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Die Gesellschaft

Dieses Thema im Forum "Umfrage-Forum" wurde erstellt von Novalis, 7 Oktober 2007.

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Wie beurteilt ihr die Entwicklung unserer Gesellschaft

  1. Ich finde alles schön so, auch in zukünftige Entwicklung

    17,6%
  2. Ich kann mich mit dieser Entwicklung überhaupt nicht anfreunden und das wird alles noch schlimmer

    64,7%
  3. Ich sehe so eine Entwicklung gar nicht.

    5,9%
  4. Ich habe keine Meinung dazu

    11,8%
  1. Novalis
    Novalis (35)
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    nicht angegeben
    Bei Immobilienscout stieß ich auf ein zukünftiges Projekt im Stile von StudiVz und Co.
    Es heißt "meine Nachbarschaft".

    Allein die Tatsache, daß tatsächlich für möglich gehalten wird, daß dieses Projekt Erfolg haben könnte, daß Menschen sich dort eintragen um mit ihren Nachbarn zu kommunizieren, ist für mich eine gewisse Bankrotterklärung. Da muß man ins Internet gehen um zu sehen, wer gegenüber und nebenan wohnt und um dann noch mit diesen Menschen zu kommunizieren.
    Einfach mal rüberzugehen und Hallo zu sagen... das ist wohl zu viel verlangt.
    Kein Wunder, daß in nächster Nähe Straftaten begangen werden können, daß Jugendliche (so ists hier, nachts marodierend durch die Straßen ziehen, Mülltonnen umwerfen und Blumen herausreißen) wenn sie durch die Anonymität vor gesellschaftlicher Ächtung geschützt sind.
    Der Gipfel einer Entwicklung zunehmender Anonymisierung und des Werteverfalles.

    Damit möchte ich nicht sagen, daß früher alles besser war.
    Ich bin aber der Meinung, daß eine Dorfgemeinschaft, die Gemeinschaft eines Straßenzuges, in der Lage ist, soziale Wärme zu geben. Etwas, was das Internet nie wird leisten können.

    Um aber nicht abzuschweifen: wie findet ihr die Richtung in die sich unsere Gesellschaft entwickelt hat und wohl auch weiter entwickeln wird?
    Eine Richtung zunehmender Anonymität daraus resultierend auch größerer Egozentrik und fehlender sozialer Interaktion.
     
    #1
    Novalis, 7 Oktober 2007
  2. Piratin
    Piratin (38)
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    Verheiratet
    Ich finde es super, wie sich unsewre Gesellschaft entwickelt hat. Gut, soziale "Wärme" wird einem nbicht auf dem Silbertablett präsentiert, man muss sich sein eigenes Nest bauen, sein eigenes Netz weben, wenn man flügge wird und zum studieren/arbeiten weg zieht (und auch wenn man daheim bleibt, denn andere ziehen dafür weg), man kann nicht mehr erwarten, von der Dorfgemeinschaft mitgezerrt und miteinbezogen zu werden.

    Aber dafür hat man auch viel größere Freiheiten, denn in Anonymität liegt auch Freiheit, und wie gesagt, man kann sich Wärme und Einbindung selbst erarbeiten, wenn man das will.

    Ich find die Idee mit der Internet-Nachbarschaft eigentlich ganz gut. Nicht alle schätzen es, wenn der Nachbar unangemeldet auf einen Schwatz hereinschaut, warum sollte man nicht auch Nachbarn kennenlernen wie andere Leute aucxh und sich verabreden, wenn es passt?

    Sorry, dass ich nicht die Betroffenheitshaltung einnehme, die an dieser Stelle sicher erwartet wird, aber so sehe ich die Sache.
     
    #2
    Piratin, 7 Oktober 2007
  3. Novalis
    Novalis (35)
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    nicht angegeben
    Hier wird keine Meinung erwartet. Sonst bräuchte man keine Umfrage.
    Überflüssiger Satz.
    Trotzdem Danke für Deine Meinung.
     
