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Ein Brief an Dich - mein Traum

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Der Poet, 18 August 2007.

  1. Der Poet
    Der Poet (32)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Es ist Zeit zu gehen. Der Sommer liegt bereits größtenteils hinter uns. Die Wolken, die uns eine Jahreszeit über in Frieden haben träumen lassen, ziehen bereits über die ersten Hügel hinweg. Ab und zu erlauben sie einen Blick durch ihr weißes Meer, um für einen Moment an den Anfang aller Dinge zu erinnern.

    Da, wo einst strahlendes Blau vorherrschte und sich die Decke noch nicht zum Schlafen legte, genau da sieht sich nun alles in einem anderen Lichte. Wir dachten, nichts kann uns in unserer Hoffnung erschüttern, nichts und niemand kann sie uns nehmen, und wir werden stark genug sein, unseren größten Schatz vor der heraneilenden Armee beschützen zu können. Wir träumten in den Tag hinein, flüsterten uns schöne Worte ins Ohr, und sehnten nichts Schöneres herbei als nur einen Kuss. Die Freude auf diesen Moment und die Gedanken, die man sich darum macht, lässt uns in einen atemberaubenden Zustand gleiten. Wir dachten, man könne die Zeit ausdehnen und an einem Punkt des vollkommenden Gefühls ewig leben. Wir dachten sogar, dass sie unbedeutend wird und uns nicht einholen könne, falls wir schnell genug liefen. Wir träumen heute manchmal davon, wie wir vielleicht so etwas wie Liebe erfahren hätten. Die Seele dazu tragen wir bereits in uns. Sie erinnert uns an die Momente, wie zum Beispiel an einen unbedeutenden Kuss, der fluchtartig verschwindet und doch einen lebenslangen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Vergangenheit lebt in uns weiter, ebenso alle Erinnerungen an sie. Und nun sehen sich Erinnerung und Glück bedroht inmitten aufziehender Wolken, die uns die fragile Natur unserer Emotionen zeigt.

    Angst überkommt uns, wenn wir sehen, dass wir weitergehen müssen, um leben zu können. Wir können nicht mehr zurück. Alles was uns bleibt, ist die Vorstellung davon, was wir aus unseren Erfahrungen machen werden. Wir müssen unsere Zelte abbauen und weitergehen. Zum Packen bleibt keine Zeit mehr. Wie gerne würde man ein Stück von Dir in den Koffer packen, ihn fest umschlossen in einer Hand haltend, mit auf die Reise nehmen, und sich später in Dir kleiden. Deinen weichen, zarten Stoff auf der Haut spürend für immer tragen und sich an Deinen Geruch erinnern. Wo hast du ihn noch gleich getragen? An dem einen Abend, als mir etwas wie Mut und Lebendigkeit zuteil geworden ist, und ich mit einem unsichtbaren Schild meinen Ängsten Einhalt gebot? War es dieser eine Abend? Dieser alles entscheidende Abend, der die Fülle meiner Gedanken neu ordnete und Dich mir näher brachte als ich es mir jemals zu erträumen hoffte, ist der Schlüssel zu dem, warum ich heute wieder hier sitze und an Dich schreibe.

    Heute sitze ich hier, schaue in den Himmel, und erinnere mich an die Momente, wo wir beide irgendwo saßen, und ich auch da in den Himmel blickte und mir einen Moment wie den jetzigen vorstellte. Erst jetzt begreife ich das, was ich immer gespürt und auch einmal geschrieben habe:

    Alles ist umso schöner, je vergänglicher es ist. Als Du mir damals gegenüber gesessen hast und ich Dich so sah, war mir klar, dass dieser Moment niemals wieder sein wird. Nie wieder werde ich Dich so sehen, wie ich es damals getan habe. Alles was bleibt ist das Geschenk an mich, dass ich diese Momente gegenwärtig machen kann und ich sie niemals verlieren werde. Ich bin mir sicher, dass Du meine erste Liebe gewesen bist; eine, die ich für nichts in der Welt hergegeben hätte, wenn nicht so etwas Kummer in mich geraten wäre.



    Orientierungslos scheinend und doch wissend wohin der Weg sie führt, ziehen die Wolken weiter. Mittlerweile sind sie über unserem Haus hinweg gezogen; draußen weht ein Wind; er strömt durch das Fenster und füllt meine Lungen mit neuer Kraft, diese vorerst letzten Zeilen an Dich zu schreiben, sie in meiner Kladde aufhebend; für immer bewahrend.

