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Emails die Verändern

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von touch, 23 September 2004.

  1. touch
    Gast
    0
    Da hat doch einer im Forum gefragt, was er bei seinen Knieproblemen machen kann. Klang wie ein Freund, den hatte es damals echt heftig erwischt, OP, Reha, aus mit Triathlon, und nun noch so einer. Bevor er eine Odyssee startet, gebe ich ihm besser gleich die Adressen, die Andreas erst nach monatelangem Suchen bekommen hatte. Hat sich auch gefreut über die Hilfe, und Gegenhilfe angeboten, was er so für mich tun könnte. Hm, Musiktipps brauch ich – für meinen Job. Coole Tipps kamen, klasse Lieder, lockere Mail, das hat mich echt gefreut und ich habe mich auch gleich wieder bei ihm gemeldet. Gefiel ihm auch, wir hatten den gleichen Musikgeschmack. Das Nächste was ich berichten kann ist, dass wir wochenlang jeden Tag hin und her geschrieben haben. Alles ist uns in den Sinn gekommen, erst war es nur Musik und Knieprobleme, dann seine Meisterschule, mein Job, meine Kinder, irgendwann haben wir uns unsere ganz alltäglichen Probleme anvertraut, ganz leise und verständnisvoll, kein rot werden, keine Peinlichkeiten, kein Überlegen soll ich, darf ich, unserer ganze Neugier auf das Leben und das andere Geschlecht, auf den Anderen, warum wir uns soviel vertrauen schenken, ganz selbstverständlich, in kurzer Zeit gewachsen und auf so ungewöhnlichem Weg.
    Ein Mann der mir schreibt, der seine Gefühle ausdrückt, nachdenkt über zwischenmenschliche Beziehungen und mir anvertraut, ich war verblüfft, verzaubert und atemlos. Jeden Tag diese Spannung, eine Mail, eine Antwort, eine Frage, manchmal zwei Nachrichten. Jedes Mal zittern beim Einloggen, Herzklopfen wie ein kleines Kind, Enttäuschung wenn nichts zu lesen war, oder vielleicht erst später? Ungeduld und Aufregung, jeden Tag, immer war eine Nachricht da. Da gab es einen Mann, der so ganz anders war als alle anderen Männer die ich kannte. Er schreibt über so viel Gefühle, Ängste, Freunde und alles Mögliche, ich hatte es bisher nie erlebt, hatte mich selber nie soweit geöffnet. Er war mir neu und ich mir selber auch, unbeschreiblich was da vor sich ging. Seine Worte erregten mich sogar sehr, ich bin nicht mal sicher, dass das seine Absicht war; die Neugier wuchs, wie wohl seine Stimme klingt, wie er einfach so ist und wie so jemand - wie er sich wohl anfühlt.
    Nach langer Zeit natürlich der Moment an dem wir uns treffen wollten. Erst haben wir Fotos ausgetauscht und ich sah einen Mann, nach dem ich mich nie umgedreht hätte, der mich dennoch fasziniert und der mich erobert hatte, mit Emails! Ich bin ja schon nüchtern veranlagt, aber Emails, die fand ich bis dahin eigentlich nur praktisch. Da wir keine Ahnung hatten, wie wir uns begegnen sollten – wir wussten soviel voneinander – beschlossen wir einfach beim ersten Treffen uns erst mal in den Arm zu nehmen.
    Ich wollte nie wieder loslassen. Das Reden fiel uns etwas schwerer, am Anfang, aber die Nähe tat so gut. Schließlich musste ich einfach meine Hände nach ihm ausstrecken, wenig später lagen wir nah beieinander und genossen die Wärme des Anderen am eigenen Körper. Er ist jünger als ich, etwas kleiner und wie es umgangssprachlich so heißt, nicht mein Typ - ich sollte lernen. Ich begriff langsam, dass mein Begehren nach großen Männern, wohl auch um den Schutz zu finden den ich suchte, vollkommen irrational war. Stärke zeigte sich mir ganz anders, viel offensichtlicher, viel näher. Auf einmal war da jemand, der mir nur durch seine Gegenwart zeigte, was einen Menschen ausmacht. Ich war weit über 30 und dachte eigentlich, dass ich weiß was ich will, dass ich mein Leben im Griff habe und das nicht mal schlecht. Jetzt hatte ich auf einmal Sorge, die Dinge nicht im Griff zu haben, aber langsam habe ich verstanden.
    Mein Leben hätte neu beginnen können, gemeinsam mit ihm, er öffnete mir sein Herz und bot mir seine Hand, sein Leben.

    Ich aber habe mich zurückgezogen und lange nachdenken müssen. Ich bin seit 12 Jahren verheiratet, ich würde sagen glücklich verheiratet, aber nun musste ich die Wörter Glück und Vertrauen neu einordnen. Nach einer Auseinandersetzung hat mein Mann mich dann sogar verstanden - so hat auch er mich verblüffen können. Ich hatte mich in den letzten Jahren verändert, durch die Kinder, durch die anderen Ansprüche, die das Leben so an einen stellt. Ich wurde weicher und verletzlicher. Nachdem ich selber begriffen hatte, dass das keine Schande ist, ich nicht nur funktioniere wenn ich stark bin, sondern auch auf eine viel weiblichere, vielleicht auch schwierigere Art liebenswert bin, konnte ich meinem Mann meine Gefühle erklären. Als ausgesprochener Chauvi hat es ihn wohl etwas erstaunt seine starke Frau verändert zu sehen, aber wer versteht, kann auch mit Veränderungen umgehen. Der Mann an meiner Seite geht heute noch sparsam mit seinen eigenen Gefühlen um, aber er ist für mich da, schenkt mir sein Vertrauen und ich liebe ihn sehr. Unser gemeinsames Leben ist es Wert Veränderungen in Kauf zu nehmen. Und wer weiß, vielleicht gibt es für ihn auch die Entdeckung der eigenen Veränderlichkeit – ich werde für ihn da sein und ihn fest halten.
     
    #1
    touch, 23 September 2004
  2. Falcon4
    Falcon4 (51)
    Verbringt hier viel Zeit
    161
    101
    0
    Verheiratet
    Das kommt mir wahnsinnig bekannt vor....

    Mir ging es mal ganz ähnlich, und die Entscheidung war die gleiche - seltsam, da kommt man ganz schön ins Grübeln...
     
    #2
    Falcon4, 24 September 2004
  3. Sternenzauber
    Verbringt hier viel Zeit
    252
    101
    0
    nicht angegeben
    Ich finde es hört sich einfach nur schön an, was du geschriebn hast. Du kannst deine Gedanken und die damit verbundenen Gefühle sehr gut zum Ausdruck bringen.
     
    #3
    Sternenzauber, 27 September 2004

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