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Das liebe Geld und das böse Schweigen

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von Shiny Flame, 30 Juni 2010.

  1. Shiny Flame
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    Muss mir grad einfach mal ein bisschen was von der Seele schreiben und hoffe auf Zuspruch oder Tipps :zwinker:.

    Mein Freund und ich haben kürzlich die etwas anstrengende letzte Phase bis zum Abgeben meiner Examensarbeit überstanden, er hat mich toll unterstützt, ich mich so lieb und manierlich wie möglich benommen und nicht gejammert, sondern immer noch ein Lächeln auf den Lippen gehabt, weil ich wusste, dass es für ihn schwer genug ist, weil er auf Arbeit halt viel Ärger hat und teilweise echt böse SChichtmodelle fährt.

    Wir haben uns beide schon tierisch darauf gefreut, dass wir morgen gemeinsam für ein langes Wochenende (LARP) wegfahren. Dafür wollten wir heut noch ein paar letzte Sachen kaufen, gemeinsam ein bisschen Kostüme basteln, noch mal kochen und die Wohnung putzen und morgen halt zu einem gemeinsamen Freund (Raffael) losfahren, mit dem wir die Strecke zusammen zurücklegen. Heut morgen bei der Bank stellen wir fest, dass mein Geld noch nicht da war. Und als er es versuchen wollte, war auf einmal der Automat "wegen innerer Wartungsarbeiten am System" nicht mehr funktionierend, und der Schalter hatte noch nicht auf.

    Da wurde er plötzlich extrem wütend, ich merke das immer so an seiner Art zu gucken, und meinte, wir fahren jetzt nach Hause. Meinen Plan, dann einfach im Supermarkt mit seiner Karte zu zahlen, lehnte er ab.

    ***

    Um das, was jetzt kommt, besser zu verstehen, muss ich ein bisschen ausholen und auf die Art zu sprechen kommen, wie er wohnt bzw. wir wohnen. Ich habe noch eine eigene Wohnung, und die muss ich aus bestimmten Gründen auch noch eine Weile behalten. Er wohnt in einem Haus, in dem im Erdgeschoss die Eltern wohnen und er im ersten Stock. Es gibt keinen getrennten Eingangsbereich, man kann von oben wunderbar runter kommen und umgekehrt.

    Nun ist es so, dass mein Freund dieses Haus abbezahlt. Alleine. Ursprünglich war wohl mal die Abmachung, dass er es mit seinem Vater zusammen macht, aber der ist jetzt an einer Depression erkrankt... Ich musste lange warten, bis mein Freund mir davon so ein bisschen erzählt hat. In seiner Familie ist es, anders als in meiner, überhaupt nicht üblich, über Problem zu reden. Überhaupt nicht.
    Mein Freund ist übrigens gerade mal 24, und seine Eltern hatten die schöne Idee mit dem Haus, als er gerade mal zwanzig oder so war, die Ausbildung mit Bestnote abgeschlossen hatte und ein Stipendium für die Technikerschule hätte kriegen können. Aber stattdessen hat er sich von seinem Betrieb übernehmen lassen, das mörderischste Schichtmodell wegen der Zuschläge gewählt und ist jetzt auch noch in einer Schicht mit Kollegen, von denen zwei ihn mobben, weil er lange Haare hat und körperlich nicht der größte ist.

    Wenn mein Freund so explosiv wirkt, wie er es bei der Bank tat, dann darf man ihn nicht anrühren, das weiß ich. Wenn man ihn dann in Ruhe lässt, kommt er nach zwei Stunden wieder aus seinem Zimmer raus und alles ist vergessen. Ich weiß nicht, warum seine Mutter das nicht weiß. Ich weiß nicht, warum sie ihn schon so lange kennt und nicht die Zeichen sieht, dass er gerade Distanz und In-Ruhe-gelassen-werden braucht. Jedenfalls stellte sie sich ihm in den Weg und fasste ihn an, als er reinkam. Wollte was mit ihm besprechen. Er sagte schon in ziemlich lautem Ton: "Lass mich in Ruhe." Ich weiß inzwischen, dass das heißt, dass er Angst davor hat, laut zu werden und zu schreien. Das passiert ihm leider manchmal, und weil das für ihn immer noch viel schlimmer ist als für mich, haben wir die Abmachung gemacht, dass er dann halt in sein Zimmer geht und der Konflikt vertagt wird.

    Ich weiß nicht, warum seine Mutter ihn dann angepault hat. Das ist das beste Mittel, um ihn zur Weißglut zu bringen, und es ist ziemlich gemein, weil er wirklich immer darauf achtet, es nicht so weit kommen zu lassen, indem er sich halt zurück zieht. Aber sie ließ ihm diesen Weg nicht. Jedenfalls hat er sie dann geschubst und ist die Treppe hoch in unseren Bereich gelaufen. Und dort hat er sich dann umgedreht und seine Mutter mit aller Kraft, die er hatte, angebrüllt.

