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Das Mutti

Dieses Thema im Forum "Fun- & Rätselecke" wurde erstellt von Teufelsbraut, 26 September 2001.

  1. Teufelsbraut
    teuflisch gute Beiträge
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    vergeben und glücklich
    Das Mutti

    „Frau“ (weiblich, besondere Kennzeichen: leichtsinnig, fröhlich bis albern, sinnlich, kapriziös, attraktiv, witzig, mit einem Hang zum Luxus und zum schönen Phlegma) wurde zur Gattung „das Mutti“ (besondere Kennzeichen: bieder, belastbar, besorgt, ernsthaft, genügsam, nervös, 24 Stunden voll im Einsatz). Das Mutti ist streng geschlechtsneutral und kommt überall auf der Welt vor: gehäuft auf Kinderspielplätzen. Zu erkennen ist das Mutti an seiner bellenden oder schrillen Tonlage: „Stefan, sofort runter da, sonst setzt es was!!!“, und an einem rastlosen Betätigungsdrang (bevorzugte Tätigkeiten: stricken, Rotz abwischen, Backe-backe-Kuchen-machen, Mützen ab- und aufsetzen, Orangen schälen, Fläschchen schütteln, Küsschen oder Knüffe verteilen).

    Sitzt das Mutti wider Erwarten mal ganz ruhig da, ist zumindest ein Fuß in Bewegung: er schaukelt den Kinderwagen. Das Mutti tritt selten allein auf, sonder ist meist rudelweise von seinen Jungen umgeben. Sind diese noch klein, trägt das Mutti sie in einer textilen Ausbuchtung vor dem Bauch oder auf dem Rücken (ähnlich dem australischen Känguru, jedoch bewegt sich das Mutti nur selten hüpfend vorwärts). Wenn die Jungen größer sind und aufrecht gehen können, übt es geduldig die Tätigkeit des „Spazierenstehens“ aus. Während das Mutti-Junge sich im Matsch suhlt, jedes Steinchen auf seine Verwendbarkeit untersucht, Grashalme frisst oder tiefsinnig sein Spiegelbild in Pfützen betrachtet, bleibt das Mutti einfach stehen. So verbringt es einen Großteil seiner Zeit, in Kälte und Nässe ausharrend, stumm, schicksalsergeben.

    Mutti ist Frau nicht von Geburt an, zum Mutti wird sie gemacht. Viele Frauen bezeichnen diesen Hergang als äußerst lustvoll... wahrscheinlich gibt es deshalb noch einige von ihnen. Manche machen sich nicht klar, was die Mutti-Metamorphose bedeutet. Auf jeden Fall ein irreversibler Prozess: Einmal Mutti – immer Mutti.
    Was sich auch darin ausdrückt, dass manche „Vatis“ (männlich, besondere Kennzeichen: oft aushäusig, meist paschamäßig, windelmäßig unerfahren, auch – oder gerade – nach der Geburt der Jungen unentwegt um die begehrenswerte Spezies „Frau“ herumbalzend) es fortan neutral „Mutti“ nennen.

    Für die Aufzucht (siehe auch „Sozialisation“ ) sind stets die Muttis allein zuständig – eine Aufgabe, in der sie für den Rest ihres Lebens aufzugehen haben. Durchdrungen von der existentiellen Wichtigkeit des Brutpflegetriebs, werden die Muttis offensichtlich jahrelang zu Höchstleistungen angetrieben.
    Einem Mutti – und darin erweist sich die ausgesprochene Widerstandsfähigkeit dieser äußerlich schutzbedürftigen, innerlich aber erstaunlich zähen Gattung – macht es nichts aus, drei bis viermal pro Nacht das warme Nest zu verlassen, um die brüllenden Jungen mit Nahrung zu versorgen. Ein Mutti ödet es nicht an, täglich den immergleichen Brei zu bereiten und den immergleichen Spielplatz mit den immergleichen Mit-Muttis aufzusuchen und dort die immergleichen Gespräche zu führen. Wer sich als Artfremder mit den Muttis unterhalten will, fühlt sich binnen kurzem außen vor. Haben die Muttis doch eine Art Geheimcode entwickelt, mit dem sie sich mühelos untereinander verständigen: da wimmelt es plötzlich von Worten wie Strampelfixies, Bündchenpampers; es gibt Duplos, den Sauggili, den Schniedelwutz oder den Pipi-Mann, die Tut-tut-Bahn, das Tatü-Tata und das Hoppe-Hoppe; da schwirren so exotische Begriffe durch die Luft wie „Agrar-Test“, „rechtsdrehender Joghurt“ oder „Drei-Monats-Koliken“ .... kurz: besonders Jung-Muttis, die sich in ihrem Dasein als Frau profiliert haben, indem sie ihr Abi mit „Eins“ und ihr Examen mit „cum laude“ gemacht haben, machen in der Regel eine seltsame intellektuelle Regression durch. Wie alle Muttis dieser Welt verfallen sie in eine Art frühkindliche Stammelsprache, deren Hauptbestandteil das Diminutiv ist („will Dodoleon jetzt Heia-Heia machen? Aber erst kriegt Dodolein noch ein Küssilein....“ ).

