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Die Geschichtsbücher im Jahr 2200 sagen...

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Ich_Tarne_Eimer, 16 April 2010.

  1. Ich_Tarne_Eimer
    Verbringt hier viel Zeit
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    Es ist kompliziert
    Hey,

    mich würde mal interssieren, was ihr glaubt/euch vorstellen könnt, was in den Geschichtsbüchern im Jahr 2200 über die Phase zwischen 1990 bis 2010 steht.


    A) weltweit

    und/oder

    B) bezüglich Deutschland


    Ihr kennt ja alle eure Geschichtsbücher aus der Schule wo Jahrzehnte oder Epochen beschrieben wurden. Was glaubt ihr, wird die Zukunft über uns verschriftlichen, was wird aus Sicht der Zukunft bedeutend sein? Dabei könnt ihr ruhig etwas Fantasie haben.
    Mir ist der Gedanke gekommen, als ich mal gesponnen habe, was die Zukunft über uns viell. schreiben wird. Mich würde einfach mal interessieren, was ihr euch vorstellen könnt.

    z.B.

    "Die Globalisierung führte in dieser Zeit immer weiter zu einem Handlungsverlust nationalstaatlicher Regierungen und legte so die Basis für den Zusammenbruch einzelner Staaten im Jahr xy".

    "Die weltweite Vernetzung und Kommunikation schrit zu dieser Zeit unaufhaltsam voran und gitl als wichtiger Zeitraum für die Entwicklung von Technologie xy".

    "Trotz der Weltwirtschaftskrise 2008 einigten sich die Länder nicht auf weltweit geltende Finanzregeln, was zu einer erneuten Krise xy mit yx Folgen führte".

    "Die großen Volksparteien in der BRD verloren in dieser Zeit immer drastischer an Stammwählerschaft, was den Grundstein für ein nachhaltig veränderte Parteiensystem in den Folgejahren legte".
     
    #1
    Ich_Tarne_Eimer, 16 April 2010
  2. Shiny Flame
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    Es mag für uns ja furchtbar frustrierend sein, aber über unsere Zeit wird so ziemlich gar nichts da stehen, die ist nämlich langweilig :zwinker:. Keine Kriege, keine Revolutionen, keine genialen Künstler...

    Und ihr glaubt doch nicht wirklich, dass unsere kleine Krise 2008 tatsächlich in den Geschichtsbüchern auftaucht? Die Medien jubeln so was hoch, aber ganz ehrlich: Selbst die Hungersnot in Irrland, bei der fast die Hälfte der Leute gestorben ist, wird kaum erwähnt, dann wird so ein Abstürzen der Börse (das längst nicht so extrem wie Black Friday war und bisher auch noch keinen neuen Faschismus bewirkte) wohl auch eher nicht erwähnt werden.

    Wir leben in einer Übergangsepoche, in "nicht-interessanten Zeiten".
     
    #2
    Shiny Flame, 19 April 2010
  3. User 77547
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    Vielleicht steht ja einfach "Übergangsepoche" in den Geschichtsbüchern. Da stellt sich natürlich automatisch die Frage "Übergang zu was?"
     
    #3
    User 77547, 19 April 2010
  4. squarepusher
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    ich bin sicher dass sich sehr vieles in dem moment, in dem es passiert, unbedeutend anfühlt, einfach weil viele vorgänge zu komplex sind, als dass man ihre tragweite und natur quasi "on the fly" verstehen könne. historisch wichtig werden ereignisse sowieso erst, wenn sie das, was nachher geschieht, beeinflussen.

    in österreich wurden vor nichtmal einem halben jahr hörsääle aller unis besetzt. dieser "bewegung" haben sich studenten von universitäten in aller herren länder angeschlossen. leute, die die vorgänge von 1968 miterlebt haben, sprachen davon, dass die besetzungen von 2009 weitaus größer waren als die vorgänge rund um 1968 in österreich. das kommt mir als beteiligter studi, der sich ein bisschen engagiert hat, schon ziemlich stark vor, kann aber durchaus sein. für uns war die besetzung so schnell vorbei wie sie begonnen hat; in wirklichkeit hat ihre fulminante phase aber doch fast 4 monate gedauert.

    in 100 jahren denkt man sich vielleicht: hier hat obama erste schritte in richtung einer neuen weltordnung gesetzt. was weiß man, was sich in 100 jahren retrospektiv als wichtig erweisen wird.

    die musik JS Bachs hat praktisch die gesamte musik, die seither geschrieben worden ist, beeinflusst, geprägt, .. Bach ist unsterblich. und damals war er musiklehrer, organist und kirchenchorleiter. so viele wunderbare künstler aller epochen sind in totaler armut verstorben, weil die welt einfach nicht schnell genug verstehen konnte, was für ein Geschenk sie da bekommen.
     
