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Eine Katzen-Liebesgeschichte zur Weihnachtszeit

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Shiny Flame, 23 Dezember 2007.

  1. Shiny Flame
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    Verlobt
    Neulich hat mir jemand erzählt, dass er mich liebt, mich, die Katze Anastasia. Es war Angelo, der coolste, tollste, bestaussehendste Kater unserer Straße, und er kam in der Nacht bei Mondschein auf mich zu und sang mir ein Liebeslied. Es war eine verzauberte Nacht, wir spielten und liebkosten uns bis weit in den Tag hinein. Für ein Mädel, das sonst immer nur süüüüüüüüß oder „blödes Katzenviech“ ge-nannt wurde, war es eigentlich fast zu viel des Glücks.

    Das dicke Ende kam nur wenig später. Als ich, innerlich immer noch auf Wolke sieben schwebend, auf leisen Pfoten in die Menschenwohnung zurückgeschlichen kam, um etwas zu fressen und dann in Gedanken diese Nacht wieder und wieder zu durchleben, wurde ich brutal am Nackenfell gepackt und in die Wohnung gezerrt. Es war Blabla Eins, die Mutter der Menschenfamilie. Zur Strafe für’s Herum-streunen wurde ich eingesperrt, damit ich mich nicht erkälte! Das zeigt mal wieder, wie wenig Ahnung die Menschen vom wirklichen Leben haben. Wie soll ich mich erkälten, wenn mein Herz vor Liebe brennt?

    Jetzt sitze ich oft am Fenster und sehne mich nach Angelo. Wenn er mich wirklich so liebt, wie ich ihn liebe, müsste er dann nicht kommen und mir in meiner Gefangenschaft beistehen? Aber die Um-stände sind gegen uns.

    Eine quäkige Stimme krakeelt: „Komm, Mauzi, will dich auf Arm nehmen und Omi zeigen!“

    Es ist das laute Kind. Ich hasse sie, dafür, dass sie mich aus meinen traurigen Gedanken reißt. Ei-gentlich müsste ich sie dafür anfauchen, aber sie ist noch klein. Deshalb begnüge ich mich mit einem verächtlichen Blick, um ihr klar zu machen, wie würdelos sie sich verhält. Aber das ist umsonst. Sie streckt die runden Ärmchen aus und versucht, mich in den Bauch zu kneifen und von der Fensterbank zu zerren. Fast verliere ich das Gleichgewicht und falle von der Fensterbank nach unten, nur meine blitzartig ausgefahrenen Krallen retten mich vor dem Sturz.

    Dummerweise kriegt das schreckliche Kind dabei einen Kratzer auf die Wange und schreit wie ein Kaninchen in Todesangst. Hat sie auch verdient. Aber als Blabla Eins, die Mutter, herbeigeeilt kommt, ziehe ich es doch vor, still und heimlich an ihren Beinen vorbei zu streichen und über die Kommode auf den Wohnzimmerschrank zu klettern. Da bin ich vorerst in Sicherheit. Aber meine melancholische, sehnsuchtsvolle Stimmung ist natürlich zum Teufel. Wie ungerecht die Welt manchmal ist!

    Jetzt muss ich erst mal abwarten, bis die scheinbar tödliche Wunde des kleinen Kindes verarztet ist. Gemeinerweise haben diese Menschen mir, einer geborenen Anastasia, den Namen Maunzi verpasst, weil ich angeblich immer maunze, um die mir zustehenden Speisen zu erhalten. Deshalb habe auch ich die Familie nach den Geräuschen, die sie von sich gibt, benannt. Zum Beispiel nenne ich die Mutter Blabla Eins und die große Tochter Blabla Zwei. Der Vater heißt für mich der Selbermacher, weil er ständig sagt: "Muss man denn hier alles selber machen?“. Den Sohn nenne ich den großen Schweiger, weil er immer nur über seinem Gameboy oder vor dem Computer sitzt, und dem kleinen Schreihals habe ich noch keinen richtigen Namen gegeben. Obwohl, Schreihals trifft es eigentlich ganz gut.

    Heute ist diese Familie wirklich wie vom tollwütigen Hund gebissen. Alle spielen verrückt, motzen sich wegen Kleinigkeiten an und ich habe wohl keine Chance darauf, noch mal längere Zeit auf der Fens-terbank an meinen Angelo zu denken.

    Heute morgen zum Beispiel hat der Selbermacher einen grünen Nadelbaum ins Wohnzimmer ge-stellt, stundenlang mit komischen Plastikgeräten hantiert und alle entweder weggeschickt oder herge-brüllt, um Hilfe zu haben. Aber das sollte nicht endlich der Kratzbaum sein, auf den ich schon so lange warte, oh nein, daran denkt natürlich keiner. Ich wurde nicht mal in die Nähe davon gelassen. Ziemlich merkwürdig.

    Blabla Zwei, die Tochter, hat in ihrem Zimmer einen herrlichen Katzenspielplatz aus raschelnden Papierfetzen und zuckenden Schnüren gebaut. Endlich eine verständnisvolle Seele, die eine tragisch Liebende von ihrem Herzschmerz ablenken wollte, dachte ich mir und schlich mich an, um das Papier zu zerfetzen. Denkste! Am Nackenfell gepackt wurde ich und aus ihrem Zimmer geschleift, oh ja, das hat sie gewagt! Nicht mal auf mein klägliches Maunzen hin wurde mir wieder aufgemacht. Da hat es mir gereicht mit dem Hausarrest und den Schikanen. Aus Rache habe ich dann eine Pfütze vor ihre Tür gemacht. Gab aber bloß noch mehr Geschrei, als sie hineintrat.