    Er wäre es leid, zu arbeiten und sich kaputt zu machen und zusätzlcihe Wochenendschichten zu fahren, und trotzdem nie Geld zu haben. Er würde das Haus verkaufen. Es reichte. Er sähe nicht mehr ein, dass er sich nie etwas leisten könne und sich selbst für eine Pizza von seiner Mutter das Geld holen muss, nur damit die beiden da unten schön in einem Haus wohnen könnten statt in einer Wohnung. Und noch ein paar andere Dinge sagte er, die er wohl vorher noch nie gesagt hat. In einer ziemlichen Lautstärke. Und dann ging er in sein Zimmer und war nicht mehr ansprechbar.

    ***

    Mittelfristig werden wir hier wohl eh fortziehen müssen. Ich bekomme keine Arbeit, die in erreichbarer Nähe vom Haus liegt. Und er... Er möchte jetzt langsam doch gerne die Technikerschule besuchen, weil er als Mechaniker einfach hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und mehr leisten könnte.

    Wenn ich mehr Geld verdienen würde, könnte ich ihn besser unterstützen, aber ich bin eh ständig schon pleite.

    ***

    Irgendwie ist das grad alles ziemlich verworren in mir, es hilft schon ein bisschen, das hier grad alles aufzuschreiben.

    Ich war heute dann so lieb wie ich konnte. Hab ihm Obstcocktail in sein Zimmer gebracht. Ihm über icq geschrieben, dass ich das zusammen mit ihm durchstehe. Dass ich zu ihm halte, wenn es ihm schlecht geht, und auf jeden Fall respektiere, wenn er sich grad zurückziehen will. Da hat er zwar noch ein bisschen gemotzt, aber nachdem ich halt mehrfach klargestellt hab, dass ich sein "Zurückziehen" akzeptiere, aber trotzdem für ihn da bin, hat ihm das schon gut getan, glaube ich. Irgendwann hat er mir via icq auch erlaubt, ihm ne Pizza zu bringen, ich hab sie da vor die Tür gestellt, geklopft und wieder gegangen.

    Irgendwann hab ich Siesta gemacht, da war er plötzlich neben mir, hat einmal kurz meine Hand gehalten und an seine Stirn gelegt, und als ich wachwurde, ist er sofort wieder in sein Zimmer geflüchtet. Er sah furchtbar aus. So, als ob er ne Woche krank gewesen wäre.

    ***

    Ich mach mir solche Sorgen um ihn, grad, und es ist so schwer, dass ich scheinbar nichts tun kann als seine Zurückgezogenheit akzeptieren und ihm zwischendurch was Essbares oder zu trinken bringen.

    Aber, und auch das sollte nicht unterschlagen werden, ich weiß auch nicht, wie es weitergehen wird. Irgendwann wird er rauskommen, denke ich, und wir werden morgen wohl trotzdem zum LARP fahren. Aber ich kenne es aus meiner Familie nicht, das Dinge totgeschwiegen werden. Vermutlich wird hier aber wieder genau das passieren...

    Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann.
     
    #1
    Shiny Flame, 30 Juni 2010
  2. User 93633
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    Das ist ja eine blöde Situation. Vor allem, wenn er so erzogen wurde, Probleme zu verschweigen bzw zu überspielen. Gerade in einer Beziehung kann sowas ja pures Gift sein, seine Wut zu unterdrücken und zu schweigen. Mich wundert es nicht, wenn dein Freund dann irgendwann der Kragen platzt und es dann nur so aus ihm raus sprudelt. Das blöde daran ist nur, das man durch die Wut dann gerne Sachen sagt, die man eigentlich nicht so meint und auch nicht mehr zurück nehmen kann.

    Einerseits finde ich es gut, das du dich so auf deinen Freund einstellst und ihm die Zeit lässt, runter zu kommen. Aber was ist danach? Redet ihr dann darüber? Weißt du, bei mir ist es nicht anders. Wenn ich auf 180 bin, verkrieche ich mich lieber, bevor ich etwas sage oder tu, was mir später leid tun könnte. Allerdings hat das den Nachteil, das man über manche Sachen einfach nicht mehr spricht, weil es dann ja schon vorbei ist und man vielleicht den anderen nicht nochmal unnötig aufregen will.

    Habt ihr denn schon darüber gesprochen, welche Möglichkeiten ihr habt, um umzuziehen? Wollt ihr nicht zusammen wohnen?

    Das mit seiner Arbeit ist ja auch schlimm, ich kann gut verstehen, wenn er dann ständig schlechte Laune hat. Aber das kann doch kein Dauerzustand sein? Kann er sich nicht versetzen lassen oder anderen Mitarbeitern zugewiesen werden?
    Es ist einfach schade, denn über kurz oder lang müssen sich ja solche äußere Probleme auch in der Beziehung auswirken.
     
    #2
    User 93633, 30 Juni 2010
  3. JackoHDL
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    Hi,
    es ist echt eine schwierig Situation, wo ich selbst dir auch kein Rat geben kann. Was aber ganz toll von dir finde ist; dass du für iohm da bist obwohl es ihm schlecht und er in ruhe gelassen werden will. Respekt! Ich hoffe für dich, dass sich alles zum guten wendet und das jemand anderes dies liest und dir einen besseren Tip geben kann.

    Lg JackoHDL
     
    #3
    JackoHDL, 30 Juni 2010
  4. Shiny Flame
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    Ohne reden hätten wir kaum die jetzige Lösung mit dem "er zieht sich zurück" gefunden...