    #4
    squarepusher, 19 April 2010
  5. Shiny Flame
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    In den Geschichtsbüchern stehen Kriege und Ursachen für Kriege...

    Natürlich wird das Internet in den Geschichtsbüchern stehen, was glaubt ihr denn? Diese Vernetzung weltweit ist unglaublich und ermöglicht unglaubliche Meinungsfreiheit. Wir können noch überhaupt nicht absehen, was das alles bewirken wird. Das Internet ist gleichzusetzen mit der Erfindung des Buchtdruckes - und die bedeutete bekannterweise das Ende des "Mittelalters".

    Aber der Buchdruck leitete nur über zu einer neuen Epoche, die zwar weiterhin Kriege, Steuern und Ungleichheit hatte, den Menschen aber ganz neue Wege zu denken aufzeigte. Das war die eigentliche Neuerung - genau wie das Internet, das uns allen so selbstverständlich erscheint, eine neue Art von "global denken" ermöglicht.

    Wo das hinführen wird, kann man noch nicht erkennen :zwinker:. Mein Nachbar, der Philosoph, meint, dass wir uns seit dreißig Jahren in einer Gesellschaft befinden, die auf "emergenter Ordnung" basiert, und ich bin geneigt, ihm da zuzustimmen. Er geht davon aus, dass sich das nicht mehr rückgängig machen lässt, nicht zuletzt eben dank Internet und Kommunikationsfreiheit. Ich bin da skeptischer, denn ich sehe, wie viele Menschen emergente Ordnung nicht als Chance, sondern als "fehlende Struktur" begreifen, daher gehe ich davon aus, dass die emergente Ordnung verpuffen wird und Leute, die sich nach traditioneller fester Orientierung sehnen, wieder die Oberhand bekommen werden. Vermutlich wird diese Sehnsucht nach traditioneller Ordnung sich auf die muslimische Religion richten.

    Mein Nachbar, der Philosoph, sagt dagegen, dass gerade Menschen aus traditionellen wie der muslimischen Subkultur den Wert von Freiheit und emergenter Ordnung neu beleben werden, weil sie im Gegensatz zu uns "verwöhnten" das alles wirklich zu schätzen wissen und verweist dafür auf Frau Kelek.

    Von daher: In den Geschichtsbüchern wird das Internet stehen. Und vielleicht wird noch erwähnt werden, dass eine Zeitlang Leute wegen dem Klima ziemlich hysterisch gewesen sind, weil sie noch nicht wussten, dass der Klimawandel zu den klimatischen Verhältnissen von 2200 führen würde, die schließlich ganz normal und jedem vertraut sind.
     
    #5
    Shiny Flame, 19 April 2010
  6. brainforce
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    es wird eindeutig der Fall des "Eisernen Vorgangs" im Mittelpunkt stehen mit seinen Auswirkungen auf die neue Weltordnung... das dürfte zumindest die Zeit zwischen 1990 und 2000 füllen. 2000 - 2010 wird sich wohl am ehensten mit dem wiedererstarken von Russland beschäftigen sowie dem Aufstieg von China, die Konflikte in Afghanistan/Irak werden wohl nur am Rande besprochen - es sei denn sie werden noch intensiviert in den nä. Jahren...
     
    #6
    brainforce, 19 April 2010
  7. Shiny Flame
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    Nachtrag: Vielleicht wird auch Woodstock erwähnt werden, weil Woodstock so ein schöner Traum war.

