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Ein Alptraum in der Nacht

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Shiny Flame, 9 Januar 2009.

  1. Shiny Flame
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    Ich liege in der Badewanne. Das Wasser ist nicht warm genug, es wird in diesem Winter einfach nicht mehr richtig heiß, und die Luft im Bad ist auch so kalt. Meine Hände umklammern die Kette, die mein Freund mir geschenkt hat. Die Kette, an der der Ring hängt, den er vorher immer am Finger getragen hat. Mein Freund. Mein Partner. Der Mann, wegen dem mir jetzt so die Tränen die Wangen herunter strömen. Wegen so einer Nebensächlichkeit.

    Nein, ich habe am Samstag keine Zeit für ihn. Ich bin mit meiner Freundin verabredet, mit dieser süßen blonden Frau, die ich noch aus meinem Studium kenne. Diese Frau, bei der ich mich immer aufgehoben und geliebt fühle. Nein, sie ist gerade Single, und da nimmt man nicht die eigene neueste Eroberung mit, um damit zu protzen, denn dann fühlt sie sich überflüssig. Nein, ich habe tatsächlich das Wochenende jetzt ohne ihn geplant, nachdem er mir vorher gesagt hatte, dass er am WE keine Zeit und Lust hat, zu kommen.

    Ich weine, die Krämpfe schütteln meinen Körper in der Badewanne und die Kette krampft sich um meinen Mittelfinger. Schluchze völlig verzweifelt und frage mich, ob ich mich jetzt trennen muss. Habe ich jetzt völlig den Verstand verloren? Wegen so einer Kleinigkeit? Aber da muss ich jetzt durch... Ich spüre es mit jeder der Tränen, die über meine Wangen laufen, zwischen denen ich den Dampf aus dem warmen Badewasser aufsteigen sehe. Etwas ist schief gelaufen.

    "Ich bin sehr stolz, dass ich so eine intelligente Frau habe, dass sage ich auch immer zu meinen Freunden und meiner Familie, wenn die sagen, dass sie es schade finden, dass mein Schatz jetzt ihren Doktor machen will und sich nicht um eine Familie kümmern mag. Ich sag denen allen, dass es sie nichts angeht, dass sie froh sein sollen, dass meine Freundin so eine erfolgreiche Frau ist. So eine tolle Frau muss man nämlich erst mal halten können, nicht war?", sagt mein Schwager in meiner Erinnerung und gibt meiner Schwester einen Kuss auf ihre verlegen gesenkte viel zu große Nase beim Weihnachtsessen mit der Familie. Warum kann mein Partner nicht auch so sein, warum war er so lieblos, in den Ferien, bei seinen Eltern? Warum musste er schweigen, als seine Mutter...

    "Das ist noch ziemlich naiv gedacht von dir. Kindererziehung bleibt am Ende doch immer an den Frauen hängen, mach dir da mal keine Illusionen."
    "Aber es gibt die Möglichkeit, Kinder liebevoll und fähig zu erziehen und trotzdem seine Arbeit gut und erfolgreich zu machen", sage ich in der Erinnerung leise zu ihr. Leise, vorsichtig, ich habe doch Respekt vor ihr und möchte höflich sein. Sie offenbar nicht.
    "Wenn einem die Arbeit so wichtig ist, dann sollte man halt keine Kinder kriegen. Ich bekomme meine Kinder doch nicht, um sie nach drei Jahren im Kindergarten abzugeben."
    Mein Freund saß dabei, als sie das sagte, und schwieg. Stimmte ihr mit seinem Schweigen zu. Ließ mich alleine.

    Aieeeeeee! Diese Schmerzen in meinem Herzen! Diese Krämpfe! Bin ich denn keine richtige Frau mehr, weil ich meine Arbeit genauso lieben möchte wie die Kinder, die ich eines Tages gebären möchte? Bin ich denn keine Frau mehr, weil meine Freundin mir genauso wichtig ist wie mein Freund und ich mich getraut habe, ihm das zu sagen? Bin ich denn keine Frau mehr, weil ich intelligent und kompetent in meinem Beruf bin, aber absolut ungeeignet zum Putzen und Kochen? Muss ich mich entscheiden zwischen meiner Liebe und meinem Leben? Muss ich, wenn ich eine Familie möchte, eine drittklassige Hausfrau werden, statt eine erstklassige Lehrerin, Schriftstellerin und Ausbildungsseminarleiterin zu sein? Entweder oder? Wie kann er das von mir verlangen?