    Wir reden nicht so viel über Beziehungsdinge, aber wir haben inzwischen eine ganz gute Haltung von "ich nehme Rücksicht auf dich und du auf mich" gefunden. Wenn etwas stört, kann es gesagt werden. Er weiß auch, dass es mich stört, dass er sich heute so extrem zurückzieht, und dass ich Angst kriege, wenn er so laut schreit. Normalerweise wird immer erst im Nachhinein über was geredet. Aber das beschränkt sich dann auch mal auf ein "Tut mir leid, dass ich so biestig war" oder so. Es ist aber immer sehr ernst gemeint.

    Aber wir reden tatsächlich kaum bis gar nicht über Ursachen. Ich hab das halt irgendwann gelernt, dass das nichts bringt. Wenn mich was stört, sag ich: "Mich stört, dass (XXX), weil ich mich dann blöd fühle". Wir reden dann in dem Moment nicht groß drüber, was man da anders machen könnte - aber ich weiß genau, dass es ankommt. Und dass ich ihm wichtig genug bin, dass er darauf nach Möglichkeit Rücksicht nehmen wird. Auch, ohne das er es extra noch mal verbalisiert. Reden über alles und immer ist auch nicht immer die Lösung - das hatte ich mit meinem Ex, und reden, aber nicht ändern, nützt auch nichts.

    Manchmal erzählt er nachts auch ein bisschen von dem, was ihn belastet, und das ist dann immer ein sehr großer Vertrauensbeweis.

    ***

    Mittelfristig bewerbe ich mich zwangsläufig weg von hier, und er wird mitkommen. Wenn ich eine eigene große Wohnung in meinem neuen Arbeitsort habe, wird er nachkommen. Aber vermutlich wird das frühestens im Februar sein, und die Technikerschule, die er dann machen wird, wird erst im Sommer beginnen, so dass er so lange dann komplett arbeitslos sein wird.

    ***

    Aber das heute ist ein extremer Rückfall, glaube ich. Ich glaube, diese Sache mit dem Haus, die quält ihn schon sehr lange. Eben auch, weil er dadurch ohne Hausverkauf keine Möglichkeit sieht, die Arbeit für die Technikerschule aufzugeben bzw. sich wenigstens in eine andere Schicht weg von den Mobbern versetzen zu lassen. Aber ich hatte schon länger das Gefühl, dass ihm der Gedanke, mit mir wegziehen zu "müssen", sehr zusagt. Natürlich hat er darüber bisher noch nichts zu den Eltern gesagt. Hier wird ja nie über was gesprochen.

    Jetzt gerade stört mich das doch ziemlich. Ich weiß, dass sich die Dinge früher oder später lösen werden, einfach aufgrund meiner beruflichen Situation. Ich weiß, dass mein Freund nciht über Dinge reden will, die ich doch schon weiß und die er gerade nicht ändern kann, weil es ihm wehtut, hilflos zu sein und er mich doch eigentlich glücklich machen will.

    Ich brauche das gerade aber eigentlich. Aber er braucht halt von mir den Rückhalt, den ich ihm nur geben kann, indem ich seine Art gerade akzeptiere.

    Normalerweise kann ich ja sagen "ich brauch jetzt einen großen Knuddler" oder "Hast du grad mal fünf Minuten, ich muss ein paar Dinge einfach erzählen, um meine Gedanken zu sortieren, du brauchst mir keine Lösung dafür anzubieten". Aber wie soll das jetzt gehen?

    ***

    Es ist so beschissen, grad nichts tun zu können...

    Und obwohl das unfair ist, fühl ich mich auch alleingelassen.
     
    #4
    Shiny Flame, 30 Juni 2010
  5. JackoHDL
    Gast
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    Ich glaub dir das, aber leider kann ich dir nicht helfen. Außer dir Mut zu reden. Mir tut echt leid und ich kann deine Situation richtig gut nach vollziehen. Ich persönlich fühle mich immer total schlecht wenn ich nicht helfen kann. Tut mir echt leid
     
    #5
    JackoHDL, 30 Juni 2010
  6. Shiny Flame
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    Danke, Jacko, das hilft auch schon ein bisschen :smile:. Viel kann ich wohl im Moment einfach nicht tun - und ich weiß noch nicht, wie es weitergehen wird. Ich will keinen richtig bösen Streit. Er hat mir im icq geschrieben, dass in seinem Kkopf alles so wild durcheinander geht und er sich selbst kaum zurecht findet.

    Vermutlich wird er jetzt zwei Wochen gar nichts dazu sagen, und mir dann ganz beiläufig das Ergebnis seiner Überlegungen mitteilen... So ist er immer...

    Ach, scheiße. Ich hätte mich heut abend doch mit ner Freundin verabreden sollen, um raus zu kommen, aber ich wollte eigentlich den ganzen Tag packen und vorbereiten, und jetzt ist noch nichts getan.
     
    #6
    Shiny Flame, 30 Juni 2010
  7. KleineJuliii
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    Ich kann dir jetzt wahrscheinlich keine fundierten Tips zu deiner momentanen Situation machen,aber ich muss wirklich sagen ich bin gerührt wie du dich um deinen Freund kümmerst und seinen "Rückzug" aktzeptierst!