    Ich habe viele Science Fiction-geschichten gelesen, in denen die Autoren einen ihrer Helden an eine bestimmte Epoche zurückdenken ließen - zufälligerweise immer die Epoche, in denen der Autor lebt. Und die netten kleinen so wichtig erscheinenden Nebensächlichkeiten, die zur Zeit des Autors so dramatisch erschienen, entlocken mir oft ein Lächeln, weil oft nicht mal eine Recherche in der Wikipedia ergibt, um was es sich da bitte gehandelt hat. In den Neunzigern war es z.B. recht üblich, die aktuelle Generation als "Wohlstandsgeneration" zu beschreiben, aber ich glaube, dieser Begriff wird in zwanzig Jahren bereits verschwunden sein und höchstens noch mal als Titel eines Buches auftauchen, in dem jemand aus meiner Generation über Midlifecrisis schreibt.

    Und trotzdem habe ich in einem recht guten Science-Fiction-Roman aus den Neunzigern jemanden, der tatsächlich angeblich 200 Jahre später jemanden aus den Neunzigern des zwanzigsten Jahrhunderts mit jemandem aus den Fünfzigern vergleicht. Kein Berücksichtigen von anderen Jahrhunderten oder so... So was bringt mich immer zum Lächeln. Und dann denke ich: So wichtig ist unsere Epoche wohl doch nicht. Nur halt Internet und WTC.

    ---------- Beitrag hinzugefügt um 13:51 -----------

    Hattest du im Geschichtsunterricht Geschichte in Zehnjahresschritten gelernt?
     
    #7
    Shiny Flame, 19 April 2010
  8. squarepusher
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    ich glaube ihr unterschätzt gewaltig, was man in 200 jahren noch von uns weiß. "oh, naja, das internet vielleicht..."

    1) vom 18. jhdt hat man ein sehr genaues bild.
    2) und das alles, ohne dass hunderte millionen menschen ihr leben in youtube, twitter, blogs, .. dokumentieren. das gesamte twitter-log ist übrigens von der US library of congress ihrem bestand hinzugefügt worden.

    in 200 jahren wird man dank der vielen "relikte" so nahe an unserer zeit sein können, dass es wenig geben wird, das jemals wirklich vergessen werden könnte.
     
    #8
    squarepusher, 19 April 2010
  9. User 77547
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    Was meinst Du mit "Woodstock"? Das Woodstock-Festival, da ja schon in die Geschichtsbücher Eingang gefunden haben dürfte, war 1969. Es geht hier doch um die Zeit seit 1990.

    ---------- Beitrag hinzugefügt um 14:10 -----------

    Naja. Natürlich werden in zukünftigen historischen Bewertungen die 90er und die 00er Jahre eng mit dem Bedeutungszuwachs des Internets verknüpft sein. Noch viel mehr aber mit dem Stichwort "Globalisierung". Wenn wir Pech haben mit "Internationales politisches Versagen beim Kampf gegen den Klimawandel und damit Ausgangspunkt für die Kriege, Umwälzungen zwischen 2050 und 2100."

    Ich bin mir aber - im Unterschied zu vielen Kulturwissenschaftern, Philosophen etc. - nicht sicher, ob das Internet tatsächlich solche Veränderungen (gerade hinsichtlich Demokratisierung, Meinungsfreiheit) etc. bringt, wie viele immer wieder behaupten.

    Da wird dann China und Iran zitiert. Ist da was passiert?
    Die französiche Revolution, genauso wie die Russische, genauso die "Wende" im Machtbereich der ehemaligen Sowjetunion haben ganz ohne Internet funktioniert. Iran war hingegen ein kurzer Internethype, bei dem sich die Leute die Twitterblogs reingezogen haben, wie heute die News über die Aschewolke. Morgen wieder vergessen. Den Oppostionellen hat ihre Twitterei, Facebook etc. NICHTS gebracht. Sich bezüglich Emanzipation, Freiheit etc. aufs Internet zu verlassen ist die pure Illusion.
     
    #9
    User 77547, 19 April 2010
  10. brainforce
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    ich glaube du überschätzt uns etwas... geh du mal zwei Jahrhunderte zurück - also 1790 - 1810... Und jetzt überleg dir was genau du in geschichten durchgenommen hast bzw. wieviele Unterrichtsstunden dafür draufgingen... mir fallen da nur die Auswirkungen der franz. Revolution ein auf die Schnelle - und das wurde sogar ziemlich genau durchgenommen und trotzdem füllte es nur einige wenige Unterrichtsstunden...

    das denke ich auch...
    Sicher wird nicht jeder Kanzler einzeln durchgemacht bzw. höchstens auf die Schnelle besprochen... - oder habt ihr in eurem Geschichtsunterreicht etwas jeden Kanzler der Weimarer Republik ausführlich durchgenommen? - ähnlich wirds in 200 Jahren aussehen was dt. Politik um die Jahrtausendwende betrifft...
     
