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eine Zugfahrt durch das Leben

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von User 133, 23 September 2003.

  1. User 133
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Ich erinnere mich daran, was ich gefühlt habe, wenn ich als Kind mit dem Zug verreist bin. Es kam selten vor, deswegen war es für mich immer ein grosses Abenteuer. Ich hatte das Gefühl, dass nicht nur die halbe Welt an mir vorbei fuhr, sondern auch mein ganzes Leben. Alles liess ich hinter mir. Meine Heimat (das einzige, was ich wirklich liebte), meine Familie (in der ich mich nicht geliebt fühlte), meine Freunde (die hinter meinen Rücken über mich lästerten) und all meine Sorgen. Ich war bereit ein neues Leben anzufangen. Aber der Zug brachte mich nicht in ein neues Leben, sondern nur an einen anderen Ort und ich kehrte immer wieder zurück.
    Das alles ist jetzt Jahre her. Das Zugfahren ist für mich zur Gewohnheit geworden und das Gefühl habe ich schon lange nicht mehr gespürt. Bis heute Abend, nur ein wenig anders. Ich habe gelernt, dass man nicht unbedingt dort zu Hause ist, wo man das halbe Leben verbracht hat, sondern wo man sich geborgen fühlt. Ich habe gelernt, dass ich wundervolle Eltern habe, die mich über alles lieben und die alles für mich machen würden. Und ich habe gelernt was wahre Freundschaft ist und wie sie sich anfühlt. Und doch sitze ich hier im Zug und verlasse all dies.
    Es ist dunkel. Manchmal entdeckt man die Lichter der Kleinstädte, die am Wegesrand liegen. Das Liegeabteil ist halb voll, das Licht ist aus, alle versuchen zu schlafen, nur ich habe noch die Leselampe an, um meine Gedanken aufzuschreiben. Züge fahren laut an uns vorbei, nur ein paar Sekunden, dann ist wieder Stille. Man hört das Rattern der Schienen, einschläfernd monoton. Der Zug hält. Das grelle Licht des Bahnhofes fällt in das Abteil. Vom Gang hört man die Gespräche der anderen Fahrgäste. Eine Gruppe von älteren Personen, alle mit einem Bier in der Hand. Ich bin mir sicher, dass es sich nicht lohnen wird zu lauschen. Ich kann es kaum erwarten, dass der Zug weiter fährt. Ich schaue auf die Uhr. Die Zeit vergeht immer dann am langsamsten, wenn man am ungeduldigsten ist. Es ist nicht so, dass ich schnell weit weg von zu Hause will, ich will nur schnell mein Ziel erreichen, ich will zu meinem anderen zu Hause. Es ist schon erstaunlich, was man alles macht, um einen bestimmten Menschen zu sehen. Aber wenn ich an ihn denke, kommt mir das ganze gar nicht so grossartig vor. Ich betrachte es eher als selbstverständlich. Denn ich würde alles für diesen Menschen tun, ich würde so viel aufgeben um ihn sehen zu können, da sind die paar Reisen und die ganzen Kosten doch das Mindeste. Ich zähle die Stunden, die Minuten. Wann sind wir bald da?

    Aber wenn ich all meine Erinnerungen, Gefühle, Sehnsüchte, Erwartungen usw. mal ausblende, wird mir eines immer mehr bewusst: Meine Kindheit hatte schöne, aber auch traurige Momente. Aber das spielt keine Rolle mehr, dann das alles ist vorbei. Nach all den Jahren habe ich es wirklich geschafft erwachsen zu werden. Das hört sich für viele total selbstverständlich an, aber ich finde es ist etwas Erstaunliches. Vor ein paar Jahren habe ich von meiner Zukunft geträumt. Und jetzt bin ich mitten drin. Ich stehe mitten im Leben. Ich habe schon so viel gesehen, erlebt, erreicht. Und es wird immer mehr. Und ich baue mir meine Zukunft aus meinen Träumen. Denn für unser Schicksal sind wir ganz allein verantwortlich. Und heute habe ich nicht nur das Gefühl, ich könnte ein neues Leben anfangen, sondern ich machen es auch und das jeden Tag aufs neue.
     
    #1
    User 133, 23 September 2003
  2. Hi!

    Ich bin auch gerade dabei das Leben, oder besser gesagt die Welt zu erkunden! Es ist zwar nicht ganz so umfangreich, habe eine Lehre in München angefangen, 100 km weg von meiner Heimat. Es macht mir richtig Spass die Stadt zu erkunden, ich liebe diese Freiheit, ganz alleine in dieser großen mir unbekannten Stadt zu sein und sie kennenzulernen. Es ist schon irgendwie ein ganz anderes Lebensgefühl!
    Und das schönste ist: Mich kennt niemand! Ich bin nur einer von diesen Millionen Leuten und muss komplett alleine damit klar kommen, das macht mir irgendwie Spass :smile:

    bye
    silentreader
     
    #2
    silentreader84, 23 September 2003
  3. Thunderbird85
    0
    :eek: Wow, ich bin absolut begeistert!!! Liebe DarkLady, das ist echt eine super Beschreibung deiner "Lebensfahrt"!! Und... danke: Menschen wie du beweisen mir doch immer wieder, dass alles, was einem in seinem Leben widerfährt (bzw das ganze Leben) doch einen Sinn hat!! :smile:
     
    #3
    Thunderbird85, 13 Oktober 2003
  4. User 133
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    101
    0
    vergeben und glücklich
    @ Thunderbird85
    Es freut mich sehr, dass mein Beitrag Dich so sehr angesprochen hat und es freu mich auch, dass ich etwas Lebensfreude vermitteln konnte.
     
    #4
    User 133, 22 Oktober 2003
  5. Thunderbird85
    0
    @ DarkLady: Bist du Schriftstellerin? Du kannst echt super schreiben (bzw. beschreiben)!!
     
    #5
    Thunderbird85, 23 Oktober 2003
  6. User 133
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    115
    101
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    vergeben und glücklich
    Schriftstellerin? Oh nein, sicher nicht, ist auch ganz selten, dass ich mal sowas schreibe. Außerdem gibt es tausend Menschen, die wesentlich besser sind.
     
    #6
    User 133, 24 Oktober 2003
  7. Thunderbird85
    0
    Ok, einigen wir uns darauf, dass du gut schreiben kannst? :anbeten: :zwinker:
     
    #7
    Thunderbird85, 24 Oktober 2003

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