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Der Spaziergang

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Marla, 21 März 2004.

  1. Marla
    Marla (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    In sich gekehrt, mit leerem Blick sitzt sie in dem Raum den sie ihr Zuhause nennt. Vertraut ist ihre Umgebung, doch nicht erfüllend. Eintönig – Beschützend? Einsam – Entspannend? Was geschieht hinter den grauen Mauern, dem kalten starren Glas? Den Bezug zu der Welt neben der ihren hat sie verloren. Wann weiß sie nicht. Es wird Zeit. Zeit zu erfahren was geschieht, Zeit zu erleben. Sie steht auf, kleidet sich an für die Fremde die sie einst Heimat genannt hat.
    Blauer Himmel, freie Luft, lachende Menschen, Leben. So wird es sein. Freude und Freunde, wärmende Strahlen der Sonne. Das wird sie erwarten. Gepackt von dem Drang das Leben ab jetzt zu genießen greift sie an die Klinke der Tür die sie von der Außenwelt trennen. Zweifel, Angst. Vielleicht sollte sie bleiben wo sie ist. Sie dreht sich um. Die Wände, die Garderobe, der Teppich. Zu lange erträgt sie diesen Anblick. Die Freiheit, die Welt der normalen, die offene Straße. Zu lange versteckt sie sich. Ein Ruck durchfährt sie. Sie wird es schaffen, nichts ist dabei!
    Zaghaft öffnet sie die Tür. Sonnenstrahlen durchfluten den Hausflur. Es ist schön, fast empfindet sie ein Gefühl das dem der Freude gleicht. Den Schlüssel fest in der Tasche umklammert schließt sie die Tür zu ihrem selbstgewählten Gefängnis.
    Stufe für Stufe sinkt sie hinab um zu erfahren wie es ist Leben. Stufe für Stufe sinkt ihr Mut. Umkehren, aufgeben, flüchten zurück nach Hause. Nein. Sie wird gehen. Sie wird es schaffen. Sie wird nicht aufgeben – nicht diesmal.
    Eine leichte Briese weht ihr ins Gesicht. Sie lächelt. Schritt für Schritt entfernt sie sich von der Tür in die ihr Schlüssel passt. Sonnenstrahlen. Wind. Wolken. Freiheit! Ein Bus fährt an ihr vorbei, gefüllt mit Menschen die ein Ziel vor sich haben.
    Sie läuft weiter. Am Himmel bildet sich eine Wolke die aussieht wie ein kleiner Hund. Ist sie die einzige die es erkennt? Schaut noch jemand in diesem Augenblick auf diese eine Wolke? Wer ist diese Person? Erkennen auch andere Menschen den Hund oder sehen sie etwas anderes in dem Gebilde? Die Wolke beginnt sich zu verformen und aufzulösen.
    Sie läuft weiter. Aus einem geöffneten Fenster dringen die Laute von einem Klavier. Wer mag an ihm spielen? Wie lange hat es gedauert bis aus einzelnen Tasten ein Lied wie dieses wurde? Wer hat es sich ausgedacht? Die Töne werden leiser.
    Sie läuft weiter. Auf der anderen Straßenseite steht eine Menschengruppe die auf einen Bus zu warten scheint. Einige stehen still dort, andere Unterhalten sich angeregt. Aus der Gruppe löst sich eine Person. Vor sich her schiebt sie einen Kinderwagen. Die Person ist Jung, blutjung. Trotzdem hat sie das Glück gebündelt vor sich liegen. Neid. Trauer. Verzweiflung. Warum ist es fremden Menschen vergönnt, ob gewollt oder nicht? Warum darf sie sich, wo sie sich nichts sehnlicher wünscht, niemals an diesem süßen Nektar laben? Der Wind wird kalt. Sie dreht um. Warum ist sie nicht dort geblieben wo sie vergessen kann? Zuhause! Einsam, verlassen befindet sie sich nun an einem Ort der nichts für sie