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Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Bea, 27 April 2006.

  1. Bea
    Bea (30)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Du

    Da war es wieder, dein Bild. Da sah ich dich wieder vor mir, deine Augen sahen mich an, lächelten – und ich konnte dich einfach nicht vergessen… Aber ich wollte es auch nicht. Wer will schon jemanden wie dich vergessen? Nein, sicherlich nicht, viel mehr sehne ich mich nach dir, danach, von deinen starken Armen festgehalten zu werden, danach, deine Nähe zu spüren, zu spüren, wie dein Herz pocht, wie sich deine Brust bei jedem Atemzug hebt. Vergessen? Wie könnte ich den vergessen, der mir mein Leben schenkte, der mir zeigte, wie schön diese Zeit doch ist, die wir auf Erden verbringen dürfen?

    Der neue Morgen ist angebrochen, die Sonne kitzelt dich jetzt bestimmt an deiner Nasenspitze und weckt dich, damit du rechtzeitig in die Schule kommst. Und wie jeden Morgen ist es in deinem Zimmer bestimmt eisig, weil du wieder einmal das Fenster offen gelassen hast und dich wunderst, warum die Abdichtung des Fensters nicht richtig ist – mach es einfach zu.

    Der Weg in die Schule ist wieder einmal unendlich lang – aber es ist egal, du bist sowieso schon in deinem Unterricht, quälst dich mit Lateinvokabeln, unfähigen Lehrern, deiner Liebsten, die dich ignoriert. Wo ist mein Platz in deinem Leben? Wieder einmal grüble ich darüber und finde keine Antwort – oder will keine Antwort finden, weil sie mir zu schwer fallen würde, weil ich sie nicht akzeptieren könnte, nicht hören wollen würde.

    Auch ich quäle mich durch eine unendlich langsam vergehende Stunde, mein Blick gleitet immer wieder zum Fenster, das doch am anderen Ende des Raums ist, ich sehe hinaus, sehe den weißen Federwölkchen nach, die sich auf dem blauen Himmel verlaufen haben. Ist dort nicht eine, die an ein Herz erinnert? Die dort, ist sie nicht ein Emblem deines Aussehens?
    Meine Gedanken schweifen ab, ich achte nicht mehr auf den Unterricht – aber wann mache ich das überhaupt einmal? Ich denke ja an dich, nimmt das meine Gehirnwindungen doch völlig ein. Was hast du gerade? Ich weiß es nicht… Woher auch? Ich kenne ungefähr deinen Stundenplan, kann es aber nicht genau sagen, es ist auch unwichtig, du wirst schlafen, ich kenne dich.

    Endlich, der Gong. Ich habe meine Sachen nicht gepackt – ich habe sowieso am selben Platz die nächste Stunde. Aber jetzt ist erst einmal Pause. Und doch, ich lasse mir Zeit. Ganz langsam hole ich meine Brotzeit aus dem Schulranzen, sehe noch einmal nach, ob alles an seinem Platz liegt. Habe ich nicht den ganzen Tag schon auf diesen Moment gewartet? Dich endlich wieder zu sehen, umarmen zu können? Ja… Aber doch weiß ich, dass es nicht geht. Noch an den Säulen bleibe ich stehen. Den Pausenhof müsste ich überqueren, ich sehe dich dort stehen, mit den anderen. Warum gehe ich nicht einfach zu dir, nehme deine Hand, wie ich es auch mache, wenn wir alleine sind… fast alleine. Warum kann ich nicht einfach das tun, was ich tun will? Weil du verlegen werden könntest… Weil es dir unangenehm sein könnte… Weil… Weil du eine andere liebst? Ja, vielleicht auch das.

    Meine Hand liegt am kalten Stein der Säule, ich stehe halb dahinter, doch wenn dein Blick hierher schweifen sollte, du würdest mich sehen, ich verstecke mich nicht und verstecke mich gleichzeitig. Ich komme mir vor wie ein Eindringling, der dein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Ich will… Was will ich eigentlich? Ich will dich… und gleichzeitig weiß ich, dass ich dich nicht haben kann… Ich will die einzige für dich sein… Und gleichzeitig weiß ich, dass ich es nicht bin und nie sein kann.

    Langsam wende ich mich ab. Warum gehe ich noch immer nicht zu dir? Weil ich es hasse, dumme Fragen gestellt zu bekommen, weil ich dich nicht belasten will, dir nicht auf die Nerven gehen will.
    Schritt für Schritt gehe ich den Pfad entlang, der mir fast schon vorgegeben scheint. Schicksal… Ja, vielleicht ist es Schicksal, dass es keine gemeinsame Zukunft für uns gibt, vielleicht muss ich einfach einsehen, dass unsere gemeinsame Zeit vorbei ist.
    Stur starre ich gerade aus. Nur ja nicht in deine Richtung sehen, ja nicht deinen Blick auffangen. Wie kann ich so kalt sein? Mein Herz schlägt, ich erwarte jeden Moment, dass du neben mir auftauchst, mich festhältst, umarmst, mir leise Dinge ins Ohr flüsterst.

    Nein, das wird ohnehin nie passieren. Langsam gehe ich weiter, hoffe, bald die Glastür zu erreichen, um in die Masse der Schüler einzutauchen und gleichzeitig wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dein Herz wieder an meinem schlagen zu hören, wieder in deinen Armen zu liegen…

    Die Masse umfängt mich mit ihrem Geräuschpegel, der die Stimme in meinem Kopf zum Schweigen bringt, kann sie die Musik doch nicht übertönen, in deren Gleichklang mein Herz nun schlägt. Mein Blick wandert zu Boden und mitten in der Halle bleibe ich stehen. Warum kann ich die Zeit mit dir nicht einfach genießen, machst du mich doch so glücklich, dass ich es kaum fassen kann. Du bringst mein Herz zum Springen, lässt die Schmetterlinge in meinem Bauch Reigen tanzen und schenkst mir deine Nähe, Aufmerksamkeit, Zuneigung.

    Der Tag geht weiter, wie er angefangen hat. Ich ignoriere dich nicht, nein, ich träume mich zu dir und doch, da ist etwas, was mich davon abhält, dir das zu sagen. Und so gehe ich wieder in meinen Unterricht, warte, bis die Zeit vergeht, genieße den Wind in meinen Haaren, der sie davonfliegen lässt und wieder zurückholt. Und dann… Nein, ich sehe dich nicht mehr heute, ich gehe in die Mittagspause, irgendwann nach Hause…

    Und der nächste Tag wird kommen, an dem ich mich wieder frage, was du gerade machst, ob du eben aufstehst oder dich noch einmal umdrehst, wo ich dich aus der Ferne beobachte und dann doch nichts mache. Ich weiß, dass meine Wünsche sich nicht erfüllen werden und ich weiß auch, dass ich mehr möchte und gleichzeitig am Status Quo verharren, dass ich nicht will, was ich will, dass ich es nicht wollen darf.
     
    #1
    Bea, 27 April 2006
  2. Rapunzel
    Rapunzel (33)
    Sehr bekannt hier
    5.723
    171
    1
    Verheiratet
    GEfällt mir gut :smile:
     
    #2
    Rapunzel, 27 April 2006

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