    #10
    brainforce, 19 April 2010
  11. squarepusher
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    da wird wikileaks zitiert, großbritannien, ... jeder mensch auf der welt, der irgendwo auf eine demonstration geht und von der polizei mies behandelt wird, hat auf einmal die chance darauf, gerechtigkeit einfordern zu können - wenn er mitfilmt und das ins internet stellt. damit verbessert er vielleicht sein eigenes leben nicht augenblicklich, aber er trägt dazu bei, dass sich eine öffentliche meinung zu einem thema entwicklen kann, ohne durch irgendwelche staatlichen kanäle gefärbt zu werden.

    china und iran sind aber für sich schon großartige beispiele. die frage, warum dort nicht schon längst strahlende demokratie ausgebrochen ist, weil ja das internet dort ist, ist zynisch. der iran hat sein volk fest im griff, und die bewegung, die das internet dort ermöglicht hat, ist vergleichsweise gigantisch. selbiges gilt für china, dort konnte z.b. die tibet-sache einfach nicht vertuscht werden.

    das stimmt nicht. das internet hat den aufständischen dort eine vernetzungs- und informationsverteilungsmöglichkeit gegeben, wie sie effizienter kaum sein könnte. ohne dem internet wäre dort gar nichts passiert. und: was mensch nicht weiß, macht ihn nicht heiß. wenn das volk wollte, wäre der iran über nacht kaputt. manche dinge [nomedia="http://www.youtube.com/watch?v=sLvEYj8v5o8&skipcontrinter=1"]YouTube- NEDA-Her Name Was Neda ![/nomedia] helfen dem volk dabei, aufzustehen wie ein mann. nichtmal der iran kann es sich inzwischen noch leisten, einfach wahllos menschen zu töten. alleine dafür sollte das internet den friedensnobelpreis kriegen, und nicht barack vorschußlorbeere obama.

    es ist mir schleierhaft, wie man die offensichtliche, gigantische wirkung auf meinungsfreiheit, demokratie, die gigantische stärkung des volks gegenüber seinen staaten, nicht sehen kann.
     
    #11
    squarepusher, 19 April 2010
  12. User 77547
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    Alles schön und gut und auch irgendwie plausibel. Das Problem ist aber, dass durch die schiere Fülle der Information, die einzelne Information an "Wert" verliert. Um es mal wirklich zynisch zu formulieren: Wer schert sich in der Welt heute noch um Neda, wir haben eine Aschewolke.
    Dass das Internet als Medium für eine Vernetzung von Aktivisten etc. Vorteile bietet ist zwar offenkundig, aber ich finde die wirklichen Effekte sind deutlich geringer als von vielen behauptet wird.

    Wenn diese GIGANTISCHE Stärkung des Volkes gegenüber dem Staat tatsächlich REAL wäre, dann müsste man auch tatsächliche politische Effekte erkennen können. Man könnte fast denken, dass es im Vorinternet-Zeitalter keine politischen, revolutionären, emanzipatorischen Bewegungen gegeben hätte, was natürlich wirklich Quatsch ist. Nenne mir EINE Revolution oder größere Umwälzung, die ohne das Internet zum Scheitern verurteilt gewesen wäre?
    Ach, Tibet? War da was? Burma?

    Wie glaubst du wären die Protestaktionen im Iran nach den Wahlfälschungen ohne das Internet wohl abgelaufen? Glaubst Du die Menschen hätten dort NICHT protestiert und wären wie die Lämmer zu Hause geblieben? Glaubst Du es hätte keine Nachrichten gegeben?
    Khomeini hat in den 70ern dort ganz ohne Internet eine Revolution auf die Beine gestellt, ebenfalls gegen eine "starken" Gegner. Wenn die Zeit reif ist, dann schaffen es die oppositionellen Iraner heute auch...das Internet spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle. Ob eine politische Emanzipationsbewegung erfolgreich ist oder nicht, hängt von ganz anderen Dingen ab. Ich würde ja nicht behaupten, dass das Internet völlig bedeutungslos ist. Es wird aber m.E. gnadenlos überbewertet.
     