    Wenn ich schlafe, begegne ich dem, der meine Träume erschafft. Irgendwo da, wo ich gerade an Dich denke, sammelt ein Maler ein paar Blüten und lässt sie sanft in einen geflochtenen Korb schweben; er schaut ins Tal, lächelt und beginnt mit über Ewigkeiten hinweg gelernter Hand den ersten Pinselstrich auf Leinen zu streichen. Es ist eine graziöse Bewegung, die mich fasziniert und mich erkennen lässt, dass er gerade einen wunderschönen Gedanken hatte. Wie sehr muss jemand fühlen, um Unvorstellbares lebendig machen zu können? Ich gehe auf dieses Bild zu und betrachte es genauer; es ist noch nicht fertig. Der Maler scheint mich nicht zu bemerken. Nur einmal verspüre ich etwas wie einen Hauch von Atem in meinem Nacken und noch ehe ich mir erklären kann warum, lächel ich; niemanden hinter mir vermutend und mich nicht umdrehend, gehe ich weiter.

    Dort unten, wo der Boden endlos zu sein scheint, entfaltet sich in magisch malerischer Pracht ein Fluss, der die Farben aller Farben in sich birgt. Sogleich versuche ich die Quelle dieses Flusses zu erreichen und sehe den Wind ruhen, der am Ufer sitzt und dessen Schönheit in den Fluss fällt. Es vergeht kein Moment und jeder Tropfen schlägt Wellen, die mit nicht gekannter Intensität neue Farben aufwirbeln und sie in einem neuen Licht erscheinen lassen. Wie eine langsam aufgehende Blüte erblicken sie die Welt und tauchen sie in ihr Antlitz. Meine Hand streicht über die Spitzen der Gräser, während ich langsam entlang dem Ufer spazieren gehe und mich den Klängen des Unsichtbaren hingebe. Da, wo ich einen golden schimmernden Blick auf den Fluss und die ihn um sich erhebenden Berge vermute, steht eine hölzerne Bank. Sie muss älter sein, verwittert von den Einflüssen der Natur; ausgeliefert den Gewalten der einen Quelle, die all das um mich herum schafft. Auf ihr nehme ich Platz. Das glasklare Wasser; die himmelblauen Stellen, an denen die Berge in dieses eintauchen; Düfte von nicht gekannter Herkunft; an einer Stelle tanzen die Farben strudelnd im Spiel vertieft; wieder ein Hauch von Atem.

    Auf der anderen Seite sehe ich ihn wieder; er sammelt Blüten; tausende unterschiedlich gefärbte Blüten liegen eng beieinander und warten auf die Veredelung ihrer Schönheit. Ich frage mich, was mit ihnen passiert; früh genug sollte ich es erfahren.

    All das, was wir Menschen uns nur erträumen können, sehe ich von dieser einen Bank aus blickend auf eine Landschaft, die mir fremdartig, aber dennoch zugleich so vertraut vorkommt. Sie ist so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Reich an Farbe und Gefühl; das zu sehen, was nicht menschlichen Ursprungs ist. Das, was wir als selbstverständlich hinnehmen ist nur eine verborgene Ahnung dessen, was uns hier erwartet. All das, was uns Angst macht, birgt in sich auch den Weg zu dem, was uns glücklich macht. Wir fühlen uns klein und verlassen, aber das sind wir nicht. Wir erträumen Dinge, die Menschen nur möglich sind; und kommen so einem Gedanken eines Künstlers näher.

    Erst jetzt erkenne ich im Wasser Bilder, die mir bisher verborgen gewesen sind. Vor allem aber, steht der Maler neben mir. Sein Gesicht bleibt mir durch seinen tief sitzenden Hut verborgen, aber dennoch erkenne ich ihn: Bist Du es? Bist Du es gewesen, der mich gerade durch mein Leben führte? Das neue Bild, das Du gerade malst; ist das ein Stück von mir? Die Blüten, die Du eingesammelt hast; hast Du mich nicht damit bedeckt, und mich in wunderschöne Träume wie diesen eingehüllt? Du musst es sein; hast mich nicht alleine gelassen und bist die Quelle, meiner Briefe. So danke ich Dir, und widme Dir die letzten Zeilen dieses Briefes.

    Male weiter; male auf edelstem Leinen die wunderbarsten Menschen, denen Du ein Stück von Dir eingehaucht hast; zeige die Endlosigkeit unseres Träumens. Dankend wache ich wieder auf und zurück bleibt das Gespür für Wind auf meiner Haut; ein Geschenk von Dir;


    Von Dir - der Liebe.
     
    #1
    Der Poet, 18 August 2007
  2. User 77157
    User 77157 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    2.512
    123
    6
    vergeben und glücklich
    gefällt mir sehr sehr gut:zwinker:
     
    #2
    User 77157, 18 August 2007
  3. User 48246
    User 48246 (30)
    Sehr bekannt hier
    9.372
    198
    108
    vergeben und glücklich
    oh ist das schön.... :cry: :herz:
     
    #3
    User 48246, 23 August 2007

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