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Du, ich und mir ist einer zuviel

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von User 29206, 13 April 2005.

  1. User 29206
    User 29206 (32)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    So wie du umherliefst auf dem Steig,
    so irrte mein Auge, das vor dir
    erst boshaft, stachelförmig zuckte und mir
    dann Reue brachte, den dünnen Zweig
    meines Lächelns dir zu zeigen.

    Von dir danach nichts wiedersehen,
    das fiel leicht, umso weiter darf
    sich der Gedanke spannen, sich ergehen
    und entschwinden, doch mich warf
    die Furcht in tiefes Schweigen.

    Nicht mir selbst könnt´ich mich schaun
    beim Versuch, dir zu gefallen!
    Nicht wieder fühlen Band und Krallen,
    ohne die ich mir nie würd´trauen
    dir zu nahen mit meiner Worte fahlem Reigen.

    Alles andere nahm ich in Beschlag
    mit meinen Augen, mit meinem Munde
    drang ich in deine Gedanken, in deinen Tag
    stahl ich mich ein für die Stunde
    die uns blieb zum verschränkten Streicheln.

    Dieses Gedicht entstand vor zwei Wochen in einem ICE kurz vor fünf Uhr morgens, als eine Frau und ich zu zweit alleine in einem Großraumwagen aus purer Müdigkeit zwischen zwei Haltestellen lang stumm flirteten. Ich hasse es - sonst stünde es nicht hier, sonst wünschte ich mir keine Distanz dazu - und ich hasse mich dafür, trotz reflektierten Handelns auf solch bittere elementare Mechanismen zu stoßen, noch dazu in meinem Verhältnis zum anderen Geschlecht :angryfire :frown:
     
    #1
    User 29206, 13 April 2005
  2. Santa
    Santa (37)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Sehr schönes Gedicht!

    In solch einer Situation hat sich wohl schon jeder einmal befunden, wo man einem Menschen gedanklich und körperlich nah zu sein meint, aber dennoch nicht den letzten (ersten) Schritt wagt, ihn anzusprechen. Mich ärgert danach immer besonders, dass ich nie erfahren werde, was die andere Person in jenem Moment gedacht hat, ob sie vielleicht dasselbe dachte, wie ich.

    Formal finde ich das Gedicht besonders interessant; besonders hinsichtlich des recht komplexen Reimschemas, das zwar innerhalb des Gedichts variiert, aber dennoch (wie ich annehme) sehr durchdacht ist. Das Metrum musste wohl (leider) etwas dahinter zurückstehen. Ich überlege noch, ob der abschließende Vers absichtlich "verwaist" ist, denke aber eher nicht. *g*

    Jedenfalls hebt sich dein Gedicht positiv von der Masse derer ab, die hier zu finden sind. Ich hoffe, dass ihm weitere von dir folgen werden!
     
    #2
    Santa, 13 April 2005

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