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Er erzählte mir von seinem toten Bruder

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von Chococat, 10 Dezember 2008.

  1. Chococat
    Chococat (30)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Seit gestern Abend brennt mir etwas sehr auf der Seele und ich hoffe, ich kann mir hier etwas Erleichterung verschaffen. Einfach mal mit ganz fremden Menschen darüber reden.

    Vor anderthalb Jahren schaute ich mit meinem Freund eine Reportage, in der ein Kind starb. Ich sagte sowas wie "das muss wohl das Schlimmste sein, wenn man ein Kind verliert", worauf hin er sagte, ich solle jetzt bloß nicht fragen warum, wenn er irgendwann darüber reden will, würde er es tun. Aber ja, das wäre das Schlimmste. Ich saß damals da wie ein bisschen bedröppelt und hab, wie er es wollte, nicht nachgefragt.

    Seitdem gab es einige Momente, in denen ich den Verdacht hatte, dass in seiner Familie ein Kind gestorben ist. Z.B.: Einmal zeigte mir seine Mutter sein Kinderalbum, darin lag ein loses Foto. Sie sagte, das wäre ja Markus und nicht mein Freund. Wie das nur hier rein käme. Mein Freund würgte sie total ab und blätterte schnell weiter. Da hab ich mich schon sehr gewundert, ich kenne keinen Markus in seiner Familie. Aber wieder nicht gefragt. Er bat mich schließlich darum.

    Gestern Abend dann wars so weit. Irgendwie kamen wir auf Gott, Weihnachten, Kirche und so. Das widerum führte uns zum Thema Friedhof. Wir hatten ziemlich unterschiedliche Meinungen, er lehnt Friedhöfe total ab und ich hingegen sehe sie als Teil unserer Kultur. Jedenfalls sagte er dann "obwohl meine Urgroßeltern und mein Bruder auf dem Friedhof liegen, gehe ich da nie hin, weil ich es nicht leiden kann. Meine Eltern gehen seit 21 Jahren immer wieder dort hin, ich nicht." Bumm. Mir schossen augenblicklich die Tränen in die Augen. Mehr sagte er nicht dazu. Und obwohl ich wahrscheinlich völlig irritiert guckte, sprach er nicht weiter. Stattdessen redete er einfach weiter im Thema. Wenig später gingen wir ins Bett.

    Ich konnte nicht schlafen und hab die halbe Nacht vor mich hin geweint. Mir gehts heut schon den ganzen Tag scheiße. Sobald ich daran denke, fange ich an zu weinen. Ich weiß nichtmal warum! Irgendwie nimmt mich das tierisch mit. Ich habe meinen Freund heute sehr abgeblockt, weil ich sofort so traurig werde, wenn ich ihn ansehe.

    Ich will auch hier in unserem Umfeld mit niemandem darüber reden, weil es schon sehr sehr sensibles und privates Thema ist. Deswegen lasse ich hier einfach mal Luft raus.

    Vorhin hab ich mir vorgestellt, sein Grab zu besuchen, dabei habe ich wieder geweint.
    Wieso nimmt mich das nur so mit? Mein Freund war damals (wahrscheinlich) 3 Jahre alt und hatte, wie er gestern noch so meinte, kaum eine Beziehung zu ihm. Komisch.
    Wieso macht mich das so traurig? Was macht mich nur so traurig?

    Ich hab ihn natürlich auch nicht nochmal darauf angesprochen. Meine Kehle war gestern wie zugeschnürt... Ich trau mich auch nicht, es ist so privat und so schlimm. Ich hab das Gefühl, zwischen uns ist plötzlich eine riesige Distanz, zumindest von meiner Seite aus.
    Ich habe diese tiefe Trauer und weiß nichtmal warum. :cry:
     
    #1
    Chococat, 10 Dezember 2008
  2. 2Moro
    2Moro (27)
    Verbringt hier viel Zeit
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    15
    nicht angegeben
    Ich glaube, das einzige was da hilft, ist reden. Und zwar nicht hier (dass kann zwar auch manchmal bisschen helfen, aber löst kein Problem), sondern mit deinem Freund. Auch wenn es dir und ihm wahrscheinlich auch schwer fällt.
    Aber dich nimmt das Ganze total mit und ich denke, er ist es dir irgendwie schuldig dir davon zu erzählen. Ihr seid ja auch schon alnge zusammen und ich denke, er sollte sich dir da mal öffnen, vor allem, weil es sich auch so anhört, als ob das Thema bei ihm und seinen Eltern totgeschwiegen wurde.
     