    Im Bett liege ich lange wach, die Tränen kullern mir noch immer die Wangen herunter. Wenn ich auch nur eine Sekunde glauben würde, dass es für meine fiktiven, zukünftigen Kinder besser wäre, wenn ich die ganze Zeit zu Hause bleiben würde, dann würde ich es sogar tun. Wenn ich liebe, dann tue ich viel, fast alles. Und wen soll ich mehr lieben als meine eigenen Kinder, die aus meinem eigenen Blut geboren werden sollen? Aber selbst in meinem Bett beiße ich die Lippen zusammen und spreche es nicht aus, genauso wenig wie ich es bei seiner Mutter ausgesprochen habe. Für Kinder ist es wichtig, eine stabile Bezugsperson zu haben, das weiß ich, aber die muss nicht ständig da sein. Es ist genauso wichtig, dass sie andere Erwachsene haben, von denen sie lernen können, und dass sie im Kindergarten Erfahrungen mit anderen Kindern sammeln können! Wenn ich das für sie will, dann ist das keine Faulheit von mir, sondern Liebe für meine künftigen Kinder! Ich will sie fit machen für eine Zukunft, in der sie unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt sind, wie jeder Mensch, wo sie sich selbstständig in dieser Zukunft zurecht finden müssen!

    Irgendwann schlafe ich ein, aber ich schrecke immer wieder hoch. Höre Stimmen von Menschen aus meiner Vergangenheit, die mich angreifen, bestätigen, die mich fragen... Alles Dinge, die sie tatsächlich gesagt haben. Ich war nicht naiv, damals! Damals, als ich mich entscheiden musste, welchen Beruf ich nach dem Abitur wählen würde. Ich habe ein Jahr vorher damit angefangen, habe freiwillige Zusatzpraktika gemacht, weil ich einen Beruf machen wollte, der mich glücklich macht. Und leise höre ich die ruhige Stimme meiner Mutter im Traum...

    "Wenn du wirklich eine wissenschaftliche Karriere machen willst, werde ich es dir nicht verbieten. Aber du solltest es dir gut überlegen. Schau dir die Frauen in der Verwandschaft an, wer von denen ein schweres Studium hat und wer eine einfachere Ausbildung gemacht hat... Schau dir die Tanten an, die nur einen Frauenberuf gelernt haben, schau dir mich an. Nach der Kinderpause können wir wieder arbeiten, wir finden dort immer eine neue Stelle. Und schau dir die Frauen an, die studiert haben..."

    Als erstes kommt meine Tante Miriam mich im Traum besuchen. Ich sitze neben ihr im Auto, als sie mich vom Bahnhof zu meiner Oma fährt. Sie ist so schön, blaue Augen, blonde Locken... Aber ihr Gesicht ist bitter und der Ton ihrer Stimme ist zu hoch und angespannt, um schön zu klingen. Diese Frau war die einzige aus ihrem Dorf, die studieren gegangen ist. Sie muss früher einmal wunderschön und hochintelligent gewesen sein.
    Aber sie hat ihren Beruf aufgegeben, als die Kinder kamen. Ist zu Hause geblieben und hat später in der Praxis ihres Mannes als Sprechstundenhilfe gearbeitet, ihres Mannes, der mit seiner Arbeit das Haus bezahlt hat. Ihres Mannes, der jetzt beschlossen hat, dass er polyamor ist, dass er sie und ihr Zuhause immer noch liebt, aber auch die Freundin, mit der er all die schönen BDSM-Dinge tun kann, die die Ehefrau nicht mag.
    "Da bringt man Opfer über Opfer und tut alles für jemanden... Und man bekommt nicht mal ein bisschen Dankbarkeit und Achtung dafür", sagt Miriam und ihr leidender Ton tut meinen Ohren weh. Ich möchte antworten, aber ich schweige aus Höflichkeit und Respekt vor ihrem Leben, vor der Opferrolle, die sie selbst gewählt hat. "Warum hast du es denn getan?", will ich sie anschreien. "War es nicht deine Entscheidung? Hast du nicht ein behagliches und faules Leben gehabt? Warum willst du dafür noch so etwas wie Dankbarkeit? Warum haust du nicht ab, wenn deine Ehe so grausam für dich ist? Warum gibst du den Swimming-Pool im Garten des großen Hauses nicht auf und suchst dir eine kleine Wohnung, die du mit deiner Hände Arbeit bezahlen kannst, und einen Mann, der dich dafür liebt?"