    Die Mutti-Metamorphose ist in allen Bereichen des täglichen Lebens spürbar. Statt „Die Liebe im alten Rom“ liest das Mutti jetzt „Die Häschenschule“, statt raffiniertem „Kaninchen-in-Senfsauce“ bereitet es gesunden ungesalzenen Blumenkohl, statt ins Kabarett geht es ins Kindertheater zu „Peterchens Mondfahrt“ und beim Shopping suchen sie nicht nach einem hübschen Minirock, sondern nach einer strapazierfähigen Latzhose für das Jüngste – genügsam wie sie nun mal sind.

    Am verblüffendsten aber ist die optische Verwandlung des Muttis. Knallenge Calvin-Klein-Jeans, spitzenbesetzte BHs unter schimmernden Seidenblusen und verführerische Stöckel – alles passé. Das Mutti, ewig mit Brei bekleckert und ewig in Zeitnot, hat sein farbenfrohes Kleid abgelegt, mit dem es einst Vati zur Balz aufforderte. Bequeme Jeans, Turnschuhe, ein weites Sweatshirt – so etwa sieht der Einheitslook des mitteleuropäischen Mutti-Tiers aus. Verhaltensforscher sprechen inzwischen schon von einem deutlich ausgeprägten „Mimikry-Effekt“: je grauer und eintöniger der Alltag des Mutti zwischen Kücke-Kacke-Kindergarten ist, desto grauer und einfallsloser kleidet es sich.

    Und Vati? Vati, der all das gewollt und verursacht hat? Vati schmollt. Er fühlt sich, zumindest im ersten Jahr, um all das betrogen, was ihm bis dahin lieb und teuer war – seine ungestörte Nachtruhe, sein geregeltes Sexualleben, seine spontanen ausgedehnten Kneipen-Touren, seine saubere aufgeräumte Wohnung, seine stets perfekt angezogene Vorzeigefrau, seine Vorrangstellung im Herzen derselben. Statt dessen sitzt er da mit diesem völlig fremden Wesen, dem Mutti, und leidet unterm sogenannten „Baby-Speck“ – Symptome: nächtliche Schweißausbrüche, ein heftiges, langanhaltendes Gefühl der Unzulänglichkeit gegenüber dem Mutti („Was zum Teufel ist teiladaptierte Milch....?“ ) und des Ausgeliefertseins, das oft klaustrophobische Züge annimmt („Hier komm ich nie mehr raus, das geht jetzt 20 Jahre so weiter...), ne gekannte seelische Wechselbäder von unbändigem Stolz bis zur ohnmächtigen Wut. Unter dieser Schockwirkung – also im Stadium der Unzurechnungsfähigkeit – erliegen manche Vatis gern den nächstbesten Versuchung, deren Name „Weib“ ist, und trennen sich von Mutti. Doch es nützt alles nichts, es ist mal wieder soweit: ein zarter Schrei – und wieder ist ein Mutti geboren.
     
    #1
    Teufelsbraut, 26 September 2001
  2. ElfeDerNacht
    Verbringt hier viel Zeit
    1.201
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    Single
    Jetzt bin ich aber beleidigt! *schmoll*
    Bin auch "ein Mutti" aber ich scheine da etwas aus dem Rahmen zu fallen...
    Tz! Wer hat sich denn das ausgedacht??

    Gut, daß ich Spaß versteh... :grin: :rolleyes: :grin: (scherzerl!)

    Elfchen :geknickt:
     
    #2
    ElfeDerNacht, 27 September 2001
  3. Teufelsbraut
    teuflisch gute Beiträge Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    Ob mans glaubt oder nicht - diesen Text hat eine Frau verfaßt (angeblich eine Psychologin *ggg*) ... meine Mutter hat drüber glacht aber ich finds eher beängstigend :zwinker:
     
    #3
    Teufelsbraut, 27 September 2001

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