    #2
    2Moro, 11 Dezember 2008
  3. Chococat
    Chococat (30)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    Ja, einerseits denke ich auch, dass er es mir irgendwie schuldig ist. Andererseits ist es irgendwo eine Sache innerhalb der Familie und ich fühle mich in der Situation wie ein Fremdkörper, der plötzlich daher kommt, und Fragen stellt.
    Ich würde auch jedem anderen raten, mit dem Freund darüber zu sprechen, aber selbst traue ich mich nicht. Ich habs anderthalb Jahre nicht geschafft nachzufragen und weiß nicht, wie ich es jetzt machen soll...
     
    #3
    Chococat, 11 Dezember 2008
  4. User 25480
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Es ist einfach gesagt, er sollte sich ihr da öffnen, weil sie ja schon länger zusammen sind :engel:

    Es weiß hier niemand, was da passiert ist, warum und weshalb er nicht darüber sprechen will oder kann. Vielleicht ist es für ihn wirklich so gravierend, dass er das Thema nicht näher erläutern will. Warum dann nachbohren?

    Es ist ein Teil seiner Vergangenheit und wenn er das Bedürfnis hat, darüber sprechen zu wollen oder zu müssen, dann wird er das wohl auch machen, aber bis dahin würde ich da nicht weiter nachhaken.

    Ich denke auch nicht, dass er ihr da irgendetwas schuldig ist. Es ist seine Vergangenheit, sein Schmerz, sein Zorn, seine Wut und es ist seine Sache, wann er darüber spricht oder nicht.
    (meine eigene Meinung)
     
    #4
    User 25480, 11 Dezember 2008
  5. User 39498
    User 39498 (29)
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Verheiratet
    Ich stimme da MyMemory zu. Er ist dir nichts schuldig!
    Es mag gesünder und offener sein, über solche Dinge zu sprechen, aber das kann eben leider nicht jeder.

    Ein bisschen kann ich ja beide Seiten nachvollziehen.
    Meine Mutter ist vor fast 7 Jahren gestorben und bis heute habe ich mit meinem Vater vielleicht 2 oder 3 mal wirklich darüber geredet, die erste Zeit wurde es schlicht totgeschwiegen und wir wurden einfach in den neuen Alltag geschmissen. Verdrängungstaktik!

    Es hat ganz, ganz lange gedauert bis ich erzählen konnte, wie das passiert ist, ohne in Tränen auszubrechen. Eine Zeit lang konnte ich es nichtmal schreiben.
    Seit vielleicht einem Jahr kann ich damit jetzt etwas anders umgehen, aber trotzdem bin ich nicht so der Typ "komm ich erzähl dir was, meine Mutter ist tot". Wenn jemand in das "Fettnäpfchen" tritt und mich was über meine Mutter fragt, erwähne ich es halt, aber gehe ganz sicher nicht in Details und wechsle auch ganz schnell das Thema :hmm:
    Nur auf Nachfrage erzähle ich die Details. Vor allem weil ich weiß, dass es andere Menschen mitnimmt.

    Und jetzt zu der anderen Seite: Ich kann verstehen, warum dich das so mitnimmt. Er ist dein Partner, irgendwie ein Teil von dir, in deinem Herz fest verankert. Wenn er glücklich ist oder ihm was tolles passiert, freust du dich doch wahrscheinlich auch wie eine Schneekönigin. Nun, wenn ihm etwas Schlimmes widerfährt, leidest du mit :-(

    Das Einzige, was ich an deiner Stelle tun würde, ist ihm sagen, dass du für ihn da bist und zuhörst, wenn er drüber reden möchte. Und wenn nicht, dann musst du das wohl oder übel akzeptieren, so hart das auch ist :cry:
     
    #5
    User 39498, 11 Dezember 2008
  6. User 18780
    User 18780 (33)
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    Verheiratet
    Auch wenn es seine Sache ist: momentan belastet es DICH. Durch deine Distanz hat das aber auch auswirkungen auf ihn und eure Beziehung.
    Deshalb würde ich schon versuchen, es zumindest soweit aus der Welt zu räumen, dass es nicht störend in der Beziehung hängt.