    Du wirst für ihn wohl nichts mehr machen können als ihn in Ruhe zu lassen und ihn seine Entscheidungen selbst treffen zu lassen,sonst wirst du vielleicht auch noch zu erdrückend für Ihn.

    Wirklich, Flame, ich wünsche dir/euch alles alles gute und hoffe dass das bald vorbei geht und ihr zusammen da wieder rauskommt.


    Juliii
     
    #7
    KleineJuliii, 30 Juni 2010
  8. JackoHDL
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    Es wird wieder alles gut. Ich kann mir vorstellen das er zur Zeit ein bisschen desprissiv ist. Aber dies geht auch bald vorbei.
    Kopf hoch! Und sei für ihm da, dass ist das Beste was du tun kannst.
     
    #8
    JackoHDL, 30 Juni 2010
  9. User 37900
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    Hallo Flame!

    Ich wurde auch so erzogen, dass Probleme in der Familie eher totgeschwiegen anstatt gelöst werden. Solch eine Erziehung ist das schlimmste überhaupt. Es muss dann immer so getan werden, als wäre Friede Freude Eierkuchen und dabei wird es irgendwann den großen Knall geben, den ganz großen.

    Leider kann ich dir auch nur Mut zu sprechen, dass alles wieder gut werden wird. Und ich finde es toll, wie du deinen Freund unterstützt und für ihn da bist.

    Off-Topic:
    Im Übrigen hab ich es geschafft. Ich schweige gegenüber meinen Eltern nicht mehr. Aber der Weg dorthin war lang und schwierig, ich musste viel lernen, viel einstecken und hab so einige Rückschläge verkraften müssen. Und es kam der große Knall... und danach die große eisige Stille. Jedoch bereu ich es nicht, nicht mehr geschwiegen zu haben. So kann es also auch gehen...
     
    #9
    User 37900, 30 Juni 2010
  10. Shiny Flame
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    Gestern abend ist es noch mal ein bisschen eskaliert, ich mag grad die Einzelheiten nicht genau aufschreiben...

    Apfelbäckchen, magst du vielleicht ein bisschen erzählen, wie du es gelernt hast und wie du dahin gekommen bist?

    Ich werd jetzt bis Sonntag weg sein, also bitte nicht wundern, wenn Antwort etwas auf scih warten lässt.
     
    #10
    Shiny Flame, 1 Juli 2010
  11. Dandy77
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    Hallo,

    also ich finde das Verhalten merkwürdig. Und zwar von beiden. Selbst wenn man viel Stress im Vorfeld hatte, sollte die Aussicht auf ein verlängertes WE zum relaxen für Stressabbau sorgen. Die zentrale Frage scheint für mich daher zu sein, warum führt ein relativ "kleiner Funken" zu so einer Explosion. Da muss sich also über längere Zeit schon mächtig was angestaut haben. Die Erklärung dafür liefert Flame, weil ihr Freund es nicht gewohnt ist, Probleme in der Familie auszudiskutieren.

    Beim Probleme ausdiskutieren - also streiten - entwickelt jeder einzeln und mit seinem Umfeld eine eigene Kultur. Beim Freund von Flame ist diese Kultur anscheinend verkümmert. Es wird des "Lieben Frieden willens" alles runtergeschluckt, bis eine Nichtigkeit dann das Fass zum Überlaufen bringt.

    Hier stellt sich für mich die Frage, wer nun keine Probleme diskutieren will. So wie es aussieht, bringt Flame ja sehr viel Verständnis für das Verhalten ihres Freundes auf. In meinen Augen ist das eine klare Unterstützung der Strategie, Probleme nicht auszudiskutieren, sondern zu verdrängen.

    Viele haben die TS hier zu ihrem Einfühlungsvermögen und zu ihrem Verständnis beglückwünscht. Aber im Prinzip ist es das gleiche Verhalten. Bloss keinen Konflickt herbeiführen, was dann letztlich aber dazu führt:

    Flame liebt ihren Freund anscheinend sehr doll. Aber ohne "Rosarote Brille" kann man diesen Wutausbrüchen wohl nicht so viel Verständnis entgegenbringen und dann wäre

    auch anders zu deuten.

    Ich sehe hier eine Gefahr, dass beide von einem Strudel mitgezogen werden, aus dem sie sich alleine nicht befreien können. Er scheint mit seiner Situation überfordert und reagiert darauf mit Agressivität. Und sie ist für eine objektive Betrachtung zu verliebt.

    Vielleicht sollten beide mal darüber nachdenken, deine Profi mit einzubeziehen.
     
    #11
    Dandy77, 1 Juli 2010
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  12. User 76250
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    Ganz ehrlich: Ich an Deiner Stelle hätte ihm wohl gesagt, wie stolz ich auf ihn bin, dass er seiner Mutter (endlich) mal die Meinung gegeigt hat, ohne Rücksicht auf Verluste. Es scheint ja wohl schon lange fällig gewesen zu sein.
    Er steht unter ungemeinem Druck, und das gute Zeichen - insofern würde ich nicht von Rückfall sprechen, denn ständiges Insichhineinfressen von Problemen anstelle ihrer Lösung ist kein Fortschritt - ist, dass es anscheinend das richtige "Opfer" dieses Ausbruchs getroffen hat. Da ist mal alles rausgekommen, was sich angestaut hat. Und nicht zuletzt kann er sein Leben auch nicht für seine Eltern komplett aufgeben. Aber genau das tut er, allein durch dieses Haus, und läuft Gefahr, nicht nur mit 30 komplett ausgebrannt zu sein, sondern mit spätestens 40 über seine verpassten Chancen zu jammern und seine Eltern - ob sie dann noch leben oder nicht - für sein verpfuschtes Leben zu hassen.

