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Empfängnisverhütung war noch unlängst oft ein Glücksspiel

Dieses Thema im Forum "Aufklärung & Verhütung" wurde erstellt von DocDebil, 23 Mai 2003.

  1. DocDebil
    DocDebil (42)
    im Ruhestand
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    nicht angegeben
    Jütte, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, stellt auch Aspekte wie die Fortpflanzungsethik in den Weltreligionen, Sexualpolitik, Moral und Emanzipationsentwicklung dar. Sein Buch ist im Verlag C.H. Beck erschienen: 367 S., 14,90 Euro.

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    Auch Empfängnisverhütung suchende Frauen konnten in der einst renommierten «Naturalis Historia» von Gaius Plinius Secundus fündig werden. Der Römer empfiehlt ihnen da als «Mittel, das allein von allen Unfruchtbarkeit bewirkt», zwei beim Zerschneiden des Kopfes einer Giftspinne zu findende «Würmchen». Anwendung: Sie in einer Hirschhaut vor Sonnenuntergang umbinden.

    Fast 2000 Jahre früher rät ein ägyptischer Papyrus zum gleichen Zweck zu einer Mischung von gegorenem Pflanzenschleim und zerstoßenem Krokodilskot. Diese und viele andere konkrete Beispiele nennt der Historiker Robert Jütte in seiner «Geschichte der Empfängnisverhütung», die er jetzt mit dem Titel «Lust ohne Last» vorlegte. Unter den Themen: Was in vergangenen Zeiten Frauen und Männern geraten wurde oder zur Verfügung stand zur Entlastung von einem Problem, das erst im 20. Jahrhundert für die meisten weitgehend befriedigend gelöst wurde - durch die Anti-Baby-Pille.

    Längst nicht alle Ratschläge waren unsinnig. So schrieb man manchen Pflanzen nicht zu Unrecht eine kontrazeptive Wirkung zu. Der griechische Mediziner Dioskurides von Anazarba erwähnt in seinem berühmten Arzneibuch mit Wasser genommene Weidenblätter als empfängnisverhütend. Bei Aetios von Amida (Mesopotamien) findet sich eine ähnliche Empfehlung. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben pharmakologische Untersuchungen belegt, dass das in der Weide enthaltene Ostriol tatsächlich den Eisprung verhindert.

    Mehrere Quellen erwähnen auch Farngewächse. Die kontrazeptive Wirkung von Substanzen in Frauenhaarfarn ist experimentell nachgewiesen. In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Saumfarn als empfängnisverhütendes Mittel verwendet. Eine mehrfach genannte Pflanze ist auch Silphion. Sie ist möglicherweise mit dem Stinkasant (Teufelsdreck) verwandt, der heute auch ein homöopathisches Mittel ist.

    Auf Münzen aus Kyrene (Nordafrika) ist eine Frau abgebildet, die mit der einen Hand auf eine Pflanze deutet, die einer Beschreibung Silphions ähnelt. Die andere liegt demonstrativ auf ihrem Unterleib. Übrigens hielt der berühmte römische Arzt Claudius Galenus im Unterschied zu anderen Medizinern die meisten Mittel für wenig effektiv oder für gesundheitsschädlich.

    Das konnte übrigens auch im vergangenen Jahrhundert noch mit der Methode «Knaus-Ogino» passieren, einer gezielten Enthaltsamkeit. Sie hatte weltweit Aufmerksamkeit gefunden, als Papst Pius XII. sie 1951 als akzeptabel für katholische Frauen befand. Wie Jütte konstatiert, empfiehlt sie sich weniger zur Empfängnisverhütung, kann aber im Gegenteil zur Errechnung des optimalen Empfängniszeitraums bei einem Kinderwunsch angewandt werden. Hinsichtlich der Verhütung war gelegentlich ironisch von «Vatikanischem Roulette» die Rede.

    Zu allen Zeiten haben Magie und Aberglaube auch in diesem Bereich einen wichtigen Platz gehabt. Frauen brachten besondere Votivgaben in Kirchen, weil sie sich davon eine Verringerung des Kindersegens erhofften. Männer verzehrten Geschlechtsteile kastrierter Tiere. Nach einer Umfrage von 2001 glauben einige junge Engländerinnen weiterhin daran, dass das Schließen der Augen beim Geschlechtsverkehr vor einer Schwangerschaft schützt.

    Wie sehr sich jedenfalls die Praxis der Empfängnisverhütung neuerdings geändert hat, zeigt der Vergleich von Befragungen am Anfang des alten und des neuen Jahrhunderts in Deutschland. Vor dem Ersten Weltkrieg rangierte der «coitus interruptus» mit 62 Prozent klar an der Spitze vor vaginalen Spülungen (30), Kondomgebrauch (25) und Pessaren und Intra-Uterinstiften (19). Jetzt finden sich auf den ersten Plätzen die Pille (62,3), Kondome (39) und Gebärmutter- und Scheidenpessare sowie Spiralen (10,6).


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    #1
    DocDebil, 23 Mai 2003
  2. Suzie
    Gast
    0
    *ähm* Kleine Frage zum allerletzten Satz:

    "Jetzt finden sich auf den ersten Plätzen die Pille (62,3), Kondome (39) und Gebärmutter- und Scheidenpessare sowie Spiralen (10,6). "

    Wieso komm ich da auf über 100%, wenn ich die Prozentzahlen addiere?!

    Ansonsten klingt's echt interessant... mann, sex muß früher ganz schön nervenaufreibend gewesen sein... wenn man immer angst haben mußte, man könnte ja schwanger sein... wir haben echt Glück heutzutage!!

    Suzie
     
    #2
    Suzie, 24 Mai 2003
  3. Sokrates
    Gast
    0
    man kann auch alles zusammen benutzen, also mehrfachnennung - da sind mehr als 100% keine seltenheit :zwinker:

    greetz
     
    #3
    Sokrates, 24 Mai 2003

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