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ein verhängnisvolles Hobby

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von ogelique, 24 Juli 2004.

  1. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    Endlich mal ein gemütlicher, ruhiger Frauenabend.
    Zum ersten Mal seit einigen Monaten ist mir so ein reiner, süßer, leckerer Abend gelungen, ohne das nervige Stylen, ohne das ständige Baucheinziehen und die Konkurrenz, die die Herren der Schöpfung stets durch ihre Anwesenheit hervorrufen.
    Gerade, als ich das fünfte Stück Familienpizza mit Salami, Schinken, Chamignons, einer extra Portion Käse und noch so kleinen grünen Teilchen, deren Name mir gerade nicht einfällt, verdrückte und zum tausendsten Mal in meinem Leben mit den Mädels den letzten Tanz von „Dirty Dancing“ anschaute, klingelte mein Handy.
    Die vage Vermutung, dass es ein störender Faktor war, ein Angehöriger der an diesem Abend ausgeschlossenen Spezies, lag nahe und bestätigte sich sogleich, als ich die Stimme von Philipp hörte.
    „Hi“, sagte er. Ich verschluckte mich an meiner Pizza: „Ääähhm... Hiiii...“ „Störe ich?“, fragte er und klang derart traurig, dass ich nicht „ja“ sagen konnte und ihm sogar erlaubte, mich zu besuchen. Tja, meine schwache Seite ist es definitiv, meinen Freunden helfen zu wollen, sollte ich mir auf alle Fälle demnächst mal abgewöhnen.
    Als ich auflegte, starrten mich meine Mädels verdutzt an. „Du gehst? Nur, weil irgendein Idiot angerufen hat?“
    Philipp war kein Idiot. Er war sozusagen mein bester Kumpel, meine Seelsorge-Nummer. Der einzige Hacken daran war, dass er mein Ex-Freund war und zumindest in meiner Beziehung ihm gegenüber da immer noch etwas Anderes mitspielte, als bloße Sympathie. Diese Geschichte lag aber schon so lang zurück, dass er sich nicht einmal mehr daran erinnern dürfte. Deshalb konnte ich normalerweise ungehemmt und ganz harmlos mit ihm flirten, er flirtete zurück und das Ganze führte gewöhnlich zu nichts, außer hin und wieder mal einem kurzem Mitleids-Techtelmechtel. Ansonsten stellten wir beide eine kleine Selbsthilfegruppe dar.
    Also flitzte ich nach Hause und schon stand er vor meiner Tür.
    Hübsch, wie eh und je und in der Hand hielt er... “Ich habe noch eine Familienpizza mit Salami, Schinken, Champignons, einer extra Portion Käse und Kapern gekauft.“ Ach, so heißen diese grünen Dinger!
    Er lächelte mich schwach an und stellte die Pizza, von der ich nicht einen einzigen Stück mehr zu verschlingen in der Lage wäre, auf den Tisch, machte sie auf und sagte: „Ich dachte, du würdest Hunger haben.“ „Aber sicher“, beruhigte ich ihn. „Ich war ja bei der Lena, Frauenabend, da gibt es nie was zum Essen.“ – und würgte mir noch einen Bissen des mir langsam verhaßt werdenden Fraßes rein.
    „Und jetzt erzähl, was los ist“, forderte ich ihn auf. Denn es war keineswegs selbstverständlich, dass Philipp mich abends besuchen kam, einfach so, überstürzt, ohne vorher anzukündigen, dass er irgendwie auf Entzug wäre, ihr wißt schon, was ich meine.
    Klar, er hatte oft Frauenprobleme, von denen er mir in allen Einzelheiten erzählte. Wie ihn eine Katja verlassen hat, weil er ihr zu kindisch war, z. B. „Och, das tut mir aber Leid!“ hatte ich gesagt und dachte ‚Endlich ist sie weg!‘, wie schlecht im Bett die Danie gewesen ist habe ich auch erfahren und musste mich unwillkürlich fragen, ob es ok ist, wenn ich ihm nicht allzu viel Mitleid entgegenbrachte.
    Was war es diesmal? Ich begann mir gerade vorzustellen, dass er mir eine Liebeserklärung machen würde (zu viel „Dirty dancing“ geschaut?), sich niederknien, mir die immer ekeliger duftende Pizza aus der Hand nehmen,...
    „Ich habe mich mit Christina gestritten.“
    Christina? Ach, die! Seine neue Freundin, die mit dem tollen Körper (das wollte ich auch schon immer wissen!).
    „Ach nein“, ich streichelte ihm den Unterarm. „Willst du mir erzählen, worum’s ging?“
    Nein, nur das nicht. Mein zweiter Schwachpunkt war, dass ich immer und jedem als Privatpsychologe zur Verfügung stand.
    „Sie fragte mich, wie ich mir die nächsten zehn Jahre meines Lebens vorstelle.“
    Philipp? Ich musste innerlich lachen. Er denkt ja noch nicht mal an morgen!
    „Und dann sagte sie, dass sie sich die nächsten 10 Jahre nicht mit mir und meinem grünen Hobby vorstellen kann.“
    Ach, das! Nun ja, jetzt wußte ich, weshalb wir zwei nicht mehr zusammen waren. Ich schaute ihn ernst an.
    „Du weißt, dass sie Recht hat, Philipp!“
    „Ja, aber was soll ich denn tun? Ich rauche ja fast nicht mehr, seit ich mit ihr zusammen bin.“
    „Dich hat es wohl richtig erwischt, was?“, stellte ich fest.
    „Ich glaube schon.“ Er schaute mir noch nicht mal in die Augen, sondern irgendwo anders hin, auf den Boden, auf die Pizza oder so.
    Genau das, was ich hören wollte. Philipp, mein Alter Philipp, der seit unserer Beziehung nur kurzlebige Eintags- und Zweiwochenfliegen hatte, war verliebt. In Christina – was für ein bescheuerter Name, übrigens. Seit dem Tag, an dem wir uns getrennt haben, war es der schönste Moment für mich. Einfach toll, wenn man seinen Ex in allem unterstützen kann und wenn er einem alles anvertraut. Ich freute mich wirklich für ihn, die Frage war bloss: Was wollte er mit SO einer?
    „Willst du sie nicht mehr?“ – die vertraute Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
    „Wen? Was?“
    „Na, die Pizza!“
    „Ich glaube, ich bin schon satt“, erwiderte ich wahrheitsgetreu, nachdem ich einen leichten Würgreflex verspürte.
    „Ich habe sie extra für dich gekauft. Deine Lieblingspizza.“
    In seiner Stimme lag so eine Traurigkeit, dass ich mich nicht zurückhalten konnte und noch ein kleines Stückchen abbiss, mir gleichzeitig schwörend, sie nie wieder auch nur anzurühren.
    „Danke, lieb von dir“.
    Er senkte den blonden Kopf, legte ihn in seine zärtlichen Hände (verdammt!) und fragte: „Was soll ich denn bloss machen?“
    Irgendwie musste ich ihm helfen, ehrlich. Ich konnte nichts für meinen Helfersyndrom, ich bin einfach viel zu sozial, viel zu nett, was sollte ich denn tun?
    „Willst du wirklich damit aufhören?“, fragte ich teilnahmsvoll und fügte, nachdem er kurz nickte, hinzu: „Ich glaube, du solltest eine Therapie machen. Aber zuerst iß etwas Pizza, beruhige dich und dann denken wir weiter darüber nach.“
    Ich sah ihm zu, während er genüßlich den italienischen Feind verschlang und versuchte tief durchzuatmen, um nicht sofort spucken zu müssen.
    Nachdem er fertig war, konnte ich einen Triumphschrei kaum unterdrücken, während er mich angrinste und fragte: „Fangen wir jetzt gleich mit der Therapie an?“