    Was Dein Freund braucht, ist Zeit. Und Freiheit. Und zwar auf Dauer. Zeit und Freiheit, sich wieder selbst zu spüren, wieder er selbst zu sein und vor allem derjenige, der er sein will, und nicht der, der er sein muss (heißt natürlich nicht, dass er das ohne Dich machen muss - im Gegenteil). Ganz ehrlich: Die Eltern sind alt genug, dass sie ohne Haus und ohne allpräsenten Sohn klar kommen. Ich denke, wenn er diesen ganzen Ballast los ist, wird er auch sehr viel besser mit schwierigen Situationen umgehen können. Entspannter. Ohne sich stundenlang zu verkriechen. Das wird nicht von heute auf morgen gehen und auch wieder Arbeit an sich selbst bedeuten. Aber ich glaube, im Grunde will er gar nicht so sein, wie er ist, wenn die Wut hochsteigt. Das sehe ich daran, dass er nachts doch manchmal erzählt, was ihn belastet. Nachts scheint er dafür die nötige innere Ruhe zu haben. Genau das scheint mir der Knackpunkt zu sein: Die innere Ruhe.
     
    #12
    User 76250, 1 Juli 2010
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  13. BrooklynBridge
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    Oh da kann ich leider auch nicht viel sagen, außer dass es mir leid tut.
    Wenn du mich fragst, sollte dein Freund echt mal bald ausziehen, denn so macht ihn das kaputt. Eine Alternative wäre, dass er mit seinen Eltern über die Finanzierungsanteile redet. Aber da er eh irgendwann mit dir zusammen ziehen will und die Kommunikation bei denen eh nicht so gut läuft, wird das wohl eher schwierig.
    So oder so: Es geht nicht, dass er sich kaputt arbeitet, und das ignoriert wird.
    Ich hoffe, dass euer Wochenende nicht (zu sehr) darunter leidet und ihr in anderen Rollen schön eure Sorgen vergessen könnt, und dass du einen Draht findest, mit deinem Freund darüber zu reden!
     
    #13
    BrooklynBridge, 1 Juli 2010
  14. User 37900
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    Hmm, ja okay! Ich werd aber nicht wirklich ins Detail gehen. :smile:

    Also ein großer Schritt war die Entfernung die zu meinen Eltern und den Rest der Familie. Sie leben 400 km von mir entfernt, damit war und bin ich schon mal aus ihrem Einflussbereich gekommen. Klar, so groß muss die Entfernung nicht sein, aber ich denke, es ist wichtig, dass man nicht so nah beieinander lebt, wie es bei deinem Freund der Fall ist.

    Der nächste Punkt ist der richtige Partner. Ein Partner, der keine Probleme damit hat, seine Meinung zu vertreten und trotzdem immer sachlich bleibt und sich auch vom cholerischen Schwiegervater nicht provozieren lässt. Als ich meinen Partner kennengelernt habe, fing ich grad an, Entscheidungen zu treffen, die meinen Eltern nicht passten. Mein Partner unterstützt mich bei allen Dingen, egal was ich vorhabe und mache (natürlich im normalen Bereich) und was andere darüber sagen. Er steht immer hinter mir.

    Ich habe mich durch meinen Partner in den Augen meiner Eltern extrem verändert - das werfen mir meine Eltern auch indirekt vor. Sie finden meine Veränderung schlecht und sind davon überzeugt, dass mein Partner daran schuld. Allerdings würden sie das mir gegenüber nie sagen. Aber ich habe mich nicht wirklich verändert, es ist nur endlich das an der Oberfläche, was immer in mir war (wenn ich es mal so ausdrücken darf).

    Mein Partner sieht die Dinge meist anders als meine Eltern, hat eigentlich fast gänzlich andere Einstellungen und Überzeugungen. Und im Grunde genommen waren meine Einstellungen und Überzeugungen schon immer denen von meinem Partner ähnlich. Aber meine Eltern haben es wunderbar verstanden, mich davon abzubringen und tun zu wollen, was sie für "richtig" hielten.

    Es gab übrigens viel Streit in unserer Beziehung wegen meiner Eltern. Und diese Streitereien mussten wir überstehen. Es war manchmal echt schwer, aber es hat sich gelohnt.

    Dann hat mir noch - man glaubt es kaum - meine Schwiegermutter geholfen. Sie ist auch völlig anders als meine Eltern und wir haben viel Streit am Anfang gehabt bis es zur großen Aussprache kam. Das kannte ich von zuhause gar nicht, dass man sich mit seiner Familie ausspricht. Seitdem wir uns vertragen haben, spreche ich viel mit ihr über meine Eltern und sie macht mir oft verständlich wie meine Eltern quasi ticken und wie ich damit umgehen kann. Sie zeigt mir Lösungsmöglichkeiten und "erwachsenere" Ansichten. Sie ist derselbe Jahrgang wie meine Eltern, aber ihr ist es wichtig, dass man in der Familie offen miteinander über alles spricht.