    #3
    Novalis, 7 Oktober 2007
  4. Piratin
    Piratin (38)
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    Verheiratet
    Du legst mit der Darlegung deiner Meinung im Beginnerpost schon eine Schlagzahl vor, die jede Umfrage verfälschen wird. Nur so als Info ;-) Leute neigen dazu, bei einer solchen Umfrage sich unbewusst dem gesellschaftlichen Bild anzupassen, das vorgelegt wird.

    Wenn du wirklich unabhängige Meinungen wissen willst solltest du deine Umfrage wesentlich neutraler gestalten, sonst wird dir nahezu jeder zustimmen.

    (Was man nicht so alles im survey research Seminar lernt...)
     
    #4
    Piratin, 7 Oktober 2007
  5. Sternschnuppe_x
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    Single
    Das stimmt. Ich komme aus einem nicht unbedingt kleinen Dorf, ist also kein Kaff mit 10 Häusern, aber dadurch, daß meine Familie schon seit Generationen da lebt und meine Oma jahrzehntelang im Gemeinderat war, bekomme ich schon sehr deutlich mit, daß jedenfalls unter der älteren Generation diese "Dorfgemeinschaft" noch sehr, sehr ausgeprägt ist. Da kennt jeder jeden, es gibt Schuljahrgangstreffen, man weiß, wer "wo hingehört", wie die Familien zusammenhängen usw...

    Einerseits ist das sehr schön, es gibt ein gewisses "Netz", das einen auch auffangen kann, und gerade ältere Leute vereinsamen eben nicht, sondern sind immer noch irgendwie in einer Gemeinschaft "geborgen". Es gibt auch, wenn man sich darin wohlfühlt, sehr viel Sicherheit - eben weil die Anonymität fehlt.

    Die Kehrseite ist: Man ist auch darin gefangen. Und so wohl ich mich da, wo ich wohne, fühle, ich glaube nicht, daß ich mein ganzes Leben lang dort bleiben will. Mir ist auf eine gewisse Art und weise diese "Dorfgemeinschaft" regelrecht zuwider, wenn ich ehrlich sein soll. Man steht immer irgendwie unter "Beobachtung", alles, was jemand tut, wird beobachtet und kommentiert (wer mit wem Kinder hat, wer welchen Job hat, wer was gesagt hat usw...), auf dem Rathaus gibt es immer noch Vetternwirtschaft, und wenn man sieht, wie sich die "Dorfprominenz" (Vorsitzende des Gesangs- und Sportvereins, Bürgermeister, usw., plus jeweils natürlich zugehörige Frauen - bzw. heute auch Lebensgefährtinnen *lol*) bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegenseitig beweihräuchern, die ewig gleichen Artikel in der Lokalzeitung, von Karneval über Ostern und Konfirmation/Kommunion, Sommerfest der Feuerwehr/des Gesangsvereins/des Angelvereins, Einschulungsbilder, Erntedank hin zu neuerdings "Halloween" und schließlich den jeweiligen Krippenspielen an Weihnachten, ich finde das alles schrecklich.

    Und ich finde es gut, daß ich andere Möglichkeiten und Perspektiven hab, daß ich raus kann aus dieser Gemeinschaft, hin an einen Ort, wo niemand weiß, "wo ich hingehöre", wo ich einfach nur ICH bin und mir meine Freunde selbst aussuchen kann. Ich bin froh, daß ich nicht zur Zeit meiner Oma großgeworden bin, denn da hätte ich diese Möglichkeiten nicht gehabt...
     
    #5
    Sternschnuppe_x, 7 Oktober 2007
  6. Novalis
    Novalis (35)
    Benutzer gesperrt Themenstarter
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    nicht angegeben
    Es ist schön, was Du alles gelernt hast.
    Und es klingt auch überhaupt nicht prollig, wenn Du das unter Deine Beiträge schreibst. Machs doch immer ;-)

    So und jetzt mal zum Thema:
    Egal wie ich eine Umfrage hier eröffne, ich werde nie die Qualität eines Meinungsforschungsinstitutes bekommen. (Solltest Du ja auch gelernt haben)
    Wenn ich die haben wollte, würde ich dort nachfragen.

    Vielmehr geht es hier im Wesentlichem um eine Diskussion zum Thema in die mit einer kontroversen These eingeführt wird.