    Ich konnte wirklich nichts dafür, es ist nunmal eine Gewohnheit, meinen Freunden zu helfen...
     
    #1
    ogelique, 24 Juli 2004
  2. seki#2
    Gast
    0
    Du solltest Psychologin werden, da wirst du sicherlich immer reichlich Patienten haben :tongue:


    jeddoch wirklich heilen, wirst du wohl niemanden :rolleyes2
     
    #2
    seki#2, 25 Juli 2004
  3. PreacherMan
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    Single
    Wieder einmal eine wirklich hervorragend geschriebene Geschichte.
    So macht lesen Spaß - Weiter so!
     
    #3
    PreacherMan, 25 Juli 2004
  4. TermUnitX
    Gast
    0
    Yeh, wiedermal eine Geschichte der Marke ogelique, kompakte Menschenkenntnis. War beim Lesen sehr gespannt auf's Ende der Geschichte und was aus der Pizza wird... :zwinker: Hast du noch einen Termin frei? :grin:
     
    #4
    TermUnitX, 29 Juli 2004
  5. ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Verheiratet
    @seki: Wie, du zweifelst meine psychologischen Fähigkeiten an!?!

    @PreacherMan: Danke, ich hab' mir Mühe gegeben und werde natürlich weitermachen :smile:

    @Term: Mal sehen, muss mal in meinen Terminkalender schauen *ggg*
     
    #5
    ogelique, 29 Juli 2004

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