    Und dann gibt es noch einen Punkt, aber den verrat ich dir per PN, den möchte ich hier nicht öffentlich machen. :zwinker:
     
    #14
    User 37900, 1 Juli 2010
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  15. Augen|Blick
    0
    Ich denke, es ist eher eine Frage der Annäherung. Mit Jemandem, der nicht über seine Probleme reden kann, kann man auch nichts ausdiskutieren. Da wird schlichtweg abgeblockt. Ich entsinne mich bspw. der Sache mit dem Mobbing, darüber habe ich mit Flame schon vor längerer Zeit diskutiert, weil sie sich da Sorgen machte. Sie hat es angesprochen, aber er blockierte das Thema. Was soll sie also tun, ihn erpressen, damit er mit der Sprache rausrückt? Oder abwarten, es zum richtigen Zeitpunkt ansprechen, wenn er darüber reden kann?

    Der Knackpunkt ist aber, wenn in der Familie seit Ewigkeiten nicht über Probleme geredet wird, wie soll sie da innerhalb relativ kurzer Zeit womöglich jahrzehntealte Strukturen durchbrechen? Zumal es hier ja um relativ elementare Probleme geht, der kranke Vater, das abzubezahlende Haus, die "krankmachende" Arbeit, die das trägt. Da gibt es ja keine Lösung, die man durch ein klärendes Gespräch mal so eben aus dem Hut zaubert.

    Ein Co-Verhalten, was das Problem verschärft, kann ich aber nicht erkennen, ich glaube mit Einfühlungsvermögen und Verständnis wird sie weiter kommen, als mit der Brechstange, hier Analyse einzufordern. Meiner Meinung nach, würden dann eher alle Klappen runtergehen.
     
    #15
    Augen|Blick, 1 Juli 2010
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  16. kinkyvanilla
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    In meiner Familie ist es ähnlich. Ich weiß auch nicht warum, aber es gibt eine gewisse Hemmschwelle, die es manchmal nicht erlaubt offen über Probleme reden zu können, alles in sich rein zu fressen und sich im Nachhinein wütend anzuschreien. Trotzdem erkennt mein Vater recht gut wann ich meine Ruhe brauche, und umgekehrt.

    Ehrlich gesagt, wenn die Mutter deines Freundes, das nach 24 Jahren Muttersein nicht verstanden hat, dann ist sie einfach ignorant oder sie provoziert ihn absichtlich. Für dich als "Außenstehende" ist es natürlich besonders schwer, weil du dich in die Konflikte nicht einmischen kannst bzw. solltest.

    Aber ich schätze das ist eben ein "altes" Verhaltensmuster von deinem Freund und es wird wohl nie dazu kommen, dass sie innerhalb der Familie über ihre Probleme reden. Du kannst im Prinzip nur für ihn da sein, ihn so gut es geht unterstützen und dafür wird er dir bestimmt schon sehr dankbar sein, weil du das mit ihm durchstehst.
     
    #16
    kinkyvanilla, 1 Juli 2010
  17. Dandy77
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    nicht angegeben
    @ augenblick

    Die Strukturen bestehen nicht nur in dem Kommunikationsverhalten der Familie sondern auch beim Rest. Nämlich das er im Haus seiner Eltern wohnt und es abbezahlt. Das überfordert ihn. Ohne die alten Strukturen aufzubrechen, kommt er da nicht raus.

    Ich möchte nochmals eine kritischere Betrachtung der geschilderten Vorgänge einschlagen, da Flame die rosa Brille aufhat. Die Mutter wollte wohl ein Problem besprechen, aber der Sohn hatte sich über einen nichtfunktionierenden Geldautomaten so geärgert, dass er dazu nicht in der Lage war. Allein der Anlass für den Wutausbruch (Geldautomat) ist so gering, dass er nicht so ausrasten muss. Wenn ihn schon solche Kleinigkeiten aus der Bahn werfen, wird es wohl nie ein vernünftiges Gespräch zur Lösung von Problemen geben. Nicht mit seinen Eltern und nicht mit seiner Partnerin. Ganz einfach, weil seine Reizschwelle so niedrig liegt, dass gleich alles blockiert wird. Die Streitkultur scheint da nur zwei Stufen zu kennen. Schweigen oder ausrasten.In dem man dafür Verständnis zeigt, tolleriert man gleichzeitig auch das Verhalten. Eben um kein Ausrasten zu provozieren und Flame ist zu verliebt, um ihn provozieren zu wollen.

    Aber wo führt das hin? Der Typ läuft im roten Bereich. Und zwar schon seit längerem. Das wird meiner Meinung nach auf kurz oder lang zu kleineren oder größeren Eskalationen führen.

    Die Frage ist also, ob er es alleine schafft, da raus zu kommen. Flame wird ihm dabei nicht helfen können und bei seinen Entscheidungen - wenn er sie den trifft - auch nicht mit einbezogen werden.

    Ein Therapeut könnte als neutraler helfen. Aber die Notwendigkeit wird er wohl nicht sehen.

    Bleibt also nur das Warten auf den großen Knall?
     