    Meine Tante verschwindet im Nebel und mein Schlaf versinkt tiefer. Plötzlich, ein Schmerz auf meiner Kopfhaut. Ich schrecke hoch. Etwas nagt an mir, etwas frisst an mir. Habe ich vergessen, den Rattenkäfig zuzumachen? "Ratte, hau ab, du Drecksviech! Ich muss morgen arbeiten!", zische ich.

    Mein Onkel Boris besucht mich als nächstes. Ein Bär von einem Mann, Mathematikassistent an der Uni. Damals, als ich achtzehn war, saßen wir in der Küche seiner Frau.
    "Du willst Lehrerin werden?", seine Stimme ist tief, ironisch und etwas brummig.
    "Ja, ich hab dir doch erzählt, was meine Mutter..."
    "Warum wollt ihr intelligenten Frauen euch nur immer so sehr unter Niveau verkaufen? Du könntest viel mehr als das! Dann ist es kein Wunder, wenn die Männer in der Wissenschaft die Frauen noch immer nicht ernst nehmen..." Und mein Onkel verschwindet wieder im Nebel, noch während ich mir Rechtfertigungen überlege und mich hilflos fühle.

    Immer neue Besuche kriege ich, aus meiner Erinnerung, aus meinen Träumen... Frauen, die vor mir gelebt haben... "Ich finde es so gut, dass es heute selbstverständlich ist, dass alle Frauen einen Beruf lernen dürfen", sagt die zittrige, geliebte Stimme meiner Oma.
    Die Freundin meiner Mutter erzählt stolz von ihrer Schwangerschaft: "Nein, dem Vater werde ich nichts sagen, wir waren nur eine Woche lang Kollegen auf der Messe. Das wird mein Kind, meines ganz alleine! Ich werde endlich Mutter sein. Ich werde alles für sie tun. Es wird eine Tochter, das weiß ich."
    Und wieder meine Mutter: "Such dir eine Arbeit, mit der du deine Kinder notfalls auch alleine ernähren und erziehen kannst."
    Die Stimme meines Liebsten: "Ich denke schon, dass es für Kinder wichtig ist, dass immer jemand zu Hause und für sie da ist." Und der unausgesprochene Zusatz, das er nicht diese Person sein wird, klingt mit...
    "Du? Hausfrau und Mutter?", sagt mein Nachbar. "Was für eine Verschwendung! Frauen wie dich hat es vor und nach Ulrike Meinhof nicht gegeben!"

    "Hausfrau und Mutter ist der Traumberuf einer 16-jährigen Hauptschülerin, die zu oft die Schule geschwänzt hat, um einen vernünftigen Abschluss zu kriegen, aber nicht von mir, einer 26-jährigen Akademikerin mit siebenjähriger Berufsausbildung! Verdammte Scheiße!", schreie ich im Traum und fange an zu schluchzen.

    Immer wieder werde ich wach vom Knabbern meiner Ratte an meiner Kopfhaut. Ich muss ihnen dringend einen Salzleckstein kaufen, schätze ich. Immer wieder verteidige ich mich, frage die nächtlichen Besucher, erkläre, warum ich lebe, wie ich lebe... Immer wieder. Immer weniger Worte bleiben mir, immer hilfloser werde ich. Dann bin ich völlig verstummt. Nichts bleibt von mir als ein hilfloses Mensch im blauen Mondlicht über meinem Bett - oder ist es der Schein der Göttin, die mir im Traum kurz erscheint und mir die Hand segnend auf den Kopf legt? Traum und Nacht haben sich gemischt...

