musste er im Kalender nachschlagen. Ende der Beziehung war keine Option. Sie hatte sie gewählt.
    Wütend verbannte er noch in der Nacht alles was ihn an sie erinnerte aus seinem Leben. Blätter treiben den Fluss herunter. Aus den Augen. Irgendwohin. Nur weg.
    Ein kleiner schüchterner Gedanke kam hoch. Klopfte an. Könnte es sein dass sie wirklich Recht hatte? Die Worte ausgesprochen hatte, die schon lange darauf warteten? War es unausweichlich gewesen? Würde er ihr eines Tages vielleicht sogar dankbar dafür sein? Niemals. Der Gedanke floh und versteckte sich. Er würde wiederkommen.
    Wie es ihr wohl jetzt ging? Hoffentlich litt sie genau so wie er. Scheiße Nein. Eigentlich hoffte er doch, dass es ihr gut ging. Aber nicht zu gut? Wenn er sie jetzt lachend sehen würde… Mit ihren Freunden… Mit irgendjemand anderem… Würde es ihm wehtun? Wäre es ihm egal? Oder würde es ihm mehr von dieser wunderbaren Wut geben, die ihn davon abhielt, die Fehler bei sich zu suchen. Selbstmitleid ist etwas Wunderbares. Man musste nur aufpassen, dass man nicht darin ertrank.
    Was kam jetzt? Er war faul. War es schon immer gewesen. Der einfachste Weg war verbaut. Mit Fragen. Mit Entscheidungen. Die gute alte Gewohnheit lag ausgeknockt in der Ecke, stand nicht mehr zur Verfügung. Und sein Selbstwertgefühl hatte sich auch schon mal besser gefühlt. Aber es musste weitergehen. Mit ihm. Einfach weitergehen. Ohne sie. Aber mit all der Vergangenheit, die ihm jeden Schritt zur Hölle machte.
    Zigarette, Bier, betroffenes Lächeln von Freunden. Hilft. Nicht wirklich. Und doch wurde es mit jedem Tag besser. Er verdrängte. Und trug doch alles mit sich. Und nach und nach kramte er die kleinen Post-it’s aus seinem Hinterkopf, betrachtete sie und ordnete sie ab. Gewesen ist gewesen. Und dann wieder den Blick nach vorne richten. Er war nicht mehr sauer. Er war nicht mehr traurig. Er hatte keine Tränen mehr. Nicht mehr für sie. Er belog sich selbst. Jeden Tag ein bisschen weniger.
    Heute, Jahre später, hatte er sie vergessen. Sein Leben war gut. Er war zufrieden. Und warum auch immer, jetzt, an diesem Tag, in diesem einen Moment regte sich der kleine Gedanke wieder. Klopfte freundlich an. Und heute verstand er ihn. Sie hatte recht gehabt. Er erinnerte sich. Lächelte über sich, über sie. Über Erlebnisse, Leben, Gefühle. Er fragte sich ob sie auch manchmal noch an ihn dachte. Ob sie dabei lächelte. Er hatte sie seitdem kaum noch gesehen, der Gang der Dinge hatte sie auseinandergetrieben. Es war einfacher gewesen so. Hoffentlich ging es ihr gut. Das Telefon blickte ihn fragend an. Ein Kaffee auf die alten Zeiten? Ein Gespräch? Was wollte er damit erreichen? Es war vorbei. Aber er hatte keine Lust mehr, zu vergessen. Auch wenn er darüber weg war. Der Abschluss schon lange zurücklag. Nein er würde es ruhen lassen. Wenn das Schicksal es will, sehen wir uns wieder. Tolle Ausrede. Alte Faulheit. Ein Lied drang langsam in seinen Kopf vor. Worte.
    “I know that everything’s not lost.”
    Das Telefon wartete. Er grinste es an und ging aus dem Raum. Es würde weiter warten. Und vielleicht würde er eines Tages wirklich mal wieder anrufen.
    Er ging ins Schlafzimmer. Seine Freundin hatte mal wieder die ganze Decke für sich beansprucht. Schlief selig. War es wieder so wie damals? Sah er irgendetwas nicht? Oder war alles in Ordnung? Er glaubte schon. Zumindest im Moment. Er betrachtete sie. Sie drehte sich um und sah ihn einen Moment an. Ein Kuss. Komm. Er legte sich zu ihr. Und ließ die Welt für einen Traum hinter sich…

    So das war's von meiner Seite... Wird die Geschichte weitergehen?

    Gruß, Brainie
     
    #11
    User 10802, 1 Dezember 2003
  12. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    4.767
    123
    1
    Verheiratet
    @Brainie: Das ist eine super Idee. Wir können den Text ja die ganze Zeit abwechselnd aus den beiden Perspektiven schreiben :smile: Mal sehen, was dabei rauskommen wird.
     
    #12
    ogelique, 1 Dezember 2003
  13. User 10802
    Planet-Liebe Berühmtheit
    3.083
    348
    4.777
    nicht angegeben
    Ich bin auf jeden Fall dabei! Ich freu mich schon auf den nächsten Teil... das wird sicher spannend.
     
    #13
    User 10802, 1 Dezember 2003
  14. Martin23
    Verbringt hier viel Zeit
    413
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Mir gefällt die Geschichte - sie ist ziemlich präzise und versucht realistisch eine komplizierte Gefühlslage auszudrücken... Kompliment

    Ich denke, dass es keine literaturtheoretische Beurteilung, resp. Schubladisierung braucht...sondern es geht doch darum, ob der Inhalt wirkungsvoll rüber kommt....
     
    #14
    Martin23, 2 Dezember 2003
  15. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    4.767
    123
    1
    Verheiratet
    @Martin23: Danke, dass du mich in meiner Meinung unterstützst :smile:
     
    #15
    ogelique, 2 Dezember 2003

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