    #12
    User 77547, 19 April 2010
  13. squarepusher
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    und auch gewinnt. wenn hunderte augenzeugen etwas twittern und hundertausende es retweeten, ergibt sich eine ganz andere potenz von wahrheitsqualität. natürlich nicht ganz unverletzlich gegenüber hoaxes (zumindest in der theorie), aber wenn ich das z.b. mit der agentur reuters vergleiche, die (zumindest vor den aufständen, ka, wie es dann weitergegangen ist) keinen einzigen (!!) korrespondenten im iran hatte, wüsste ich, worauf ich mein geld setze.

    ein berühmter, britischer journalist hat in wien auf der publizistik mal einen gastvortrag gehalten und über die methoden der informationsgewinnung der großen news-agenturen gesprochen, über die er zuvor ein kritisches buch veröffentlicht hatte. es ist unglaublich, was diesen agenturen für glauben geschenkt wird, in relation zur qualität ihres outputs. un-glaub-lich.

    ich finde auch das jenseitig zynisch und das kind mit dem bade ausschüttend. es mag auf einen teil der internetuser zutreffen, besonders auf den eher "konsumentisch" angelegten. aber natürlich sind wir außerhalb des irans in erster linie konsumenten solcher zeugnisse, wenn es auch wichtig ist, dass man außerhalb des landes solche vorgänge mitbekommt. wenn eine demonstrantin erschossen wird, ohne jeden grund, dann ist das eine schande für jedes land, sei es auch noch so diktatorisch. der iran wurde international für seinen umgang mit den aufständischen geächtet. natürlich kann man das belächeln, aber es setzt auch ein zeichen, das die moral der aufständischen selbst heben kann. hier greift das internet durch die mauern, die der iran um sein land und sein volk errichtet hat, hindurch.
    innerhalb des landes hat dieses video dem aufstand ordentlich zusätzliches momentum gegeben. für die iraner war die ermordung einer passantin einer demonstration auf so kaltblütige, unberechenbare, grundlose weise sicher NICHT so wie unsere aschewolke.

    ich finde deine argumentation, dass "es früher auch ohne ging" nicht wirklich ergiebig. damit kann man alles besudeln und nichts entkräften.

    ich finde es gibt zuhauf "tatsächliche, politische effekte", überall wo das internet zuletzt in konflikten eine rolle gespielt hat. z.b. ist die kinderporno-scare der europäischen staaten nichts als ein vorwand gewesen, um das staatliche durchgriffsrecht auf das internet auszuweiten. weil sie angst haben. wenn du aber erwartest, dass durch das internet augenblicklich alle mauern fallen und alle händchenhaltend durch die wälder lustwandeln, oder das internet ist eben nutzlos, dann schätzt du politik falsch ein. das internet hat jede "opposition" der letzten jahre, von der bürgerbewegung bis zur revolution, gepusht oder überhaupt erst ermöglicht. du solltest dich nicht fragen, wo endlich der iraner bleibt, der zu dir nach hause kommt und dir ein blümchen hinters ohr steckt, sondern überlegen, ob sich nicht etwa gerade rahmenbedingungen verändern. seit dem internet sind bei jedem größeren konflikt mit den authorities unzählige kameras anwesend und filmen. neda wurde kaltblütig erschossen, ohne grund. wäre das nicht gefilmt worden, es hätte ein paar verzweifelte passanten gegeben, und die menschen 200m weiter hätten es schon nicht mehr geglaubt. die offizielle version wäre verlogen gewesen, und niemand hätte sich davon so anstacheln lassen wie von der aus zwei perspektiven gefilmten realität.
     
    #13
    squarepusher, 19 April 2010
  14. donmartin
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    Es wird nichts besonderes in den Büchern (?) stehen.

    Vielleicht werden Fragen aufgeworfen oder Diskussionsgrundlagen bereitgestellt, um Ursachenforschung oder eine Entwicklung aufzuzeigen.


    "Dieser Unterrichtsleitfaden wurde gesponsert und auf ihre politisch und meinungsbildend korrekte Darstellung überprüft von....BLABLA GmBhCoKG und der Minister des Inneren, Äusseren und der Heimatschutzpartei."