    Irgendwann kommt wieder die Mutter meines Freundes, will mich fortziehen. Ich spüre die Frauen aus meiner Verwandschaft hinter mir stehen und doch ist der Zug fort von ihnen so stark, dass ich mich fast nicht wehren kann. Ich schreie im Traum, ich winde mich hin und her.

    "Verdammte scheiße noch Mal, lasst mich endlich in Ruhe! Ich bin einfach nur ich!" Ich gehe meinen Weg, nicht den Weg, den ihr für mich ausgesucht habt oder so! Jeder von euch will nur, dass ich besser mache, was er oder sie falsch gemacht hat! Oder dass mein Scheitern euer Scheitern rechtfertigt! Ich werde meinen Weg gehen, das werde ich tun! Und ich bin stark genug, ihn alleine zu gehen, wie die Freundin meiner Mutter, wie meine Mutter vor mir! Anders als meine Tante Miriam!

    Völlig erschöpft schlafe in in meinem Traum wieder ein.

    ***

    Als ich wach werde, bin ich klitschnass geschwitzt. Der Ring an meiner Kette ist fort. Irgendwann im Laufe der Kämpfe dieser Nacht muss ich ihn mir vom Hals gezogen haben. Vor drei Minuten hätte ich das Haus verlassen müssen, um meinen Bus zu kriegen. In drei weiteren Minuten schaffe ich es, angezogen das Haus zu verlassen und einen Dauerlauf zum Bahnhof zu machen, um noch meinen Zug zu kriegen. Auf dem Weg zu meiner Arbeit. Dort, wo meine Arbeitsgruppe, deren Führung ich gestern inne hatte, das beste Ergebnis abliefert. Ein bisschen stolz bin ich schon darauf.

    Ja, ich hatte eigentlich noch meine Wohnung aufräumen sollen. Vielleicht mache ich das noch am Abend, vielleicht lasse ich das auch. Wer weiß das schon.

    Aber als ich von der Arbeit nach Hause komme, rufe ich erst mal meinen Freund an. Kann ja sein, dass ich stark genug bin, meinen Weg alleine zu gehen - aber mit ihm ist es doch noch ein gutes Stück schöner.
     
    #1
    Shiny Flame, 9 Januar 2009
  2. Shiny Flame
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    "Schatz, ich mag es kaum zugeben, aber mein Tag war herrlich. Ich habe zu wenig gegessen, ich war vormittags in der Schule, wo ich guten Unterricht gemacht habe und mich durchgeboxt habe. Und nachmittags war wieder Seminar. Ich bin echt gut ausgelastet im Moment. Ich merke mehr und mehr, wie gut meine Arbeit mir liegt, dass ich da weiter machen will, dass ich selbst in ein paar Jahren in die Lehrerinnen-Ausbildung gehen möchte, dass ich irgendwann tatsächlich eine wissenschaftliche Arbeit schreiben sollte. Es gibt viele schöne, wichtige Gedanken, die ich denken sollte, die ich denken kann, an denen andere Leute so achtlos vorbeigehen. Gedanken, die wichtig sind [kurzer Exkurs zu den philosophischen Gesprächen mit meinem Nachbarn, bei denen er auch schon dabei war]."

    "Und warum magst du das nicht zugeben?"

    "Weil es unweiblich ist, verdammt! Verdammt, verdammt, verdammt! Weil ich doch keine richtige Frau mehr bin, wenn ich eine Karriere einschlagen will, wenn ich ehrgeizig bin und berufliche Konkurrentinnen aus dem Feld schlagen will, wenn ich an die Spitze will und man sich auf dem Weg dahin auch manchmal Feinde macht!"

    "Was hat das mit weiblich oder nichtweiblich zu tun? Das raff ich jetzt nicht..."

    "Frauen sind kooperationsbetont, Männer konkurrenzbetont. Das kannst du in jeder Abhandlung lesen, das steht überall! Das ist auch so! Verdammt, wenn du als Frau zeigst, dass du Leistung bringen willst, dann grenzen dich deine eigenen Geschlechtsgenossinnen aus!"

