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Das Mädchen

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von User 13029, 10 Mai 2006.

  1. User 13029
    Verbringt hier viel Zeit
    2.014
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    0
    Es ist kompliziert
    Ich schaute kurz in meine Jackentasche und stellte fest, daß ich keine Kaugummis mehr hatte. Na prima, nun durfte ich also noch bis zum Kiosk und welche besorgen... was soll's, dachte ich mir, fährst du die paar Meter eben mit dem Auto.

    Es war warm an diesem Samstag Abend, so gegen halb neun. Die letzten Sonnenstrahlen versuchten, die kleine Stadt zu wärmen, obwohl der Asphalt der Straßen fleißig dabei war, die Hitze der letzten Stunden in seine nähere Umgebung abzugeben.
    An den Bäumen wuchs das erste Grün, die Luft transportierte einen wohligen Geruch mit sich. Alles wirkte wie aus einem kitschigen Roman, irgendwie unnatürlich friedlich, aber es war real. Ich stand ein paar Minuten gedankenverloren vor meinem Wagen, atmete tief die warme Abendluft ein und genoß einfach nur die Schönheit des Augenblicks. Irgendwann schwang ich mich ins Auto und düste los in Richtung Kiosk.

    Die Jungs warteten schon auf mich. Grillen im großen Kreis war angesagt. Einige der Chaoten hatten ein paar weibliche Bekannte organisiert und wollten jetzt bei Harry im Garten die große Sause veranstalten: Steaks und Bier. Und wenn schon mal Damen anwesend sind, brauchst Du auch Kaugummis. Wenn es nämlich doch zu einer näheren oralen Bekanntschaft kommen soll, will man ja auch geschmacklich einen guten Eindruck hinterlassen.

    Ich gab etwas mehr Gas, schließlich war ich mittlerweile schon reichlich spät dran. Ich hielt gegenüber des Kiosks, stand halb auf dem Bürgersteig, schnippte schnell den Schalter für die Warnblinkanlage auf "Ein" und stürmte aus dem Auto. Im Herumwirbeln betätigte ich den Knopf für die Zentralverriegelung, und als ich meine Drehung vollendet hatte, stand ich millimetergenau vor der Tür.

    Als ich sie öffnete, ertönte die kleine Türklingel oben am Türrahmen.
    Niemand da.
    Also, keine Kunden. Der kleine Kiosk war leer, weder an den Zeitschriftenregalen noch vor den zwei drehbaren Bücherständern hielten sich Leute auf. Kein Wunder, samstags um fast halb neun am Abend.
    Schnellen Schrittes eilte ich zur Theke und erspähte sofort das Verkaufsdisplay mit den Kaugummis.

    Ich griff mir ein Päckchen meiner Lieblingsmarke, warf es achtlos auf die Theke und packte in die Gesäßtaschen meiner Jeans, um mein Portemonnaie zu greifen.

    In dem Moment sah ich auf.
    Ich schaute genau in ihre Augen.

    Ich schwöre, so etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen.
    Das waren nicht nur blaue Augen. Das war die Schönheit aller Ozeane, das waren alle blauen wolkenlosen Sommerhimmel, das war ein gigantisches Feld von Kornblumen.

    Es war, als würde ich von einem Augenblick auf den anderen in ihre Seele eintauchen. Ich stand einfach nur da und versank in ihren Augen. Ich hatte schon längst vergessen, zu atmen. Wir standen uns regungslos gegenüber.
    Sie sagte keinen Ton, machte keinen Mucks.
    Ihr geschminkter Mund war wenige Millimeter geöffnet. Sie wagte es kaum, zu blinzeln. Ich bemerkte, daß sie genau in meine Augen starrte wie ich in ihre.

    Die Kirchturmuhr schlug halb neun. Es klang, als wäre sie Kilometer entfernt. Genau wie das Auto, das in diesem Moment auf der Straße vor dem Kiosk vorbeifuhr. Dessen Geräusch hörte sich an, als wäre es vierfach mit Watte umwickelt worden.

    Irgendwann merkte ich, daß ich die Kaugummis in der Hand hielt, die Stunden zuvor noch meine Brieftasche gesucht hatte. Jedenfalls war ich der Meinung, daß es Stunden waren.

    Ich machte wie automatisch kehrt und ging zurück zum Auto. Ich ging durch die kleine Tür des Kiosks, über die Straße, setzte mich in mein Auto und warf die Kaugummis auf den Beifahrersitz.

    Ich hatte nicht gezahlt.

    Die Warnblinkanlage war schnell ausgeschaltet, der erste Gang flott eingelegt. Schon war ich um die Ecke gefahren. Aber war ich es überhaupt, der da fuhr? Stand ich nicht in diesen Momenten viel mehr neben mir? Hatte ich noch die Kontrolle über das, was ich tat?

    Die Türklingel reißt mich aus meinen Tagträumen.
    Ich schlurfe durch den Flur und öffne. Es ist Harry.
    Wie jedes Jahr veranstaltet er heute wieder eine seiner Grillfeten, zu der er auch ein paar Mädels eingeladen hat. Heute holt er mich ab.
    "Wie geht's denn so?", fragt Harry.
    "Och", entgegne ich verträumt, "ich überlege gerade, wie es ihr gerade gehen mag. Ob sie glücklich ist?"
    Und Harry seufzt.
     
    #1
    User 13029, 10 Mai 2006
  2. User 13029
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    0
    Es ist kompliziert
    Och kommt schon, Leute. :zwinker:
     
    #2
    User 13029, 12 Mai 2006
  3. miss-X
    Verbringt hier viel Zeit
    256
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    0
    Single
    jöö,ist süss:schuechte
    schade geht die geschichte nicht weiter:grin:
     
    #3
    miss-X, 13 Mai 2006
  4. ..binchen..
    0
    schon mal "das mädchen aus rottweil" von den toten hosen gehört? :zwinker:

    trotzdem schöne geschichte!!
     
    #4
    ..binchen.., 14 Mai 2006

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