    Blabla Eins, die Mutter, fängt jetzt an, jede Menge Glitzerzeugs, in dem sich die Krallen verhaken können, an den Baum zu hängen, den der Selbermacher heute morgen aufgestellt hat. Langsam begreife ich, was uns bevor steht. Weihnachten, das Fest der Liebe. Von dem der schwarze Metallkasten im Wohnzimmer schon seit Wochen sprudelt, wenn er nicht gerade die neuesten Morde an Kleinkindern verkündet oder versucht, uns zu überreden, eine volle Kastenversicherung fürs Auto zu kaufen. Weih-nachten. Dafür spricht auch der Tannenkranz, der auf dem Wohnzimmertisch liegt und die Wohnung in einen angenehmen Duft hüllt.

    Jetzt hat Blabla Eins alle Kerzen am Baum festgesteckt und fängt an, die glitzernden Kugeln an den Baum zu hängen. Wie herrlich die schaukeln, fast möchte ich mich draufstürzen und sie jagen, aber ich kann mir schon denken, dass das auch verboten ist. Für uns Katzen ist Weihnachten eben ein Fest der Verbote.

    Gerade kommt auch der Selbermacher ins Zimmer und küsst Blabla Eins auf den Nacken. Vor lauter Schreck lässt sie eine Glaskugel fallen, und er weicht zurück. „Kannst du nicht mal einen Weihnachts-baum schmücken, Brigitte? Muss man denn alles selber machen?“ Als sie wortlos in die Küche geht um eine Kehrschaufel zu holen, beginnt der Selbermacher, weitere Kugeln aufzuhängen, lässt aber auch eine fallen. Schnell schiebt er die Scherben zu denen von Blabla Eins, um dann mit betont unschuldigem Gesicht weiterzumachen.

    Als Blabla Eins mit dem Fegen fertig ist, nimmt er sie in den Arm und presst kurz seine Lippen ge-gen ihre, als wolle er ihr etwas in den Mund schieben. „Ach Schatz, ich liebe dich. Was würde ich nur ohne dich tun?“, seufzt er. Blabla Eins wird ganz rot und fängt an, sich mit schmachtender Miene an den Selbermacher zu hängen. Hah! Wenn die wüsste, dass er das nicht nur ihr erzählt, sondern auch dem blöden Klingelgerät, dem Telefon im Flur!

    Blabla Zwei, die Tochter, kommt jetzt rein und bringt ihre Eltern dazu, schnell auseinander zu fah-ren. „Kommt ihr endlich? Wenn wir jetzt schon in die Kirche gehen müssen, dann lass uns wenigstens pünktlich sein!“ Ihr Ton ist genervt, und ich entsinne mich an eine Diskussionen in den vergangenen Tagen, die sich alle darum drehten, dass das Mädchen es blöd findet, das ganze Jahr von der Kirche wegbleiben zu dürfen und Weihnachten hinzumüssen. Sie hat oft genug geschrieen, dass ihr das scheinheilige Gefasel dort auf den Nerv gehen würde, deshalb erinnere ich mich noch dran. Aber wie ich sehe, hat sie ihren Protest anderwertig zum Ausdruck gebracht. Ihre Haare sind blau, und sie trägt eine Jeans, die mehrfach eingerissen und mit Sicherheitsnadeln zusammengesteckt sind.

    Jetzt gibt es richtigen Lärm. Schreie, Tränen, „Ihr seid alle so gemein!“, und ich verstecke meine Nase unter meinen Pfoten und tue in meinem Versteck so, als wäre ich gar nicht da. Wenn sie doch bloß alle endlich weg wären!

    Irgendwann knallt die Haustür ins Schloss und ich weiß, dass ich jetzt alleine bin. Steif bewege ich mich wieder zu meinem Fensterplatz, von dem ich rausgucken kann, wenn ich schon nicht raus kann, um nach Angelo zu suchen. Aber nach einiger Zeit, was für ein Weihnachtswunder, kommt Angelo statt-dessen tatsächlich zu mir. Auf der anderen Seite der Scheibe sitzt er, und wir drücken uns die Nase an der Scheibe platt, erzählen uns maunzend, wie sehr wir uns vermisst haben und wie schlimm es ist, dass diese Scheibe uns trennt. Jetzt bin ich glücklich, denn er hat mich nicht vergessen.

    Ich weiß nicht, wie lange wir so gesessen und die Scheibe fleckig gemacht haben. Irgendwann höre ich die Schritte meiner Menschen, die durch den Schnee die Auffahrt hochstapfen. Wie der Blitz sause ich in den Flur und verberge mich im Schatten, um beim ersten Öffnen der Tür davonzulaufen. Und dann hat mich die Freiheit wieder!

    Meine Menschenfamilie sieht mir verdutzt hinterher, aber ich bin natürlich viel zu schnell für sie. Sie scheinen alle glücklich, obwohl ich doch gerade ausgerissen bin und sie sich den Tag über nur ge-stritten haben. Jetzt werden sie also endlich den verdienten Lohn für den strapaziösen Tag genießen, zusammen auf die brennenden Kerzen gucken und sich wie eine glückliche Familie fühlen. Ich gönne es ihnen, denn ich bin jetzt wieder da, wo ich hingehöre: bei Angelo, mit dem ich unter dem strahlenden Firmament ein eigenes Fest der Liebe feiere.
     
    #1
    Shiny Flame, 23 Dezember 2007
  2. User 77157
    User 77157 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    2.512
    123
    6
    vergeben und glücklich
    eine tolle geschichte :herz: :smile:
     
    #2
    User 77157, 25 Dezember 2007
  3. User 25480
    Verbringt hier viel Zeit
    884
    113
    65
    vergeben und glücklich
    Wirklich schön geschrieben :jaa:
     
    #3
    User 25480, 25 Dezember 2007

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