    "Sollten Sie Interesse an weiteren MAterialien aus der Zeit um die JAhre....XXXXX haben, klicken sie hier, die GEschichtsmaterialien unterliegen dem (C) der politischen Führung der EU, bezahlbar leicht per sofortSMS."

    Mißbrauch melden? Kennen sie jemanden, der die Zeiten erlebt hat, oder heute anderer Meinung ist? KlickmitHandy hier.
     
    #14
    donmartin, 19 April 2010
  15. squarepusher
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    sie hätten anfangs wohl protestiert, aber aus diesem anfänglichen momentum wäre lange nicht so etwas großes geworden. ohne kanäle, die fürs erste jenseits des staatlichen zugriffes lagen, hätten keine demonstrationen in diesem maßstab organisiert und keine aktuellen "kriseninformationen" (wie news zu den zweifeln am wahlergebnis, sich solidarisierende glaubensführer etc..) verteilt werden können.

    wer hätte die denn machen sollen? alle unsicheren medien wurden in den ersten stunden der aufstände vom militär besetzt. glaubst du im iran erscheint eine einzige unabhängige zeitung? das arge daran ist ja, dass viele iraner sowas für völlig gerechtfertigt halten und durch dinge wie neda erst auf die idee gekommen sind, dass es einen sinn abseits von gotteslästerung haben könnte, eine unabhängige zeitung zu haben. internet for friedensnobelpreis.

    ich verstehe nicht, warum du mit diesem argument so hausieren gehst. niemand hier hat behauptet, dass revolutionen durch das internet erst ermöglicht wurden, es hilft schlicht dabei, und ermöglicht damit einen fortgang der ereignisse, wie er früher vielleicht nicht möglich war. ich bin davon überzeugt, dass man den iran-aufstand viel leichter und nachhaltiger niederschlagen hätte können, wenn es nicht das internet als schattennetzwerk gegeben hätte, über das sich der körper, nachdem redelsführer verhaftet oder ermordet wurden, emergent einen neuen kopf suchen konnte.
    [/QUOTE]
     
    #15
    squarepusher, 19 April 2010
  16. User 77547
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    Ich glaube, Du verstehst nicht wirklich, worauf ich hinaus will und was mein Argument ist. Ich bezweifle nicht, dass sich vieles durch das Internet ändert. Ich bezweifle auch nicht, dass Information besser verteilt wird und wir auch "valider" informiert werden, wenn wir uns die Mühe machen, die Infos zu ordnen, zu bewerten etc.
    Ich bezweifle auch ebenso nicht, dass heutige Emanzipationsbewegungen sich des Internets sinnvoll bedienen und es denen die Arbeit erleichtert.

    Was ich anzweifle: Dass das Internet praktisch eine neue politische Epoche einläutet wie Flame es formulierte: Praktisch die gleiche Bedeutung wie die Erfindung der Buchdruckkunst mit beweglichen Lettern für die "Neuzeit". Das kann ich nun wirklich nicht feststellen. Bisher kann ich jedenfalls nichts wirklich "epochales", das zentral durch das Internet beeinflusst wäre und völlig anders abliefe, als bisherige "Bewegungen", erkennen.

    Aber solche "Ikonen", die sicher jede Bewegung braucht, gab es früher eben auch schon. Manche wirkten nach Innen, manche nach Außen. Der einzige Unterschied: Früher gab es weniger davon, ihre Verbreitung war schwieriger und sie wirkten in der Regel ENTWEDER nach Innen ODER nach Außen.

    Hier ein Beispiel. Dieses Bild hat eine ganze Generation geprägt, ernorm mobilisiert etc., ganz ohne Interent:
    http://www.emkeyfoto.com/wp-content...l-fleeing-in-terror-after-a-napalm-attack.jpg

    Ich möchte überhaupt nichts "besudeln". Ich kann nur diesem allgegenwärtigen Hype nicht wirklich etwas abgewinnen. Und doch: Ich halte es schon für ein Argument GEGEN die Behauptung, das Internet wäre bezüglich Freiheitsbewegungen und Demokratisierung eine EPOCHALE Erfindung, die quasi alles verändert, wenn man aufzeigt, dass Freiheitsbewegungen ohne diese epochale Erfindung GENAUSO effektiv - wenn nicht sogar effektiver waren.