    #17
    Dandy77, 2 Juli 2010
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  18. User 37284
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    vergeben und glücklich
    Ich sehe das eigentlich so wie Dandy und denke nicht, dass ihr da so schnell über kurz oder lang herauskommen könnt. Sicherlich ist es schön, wie du dich um ihn kümmerst und auch die Akzeptanz, die du ihm gegenüber hast, ist sicherlich nicht schlecht.

    Allerdings muss auch mal gesehen werden, dass SEIN Verhalten nicht wirklich normal ist, es kann nicht sein, dass er bei einem noch so kleinem Problem wie die des Geldautomates total ausrastet. Ich hätte da an deiner Stelle Angst, dass er mich irgendwann mal schlägt oder angreift (ich weiß nicht, ob das schon vorgekommen ist).

    Die ganze Schuld kann er da der Familie nicht geben, sicherlich ist es absolut kontraproduktiv wenn diese ihre Probleme nicht besprechen und er so erzogen worden ist aber er muss selbst daraus kommen.
    Du schreibst, dass es für ihn am Allerschlimmsten ist, wenn er ausrastet, deshalb bringt es auch nur was, wenn er in dem Moment auch was dagegen tut und sich eben gerade nicht tagelang zurückzieht und alles verdrängt. Das hilft nämlich nicht, dass das Problem gelöst wird...
     
    #18
    User 37284, 2 Juli 2010
  19. Shiny Flame
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    Danke euch allen für eure Beiträge!

    Ich werde morgen oder später noch einmal genauer darauf eingehen. Jetzt gerade bin ich sehr erschöpft von einem doch insgesamt recht gelungenen Wochenende. Aber kurz Rückmeldung geben wollte ich dann doch noch.

    Zur Klarstellung: Das mit dem Geldautomaten war keine sachfremde "Kleinigkeit", sondern bedeutete, dass wir für das Wochenende keinerlei Lebensmittel einkaufen konnten und unserem Mitfahrer zunächst sowohl das Fahrgeld schuldig bleiben mussten wie auch komplett auf einen Latte Macchiato auf der Hin- und Rückfahrt verzichten mussten. Auch das ist noch kein großes Problem - aber es machte ihm halt zum wiederholten Mal klar, wie sehr wir immer rechnen und sparen müssen, damit am Ende des Monats noch Geld für Essen da ist, dass wir immer drei Mal überlegen, ob wir in die Disco oder ins Kino gehen können und dann doch meistens zu Hause bleiben und stattdessen einen Tee trinken, fernsehen, gemeinsam basteln oder ausgedehntes Liebesspiel machen. Und das, obwohl er so viel arbeitet und in der Schicht zwei extrem blöde Kollegen hat, die sich "einfach, um dem anderen einen Streich zu spielen" gegenseitig mal bei Nacht die Hunde totgeschlagen haben. Solche Menschen bei meinem Partner, der so viel an Emotionen von all seinen Mitmenschen aufnimmt... Mir ist da richtig schlecht bei geworden. Und die finden es halt auch lustig, ihn fertig zu machen, weil er körperlich klein und schlank ist, jünger als sie und manches besser macht und lange Haare hat und "angeblich nachts in einem Sarg schläft".

    Und das kam da alles zusammen wieder hoch.

    Er hat fast kein Geld, aber wegen der blöden Schichten hat er auch kaum Möglichkeiten, welches auszugeben. Dieses Wochenende haben wir seit bald einem Jahr geplant - und wenn bei so einem wichtigen Lichtblick, für den wir auch lange gemeinsam gebastelt und vorbereitet haben, dann wieder diese blöde nie-reicht-das-Geld-wegen-dem-blöden-Haus-Geschichte dazwischen kommt (okay, der Automat war kaputt - aber er spuckt oft genug nichts mehr aus), dann ist das keine Kleinigkeit. Sondern etwas, was wirklich wehtut.

    ***

    Ich werde eure Beiträge noch öfter lesen und dann noch mal darauf eingehen. Eine Sache möchte ich jetzt noch dazu sagen: Es wurde hier angedeutet, dass sein Konfliktverhalten mir gegenüber ähnlich sei wie gegenüber seiner Mutter. Das stimmt so nicht. Es stimmt, dass seine explosive Art nicht ganz "normal" ist, sondern ganz klar Aggressionspotential besitzt. Ich habe hier im Forum mal ein sehr intensives PN-Gespräch mit Seeker 2010 über Menschen mit derartiger Charakteristik geführt. Es sind Menschen, die sich schlecht abgrenzen können und so lange nett sind, bis sie sich in eine Ecke gedrängt fühlen, aus der sie nicht mehr flüchten können. Und dann äußert sich Aggression eben in verbaler Gewalt (bei meinem Freund aber als "Ich bin es leid, dass..." und nicht "Du (hier Schimpfwort einsetzen"). Das ist definitiv problematisches Verhalten, das möchte ich nicht schönreden und da habe ich auch keine rosa Brille auf. Ich weiß, dass das schwierig ist. Dass es deswegen immer wieder Schwierigkeiten geben wird. Ich habe das akzeptiert, denn wir haben für uns Mittel und Wege gefunden, mit dieser Schwierigkeit in seinem Charakter umzugehen. Genauso, wie wir das umgekehrt für mich auch haben, ich bin ja auch nicht immer ganz einfach.

