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Ein Treffen, das alles rettet oder kaputt macht

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von casrin, 14 Juni 2009.

  1. casrin
    casrin (35)
    Verbringt hier viel Zeit
    28
    86
    0
    Single
    Hi,

    ich komme seit gut zwei Wochen gar nicht mehr an meine Freundin ran und allgemein sieht alles wohl sehr düster aus.

    Zum Hintergrund: Wir sind seit etwas über einem Jahr zusammen, ich bin 28, sie 26. Wir kamen gegen Ende unseres Studiums zusammen, studierten bis Ende März an derselben Uni. Ich war etwas eher fertig und begann eine Promotion an "meiner" Uni, bei ihr ging das leider nicht, da keine Stellen frei waren. Letzten Dezember starb ihr Onkel, der bei ihrer Familie im Haus gelebt hat (ihre Familie wohnt etwas mehr als 600km von "hier") und ihr Vater hatte wenige Tage davor einen Herzinfarkt und lag seitdem hirntot im Wachkoma. Im März fand sie dann einen Aushang von einer Uni bei ihrer Familie in der Nähe und bewarb sich auf eine 2/3 Stelle, wurde auch genommen (ursprünglich dachten wir, dass wir mit der Bewerbung evtl. noch eine Stelle hier vor Ort durchdrücken können so a'la "sonst bin ich weg") und im Prinzip wollte sie ihre Mutter auch nicht alleine in dem großen Haus lassen. Der Plan war also, sie zieht zu Hause in die alte Wohnung ihres Onkels, hat ihr eigenes Reich und ist halt trotzdem da. Ich bin an sich recht flexibel, ich arbeite bei einer kleinen Softwarefirma, wo ich mir die Zeit sehr frei einteilen kann - kann auch mal ein paar Tage oder eine Woche von zu Hause aus oder von irgendwoher arbeiten, das ist kein Problem und für meine eigene Promotion muss ich nicht körperlich in der Uni anwesend sein.

    Wir dachten uns also "Wir haben diese harte Zeit, in der wir beide unsere Abschlussarbeiten geschrieben haben, Prüfungen hatten usw., so gut überstanden, für eine Fernbeziehung sieht alles gut aus - ich kann oft kommen, sie muss nur ca. 25h/Woche arbeiten, also wenn wir das nicht schaffen, wer dann".

    Nun ja, der erste Wermutstropfen war schonmal, dass sie jeden Tag in der Uni arbeiten muss, sich ihre 25h also nicht auf ein paar Tage zusammenziehen kann. Das nächste ist, dass ihr Chef große Erwartungen an sie hat und sie sich für ihre Promotion in ein komplett neues Themengebiet einarbeiten muss. Er stellt ihr große Chancen in Aussicht, falls sie sich das schnell aneignet (Zusammenarbeit an einem Buch, internationale Tagungen), es ist also ordentlich Druck da und momentan sieht fast jeder Tag bei ihr so aus, dass sie früh um 8 das Haus verlässt und gegen 21 Uhr wieder da ist. Seit sie arbeitet (also seit Anfang April), haben wir uns zweimal gesehen, einmal kam sie zu mir, einmal habe ich sie besucht, je für fünf Tage. Dabei habe ich auch zum ersten Mal ihre Familie kennengelernt.

    Vor zwei Wochen starb ihr Vater, den ich nie kennengelernt habe... und seitdem war alles anders.

    Natürlich ist das ein massiver Schlag, das ist mir schon klar, aber sie meinte auch, dass sie da merkte, dass etwas bei uns nicht stimmte. Ein großer Fehler von mir war, dass ich sie nicht gefagt habe, ob ich kommen soll, ob sie mich braucht (sie war schon immer sehr wortkarg, redet nie wirklich darüber, wie es ihr geht, und alle Signale von ihr diesbezüglich wurden für mich zu einem "Ja, es ist schlimm, aber es geht Dich nichts an, das ist eine Familiensache" und so fragte ich nichtmal. Sie merkte dabei auch, wie sehr es ihr fehlt, einfach mal in den Arm genommen zu werden, "Was bringt mir ein Freund, wenn er nicht da ist, wenn ich ihn brauche" (und das bezog sich jetzt nicht nur auf den Tod ihres Vaters, sondern allgemein... es kann ja auch so einfach mal etwas schlimm sein, und dann bin ich ja auch nicht da).