ist. Ihr Hals schnürt sich zu. Spöttische Blicke der Passanten treffen sie. Angst. Verzweiflung. Ihre Schritte werden schneller. Herzrasen. Den Blick gesenkt setzt sie einen Fuß vor den anderen. So läuft sie weiter. Wird sie verfolgt? Sie dreht sich um. Ein Alter Mann überquert mühselig die Straße. Hat er sie angesehen? Feinselig. Verachtend. Hassend. Es scheint als wollte er ihr sagen sie sei hier nicht erwünscht. Ihre Beine überschlagen sich fast. Sie geht schnell. Flucht. Nach Hause! Jemand kommt ihr entgegen. Was hat er vor? Will er sie zur Seite ziehen und schänden? Herzrasen. Der Hals wird immer enger. Wohin soll sie blicken? Schwindel. Starr richtet sie ihren Blick in die Richtung, in der ihre vertraute Welt liegt. Ohne Scham starrt ihr gegenüber sie an. Gleich werden sie aneinander vorbei laufen. Panik überkommt sie. Das Herz bleibt stehen, die Schritte werden schneller. Es ist geschafft, er ist vorbei. Der Weg zurück scheint endlos. Jeder starrt sie an. Feindseligkeit, Verachtung, Hass. Sie gehört hier nicht hin. Es ist nicht mehr weit. Sie taumelt. Ihr wird schwarz vor Augen. Sie muss es schaffen. Flucht. Aus dem Fenster aus dem eben noch die lieblichen Klänge des Klaviers hallten dringt schrilles Kindergeschrei. Die Fußgängerampel wird rot. Die Welt erstarrt. Alle blicken sie an. Das Geschrei des Kindes hämmert in ihrem Kopf. Autos fahren, versperren den Weg. Hinter ihr quietschen die Bremsen eines Radfahrers. Von hinten wird sie von seinen Blicken durchbohrt. Panik. Hilflosigkeit. Die Ampel springt auf Grün, der Radfahrer fährt dicht und schnell an ihr vorbei. Sie spürt den Wind, wird eingefangen, mitgerissen. Herz, schlag weiter!
    Sie läuft, ihre Tür ist nah. Blicke verfolgen sie. Mit zittrigen Händen öffnet sie die Tür und lässt sie mit einem lauten Krachen ins Schloss fallen. Die wenigen Stufen zu ihrer Wohnung scheinen endlos. Gleich hat sie es geschafft. Den Schlüssel zu ihrem Heim im Anschlag stürzt sie auf die Tür zu. Erleichterung. Vertrautheit. Sie ist zurück – Zurück in der Welt die sie sich geschaffen hat. Zurück in der Welt in der sie sein darf. Zurück in der Einsamkeit. Einöde. Trauer.
     
    #1
    Marla, 21 März 2004
  2. User 13029
    Verbringt hier viel Zeit
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    Es ist kompliziert
    Schöner Text... die idee, die dahintersteckt, finde ich sehr gut... ist auch mit seinen kurzen Sätzen packend und passend beschrieben...
    Nur ein paar Absätze, die hätten das Lesen erleichtert. Ansonsten aber sehr schön!
     
    #2
    User 13029, 22 März 2004
  3. Marla
    Marla (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    danke :smile:
    wie ich aber schon in einem anderen text (zwei schritte) geschrieben habe, kann ich mir sachen sie ich einmal geschrieben habe nicht nochmals durchlesen um sie zu korrigieren. dabei lösche ich immer den ein oder anderen satz und am ende is nix mehr übrig..
     
    #3
    Marla, 22 März 2004
  4. User 10541
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Hallo Marla.

    Das ist schade, dass du deine Texte nur so Korrektur lesen kannst.
    Es ist eine gute, direkt geschriebene Geschichte.

    Tres
     
    #4
    User 10541, 22 März 2004

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