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Eine schwere Zeit

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Fortuna*, 8 April 2007.

  1. Fortuna*
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    Single
    Teil 1:

    Der Kopf dröhnt, der Mund fühlt sich trocken an und das Zimmer ist dunkel bis auf die kleine rote Leuchte des Fernsehers.
    Caro schlägt mit der linken Hand benommen auf ihren Wecker. Es ist 4.13 Uhr. Gerade mal eine Stunde Schlaf, nach der durchzechten Nacht. Es ist Samstag, sie muss nicht zur Schule und kann sich auch am Nachmittag noch mal für ein paar Stündchen hinlegen. Jetzt geht es nicht mehr...
    Zu viele Gedanken schwirren Caro im Kopf herum. Wage Erinnerungen an den gestrigen Abend, ihre Freundinnen, mit denen sie ihren Frust mit Alkohol betäubt hat, die Männer, mit denen sie getanzt hat... Ja, es hat gut getan sich abzulenken, nicht mehr an ihn zu denken und kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil sie es nicht lassen konnte, mit den netten Engländern vom Nebentisch zu flirten.
    Aber jetzt, wo die Wirkung des Alkohols langsam nachlässt, kommen die Gefühle zurück. Der Schmerz der letzten Wochen, von dem sie sich immer wieder abgelenkt hat, um sich nicht von ihm auffressen zu lassen, macht ihr in einsamen Stunden sehr zu schaffen.
    Caro macht ihre Nachttischlampe an, zieht die Hausschuhe an und schlurft noch leicht schwankend in die Küche. Das Licht brennt noch, es steht ein Aschenbecher auf dem Esstisch und die Asche der Zigaretten liegt verstreut überall, nur nicht in dem dafür vorhergesehenen Aschenbecher. Eigentlich raucht sie ja nicht, aber seit der Trennung von Fabian hat sie öfter als eigentlich gewollt zur Schachtel gegriffen. Sie konnte nicht wartend an der Bushaltestelle stehen, die Tasche umklammernd, und sich die vielen verliebten Pärchen anschauen, die im Frühling wie die Narzissen aus allen Löchern zu sprießen scheinen. Sich an etwas zu klammern, nicht nur dazustehen und nichts zu tun, das hat etwas beruhigendes. Hinzu kommt, dass sie nach jedem Zug ein Gefühl des Betrunkenseins in sich aufkommen spürte...
    Ja, es ist schwach sich so gehen zu lassen, einmal mehr den Abend in einer Kneipe zu verbringen, mit Alkohol und Zigaretten, fliehend vor dem Alltag, der Caro doch immer wieder einzuholen scheint.
    Sie öffnet den Kühlschrank, holt eine Flasche Milch heraus, nimmt einen großen Schluck und spuckt es geradewegs wieder in die Spüle. Die Milch scheint auch nicht mehr die frichste zu sein. Wann war sie das letzte Mal einkaufen gewesen? Es kommt ihr wie eine halbe Ewigkeit vor. Die letzten Tage hatte sie sich nur von Kaffee und Nudelsuppe ernährt. Hunger hatte sie keinen, geschweige denn Appetit, sie bemerkte nicht, dass sich ihr Körper bereits veränderte, die zarten Pölsterchen um die Hüften wurden schon kleiner und ihr Gesicht sah markanter aus. Geschminkt wurde sich nur, wenn sie mit ihren Freundinnen abends in den angesagtesten Club der ganzen Stadt ging, was nicht allzu häufig vorkam. Aber dort fand sich immer ein Kerl, der ihr das Gefühl gab, wenigstens für einen kleinen Augenblick begehrenswert zu sein.
    Caros Kopf brummt. Sie nimmt sich eine Aspirin aus dem Schrank, füllt ein Glas mit Wasser, und schluckt hastig die Tablette hinunter. Es ist alles zuviel für sie... Ihr Kopf wird schwer sie stützt ihn in die Hände und fängt an zu weinen. Die ganze Last, die sie mit sich trägt, fällt für einen kurzen Moment von ihren Schultern. Sie hat Fehler gemacht, sie war nicht immer ehrlich gewesen in der Beziehung mit Fabian. Wenn sie könnte, würde sie einiges rückgängig machen...
    Sie würde die kleinen Lügen, die so viel angerichtet haben revidieren, würde die Wahrheit erzählen und von Anfang an mit offenen Karten spielen. Aber hätte das am letztendlichen Ergebnis etwas geändert? Hätte Fabian sie nicht verlassen, und wären sie dann jetzt glücklich gewesen? Nein...es hätte ja nichts an Caros Gefühle ihm gegenüber geändert! Es war ein Fehler, diesen anderen Kerl heimlich zu treffen, ohne Fabian etwas davon zu sagen. Der Kuss war, wenn er auch schön war, ein Fehler. So etwas macht man nicht, während man in einer Beziehung steckt. Und erst recht trifft man sich nicht erneut mit ihm, lässt sich in seinen Armen trösten, fühlt sich geborgen und küsst ihn erneut!
    „Nein, nein, nein!!“, Caro schlägt ihren Kopf auf den Tisch. Die Tränen fließen über ihr Gesicht und fallen auf ihre Oberarme. „Wieso passiert so etwas immer nur mir? Warum finde ich nicht den perfekten Mann, der einfach für mich da ist, wenn ich ihn brauche, der selbst nicht so viel mit sich zu kämpfen hat?!“. Sie ballt die Faust und schlägt auf den Tisch. Trotz des immerwährend anhaltenden Strom an Tränen, steht Caro auf, läuft ins beleuchtete Schlafzimmer, zieht sich ihre alte Trainingshose und eine Jacke über, und verlässt die Wohnung. So wird sie ja doch nicht einschlafen können.
    Draußen ist es kalt. Caro zieht die Jacke noch etwas fester zu, überquert die Straße und läuft in Richtung Altstadt. Es fängt an zu regnen; die letzten Kneipenbesucher machen sich, meist betrunken, auf den Weg nach Hause, torkeln gröhlend durch die Straße und halten sich lachend in den Armen. Manche pfeifen Caro hinterher, sagen Sprüche wie „Na Süße, so spät noch alleine unterwegs?“, doch sie lässt sich davon nicht beirren. Sie will mit niemandem reden, keiner kann ihr im Moment helfen.
    Ihr Haar wird nass, der Regen wird eins mit ihren Tränen und Caro macht keine Anstalten, ihre Haare aus dem Gesicht zu streifen.
     
    #1
    Fortuna*, 8 April 2007
  2. Hagakure
    Hagakure (29)
    Verbringt hier viel Zeit
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    65
    Single
    Ich hasse dieses Selbstmitleid.

    Frauen bereuen ihre Fehler nur wenn es ihnen danach schlecht geht.
    Ansonsten ist es ihnen so egal was sie falsch gemacht haben...

    Trotzdem schln geschrieben, Respekt.
     
    #2
    Hagakure, 30 April 2007
  3. User 77157
    User 77157 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    6
    vergeben und glücklich
    schön geschrieben, auch wenn ich hagakure da zustimmen muss.
     
    #3
    User 77157, 24 August 2007

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