    "Aber wenn es dir so wichtig ist, dann solltest du es trotzdem tun. Konkurrenz ist doch was ganz natürliches, dass man auch mal besser sein will als andere. Ob du dann tatsächlich so bist, das wirst du ja immer noch herausfinden können, wenn es so weit ist! Machst du dir da nicht ein bisschen viel Kopf drüber?"

    "Aieeeeeeeee!"
    Ich schrie auf. Mein Körper wurde steif, ich krümmte mich im Bett und der Telefonhörer glitt mir fast aus der Hand. Es war der gleiche Schmerz, der immer über mich gekommen war, wenn meine Angstattacken mich plötzlich überwältigten und ich vor Angst wie gelähmt war. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung, kämpfte um Luft, biss die Zähne zusammen und zwang die Panik wieder nieder, um klar sprechen zu können.

    "B...! Verdammt! Das... Verstehst du denn nicht? Das ist doch genau das, was immer diese Angstpanikdings... Das ist der Grund dafür, verdammt! Das quält mich furchtbar, das ist furchtbar! Ich schaff da allein nicht raus! Das ist die Ursache! Das und das alleine!"

    "Die Ursache für deine Panikattacken?" Seine ruhige Stimme machte auch mich wieder ruhiger.

    "Ja!" Ich war richtig stolz auf mich, dass ich nicht losschluchzte, aber ich war kurz davor. "Ich bin doch auch noch eine Frau! Aber Frauen machen keine Karriere, oder wenn, dann sind es Mannsweiber! Aber ich bin eine richtige Frau, kein Mann, ich will eine Frau sein und einen Mann haben, den ich lieben kann! Ich bin doch immer noch liebenswert!

    Jeder Mann hat jedes Recht zu sagen, er will eine Frau lieben, mit ihr eine Familie gründen und dann große Karriere machen, um für die Familie zu sorgen! Was ist, wenn ich so was auch will? Karriere machen und für meine Familie sorgen? Für wen soll ich so etwas tun, wenn nicht für die Menschen, die ich liebe, für die Kinder, die ich in die Welt gesetzt habe?

    Jeder Mann hat jedes Recht dazu - aber ich bin eine Frau! Und wenn ich mich verhalte wie ein Mann, dann weiß ich gar nicht mehr, ob ich noch eine richtige Frau bin, ob man mich dann überhaupt noch lieben kann... Und ich will doch auch noch immer lieben und geliebt werden, verdammt! Nur mit d..."
    Nur mit deiner Liebe habe ich die Kraft, all das zu schaffen, will ich sagen, aber die Worte ersterben mir auf der Zunge.

    "B..., ich will Kinder später! Ich will sie unbedingt haben! Ich will sie leben und sie fit für die Zukunft machen und weitergeben, was ich bin. Ich bin eine Frau, und das heißt für mich, dass ich auch Mutter sein will! Aber meine Arbeit ist mein Leben! Werde ich mich entscheiden müssen zwischen meiner Liebe und meinem Leben?" Jetzt schluchze ich doch los und die Panik aus meinem Herzen steigt auf und hüllt mich ein. Ein vertrautes Gefühl und diesmal doch ein wenig anders, weniger verschwommen, weniger umfassend, sondern ein präziser, klarer, unendlich grausamer Schmerz.

    Mein Freund erzählt mir ein bisschen darüber, dass heutzutage Männer und Frauen eben nicht mehr auf bestimmte Rollen festgelegt werden müssen und so. Liebe Worte. Liebe Worte, wie ein guter Freund sie mir sagen würde, um mich aus meinem Loch zu holen. Warum sagt mein Partner so etwas zu mir? Muss mein Partner nicht eifersüchtig auf meine Arbeit sein? Bei früheren Partner war es so, wenn sie mir gut gelang und leichter von der Hand ging als ihm. Warum verhält mein Partner sich wie ein guter Freund?