    Entweder darüber reden, oder ihm einen Text schreiben, den er dann alleine und in Ruhe lesen kann. Somit hat er immer noch die Option, nicht darauf zu reagieren.

    Vielleicht solltest du erst ein paar Tage abwarten. Momentan ist es für dich noch ganz frisch. Mit ein paar Tagen abstand verkraftest du es vermutlich besser als jetzt, und kannst deine Zusage vermutlich doch einhalten, ihn nicht darauf anzusprechen.
     
    #6
    User 18780, 11 Dezember 2008
  7. Guzi
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Bei meinem Ex sind zwei Brüder gestorben. Der eine vor der Geburt von meinem Ex und der andere, als mein Ex .... 6 war (sein Bruder war 8 oder so).
    Ich wusste, dass das passiert ist, aber ich hab ihn z.B. auch nie danach gefragt. Ich wusste auch nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich, die ein total behütetes Leben hatte und die mit dem Thema Tod kaum was zu tun hatte, und er, der gleich 2 Brüder verloren hat ... :hmm:

    Er hat es mir nach und nach erzählt. Bei seinem 4 Jahre älteren Bruder fiel es ihm leichter, da er ihn ja nicht kannte. Bei dem anderen nicht, da die beiden wohl richtig viel miteinander unternommen haben. Ich glaub, nach 1 Jahr hat er mir mal erzählt, wie sein Bruder gestorben ist ... und noch mal 1 Jahr später oder so die ganze Geschichte. Da war er unter Alkoholeinfluss und hat so geheult ... :traurig: Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Ich hab ihn in den Arm genommen und zugehört, aber trotzdem ... er gab sich die Schuld, er meinte, er hätte sterben sollen ... ich war völlig überfordert mit der Situation allein. Zum Glück waren noch Freunde in der Nähe (die er schon ewig kannte) und ich bin die holen gegangen. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie ich reagieren sollte auf diesen Gefühlsausbruch. So kannte ich ihn absolut nicht. Genausowenig seine Freunde ... irgendwie haben wir zusammen es geschafft, ihn wieder zu beruhigen.

    Danach kam das Thema, glaub ich, auch nie wieder auf. Er wusste, dass er mit mir darüber reden konnte und ich für ihn da war, und das, glaub ich, war auch das Wichtigste für ihn. Einfach nur jemand, der für ihn da ist und nicht ständig nachhakt, was denn passiert sei oder ihm eben sagt, dass es nicht seine Schuld ist. Er weiß das selber und auch seine Eltern sagen das.

    Gib ihm einfach das Gefühl, für ihn da zu sein. Wenn er darüber reden will, dann wird er es machen. Er wird seine Gründe haben, es dir nicht sagen zu wollen.

    Falls es dich aber doch weiterhin zu sehr mitnimmt, find ich die Idee mit dem Brief vom Mann im Mond sehr gut. Dann weiß dein Freund, wie du dich fühlst, kann aber selber entscheiden, inwiefern er darauf reagieren will ... v.a. kann er sich das genau überlegen, was er, wenn du ihn darauf ansprichst, nicht kann.
     
    #7
    Guzi, 11 Dezember 2008
  8. Mìa Culpa
    Gast
    0
    ....
     
    #8
    Mìa Culpa, 11 Dezember 2008
  9. Nevery
    Nevery (30)
    Planet-Liebe ist Startseite
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    in einer Beziehung
    daran solltest du arbeiten. nicht ihn mit fragen löchern, sondern für ihn da sein.
    wie es dir dabei geht ist absolute nebensache. hallo, er ists, den das trifft, und wenn sich seine freundin jetzt auch noch so verhält ihm gegenüber...
     