    Ich habe übrigens gelernt, daß es viel sinniger ist, Diskussionen auf rationaler Ebene zu führen. Nebenbei auch entspannender.
    Rational ist übrigens das Gegenteil von Deinem Privatfehdegequatsche.
     
    #6
    Novalis, 7 Oktober 2007
  7. Piratin
    Piratin (38)
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    Verheiratet
    Mein Beitrag hierzu war zwar rational und sogar nett gemeint aber manche fühlen sich wohl von allem auf den Schlips oder die großen Füße getreten. :cool1:

    überflüssiger und kleinkarierter Seitenkommentar

    Privatfehdenstichelei

    man kann sich alles so hindrehen wie man es braucht. Korrigierende oder andersdenkende Beiträge unter "Privatfehde" abzuspeichern hilft ungemein beim kontroversen und rationalen Diskutieren. :ratlos: So geht man immer sicher, dass auch ja alle anderen keiner anderen Meinung sind, denn wer lässt sich sowas schon gern sagen.

    Das Sprichwort "Führen durch Vorbild" sollte nicht nur für unsere Bundeswehr gelten, da könntest du dich auch mal dran orientieren, sonst sind deine Beiträge auch nicht sonderlich ernst zu nehmen. Wie soll ich Ratschläge oder Hinweise von jemandem ernst nehmen, der selber giftet und stichelt was das Zeug hält?

    Ich hatte dir nur einen Hinweis für deine Umfrage geben wollen, falls du tatsächlich eine Kontroverse starten wolltest, abner durch deine kindische Reaktion bin ich mir mittlerweile absolut sicher, dass Kontroversität NICHT in deinem Sinne war, sondern tatsächlich nur Betroffenheitsstammtischniveau. Schasde, da hätte was Interessantes draus werden können.
     
    #7
    Piratin, 7 Oktober 2007
  8. Soraya85
    Soraya85 (31)
    Meistens hier zu finden
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    133
    52
    vergeben und glücklich
    Ich wohne seit meiner Geburt im selben Haus (in der Villengegend Budapests), und ich kenne es nicht anders als du es beschreibst........
    ich weiss zwar dass angäblich 4 Familien über meinem Kopf wohnen, aber 2 davon hab ich noch nie gesehen.........
    im südlichen Nachbarhaus kenne ich nur einen von insgesammt 6 Haushalten.....
    Auf der westseite von 15 eine (und auch das erst seitdem ich mit der Tochter in eine Klasse gekommen bin, uns ist 5 Jahre nicht aufgefallen dass sie dazugezogen ist!)
    Von der nordseite kenne ich niemanden, aber da sollen angäblich auch Menschen leben.....
    Und kürzlich wurde das Nachbarhaus auf der Ostseite abgerissen, da hat mal ein Mann allein gewohnt, ich hab ihn nur ein einziges mal auf der Straße getroffen, beim Verabschieden hat er gesagt wer er ist........und ich war baff......das ist also ,,der" der vor meinem Zimmer wohnt........da war ich übrigens 20........man kann also Jahrzehnte in einer Gegend leben ohne seinen Nachbarn je zu Gesicht zu bekommen..........
     
    #8
    Soraya85, 7 Oktober 2007
  9. glashaus
    Gast
    0
    Wieso muss ich mich mit Leuten verständigen, nur weil die zufällig im gleichen Haus wohnen wie ich?

    Ich seh das so wie Piratin. Habs gern anonym und suche mir gerne selbst die Leute aus, die zu meinem sozialen Umfeld gehören. Wenn ich schon mitbekomme, dass meine direkte Nachbarin mitzählt, wer wie oft im Waschkeller wie lange seine Wäsche hängen hat - da könnt ich kotzen :-D Und dass mir die Nachbarn von unten die Sternsinger regelrecht aufn Hals hetzen ("Weil die ja so niiieedlich sind") muss ich auch nicht haben.
    Die Sesshaftigkeit im gleichen Haus oder in der gleichen Nachbarschaft ist für mich jedenfalls kein Kriterium, um Personen zwingend in meinen Bekannten- oder Freundeskreis aufzunehmen. Was ich in meinem Leben so treibe, geht meine Familie und meine Freunde an. Und die können gerne nebenan wohnen - müssen aber nicht.
     
