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Die Heimkehr

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von banklimit, 21 Januar 2005.

  1. banklimit
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    nicht angegeben
    Die Heimkehr

    Mein Hals ist ausgetrocknet vom langen Flug. Der Nacken schmerzt. Ich habe kaum geschlafen, bin halb ohnmächtig vor Müdigkeit. Das Flugzeug setzt mit einem sanften Ruck auf. Blaue, grüne und gelbe Lichter ziehen wie im Traum an mir vorbei.

    Vor dem Flughafen ist es eiskalt. Es schneit. Ich winke ein Taxi herbei. Der Fahrer ist Südländer, wie so viele hier. Er wirkt schlecht gelaunt und redet nicht viel. Aus dem Radio erklingt orientalische Musik. Sie geht mir auf die Nerven, aber ich sage nichts.

    Zu Hause stelle ich den Koffer ab und mache mich auf den Weg. Im Wagen drehe ich die Heizung voll auf. Der Scheibenwischer kämpft gegen den Schneesturm. Nach einer halben Stunde Fahrt komme ich in dem menschenfeindlich anmutenden Stadtteil an. Gewaltige Bürokomplexe und dazwischen sechsspurige Straßen. Das Licht der Stadt verleiht dem bewölkten Himmel ein düsteres rot. Bei diesem Wetter ist niemand draußen. Die Straßen sind vollkommen leer.

    Ich fahre in die kleine Einbahnstraße, finde einen Parkplatz und bleibe noch einen Moment im dunklen Auto sitzen. Ich betrachte die heruntergekommenen Mietshäuser. Schnee fällt auf die Windschutzscheibe, bis ich nichts mehr sehen kann.

    Der Türöffner summt. Im dunklen Treppenhaus riecht es nach Bohnerwachs, ein paar alte Zeitungen liegen auf dem Boden. Ich gehe in den ersten Stock. Die alte Holztreppe knarrt und quietscht unter meinen Schritten. Durch die angelehnte Tür fällt ein schwacher Lichtschein. Ich zögere kurz, dann trete ich ein.

    Ich hänge in Ruhe meine Winterjacke auf und stelle meine Schuhe in die Ecke. Erst dann wende ich mich ihr zu. Sie trägt ein schwarzes Cocktail-Kleid. Sie hat sich zurecht gemacht, als wollte ich mit ihr eine Vernissage besuchen. Ihre braunen Augen glänzen im Halbdunkel. Ich kann aus ihrem Blick nicht lesen. Was erwartet sie von mir? Wir umarmen uns. Ihre Haare sind frisch gewaschen. Der Duft von Shampoo vermischt sich mit ihrem blumigen Parfüm. Ich atme ihn tief ein.

    Sie nimmt meine Hand und führt mich in ihr Schlafzimmer. Hier und da stehen Gruppen von Kerzen, die den Raum in warmes Licht tauchen. Die Schatten tanzen an den Wänden. Auf dem Nachttisch stehen eine Flasche Weißwein und zwei Gläser. Wir setzen uns auf ihr Bett. Sie schenkt uns ein.

    Wir haben uns nicht viel zu erzählen. Ich nippe an dem Wein. Ich sei ja gar nicht braun geworden. Sie müsse viel arbeiten in letzter Zeit. Smalltalk. Dann Stille. Draußen sehe ich, wie der eisige Wind die Schneeflocken durcheinander wirbelt.

    Ich trinke mein Glas in einem Zug aus und sehe sie an. Mit einem Mal steht sie auf und zieht sich das Kleid über den Kopf. Darunter verbirgt sich ein Neglige aus halb durchsichtigem, schwarzem Stoff. Unter diesem sehe ich die schwarze Spitzenunterwäsche leicht durchschimmern. Ich fühle mich wie ein Hungernder, dem man ein Festmal auftischt. Und der Wein ist mir zu Kopf gestiegen. Ich ziehe mich rasch aus. Wir schlafen miteinander.

    Ich kann dabei keine Liebe für sie empfinden. Sie bekommt nun ihre Bosheit, ihre Respektlosigkeit zurück. Ich ziehe an ihren Haaren, als ich sie von hinten nehme. Ich reagiere mich an ihr ab, stoße hart zu, behandle sie wie ein Objekt. Es gefällt mir, sie auf diese Art zu quälen. Auch für sie gibt es nichts Schöneres - das ist die Ironie dabei. Wenn ich merke, dass sie zu erregt wird, halte ich ein. Es ist eine seltsame Mischung aus Aggression und Leidenschaft, die uns verbindet. Ich reagiere mich ab, und sie bekommt genau das, was sie haben möchte. Zum Schluss erlöse ich sie und erlaube ihr, zu kommen.

    Wir sind fertig. Wir liegen erschöpft nebeneinander, nur von einem Laken bedeckt. Ich sehe mich um. Draußen tobt der Schneesturm. Unsere Sachen sind überall auf dem Parkettfußboden verstreut. Ich friere etwas. Unsere Körper berühren sich nicht. Ich bin befriedigt, aber nicht glücklich. Sie merkt es sofort. Sie sieht mich mit ihren trügerischen Rehaugen an, die diesmal nicht vor Gemeinheit funkeln. Und sagt: 'Ich hatte so gehofft, dass wir jetzt zusammen sind'. Ich weiß nicht, was ich ihr noch glauben soll. Ich ziehe mich an und gehe.
     
    #1
    banklimit, 21 Januar 2005
  2. eddy_02
    Gast
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    ouh scheiße man.. das hört sich ja echt heftig an..:frown:
    ich bin sprachlos weiß nich was ich dazu sagen soll..
    vor allem nich dazu "Unsere Körper berühren sich nicht. Ich bin befriedigt, aber nicht glücklich"
     
    #2
    eddy_02, 26 Januar 2005
  3. schwefelspucker
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    :eek:
     
    #3
    schwefelspucker, 27 Januar 2005
  4. *Wildrose*
    Verbringt hier viel Zeit
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    :eek:
    Harte Worte muss ich schon sagen... da kann man nur hoffen, dass es eine Geschichte ist, die aus deiner Fantasie entsprungen ist....
     
    #4
    *Wildrose*, 27 Januar 2005
  5. banklimit
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    nicht angegeben
    ich sehe schon, ich hab zu viel houellebecq gelesen. nein es ist nicht so geendet, aber ich hatte keine lust auf eine heile-welt-geschichte.
     
    #5
    banklimit, 28 Januar 2005
  6. JuliaB
    JuliaB (32)
    Sehr bekannt hier
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    nicht angegeben
    richtig so! :zwinker:
     
    #6
    JuliaB, 28 Januar 2005
  7. Reeva
    Gast
    0
    ----
     
    #7
    Reeva, 15 Februar 2005
  8. gianna
    gianna (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    Single
    ... wie gut dass dasw nicht der wirklichkeit entspricht... :eek:
     
    #8
    gianna, 14 März 2005
  9. banklimit
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    stell dich nicht so an, gianna :link:
     
    #9
    banklimit, 15 März 2005

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