    #9
    Nevery, 11 Dezember 2008
  10. Beelion
    Beelion (29)
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    1
    Single
    reden reden reden!
    sprich ihn an, sag du willst das "klären"... und sei verständnisvoll. auch er kann das ja nicht dauerhaft verdrängen... ich denke wenn das "aus der welt ist" fühlt ihr euch beide besser
     
    #10
    Beelion, 11 Dezember 2008
  11. Teresa
    Teresa (32)
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    1
    vergeben und glücklich
    Es kommt eben immer darauf an, wie die Familie deines Freundes mit dem Thema umgeht. Meine Mutter hat im Kindesalter ihren Vater verloren, aber sie konnte erst darüber sprechen, als sie schon Mutter war, weil der Tod des Vaters in ihrer Familie immer totgeschwiegen wurde - man durfte nicht einmal den Namen des Vaters aussprechen. Aber sie stammt auch aus einer Zeit, in der alles Unangenehme totgeschwiegen wurde - ihr Onkel starb mit 17, seinen Namen durfte man auch nicht aussprechen. Heute gehen wir anders damit um, aber es gibt eben Menschen, die sich schwer tun, über Dinge zu sprechen, die sie belasten - aber nach dem Verhalten deines Freundes zu urteilen, belastet es ihn auch. Ich weiß nicht wirklich, was ich dir raten kann, denn mein Freund hat zwar beide Eltern und auch seinen Bruder verloren, aber wir haben immer offen darüber gesprochen - das liegt vielleicht auch daran, dass er schon mehrere Therapien hinter sich hat und dass er außerdem auch von Natur aus ein sehr offener Mensch ist. Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich wohl abwarten, bis er bereit ist, mit mir darüber zu reden, aber so wie du beschreibst, belastet dich das doch sehr. Also denke ich, vielleicht solltest du ihm irgendwie zu verstehen geben, dass du für ihn da bist, wenn er dich braucht, und dass er mit dir reden kann, wenn er das Bedürfnis danach hat.
     
    #11
    Teresa, 11 Dezember 2008
  12. 2Moro
    2Moro (27)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Ganz genau das ist es was ich meine.
    Ich hab es vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt, dass er der TS was schuldig ist, daran muss man sich ja jetzt nicht so hochziehen. :ratlos:
    Klar, ist das erstmal ein Problem, was ihn betrifft und nicht die TS, aber in dem Moment, wo er Andeutungen macht und sie sich darauf hin schlecht fühlt, zieht er sie da mit rein.
    Ich Habe auch nicht gesagt, dass die TS ihn jetzt löchern soll und um jeden Preis alles in Erfahrung bringen soll, aber ich denke schon, wenn man eine so lange Zeit zusammen ist, dass man über sowas reden sollte. Oder es zu mindest versuchen. Wenn er total abblockt, tja, dann kann man wohl nichts machen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die TS ihrem Freund sagen sollte, wie sie sich fühlt und dass sie ihm zuhören möchte.
     
    #12
    2Moro, 11 Dezember 2008
  13. User 44981
    User 44981 (29)
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Single
    @2Moro und @Beelion:
    Tut mir Leid, aber ich halte das, was du ihr geschrieben habt, für reinrassigen Müll!

    Er ist ihr überhaupt nicht schuldig. - Und sie können noch so lange zusammen sein... er wird ihr in diesem Zusammenhang niemals etwas schuldig sein.

    Wie ich gerade erst in einem anderen Thema geschrieben habe: Ich konnte und wollte auch nur mit einer sehr guten Freundin über den Tod meines Opas reden (obwohl ich noch andere sehr gute Freunde habe, denen ich genau ebenso völlig vertraue und bei denen ich mir auch sicher war, dass sie mir "gerne" zugehört hätten, wenn ich es gewollt hätte). - Dafür gab es aber auch noch ein spotanes, sehr hilfreiches Gespräch mit einer Bekannten, zu der ich bei Weitem keine so intensive Beziehung habe wie zu meinen sehr guten Freunden.
    Von daher bin ich überzeugt davon, dass das reden können über eine so schwerwiegende Sache niemals eine Verpflichtung auf Grund irgend einer zwischenmenschlichen Beziehung sein kann und darf und dass man nicht unbedingt von einem Gespräch über ein solches Thema auf eine besonders intensive Beziehung zum Gesprächspartner schließen kann.