    #9
    glashaus, 7 Oktober 2007
  10. Novalis
    Novalis (35)
    Benutzer gesperrt Themenstarter
    744
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    2
    nicht angegeben
    Liebe glashaus,

    ich sehe das durchaus nicht anders.
    Und hätte ich ein Haus, meinen Garten würde ein 6 Meter hohe Hecke umgeben.
    Trotzdem könnte ich aber mal ein Wort mit meinem nachbarn wechseln oder ihn mal bitten, im Urlaub ein Auge drauf zu haben.

    Mir geht es nur um die Absurdität, zur realen Kommunikation unfähig zu sein bzw. nicht willens, aber dann übers Internet...
     
    #10
    Novalis, 7 Oktober 2007
  11. Henk2004
    Henk2004 (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    Irgendwie reden hier alle son bisschen aneinander vorbei:

    Novalis betrachtet das Ganze eher dissoziiert, die anderen eher assoziiert.

    Alleine durch dieses Sichtweise könnt ihr gar nicht zu einem Konsens kommen.

    Egal, soll ja nicht das Thema sein.

    Ich denke, dass eine funktionierende Dorfgemeinschaft (oder Gesellschaft) schon einen Einfluss auf das Verhalten hat.

    Ich ändere ja mein Verhalten, wenn ich weiß, dass ich dafür mit gesellschaftlicher Ächtung bestraft werde oder halt quasi aus dem gemeinschaftlichem Leben ausgeschlossen werde.

    Ich wohn in nem Kaff mit 4000 Leuten, und da kennen insbesondere die alteingesessenen Leute eigentlich jeden.

    Und manchmal geht einem das Getratsche schon auf den Sender.

    Das beste war mal, als nen Kumpel von mir nach reichlich Alkohol im Krankenhaus genächtig hatte:

    3 Tage später stand er an der Wursttheke beim Fleischer, die Inhaberin guckte wie ein Auto und fragte: "Ich dachte, du liegst im Koma?"

    Hab mich kaputtgelacht als er das erzählte.

    Naja jedenfalls, wenn man hier im Ort Scheiß baut, muss man schon ein dickes Fell haben oder man passt eben sein Verhalten an.

    In einer Großstadt, wo niemand einen kennt kann ich ja eigentlich tun und lassen was ich will.

    Also müsste der Staat die Kontrollfunktion übernehmen, was aber anscheinend zunehmend schwieriger wird.

    Eine funktionierende Gesellschaft könnte ein friedlicheres Zusammenleben ermöglichen.

    Wenn ich nachts alleine durch die Straßen gehe und permanent Angst haben muss überfallen zu werden, dann ist es zu spät dagegenzusteuern...
     
    #11
    Henk2004, 7 Oktober 2007
  12. cynthia_ann
    Verbringt hier viel Zeit
    238
    103
    12
    nicht angegeben
    Ich denke, das Internet birgt in erster Linie Möglichkeiten - in wieweit man sich von den Gefahren einspinnen lässt ist jedem selbst überlassen.
    Ich bitte meine Nachbarn während eines Urlaubs die Blumen zu gießen und die Post herein zu holen, trotzdem würde mich nichts daran hindern, sie das Selbe übers Internet zu fragen, wenn ich sie gerade nicht sehe.
    Das Eine schließt das Andere doch nicht aus.
    Ich lege viel Wert auf Freiheit und Anonymität. Meine Jugend habe ich in einem 1000-Seelen-Dorf verbracht und bin heilfroh, der Gerüchteküche entflohen zu sein. Trotzdem denke ich, dass ein enges soziales Netz auch Vorteile hat.
    Was soll ich jetzt ankreuzen?
     
    #12
    cynthia_ann, 7 Oktober 2007
  13. User 15848
    Meistens hier zu finden
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    133
    60
    nicht angegeben
    Es gibt noch viel mehr, als enge Dorfgemeinschaften und die völlige Anonynimität.