    "Und wenn ich dann später tatsächlich da stehe und verlassen werde, weil meine Arbeit mir so wichtig ist und ich erfolgreich bin? Ich meine, wenn ich scheitere, damit kann ich leben, dann bin ich eben nur eine ganz normale Frau mit einer halben Stelle als Lehrerin. Aber was, wenn ich Erfolg habe und dafür meine Liebe verliere?"

    "Ich denke, du wirst dich einfach entscheiden müssen, welchen Weg du gehen willst. Und dann musst du ihn gehen und schauen, was passiert, ob du bereit bist, die Dinge so geschehen zu lassen, wie sie das werden. Du kannst ja immer noch intervenieren."

    Liebt er mich nicht mehr? Warum redet er mit mir so wie ein guter Freund das würde, nicht wie ein geliebter Partner, der mir versichert, mich auch dann zu lieben, wenn ich scheitere (und unausgesprochen mitklingen lässt, dass er mich dann eigentlich mehr liebt)? Muss er nicht von mir erwarten, verlangen, dass ich mich kleiner und dümmer mache, damit er sich größer und stärker fühlt? Wo ist der Haken? Er will mich reinlegen, ich weiß es genau! Er will mir Böses! Er will mich hereinlegen... (Die Panik ist immer noch präsent... Man merkt es meinen Gedanken an...)

    "Letztlich ist es dein Weg und du musst entscheiden, ob du ihn gehen willst, das kann dir keiner abnehmen.

    Irgendwie ist es doch auch wie mit dem Ankuscheln. Man könnte es als Zeichen von Schwäche, von Unmännlichkeit auslegen, weil ich mich gerne bei dir ankuschele."


    "Das ist Schwachsinn! Selbst der stärkste Mann braucht manchmal eine starke Frau, wo er scih ankuscheln kann, und selbst die stärkste Frau manchmal einen starken Mann, wo sie sich ankuscheln kann."


    "Ich meine, irgendwie ist es so doch interessanter. Ich meine, natürlich hätte ich manchmal gerne eine Freundin, die mir einfach immer zustimmt. Aber realistisch betrachtet kann das ohnehin niemand leisten - Leute, die immer nur zustimmen, gehen irgendwann in die Luft, weil sie sich selbst zu sehr vernachlässigen. Dann schon lieber eine Freundin, die auch ein eigenes Leben hat."

    Wir schwiegen beide erschöpft.

    "Geht es dir jetzt besser?"

    "Was?"

    "Das, was ich gesagt habe... Habe ich dir damit jetzt irgendwie helfen können bei deinem Problem?"

    Ich horche in mich hinein.

    "Weiß nicht. Fühle mich ganz leer jetzt. Was hältst du davon, wenn ich dir jetzt die zweite Hälfte der Geschichte von gestern abend vorlese?"

    Und ich las vor und stellte mir vor, meinen Geliebten dabei im Arm zu halten. Meinen starken, muskulösen Mann, der so ruhig ist und so gut mit Menschen umgehen kann. Dessen blauen Augen ich so was von verfallen bin...
     
    #2
    Shiny Flame, 14 Januar 2009
  3. eim_mädel
    eim_mädel (27)
    Sorgt für Gesprächsstoff
    103
    43
    5
    nicht angegeben
    wow, eine starke Geschichte, und ich meine damit die verschiedenen Deutungen von "stark"...
     
    #3
    eim_mädel, 9 Februar 2009
  4. 19waldfee84
    Sorgt für Gesprächsstoff
    18
    28
    1
    Single
    ähnlichkeiten

    hallo!
    Ich bin ganz gefesselt von deinem Bericht.
    Mit ergeht es momentan fast ähnlich. Ich weiß auch nicht, wohin ich mich orientieren soll, welchen Weg ich wählen soll.

    Ich kenne das Gefühl innerer Zerrissenheit nur zu gut. Die Kraft die man in sich spürt, der Drang und das Verlangen etwas zu leisten, eigene Träume zu leben....
    dann die Ohnmacht die einen Überfällt, Resignation vor den Erwartungen der "Liebsten".

    Ich wünsche dir viel Kraft und Gelassenheit - ich hoffe für dich, das du deinen Weg gehen kannst!
     
    #4
    19waldfee84, 3 März 2009

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