    Und nun zu dir, Chococat:
    Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass dich diese Sache sehr berührt und auch belastet.
    Auch mir hat vor einiger Zeit eine Person aus meinem engsten Freundeskreis von einer sehr schlimmen Sache erzählt, die auch mich zutiefst betroffen und traurig gemacht hat und über die ich sehr lange und intensiv nachdachte und immer wieder nachdenke.
    Auch ich wusste, als sie mir das "beiläufig" erzählt hat, erst mal nicht, wie ich darauf reagieren sollte und habe sehr passiv reagiert. (Was ja keineswegs verwunderlich ist, wenn man eine solche Sache auf ein mal völlig unerwartet hört)
    Aber ich habe ihr später - nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte und über die ganze Sache nachgedacht hatte - noch sinngemäß folgendes mitgeteilt:
    Dass mir diese Sache alles Andere als egal ist und dass sie auch mich betroffen gemacht hat; dass ich für sie da bin, wenn sie darüber reden will; aber auch dass ich ihr meine "Hilfe" nicht aufdrängen möchte.

    Und ich würde es an deiner Stelle oder in anderen irgendwie ähnlichen Situationen immer wieder ganz genau so machen.
    Unterstützung anbieten, aber nicht die Annahme des Angebotes erzwingen wollen. - Das ist wohl die beste Methode, um ein Gespräch zustande zu bekommen, das für beide Seiten hilfreich ist - oder nicht, wenn es für die eine Seite (also die direkt betroffene Person) nicht hilfreich wäre.
     
    #13
    User 44981, 11 Dezember 2008
  14. Chococat
    Chococat (30)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    Danke erstmal für eure sehr feinfühligen und bemühten Antworten.

    Ich habe jetzt die dritte Nacht hinter mir, in der ich schreckliche Alpräume hatte und geweint habe:cry: . Mein Freund hat gerade Nachtschichtzyklus, von daher hat er nicht mitbekommen, dass ich kaum noch schlafen kann. Aber heute morgen, kurz vor 6, habe ich den Entschluss gefasst, dass ich ihn einfach drauf ansprechen muss. Sonst zerbreche ich daran. Ich projiziere meine Gefühle jetzt schon auf ihn, hatte heute Nacht regelrechte Panikmomente, dass er nicht mehr nach Hause kommt, krank wird etc...

    Einige Meinungen von euch kann ich nicht teilen (nach längerer Überlegung). Natürliche werde ich ihn NICHT mit Fragen löchern. Dazu bin ich selbst zu sensibel.
    Ich werde ihm aber mitteilen, dass ich seit Dienstag Abend Schlafstörungen in nicht unerheblichem Ausmaß habe, ständig weine und nervlich ziemlich angegriffen bin. Ich schreibe gerade an meiner Abschlussarbeit - brauche also eigentlich viel Schlaf und gute Konzentration. Dass das daran liegt, dass er mir mal so eben zwischen Tür und Angel an den Kopf geworfen hat, dass er einen toten Bruder hat.
    Auch das war von ihm nicht sehr feinfühlig. Ich bin wie gegen eine Wand gerannt und er lässt mich mit den Gefühlen nun alleine stehen. Das geht so, meiner Meinung nach, in einer Beziehung nicht. Wir sind uns sehr wohl etwas gegenüb er verpflichtet und zwar Ehrlichkeit. Mehr werde ich nicht verlangen, ihm sagen, dass das so ist und abwarten, wie er reagiert. Ich hoffe er sagt nicht einfach nur entschuldigung, sondern erläutert ein bisschen was. Sicher, er muss mir nicht alles im Detail erzählen (wird er eh kaum können, er war ja selbst erst 3), aber wenigstens, wie er damit umgeht. Ich fände den Gedanken grausam, dass ihn irgendetwas sehr beschäftigt und er mit dem Menschen, der ihm am nähesten steht (also mir), nicht darüber spricht.