    Mit ersterem bin ich nicht aufgewachsen, kanns mir nicht vorstellen, je in einem Dorf zu wohnen. Ich seh es in dem Dorf von meinem Freund und kanns nicht leiden, ewiges Getratsche, jeder wird beobachtet. Ich kann auch nicht abstreiten, dass dadurch auch immer jemand da ist, wenn man Hilfe braucht. Das wär es mir aber nicht wert.

    Auf der anderen Seite gefällt mir aber auch in vielen Städten heute die totale Unfähigkeit, soziale Kontakte mit Menschen zu knüpfen, die nicht die eigenen Freunde sind oder sein sollen, nicht. Ich bin nicht der Meinung, dass man nur mit Leuten reden kann, mit denen man sich anfreunden will oder die dem eigenen sozialen "Status" entsprechen. Man kann sich mit jedem kurz unterhalten bzw helfen und zu jedem wenigstens freundlich sein. Genauso zu Nachbarn. DAS ist aber etwas, was in der heutigen Entwicklung verloren geht und das mag ich auch nicht.

    Mir ist auch schleierhaft, warum dann gewisse Menschen im Internet Kontakt zu ihren Nachbarn aufnehmen sollten. Wozu? Das kann nichts anderes sein als: ich suche mir möglichst viele Leute aus der Umgebung für meine Kontaktliste und ignoriere sie dann aber auch weiterhin.
     
    #13
    User 15848, 7 Oktober 2007
  14. metamorphosen
    Sehr bekannt hier
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    168
    227
    vergeben und glücklich
    Das sind recht starke Worte.

    Klar mag das auf den allerersten Blick absurd erscheinen, über ein solches Medium Menschen aus der nächsten Nachbarschaft zu kontaktieren. Auf den zweiten Blick halte ich das aber für nicht so ungewöhnlich.

    Es hat in diesem Fall ja rein gar nichts mit der Entfernung zu tun, sondern diese herangehensweise entspricht einfach mehr den Einstellungen und der Lebensweise der meisten Menschen.

    Diese Gemeinschaft in kleineren Städten, Dörfern oder auch Stadtvierteln wird ja nunmal heute nicht mehr so gewünscht.

    Nicht nur die Nachteile die bereits gennant wurden sind dafür verantwortlich, es haben sich auch schlicht die Gegebenheiten so weit geändert, dass die Funktionen kaum noch erfüllt werden können.

    Es hat eine starke Diversifikation und Individualisierung stattgefunden, die gemeinsame Basis für solche Gemeinschaften ist immer dünner geworden. Der Lebenskreis ein anderer geworden und der Aktionsradius immer größer.

    Ohne jetzt soziologische Abhandlungen verfassen zu wollen, wofür ich definitiv nicht berufen bin, kann man ganz klar sagen, dass ein solches Projekt nicht unpassend scheint.

    Ein zunächst relativ loser und unverbindlicher Kontakt zu Menschen in der Nachbarschaft ist da dann durchaus nicht unerwünscht. Über das Internet lässt sich das recht gut steuern. Da schaut einem niemand direkt in den Kochtopf, man redet nur mit denen mit denen man in irgendeiner Form eine gemeinsame Basis hat und wenn es einem zuviel wird geht man offline. Zusätzlich kann man, sofern man das möchte auch gemeinsame Unternehmungen und Kontakte im "echten Leben" haben.

    Eine so starke Wertung wie sie im Eingangstext anklingt, möchte ich da nicht vornehmen. Abgesehen davon, dass ein Weg zurück ohnehin nicht denkbar ist, dürfte es sehr schwer sein die Vor- und Nachteile wirklich zu durchdenken und abzuschätzen.

    Auch hier darf ich mir nicht zutrauen, die Gründe wirklich beurteilen zu können. Mit Sicherheit kann man sagen, dass der Respekt vor fremden Eigentum wie die Hemmung vor Gewlt zurückgegangen sind. Aber ob weniger Angst vor "Ächtung" durch eine Gesellschaft, zu der diese Jugendlichen sich wohl ohnehin nicht zugehörig fühlen und nicht zugehörig fühlen wollen, da ausschlaggebend sein kann?