    Was hat z.B. das Internet bisher wesentlich initialisiert, was z.B. in den Auswirkungen der nahezu globalen 68er Bewegung nur ansatzweise nahe käme?

    Natürlich hatte der Film über den Tod von Neda einen gewissen Effekt. Das bestreite ich doch überhaupt nicht. Genauso wie z.B. der Film, über den wir hier ja auch diskutiert haben, der die Ermordung von unschuldigen Journalisten im Irak zeigt, incl. der zynischen Kommentare der Helicopterbesatzung.
    Trotzdem: Wo wird hier durch das Internet "Geschichte" geschrieben? Wo wird hier die öffentliche Meinung so verändert, dass es wirklich zu einem "historischen" Wandel kommt? Sorry, ich sehe das nicht.
    Ich sehe nur eine totale Bilderflut, die aufkommt und abebbt und dein Hinweis auf die "konsumentisch" angelegten Informationsrezepienten trifft den Nagel auf den Kopf. Es gab noch NIE so viele davon wie im Internetzeitalter.
    Wenn ich mutig wäre, würde ich sogar evtl. behaupten, das Internet LÄHMT am langen Ende wirklichen politischen Aktivismus. Infofern vielleicht schon "epochal".

    Naja, vielleicht hast Du aber Recht und man muss einfach abwarten. Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif.
     
    #16
    User 77547, 19 April 2010
  17. squarepusher
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    ich schon. vielleicht haben auch viele über den buchdruck so gedacht wie du über das internet?

    natürlich gab es sie früher auch schon. neda wäre keine von ihnen geworden, weil ihre story hätte niemand geglaubt bzw. sich vergegenwärtigen können. aber wenn du schon siehst, dass die verbreitung solcher elemente schwieriger war und nicht so synergetisch gewirkt hat, dürfte die einsicht, dass das internet hier eine große, konstruktive rolle gespielt hat, ja kein großer schritt sein.

    ich habe das noch niemanden aufzeigen sehen, ich glaube auch nicht, dass man sowas seriös argumentieren kann.

    ich finde die 68er sind ein schlechtes beispiel, weil sie überwiegend aus romantisierung bestehen.

    wie lange gibt es denn das internet in der form, dass es nicht nur die jungen ausgiebig verwenden? 10 jahre lang? wie lange gibt es soziale, partizipative massenmedien? 5 jahre? große dinge geschehen nicht jeden tag, und china und der iran sind IMO schon gute beispiele, wenn man das internet richtig einschätzt und seinen einfluss richtig gewichtet. die art von umsturz, die das internet befördern kann, ist neuartig. die massenweise vernetzung der leute ändert die freiheitliche situation in china wie ein gras, das unter einer betondecke wächst und sie langsam aber stetig durchbrechen wird.

    wie gesagt: das internet ist nichts, das unliebsame machthaber über nacht auf den mond schießen kann, es ändert die rahmenbedingungen. und wenn der zeitpunkt da ist, fetzen die leute mit hilfe des internets ihre revolution durch.

    oder schau nach europa und in die USA und schau dir an, was für einen einfluss die zivilgesellschaft über das internet, alleine über das verbreiten von information, schon hat. denk an den prototypen Anonymous.

    it doesn't work that way, never did, never will, auch ohne dem internet.

    ich halte das nicht für schlecht. einerseits, haben wir z.b. bei neda als ausländische zivilbevölkerung nicht wirklich viel handlungsspielraum, die sache kritisch zur kenntnis zu nehmen ist da schon handlung genug. andererseits ja, das internet erhöht das informationsaufkommen. so what? das ist einer seiner größten vorteile, und klar die zukunft. es ist ein skill des fortschritts, viel information schnell bewerten und dann je nachdem sofort wieder vergessen oder entsprechend behandeln zu können. die heutige, typische wochenendausgabe der NYT enthält so viel information, wie ein typischer europäer sie im 18. jhdt in seinem ganzen leben zu sich genommen hat. die menschen, die sich heute über die aschewolke amüsieren/auslassen, stehen morgen auf der straße, wenn ihnen etwas nicht passt. die erlahmung, die manche hier unweigerlich sehen, ist ein schließen von sich auf andere. du magst durch zu viel information gelähmt werden, andere, besonders die, die damit aufwachsen, haben ganz andere fähigkeiten im umgang mit information.
     