    Was mir auch ein bisschen aufgestoßen hat, war die Formulierung "seine Familie". Also so sehen wir das nicht. Wir sind länger zusammen, leben zusammen, teilen alles, auch unsere Familien. Meine Eltern sind zu ihm wie zu ihren eigenen Kindern und auch seine Eltern sind für mich mittlerweile wie Eltern geworden. Es trifft mich nicht nur, was ihm passiert ist, sondern was der ganzen Familie passiert ist. Ich fühle mich als Teil dieser Familie und will dieses Stück Familiengeschichte kennen! Es kann doch nicht sein, dass ich von nichts weiß und von einem Fettnäpfchen in den nächsten tappe! Ich finde schon, dass ich ein Recht habe, es zu erfahren (wie gesagt, nicht unbedingt bis ins Detail!), immerhin soll ich mal auch rechtlich Teil der Familie sein.

    Es würde mir auch reichen, wenn man mir sagt, dass das ein zu schmerzliches Thema ist, um darüber zu sprechen. Dann wüsste ich ja wenigstens DAS. Aber im Moment weiß ich schlicht nichts. Das entspricht nicht wirklich meiner Vorstellung von Vertrauen und Ehrlichkeit innerhalb einer Familie und als das sehe ich uns.

    Wann ich es mache, weiß ich noch nicht. Vielleicht heute noch, wenn es sich ergibt (ich hasse solche Sätze!).
     
    #14
    Chococat, 12 Dezember 2008
  15. User 25480
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Entschuldige bitte meine Ehrlichkeit, aber ich kann deine Reaktion gerade nicht nachvollziehen.
    Wenn es für ihn nicht so schmerzhaft wäre darüber zu sprechen, hätte er es dir sicher schon gesagt, oder meinst du nicht?

    Das es dich beschäftigt und du dir Gedanken machst, kann ich ja noch nachvollziehen, aber das du deswegen seit 3 Tagen Schlafprobleme hast und du dich so runterziehen lässt, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.
    ER hat seinen Bruder verloren, ihn schmerzt es, dass er nicht darüber sprechen will oder kann und du willst ihm jetzt sagen, dass seine Bemerkung dich so sehr belastet, dass du nicht mehr schlafen kannst? Meinst du nicht, dass du ihn damit noch zusätzlich unter Druck setzt?

    Wie gesagt, ich kann nachvollziehen, dass es dich beschäftigt. Er ist der Mensch, den du liebst und du willst ihm helfen. Ich denke eben nur, dass du ihm mehr hilfst, wenn du eben für ihn da bist und nicht noch mehr belastest, indem du ihm, wenn auch sicher nicht mit Absicht, ein schlechtes Gewissen machst, weil er jetzt nicht drüber sprechen kann/will.

    Ich halte es für sinnvoller, wenn du ihm sagst, dass es dich zwar beschäftigt, aber er alle Zeit der Welt hat, wann und ob er mit dir darüber sprechen möchte. Du immer für ihn da bist, wenn er reden möchte und du zuhörst.
     
    #15
    User 25480, 12 Dezember 2008
  16. diskuswerfer85
    Sehr bekannt hier
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    in einer Beziehung
    Er ist dir garnichts schuldig. Natürlich ist es sinnvoll über viele Sachen zu reden. Aber man muss ja nicht über alles reden. Viele Leute wollen schlimme Erlebnisse alleine verarbeiten, ob das gut ist ist ne andere Frage.

    Es scheint nunmal in seiner Familie so gehandhabt zu werden, dass darüber geschwiegen wird, daran wirst du auch nichts ändern können, wenn er es nicht will.

    Du hast doch bestimmt auch dinge ´über die du mit ihm nicht reden willst óder?
     
    #16
    diskuswerfer85, 12 Dezember 2008
  17. User 4590
    User 4590 (33)
    Planet-Liebe ist Startseite
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    nicht angegeben
    Da wäre ich an deiner Stelle etwas vorsichtiger. Ihr seid lange zusammen, deine Eltern behandeln ihn wie einen Sohn, seine behandeln dich wie eine Tochter - das ist ja alles schön und gut. Aber dennoch gibt es einfach gewisse Dinge, die nur die 'Familie' im engen Sinne betreffen, d.h. die Eltern und ihre Kinder. Gerade bei einer so schmerzlichen Sache wie dem Tod eines Kindes/Bruders finde ich nicht, dass du als Freundin in irgendeiner Art ein Recht darauf hast, dass dir davon erzählt wird. Du hast ein Recht, in gegenwärtige und zukünftige Geschehnisse der Familie eingebunden zu sein, weil du jetzt und in Zukunft mit der Familie verbunden bist - aber mit wem sie ihre Vergangenheit teilen und mit wem nicht, bleibt immer noch ihnen allein überlassen.