    Sie sagt, sie hat keine Kraft mehr, braucht Zeit für sich, funktioniert nur noch... und sie meinte, sie denke darüber nach, ob es nicht besser wäre, einen glatten Schnitt zu setzen und die Beziehung zu beenden, denn sie meinte, wenn sie abends heimkommt ist sie einfach nur fertig und hat eigentlich gar keine Lust mehr zu telefonieren. Wir haben uns jetzt in den letzten zwei Wochen vielleicht dreimal gehört und jedesmal hat sie kaum etwas gesagt. Ich habe ihr einen Brief geschrieben, in dem ich ihr schrieb, wie es dazu kam, dass ich nicht zu ihr gefahren bin, als es ihr so schlecht wegen ihrem Vater ging, dass ich auch ohne Probleme mal für zehn Tage oder so zu ihr kommen kann und wir arbeiten dann unter der Woche ganz normal und sehen uns halt abends, dass ich für die Beziehung kämpfen will, dass ich ihr helfen will.

    Es kam keine Antwort... Gestern haben wir wegen nächster Woche telefoniert. Am Freitag ist Absolventenfeier an der Uni, da kommt sie und wir wollen alles mal von Angesicht zu Angesicht besprechen. Sie hörte sich so leer an... so leise, kraftlos. Ich würde ihr so gerne beistehen und weiß nicht wie, weiß nichtmal, ob sie das will. Ich kenne sie so nicht.

    Und ich habe keine Ahnung, wie ich am Freitag mit allem umgehen soll... Bin ich zu offensiv, setze ich sie unter Druck, sie macht zu und das wars. Bin ich zu defensiv, wars das, weil keiner etwas tut...
     
    #1
    casrin, 14 Juni 2009
  2. HughAshmead
    0
    so wie du schreibst, sieht es wohl nicht so gut für euch aus...

    Meine Mutter ist vor einem Jahr gestorben, daher kann ich ihre Situation ein wenig verstehen.

    Das stimmt, dass es ein Fehler war. Andererseits hätte sie ja auch sagen können, dass sie dich braucht.

    Mir ging es genauso.
    Wenn man es nicht selber erlebt hat, kann man sowas wohl nicht 100 %ig nachvollziehen. Es zermürbt einen ungemein, wenn ein Elternteil langsam stirbt. Auf der einen Seite weiß man, dass er sterben wird, man hat riesige Angst vor dem Moment. Andererseits hat man immernoch diesen dünnen Strohhalm namens Hoffnung. Hoffnung darauf, dass wieder alles normal wird. Aber der Verstand sagt einem, dass das nicht der Fall sein wird.
    Dieses schleichende Ende lässt einen emotional absterben. Im Nachhinein kommt mir die Zeit so vor, dass ich wie ein Roboter gehandelt habe... Ich weiß, es hört sich sehr komisch an, aber es ist schwer zu beschreiben. Man ist emotional einfach so sehr auf den Tod des Elternteils fixiert, dass man seine Umwelt nicht wahrnimmt.
    Und wenn dann noch die Arbeit dazu kommt, wie soll man da die Zeit finden, die man für sich selber braucht?

    Ich verstehe dich, dass du an ihr hängst, ich bin ja auch gerade in so einer Situation. Aber in solchen Zeiten braucht man viel Zeit für sich selber. Es beginnt ja für sie ein komplett neuer Lebensabschnitt.

    Ich denke, du kannst ihr am besten helfen, indem du ihr einfach ab und zu mal ein paar nette Zeilen schreibst. So zeigst du Flagge, lässt ihr aber die Freiheit und Zeit, sich zu melden, wann sie will.
    Sei nett zu ihr, aber nicht so sehr, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlt.

