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Geschichte Des Teufels Suche

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von MsThreepwood, 11 April 2010.

  1. MsThreepwood
    2.424
    Das ganze ist eigentlich eine Art Zwischenkapitel für eine andere Geschichte (welche allerdings nicht aus meiner Feder stammt, im Gegensatz zu diesem Erguss her), sollte aber auch so gelesen werden können.

    ------

    Kaum, dass der Teufel die Stadt hinter sich und das dumpfe Schlagen unter seinem linken Schulterblatt nachgelassen hatte, da traf er auf ein kleines Dorf, welches recht verborgen in einem finsteren Wald lag. Kühl war es dort und wohin er auch schaute, so konnte er doch keine Menschenseele erblicken. Ein Pflaster gab es nicht und so versank des Gehörnten Huf beinahe bis zur Hälfte im feuchten Waldboden, wunderliche Spuren in der Erde hinterlassend.
    Derweil er zwischen fast verfallenen Katen nach etwas suchte, was seinen Hunger zu stillen vermochte, da sah er sie. Ein junges Mädchen, kaum der Kindheit entwachsen, saß dort auf einem moosbewachsenen Baumstumpf und schien sich selbst zu halten, gerade so wie er selbst als er aus der Hölle gespien.
    Es wäre dem Teufel freilich ein Leichtes gewesen, das fragile Ding zu packen um Gier und Hunger zu stillen. Jedoch, er zögerte. Da ließ das Weib ihre Hände sinken und schaute ihm gradeweg ins teuflische Gesicht. Und tiefer noch blickte sie, hinter das dunkle Auge und es war, als schaute sie seine Seele, obgleich er doch keine besaß.
    „Hast wohl keine Angst vor Gestalten der Hölle, was?“
    „Sollt ich Euch denn fürchten?“
    „Nun, ich könnt' dich ohne Müh einem Schafe gleich reißen.“
    „Ihr hättet's längst getan, wärs Eure Absicht. Und doch, ihr verwendet eure Zeit lieber auf Geschwätz. Was ist's also, was Ihr begehrt?“
    Weil er immer noch ohne Weg und Ziel gewesen, setzte der Teufel sich zu dem Geschöpf, welches ihn erneut das Zögern lehrte. Liebe konnte seiner Suche Sinn nicht sein, hatte er doch keinen Gefährten je länger als wenige Glockenschläge neben sich gewähnt. Und während er noch versuchte eine Antwort zu entsinnen, da sprach sie schon erneut.
    „Ihr seid einsam.“
    Keine Frage wars, kein scheues Wort. Fest klang ihre Stimme und rührte an des Teufels Herz, wegen dem er aus der Hölle selbst verstoßen.
    „Ich bin's auch. Bin die letzte hier im Dorf, weil ich die Mutter nicht allein lassen wollt. Die anderen sind in die Stadt geflohen, ihr Glück zu suchen. Ich konnt nicht weg und so wart' ich hier und bin froh über jede Kreatur die's hierhin verschlägt.“
    Der Teufel derweil ließ seinen Blick streifen und erblickte vor des Mädchens Füßen ein Kreuz. Schlicht wars, aus vertrockneten Zweigen, gehalten von dünner Schnur und eine Inschrift trugs, die vor Jahren schon verblichen.
    „So suchen wir beide etwas, was längst verloren.“
    sprach der Verstoßene und klang beinahe wehmütig. Er gedachte der Wilden in den Bergen und dem Weibe, das heißer als die Hölle selbst brannte. Und als er das Mädchen neben sich beschaute, da erkannte er, dass sie anders gewesen. Ein Engel war sie nicht, wirkte sie doch beinahe unvollkommener als er selbst. So schloss er, dass sie doch ein Mensch sein müsse, wenngleich auch ein sehr sonderbarer, schien doch eine ganze Welt in ihren Augen gefangen.
    Der Teufel streckte seine rauhe Hand nach ihr aus und war erneut verwundert, schreckte sie doch nicht zurück als er ihre blasse Haut berührte. Rote Finger striffen ihr die abgewetzten Leinenkleider vom Leib und erst als sie vollkommen nackt vor ihm saß, da rührte sie sich wieder. Stand auf und legte sich ins feuchte Gras, mit einer Handbewegung den Teufel selbst zu sich rufend.

    Da erblickte er zum ersten Male wirklich das Mädchen und es schauderte ihn, wie zerbrechlich der Engel, der keiner war, doch wirkte. Sie war nicht von schlanker Gestalt, kein Künstler, der eine Frau wie sie in Stein gemeißelt hätte. Doch schien sie mit ihren Kleidern auch alles abgestriffen, was sie sonst den Gestalten zeigte, die ihren Weg kreuzten. Da wiesen ihre Tränen ihm den Weg zu ihrer Brust, die wie der Rest ihres Leibes von unzähligen Narben geziert war.
    „Scheinst oft Kreaturen zu begegnen die dir Gewalt antun.“
    „Einzig meine eigene Klinge fand den Weg an meine Haut und konnte mich doch nicht vom Schmerz erlösen.“
    Fester hielt der Teufel noch das Mädchen und zeigte ihr die eigenen Wunden, von einer Zeit, als er hoffte, die Unsterblichkeit in der Hölle gelassen zu haben. Da weinten sie beide und Tränen benetzten Stellen, wo einst scharfe Klingen rote Flüsse auf ihre Haut gemalt.
    Der Teufel ließ keine Narbe ihres Körpers unberührt und da erwachte eine Seite in des Mädchens Brust, die so gar nicht engelsgleich war. Die einst grauen Augen zeigten dem Teufel dunkelblaue Meere, in denen sich seine eigene Sehnsucht spiegelte. Was auch immer er gesucht, hatte er hier etwas anderes gefunden, was ungleich größer war. Vergessen schien all die Einsamkeit, als alte Wunden sich aneinander schmiegten und des Teufels Fleisch in der Blonden Schoß neue Wunden riss.

    Immer und immer wieder fanden sie zueinander, selbst als er der Mond schon längst die Sonne vom Himmel vertrieben. Und es war dem Teufel, als könne das Mädchen die Nacht überdauern und ihn fortan auf seinem Wege begleiten.

    Als er am nächsten Morgen erwachte, da fand er sie tot wie alle anderen. Nicht Dämon noch Engel war sie, und doch war sie selbst im Tode anders. Denn als der Gehörnte sich hinabbeugte um ihre kalten Lippen zum Abschied zu küssen, da sah er, dass sie ein Lächeln auf eben diesen trug.

    Wie alles andere auch, so ließ er ein Kreuz aus dem Nichts entstehen. Aus Stein war es und mit einer Inschrift versehn, die auch in hundert Jahren nicht verblichen sein sollte.
    Als der Teufel seinen Weg, der immer noch ohne Ziel war, fortsetzte, da zeigten auch seine Lippen die Ahnung eines Lächelns. Wusste er doch, wenngleich er erneut eine Gefährtin verloren, zumindest sie gefunden hatte, was sie so lang gesucht.
     
    #1
    MsThreepwood, 11 April 2010
  2. Rhea
    Gast
    0
    superschön!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
     
    #2
    Rhea, 12 April 2010
  3. MsThreepwood
    2.424
    Freut mich, dass es gefällt :smile:
     
    #3
    MsThreepwood, 12 April 2010
  4. Little_Romeo
    Sorgt für Gesprächsstoff
    142
    43
    3
    nicht angegeben
    Mir hat die Geschichte auch sehr gefallen :grin:
     
    #4
    Little_Romeo, 12 April 2010

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