    Ich persönlich kenne meine Nachbarn auch nicht wirklich, trotzdem stehe ich nachts nochmal auf und geh runter und hol die Polizei, wenn ein paar Jugendliche am Haus gegenüber die Briefkästen aufbrechen. Genauso kümmer ich mich darum, wenn jemand das parkende Auto eines Nachbarn anfährt und verschwindet, selbst wenn ich diesen Nachbarn nciht kenne. Das ist, Anonymisierung hin oder her, eine Frage der persönlichen Einstellung.

    Soziale Wärme können definitiv nur Menschen geben. Im Internet trifft man allerdings wiederum auf Menschen, deswegen würde ich das so pauschal nicht sagen. Sicherlich hat die zunächst höhere Oberflächlichkeit und das wenig greifbare zunächst sein Nachteile. Aber durchaus auch seine Vorteile. Keiner stellt sich nach einem sexuellen Missbrauch auf den Dorfplatz, erzählt davon und erwartet Zuspruch, Trost und Tipps.

    Die ganzen Vor- und Nachteile der geänderten Bedingungen könnte man jetzt endlos gegenüberstellen.

    Da ich den Bogen von der oben beschriebenen Community zu dieser Fragestellung nur mit Mühe spannen kann, beantworte ich sie einfach mal unabhängig von dem oben gesagten.

    Viele Entwicklungen gefallen mir mit Sicherheit nicht. Während ich die Anonymität bis zu einem gewissen Grad schätze und damit auch ein paar Nachteile in Kauf nehme, kann ich mit der Egozentrik recht wenig anfangen. Ich hasse Formulierungen wie "gesunder Egoismus" und das sonstige Geschwätz, mit dem heutztage jegliche unsoziale Handlung gerechtfertigt wird. Ich bin der Meinung, dass unser wirtschaftliches System zu stark in den zwischenmenschlichen Bereich übertragen wird, wobei man das wohl leider als fast natürlich ansehen muss.

    Allerdings bin ich der Meinung, dass sich unsoziales Verhalten wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht. Keine Ahnung ob irgendetwas schlechter besser oder gleich ist. Das sind wohl ohnehin nur graduelle Unterschiede.
     
    #14
    metamorphosen, 8 Oktober 2007
  15. Schmusekatze05
    Meistens hier zu finden
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    Verheiratet
    Damit ich das jetzt nicht alles noch mal schreiben muss, so ist es bei uns auch, und ich liebe es. Ich sehe die Kehrseite der Medallie gar nicht, da es für mich noch nie eine gegeben hat und voraussichtlich auch nicht geben wird. Wir haben eine geniale Nachbarschaft (fast alle Rentner) auf die wir uns 100% verlassen können und sie sich auf uns. Es ist einfach eine total schöne Gemeinschaft, die ich für nichts auf der Welt aufgeben würde. Ich hasse die Anonymität der Großstadt, wo man nicht mal die Nachbarn alle kennt, die im selben Haus leben.
     
    #15
    Schmusekatze05, 8 Oktober 2007
  16. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    2.056
    vergeben und glücklich
    Ich sehe so eine Internet-Nachbarschaft erst einmal als rein technische Neuerung, ein Angebot, das den Kontakt erleichtern kann. Dass es manchen Leuten einfacher fällt, über Messenger oder Foren zu kommunizieren oder per Mail, ist auch hier zu beobachten - wenns Hürden abbaut, warum dann nicht nutzen?
    Besser so, als wenn überhaupt kein Kontakt besteht.

    Ich denke, dass ich so ein Netzwerk nicht unbedingt benötige, ich kenne einige Nachbarn vom Sehen, einige richtig gut, andere gar nicht - auch weil gerade im Seitenflügel recht viel ein- und ausgezogen wird. Ich finde es angenehm, zwei der Nachbarn richtig gut zu kennen, also so, dass man problemlos einander den Schlüssel anvertraut im Urlaubsfall und mit gelegentlichen Frühstücks- oder Abendbrotrunden zusammen.