    Hat er dir das denn nicht letztendlich schon vor anderthalb Jahren beim Fernsehen gesagt, als er meinte, du solltest nicht nachfragen, er würde von selbst kommen, wenn er reden wollte? Das bedeutet doch eigentlich, dass das für ihn ein heikles Thema ist und er selbst entscheiden möchte, wann er mit dir darüber spricht.

    Nur um das klar zu stellen, ich versteh gut, dass du grade völlig in der Luft hängst und nicht gut damit klarkommst, dass er dir das einfach so vor den Latz geknallt hat. Und ich kann auch nachvollziehen, dass du ihm sagen willst, wie's dir geht. Ich würde dir aber nur raten, wähl deine Worte so, dass er sich nicht gedrängt fühlt; er sollte nicht das Gefühl bekommen, dass er dir jetzt was erzählen muss. Und lass dir das mit dem 'ein Recht darauf haben' besser auch nicht anmerken, das käme bei ihm wahrscheinlich nur falsch rüber.
     
    #17
    User 4590, 12 Dezember 2008
  18. User 18780
    User 18780 (33)
    Meistens hier zu finden
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    Verheiratet
    @Chococat: Ich finde deine Entscheidung gut. Außerdem kann man dir nicht vorwerfe, du wärst unsensibel an die sache rangegangen, du hast dir das ja gut überlegt.

    Ich würde ihm im Gespräch aber die Möglichkeit geben, nicht sofort und aus der Pistole geschossen antworten zu müssen.
     
    #18
    User 18780, 12 Dezember 2008
  19. User 29904
    Beiträge füllen Bücher
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    #19
    Zuletzt bearbeitet: 22 Februar 2016
    User 29904, 12 Dezember 2008
  20. User 39498
    User 39498 (29)
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Verheiratet
    Da musste ich ehrlichgesagt auch ein bisschen stutzen.
    Ich kann ja wie gesagt verstehen das man mitfühlt, ich hab auch schon mit Freunden und Verwandten sehr mitgefühlt, aber nicht mehr schlafen können, ständig weinen, Albträume?
    Das betrifft meiner Meinung nach weniger seinen Bruder, sondern hört sich für mich danach an, als hättest du Angst das so etwas "nochmal" passiert, vielleicht dir selber. Du schreibst ja selber das du das jetzt schon auf IHN projezierst.

    Aber das ist etwas, damit sollte er sich jetzt nicht auch noch zusätzlich beschäftigen müssen, wenn du so da ran gehst ("Weil du mir gesagt hast, dass dein Bruder tot ist, geht es mir schlecht und ich weine ständig") dann klingt es so, als würdest du ihn dafür verantwortlich machen. Und das verallgemeinert man als Betroffener ganz gerne mal und fühlt sich dann für ALLES verantwortlich, nicht nur dafür, dass du dich jetzt komisch fühlst.

    ER ist der Trauernde, ER ist derjenige mit diesem Schicksal. DU bist sein Fels in der Brandung, seine Freundin, diejenige, die im jetzt ganz fest in die Augen sehen kann und für ihn mit stark sein wenn er es vielleicht selber nicht kann. So und nicht andersrum ist es meiner Meinung nach. Du möchtest doch, dass er seine Trauer mit dir teilt!

    Vielleicht solltest du erstmal selber wieder "runterkommen" - :smile: ja, es ist schlimm, wenn man einen Bruder, eine Schwester, ein Elternteil oder sonstwen der einem nahe steht verliert. Aber das Leben geht trotzdem weiter und es ist so lange her! Es ist ein Trauma für die Familie, aber es ist kein Grund, panisch zu werden.
     
    #20
    User 39498, 12 Dezember 2008

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