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ein "gutes" gedicht?

Dieses Thema im Forum "Umfrage-Forum" wurde erstellt von snot, 20 September 2002.

  1. snot
    Gast
    0
    nein, ich poste hier kein gedicht.

    ich würd nur gern, insbesondere von den fleissigen gedichte-schreibern hier im forum, gern mal wissen, was ein gutes gedicht für euch haben muss.

    bitte sagt jetzt nicht einfach: "es muß mir zu herzen gehen"

    das WIE ist es, das mich interessiert. sucht euch von mir aus irgendein gedicht raus und postet es hier, wenn ihrs nicht so einfach ausdrücken könnt, zeigt es mir an beispielen (im notfall muß der thread halt dann ins gedichte-forum verschoben werden).

    für mich persönlich sind sprachliche bilder unheimlich wichtig. geradlinige sprache find ich langweilig. ein text muß mich zum nachdenken anregen. es ist dabei nicht unbedingt erforderlich, ein gewisses versmaß einzuhalten. wenn es zum text passt, plötzlich das versmaß zu brechen, ist das sogar toll. und auch reime find ich nicht unbedingt notwendig, obwohl so manches sprachbild erst durch reime und blumige sprache lebendig wird.

    ich weiß, es ist keine frage für jedermann, aber vielleicht macht sich doch der eine oder andere gedanken darüber...
     
    #1
    snot, 20 September 2002
  2. Sokrates
    Gast
    0
    tja, was ist für mich ein gutes gedicht? ich persönlich bevorzuge poetische gedichte. dazu sollten sie nicht oberflächlich sein, man sollte in einem gedicht aussagen und schilderungen (sofern vorhanden) mehr oder weniger umschreiben - metaphern usw.

    gedichte mit reim gefallen mir eher nicht, vor allem wenn man merkt, daß krampfhaft gereimt wurde. wenn man die richtigen worte findet, sind reime völlig überflüssig bzw. eher störend (find ich).

    konstantes versmaß ist mir egal, man sollte nur beim lesen nicht stolpern und einen gewissen rythmus im gedicht haben.

    so viel dazu, ansonsten kann ich nur sagen: gedciht lesen und dann entscheiden, obs gefällt oder nicht.

    ausnahmen bestätigen wie immer die regel...

    greetz
     
    #2
    Sokrates, 20 September 2002
  3. marcus84
    Verbringt hier viel Zeit
    581
    103
    5
    Single
    für mich ist ein gedicht gut wenn es nicht auf den ersten blick denn eigentlichen inhalt preis gibt. wenn man erstmal nachdenke muss um es zu verstehen. am besten finde ich die gedichte die zwei oder mehrer möglichkeiten der interpretation bieten.

    das macht für mich an gutes gedicht aus.
     
    #3
    marcus84, 20 September 2002
  4. Teufelsbraut
    teuflisch gute Beiträge
    4.742
    121
    2
    vergeben und glücklich
    Ich mag Lizas Gedichte... vielleicht postets ja eines, dann hab ich auch ein Beispiel. Irgendwo im Gedichteforum geistert eh eins rum.
    Und ich hab auch welche per Email bekommen - aber ohne Genehmigung poste ich da nix... obwohl eins dabei is, dass mir extremst gut gefällt.

    Also, Beispiele gibts daweil keine (obwohl du mein Snotal, das Gedicht glaub ich eh kennst) und beschreiben kann ichs net.

    Ansonsten mag ich auch Gedichte mit Tiefgang, net immer dieses "tralala, weil ich dich liebe" oder "*heul* *heul* ich vermisse dich" Zeug - das is öd und sagt rein gar nix aus.

    Ok, hab doch grad ein Beispiel gefunden (aber net von Liza *g*) - was mit Tiefgang.

    Wenn man dem Wind zuhört

    Mir scheint
    Den Bäumen wohnen Seelen inne
    Seelen, die wachsen und sich ändern
    Von Blatt zu Blatt
    Ein stilles Erinnern von Momenten
    Die niemand sonst gesehen
    Doch kein Mensch hört dem zu
    Erwägt je den Gedanken
    Dass Bäume vielleicht sehen, was geschieht
    Dass in ihrem Rascheln vielleicht
    Der stumme Wunsch zu sprechen sich verbirgt

    Vielleicht haben sie versucht zu flüstern
    In das Innere einer Hand
    Die Erinnerung an das kleine Mädchen
    Wie es entstand, das neue Loch in ihr
    Und ein neuer kleiner Mund

    Doch niemand glaubt oder fragt danach
    Dass vielleicht der Baum weiß
    Etwas schlimmes ist geschehen
    Dass er erzählen möchte von dem Leid
    Das es so viele Nächte hat mitangesehen

    Ich glaube alle Menschen
    Sollten tief in die Wälder gehen
    Um aufmerksam zu lauschen
    Den Stimmen in den Blättern
    Um Einzelheiten zu sehen, winzige Landkarten
    Aus Fußspuren und manchmal Flecken

    So sollten sehen
    Das die Blätter wie Tränen geformt sind
    Sollten die Muster abgefallener Nadeln deuten
    Vielleicht sind gar Markierungen am Boden
    Die hinführen zu dem Mann
    Der es gemacht hat
    Das Loch
     