    Davon abgesehen schätze ich die MÖGLICHE Anonymität - ich kann hier ohne viel Kontakte machen, was ich will, sofern ich keinen mit meinem Tun behellige. Und ich entscheide, wie viel ich von mir erzähle.
    Das begrüße ich durchaus. Ich komme auch aus einem Dorf, und mein Vater war dort kommunalpolitisch aktiv und ist es immer noch - find ich auch gut. Aber dort immer als "Tochter von ..." erkannt und in meinem Lebensstil "bewertet" zu werden, war mir nicht so recht. Dorfgemeinschaft kann super sein - gibt halt auch die negative Seite des Einanderkennens, nämlich Beobachtung und ggf. negative Beurteilung. Und wenn man versucht, sich dagegen zu schützen und eben Leute auf Distanz zu halten, indem man eben nicht viel von sich preisgibt, kann das wiederum fast Misstrauen wecken...

    Das ist hier in der Großstadt weniger gegeben, zumindest nach meiner Erfahrung.

    Eine Freundin von mir wohnte bis vor kurzem auch hier in der Großstadt in einem Mehrfamilienhaus mit recht guter Hausgemeinschaft, sie kannten sich untereinander - manche mehr, manche weniger, aber alle wussten, wer ins Haus gehört.
    Da wurde auch zusammen ein Wlan-Netzwerk gebaut und Ähnliches.

    Sie hatten außerdem einen enorm praktischen Mailverteiler, über den z.B. mal angeregt wurde, ein Grillfest zu machen oder erzählt wurde, dass Mieter XY ein Baby bekommen hat oder demnächst auszieht und Nachmieter sucht oder jemanden sucht, der im Urlaub die Blumen gießt... Natürlich wurde das nur auf Wunsch desjenigen mitgeteilt :zwinker:. Manche haben sich mehr beteiligt, andere weniger. Das war auch vorher klar.

    Diskretion gabs jedenfalls immer noch. Der Verteiler war einfach eine Arbeitserleichterung- ein Klick auf Senden kostet weniger Schweiß als das Ausdrucken eines Serienbriefes und Einwurf in jeden Türschlitz-Briefkasten in Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus mit je vier Etagen...

    Besagte Freundin benötigte wegen ihres Nachwuchses nun eine neue Wohnung und ist umgezogen.
    Als sie einige Tage nach der Geburt mit ihrem Sohn nach Hause kam, war das Treppenhaus nett dekoriert, ich hatte in ihrem Auftrag ihre Hausgemeinschaft über die überstandene Geburt informiert. Diese Begrüßung hat sie sehr gefreut - ja, nicht jeder mag sowas, sie schon.

    Ich selbst benötige keine eigene Homepage und bin auch nicht bei StudiVZ, Xing oder sonstwo aktiv, das benötige ich (derzeit) einfach nicht.

    Natürlich ist es individuell verschieden, ob man für persönliche Kontakte eben das Internet nutzen will/muss oder eben nicht.

    So eine Netzwerkseite kann eine Hilfe sein, Mail-Verteilersysteme erlebe ich selbst jedenfalls als ziemlich praktisch...
     
    #16
    User 20976, 8 Oktober 2007
  17. User 37284
    User 37284 (31)
    Benutzer gesperrt
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    474
    vergeben und glücklich
    dem kann ich absolut zustimmen!
    Also ich wohne schon immer in einer Kleinstadt und das ist auch gut so, es geht nicht allzu anonym zu aber auch nicht zu eng wie in einem Dorf.

    Bei meinem Freund würde ich wohl eingehen, was da getratscht wird... das fängt schon damit an, dass alle älteren Leute glotzen wenn ich mit meinem Auto die Straße hochfahre, weil ich ein anderes kennzeichen habe. Man kann ihnen regelrecht von den Lippen ablesen "oh, ne landauerin" und das obwohl ich gerade mal 20 km entfernt wohne. Da wird dann hinterhergeschaut und wohl spekuliert, zu wem ich gehöre.

    Das zieht sich immer so weiter in allen Dingen und ist einfach unglaublich, ich möchte so etwas nicht haben!

    Allerdings ist es auch eine Form von Höflichkeit sich bei den Nachbarn vorzustellen wenn man eingezogen ist oder eben soziale kontakte zu pflegen. Das fehlt vielen Leuten (gerade in Großstädten!).
     
    #17
    User 37284, 8 Oktober 2007

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