    #17
    squarepusher, 19 April 2010
  18. User 77547
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    Verheiratet
    Nein, ich halte das nicht für ein schlechtes Beispiel. Ob es aus Romantisierung besteht oder nicht, spielt dafür überhaupt keine Rolle. Ein Beispiel für eine ziemlich epochale Veränderung, in denen politischer Aktivismus und die "Zivilgesellschaft" eine wesentliche Rolle gespielt hat und die sich ohne Internet, sozusagen nur mittels analoger Medien, gebildet hat, ist sie m.E. auf jeden Fall.


    Graswurzelaktionismus. Unter dem Pflaster liegt der Strand Schon die Bilder sind uralt. Klar, für Machthaber wie in China ist das Internet schon ein Problem. Keine Sorge, das bekommen die aber in den Griff. Mich würde mal interessieren, wieviele kritische Polit-Bloggs es in China gibt und von wievielen Chineses diese rezipiert werden.

    Man kann natürlich das Internet genauso wenig auf "den Mond schießen", wie die Absolutisten, den Auklärern, den Jakobinern etc. ihre Gedanken verbieten konnten und alle Möglichkeiten abschneiden IHRE Information "unters Volk" zu bringen, sich zu koordinieren etc. Auch ohne Internet war es nicht sehr einfach unliebsame Information auf den Mond "zu schießen". Menschen haben früher auch schon kommuniziert, kooperiert, opponiert, einen Untergrund gebildet, Informationen verteilt usw. Nur die Strategien waren andere. Man konnte die Reformatoren nicht auf den Mond schießen, man konnte Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten nicht auf den Mond schießen, man konnte die Umweltaktivisten in den 80ern nicht auf den Mond schießen etc. pp.

    Wieso bist Du der Auffassung, dass es um "die Zivilgesellschaft" in den USA bzw. in Europa im Jahr 2010 besser bestellt wäre als z.B. im Jahr 1980 oder 1990? Schön wärs.

    Wen meinst Du damit? Inwiefern haben diejenigen die Du eventuelle meinen könntest....das müssen wohl die heute zwischen 20 und 30jährigen sein .... ganz andere FÄHIGKEITEN im Umgang mit Information? Welche Fähigkeiten wären das konkret? Informationen zu selektieren? Informationen zu hinterfragen? Informationen zu validieren? Naja. Sorry, das sind doch alles genau diese Internet-Hype-Schlagwörter, die mir so suspekt sind.
     
    #18
    User 77547, 19 April 2010
  19. squarepusher
    Sehr bekannt hier
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    ich meinte damit, dass wenn etwas zu einem großteil aus romantisierung besteht, dann kann man es auch nicht wirklich größenordnungsmäßig mit irgendwas vergleichen. die 68er werden immer größer, besser, revolutionärer, ärger, mutiger, visionärer, .. bleiben, einfach weil sie ihren festen platz im herzen der menschen haben, auch derer, die nie daran teilgenommen haben. die 68er stehen für etwas, das jeder mensch in sich trägt, und ihr bedeutungsinhalt hat mit ihrem tatsächlichen "kick off", die vorgänge der jahre 68 und später, nur mehr wenig zu tun. nichts ist besser als 68, weil nichts ist bigger than jesus.

    zum internet: es ist hier offtopic, deswegen lass ich es gut sein. wir können ja ein neues thema dafür aufmachen, wenn du magst.
     
    #19
    squarepusher, 19 April 2010
  20. User 77547
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    Da hast Du natürlich in gewisser Weise Recht. Aber selbst wenn man diese post-hoc-Überhöhungen abzieht, war da schon noch was und die politischen Effekte sind ziemlich deutlich (sowohl die kurzfristigen wie z.B. im Mai 68 in Paris, die Auswirkungen auf den Verlauf des Vietnamkrieges, wie auch die mittel- und langfrisitgen).

    fänd ich interessant....hier übrigens eine ganz interessante Sendung zum Thema: nachtstudio vom 11. April 2010 - nachtstudio - ZDFmediathek - ZDF Mediathek

     
    #20
    User 77547, 19 April 2010

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