    #4
    Teufelsbraut, 20 September 2002
  5. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    *umkipp* Teufal... Ich liebe dieses Gedicht... Du hattest mir das auch mal geschickt, und ich war dermaßen begeistert davon... Das ist ein Punkt, der ein Gedicht zu einem guten Gedicht machen kann: Es muss dich beißen, stechen, brennen, schockieren. Es muss dich aufwecken. Das ist nicht notwendig für ein gutes Gedicht, aber es ist etwas, was dieses Gedicht zu einem guten Gedicht macht.
    Der Inhalt ist wichtig. Wenn man bei einem Gedicht denkt, es könne ein Lied von einer Boygroup sein, ist es meiner Ansicht nach schlecht und vor allem phantasielos. Wenn man schon ein "Ich vermisse dich"- Gedicht oder ein "Ich liebe dich"- Gedicht schreibt, dann sollte man doch eigentlich genug Phantasie haben, um sich nicht an vorgegebene Metaphern und abgegriffene Personifikationen zu klammern. Die Themen "Liebe" und "Sehnsucht" sind abgegriffen- also muss man sich von alten Schemen lösen, um sie wieder attraktiv zu machen. Liebesgedichte können mir durchaus gefallen- sie dürfen nur nicht so unglaublich gewöhnlich sein.

    Ob Reim oder nicht Reim ist mir egal- nur gut geschrieben muss es sein. Dabei ist mir aber das Versmaß enorm wichtig- wer im Gedichteforum rumgeistert, weiß das *g*. Aber das heißt nicht, dass ich nur Gedichte mag, die in ein bestimmtes, schnurgerades, vorgegebenes Schema gepresst sind...
    Nach dieser Interpretation ist mir ein "konstantes Versmaß" auch nicht wichtig. Ich setze mich bestimmt nicht hin und zähle die Hebungen der einzelnen Verse durch, um zu kontrollieren, ob ich in jedem Vers dieselbe Anzahl habe. Aber es ist sehr wichtig, dass ein Versmaß vorhanden ist. Mich graust es zum Beispiel jedesmal, wenn die Betonung total unregelmäßig ist. Das Gedicht, was Teufelsbraut gepostet hat, hat zum Beispiel absolut kein konstantes Versmaß- aber es hat ein regelmäßiges Versmaß, was man daran erkennt, dass es sich flüssig lesen lässt. Ausbrüche (Fehlbetonungen zum Beispiel) sind nur gut, wenn sie sich mit dem Inhalt in Einklang bringen lassen- wenn eine falsche Betonung darauf hinweist, dass in einem dargestellten harmonischen Bild etwas nicht stimmt, ist sie künstlerisch und ich akzeptiere sie sang- und klanglos.

    Das sind Sachen, die für mich unabänderlich zu einem guten Gedicht gehören. Was meinen persönlichen Geschmack angeht: Ich habe ein Faible für ausgefallene Sachen, sowohl im Inhalt als auch in der Form. Wobei mich aber immer beides ansprechen muss. Beispiele gibt es jetzt nicht, weil ich mindestens zehn Stück hier hinschreiben müsste, um mich nicht auf etwas Bestimmtes festlegen zu lassen :smile:.

    Ach, Teufal: Wenn du das "Gebet einer jungen Römerin" meinst- das kannst du hier gerne posten. Ich kann das nicht machen, das wäre ja SELBSTHERRLICH *lol*.
     
    #5
    Liza, 21 September 2002
  6. Teufelsbraut
    teuflisch gute Beiträge
    4.742
    121
    2
    vergeben und glücklich
    Ok, dann poste ich mal Lizas Gedicht, welches mir so gut gefällt *ggg*

    Gebet einer jungen Römerin

    Vergib mir, Herr, denn ich habe gesehen
    wie Dein getreulicher Diener starb
    seine Hände waren durchschlagen;
    Mit Pflöcken, dick wie ein Säuglingsarm
    aus einem Holz, so weiß und rein
    und blutbefleckt. Getrieben durch
    sein rotes, zähes Fleisch.

    Ich hörte sein letztes Gebet an Dich
    in dem er bekannte, ein Sünder zu sein
    doch ich weiß, er ist ein Engel;
    Sein dichtes, lockiges, grauweißes Haar
    gesalbt vom eigenen Todesschweiß
    umhüllte beides, Kreuz und Haupt
    wie ein heller, sanfter Schein.

    Vergib mir, Herr, denn ich habe gesehen
    wie das Blut in seine Augen rann
    und sich mit Tränen vermischte;
    Der einzige Mensch, den ich Blut weinen sah
    das sich farbig durch seine Haare zog
    war ein Fischer vom See Genezareth
    werde ich später sagen.

    Ich sah seine Wunden, offen und rot
    auf schmutziger Haut. Von Fliegen umschwirrt
    sie tranken genüßlich die Säfte;
    Sie labten sich an séinem Todesmoment
    und das Blut, das aus seinem Inneren floss
    gerann in der Sonne. Oh, glaube mir, Herr
    es war ein schlimmer Gestank.

    Vergib mir, Herr, denn ich habe gesehen
    wie dein getreulicher Diener starb
    seine Haut ward zu Leder
    sein Fleisch ward zu Holz
    seine Augen zu Milch
    und alles war rot
    es krochen Würmer
    in seine Wunden
    Vergib mir, Herr, denn ich drehte mich um
    und ging.
     
    #6
    Teufelsbraut, 21 September 2002

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