    Kommenden Freitag würde ich mich auch so verhalten. Einfach offen darüber sprechen, dass es dir leid tut, sie nicht gefragt zu haben und dass du an euch glaubst. Danach kannst du dann nur noch ihre Reaktion abwarten...

    Ich hoffe, ich habe das nicht zu pessimistisch geschrieben. Aber außer dezent Präsenz zeigen und warten, habe ich leider keinen Tipp für dich.
     
    #2
    HughAshmead, 14 Juni 2009
  3. casrin
    casrin (35)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    28
    86
    0
    Single
    Danke für die Antwort...

    ich hatte ihr das auch schon gesagt, dass ich ihr alle Zeit geben will, die sie braucht, dass ich immer da bin, wenn sie es möchte, dass ich ihr gerne zuhören will, für sie da sein will.

    Ich kann nur nicht nachvollziehen, warum sie sich gar nicht meldet... nichts von sich erzählt, was sie bewegt. Ich denke ich wäre an ihrer Stelle froh, jemanden zum Reden zu haben, und dann denke ich weiter, ob sie mir nicht mehr vertraut? Ich weiß, dass diese Überlegungen nichts bringen, dass sie nicht ich ist, dass sie vielleicht wirklich diese Einsamkeit braucht, um ihr Leben zu ordnen.

    Ich habe halt nur Angst, dass sie, wenn sie eh schon alleine mit allem klar kommen muss, sie dann auch in Zukunft lieber alleine sein will, als das Auf und Ab (Sehen, Nicht-Sehen) einer Fernbeziehung zu haben...

    /Edit: Das im ersten Post, dass sie abends fertig heimkommt und eigentlich gar nicht mehr telefonieren kann sondern nur noch schlafen will, das war schon vor dem Tod ihres Vaters...
     
    #3
    casrin, 14 Juni 2009
  4. HughAshmead
    0
    Bei mir war es so, dass ich ein paar Stunden nach ihrem Tod meinen Freunden eine Email geschrieben hab, in der stand, dass sie gestorben ist, ich jetzt erstmal meine Ruhe brauche und mich melden werde, wenn ich denke, dass ich es will.
    Da ist jeder Mensch anders, sie braucht ihre Ruhe, andere brauchen möglichst viele zum Reden...

    Ich denke nicht, dass sie jetzt schon groß an eure Zukunft denkt. Dafür hat man noch keinen Kopf. Im Moment versucht sie wahrscheinlich, so gut mit der Situation zurecht zu kommen, wie es geht. Dass sie nicht unbedingt noch "Kapazitäten" im Kopf für dich hat, kann ich neben ihrer Arbeit und der (auch bürokratischen) Abwicklung des Todesfalls, verstehen.

    Deine Ängste verstehe ich gut. Andererseits, wenn du könnte es sich letztlich positiv für dich auswirken, wenn du ihr jetzt so viel Verständnis entgegen bringst, wie du kannst. Dann wird sie vielleicht nach der ganzen Sache merken, dass du eigentlich doch gar nicht so schlecht bist :zwinker:

    Hättest du nach einem anstregenden Arbeitstag noch Lust, zu telefonieren und über deine Gefühle zu reden, wenn du keine Zeit hast, sie mal in Ruhe zu ordnen? Auch wenn ihr Vater noch am Leben war, ist man in Gedanken doch jede Minute bei ihm.
     
    #4
    HughAshmead, 14 Juni 2009
  5. casrin
    casrin (35)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    28
    86
    0
    Single
    Ja, ich denke an Deinen Worten ist vieles dran, was (auch) hier zutrifft... Ich hoffe einfach, dass ich für sie da sein kann, dass (nüchtern gesprochen) wir beide zusammen mehr voneinander haben als jeder nur für sich und sie sieht, dass die Beziehung es wert ist, dafür zu kämpfen
     
    #5
    casrin, 14 Juni 2009

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