    Respekt vor den Fehlern und Schwächen des anderen genau wie vor den Stärken zu haben hat nichts mit rosaroter Brille zu tun, sondern mit bewusster Wahrnehmung und bewusster Entscheidung, mit Rücksichtnahme und Fürsorge für den Geliebten. Es ist nicht in Ordnung, wenn er mich anschreit, nein. Aber dann sage ich "Ich habe Angst bekommen, als du geschrien hast", und nicht "Du bist doch nicht mehr ganz zurechnungsfähig". Und weil er auf mich normalerweise genauso Rücksicht nimmt wie ich auf ihn, verlässt er daher lieber den Raum. Ein, zwei Mal habe ich ihm dann noch ruhig und klar gesagt: "Ich lasse dich jetzt in Ruhe, weil ich dich liebe und deine Grenzen respektiere. Wenn du willst, reden wir nachher weiter. Wenn nicht, akzeptiere ich das und es ist auch okay."

    Es ist halt innerhalb der Beziehung völlig klar, dass die Konflikte damit nicht gelöst werden. Das tun wir dann hinterher, und das läuft inzwischen recht unproblematisch. Ich meine, keiner will den anderen verletzen, keiner will um jeden Preis recht haben. Das Ziel ist doch, dass jeder ein gutes eigenes Leben hat und wir auch noch schöne gemeinsame Zeit haben. Da wollen wir hin, und das schaffen wir normalerweise auch ganz gut, so lange erst mal nur wir zwei und der gemeinsame Freundeskreis betroffen sind.

    Was gibt es da an Konflikten in einer Partnerschaft, die erst mal nur uns zwei angehen? Haushaltsführung? Wenn es einen stört, wie es aussieht, sagt man es. Mal räumt einer mehr auf, mal der andere - wir haben eine schöne Methode entwickelt, die heißt: Ich sag einfach, was mich stört, man muss darauf keine Antwort geben und keine Lösung ausdiskutieren. Einfach: "Mich kotzt an, wie schmutzig die Badewanne ist, der Abwasch muss auch dringend wieder gemacht werden und die Wäsche einsortiert werden. Ich hab keine Lust auf alles. Ich mach jetzt den Abwasch." Oder: "Du hast letzte Woche, als du so viel arbeiten musstest, ein tierisches Chaos verbreitet, ich finde, jetzt bist du mal dran."

    Was gibt noch Konflikte? Freizeitgestaltung? Da sagt man, worauf man Lust hat, und gut ist. Wenn es mir darum geht, dass ich mit ihm ins Kino will, dann sag ich das so, und wir finden einen Termin. Wenn ich an einem bestimmten Termin unbedingt in die Disse will (und das Geld dafür da ist...), dann sage ich das und frage, ob er Lust hat oder ich lieber eines meiner Mädels fragen soll. Eifersucht... Nun, ich flirte gern, er ist ein bisschen eifersüchtig, ich frage also vorher, wie es ihm gerade geht, bis wie weit okay ist - und er kommt und tippt mich beiläufig an die Schulter, wenn er findet, dass es zu viel wird.

    Oder das alte Spiel "Nähe und Distanz"... Auch da können wir einfach sagen, was wir wollen, sei es kuscheln, sei es allein sein, sei es schmusen, und der andere kann auch sagen, was er will. Wenn keine Kompatibilität erreicht wird, gibt es einen Kompromiss, z.B. Händchenhalten beim Einschlafen oder ein kurzer Kuss, wenn einer eigentlich ganz schmusig ist und der andere überhaupt nicht kann. Warum soll man wegen so was streiten? Eine Beziehung ist doch ein Ort, in dem Raum für die Bedürfnisse von beiden ist und in dem man gegenseitig Rücksicht nimmt.

    So zumindest der Beziehungsalltag.

    Das hat er vielleicht nicht alles sofort aus seiner letzten Beziehung mitgebracht, aber wir haben uns da aneinander angenähert. Seine Sensibilität für die Gefühle anderer Menschen, und damit meine ich jetzt, dass er erst mal alles auffängt und sich dagegen so schlecht abschirmen kann, ist auch etwas, was ich sehr an ihm schätze. Aber diese Sensibilität heißt halt auch, dass es ihm schwer fällt, im Alltag Grenzen zu zeigen. Dafür haben wir jetzt auch ein Signalwort, das ich ihm eingeimpft habe. Wenn er "Stop it" sagt, weiß ich, da ist eine Grenze, da darf ich nicht weiter. Das stört mich dann oft, weil man an seinem Verhalten gar nicht merkte, dass da eine Grenze war... Aber wenn er nie gelernt hat, das zu zeigen? Dann zeigt er es mir halt so. Und auch das haben wir so geklärt.

    ***

    So, das ist eine lange Klarstellung geworden :zwinker:. Auf eure ganzen Anregungen etc. werde ich zu einem späteren Zeitpunkt eingehen.
     
    #19
    Shiny Flame, 4 Juli 2010
  20. BrooklynBridge
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Off-Topic:
    *SCHLUCK*. Habe ich das richtig gelesen? :ratlos::cry::wuerg:
     
    #20
    BrooklynBridge, 4 Juli 2010

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