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Erfahrungen sammeln...

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von herbert24, 18 Mai 2008.

  1. herbert24
    herbert24 (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    in einer Beziehung
    Der gestrige Abend war ziemlich aufreibend. Ich (m, 24) muss gestehen, dass ich ein solches Gefühlschaos bisher noch nicht erlebt habe, obwohl ich schon zweimal das unglückliche Los hatte, nach einer Trennung "durch die Hölle" gehen zu müssen.

    Zu meinen beiden vorherigen Beziehungen (die erste sechs Monate, die zweite 2,5 Jahre) muss ich sagen, dass sie zwar anfangs schön, sie mit der Zeit aber immer mehr der "Alltagstod" eingeholt und man sich auseinander gelebt hat. Die letzte der beiden Beziehungen brachte auch noch den Umstand mit sich, dass meine damalige Freundin mich ziemlich gefühlskalt behandelt hat - aber das ist an dieser Stelle eher nebensächlich.

    Viel wichtiger ist meine derzeitige Beziehung (1,5 Jahre) mit dem wundervollsten Menschen, den ich kennengelernt habe. Von meiner Freundin habe ich eine bis dahin nie empfundene Zuneigung bekommen - und gegeben -, dass sich aus einer anfangs vorsichtigen eine sehr intensive Beziehung entwickelt hat. Verblüffenderweise, obwohl es für uns beide nicht die erste Beziehung ist, war es am Anfang tatsächlich so etwas wie "Liebe auf den ersten Blick". Na ja, Liebe natürlich nicht, aber eine ungemeine Neugier am jeweils anderen. Neugier und Interesse am Leben des Partners waren auch wohl das, was das Glück unserer Beziehung ausmachte. Dazu gab es immer wieder neue Dinge und Gemeinsamkeiten, die wir an uns entdeckten und die uns zusammenschweißten.

    Meine Beziehung davor war unter anderem am Zusammenleben in einer gemeinsamen Wohnung gescheitert. Die Frage Zusammenziehen war daher für uns zunächst kein Thema für uns: Bei mir wegen der schlechten und erst kürzlich gemachten Erfahrung, bei ihr, weil sie den räumlichen Abstand bei zwei Wohnungen gut findet, um sich auch mal zurückziehen zu können. Dieser Vorteil leuchtet auch mir ein und so, wie wir jetzt wohnen, klappt es wunderbar.

    Was jedoch nicht so richtig klappen wollte, war Sex. Meine persönlichen Sexerfahrungen waren mehr als dürftig, meine vorherige Partnerin war vor unserer Beziehung noch Jungfrau, ich ebenfalls. Dementsprechend zögerlich waren auch meine/unsere Sexerfahrungen. Erschwerend hinzu kam, dass sie - obwohl ich sehr vorsichtig war - beim Eindringen Schmerzen hatte und der Geschlechtsakt an sich sehr langsam vollzogen werden musste, um für sie schmerzfrei zu sein.

    Leider haben diese Erfahrungen auch Auswirkungen auf den Sex mit meiner jetzigen Freundin, die vor mir schon mehrere Sexpartner hatte. Ich ging auch bei ihr so vorsichtig wie möglich vor, übervorsichtig um genau zu sein, merkte aber, dass sie das bremst und sie eigentlich mehr, d.h. heftigeren Sex will.

    Darüber haben wir auch mehrmals gesprochen und habe mich daraufhin auf heftigeren Sex mit schnelleren Bewegungen eingelassen - was auch wirklich sehr schön war und woran wir auch beide sehr viel Lust und Spaß empfanden. Leider hielt dies nicht lange an, da ich zu früh ejakulierte. Ihre Hingabe beim Sex war so intensiv, dass ich dadurch so stark stimuliert wurde, wie ich es bis dahin nicht gekannt habe.

    Das Zu-früh-Kommen bestimmte daraufhin unser Sexleben, sehr zum Nachteil meiner Freundin, was sie irgendwann zu der Aussage verleitete, dass ihr Sex sowieso nicht so wichtig in einer Beziehung sei und sie auch so sehr glücklich mit mir sei. Da ich für mich - außer durch den einmaligen Einsatz eines "Betäubungsmittelkondoms" - aber keine Lösung fand, die Ejakulation "aufzuschieben", kam dieser Vorschlag fast schon gelegen. Nach ein paar Wochen Sexpause hatten wir dann doch wieder Lust aufeinander und nach einigen Versuchen, schaffte ich es mit viel Konzentration, den Zeitpunkt bis zur Ejakulation zu verlängern. Tja, leider hat das wieder dazu geführt, dass ich vorsichtiger und zurückhaltender beim Sex wurde, was nicht dem Wesen meiner Freundin entsprach. Ich kann es ehrlich gesagt verstehen, da ich die andere Art Sex zu haben auch selbst wesentlich besser fand.

    Die nächste längere Sexpause fand nach einem geplatzten Kondom statt. Meine Freundin kommentierte das Missgeschick damit, dass sie Sex hasse und wir es am liebsten ganz sein lassen sollten. Nach einigen Wochen kam dann allerdings im Gespräch heraus, dass das damals nicht so gemeint war und nur eine unüberlegte Reaktion auf das geplatzte Kondom war. Dass Sex nicht alles in einer Beziehung ist, darüber waren wir uns einig, dass er uns beiden aber trotzdem sehr viel Spaß und Lust bereitet stellten wir aber auch fest. Und so vergingen wieder ein paar leider sehr unspektakuläre Sexversuche, die man auch getrost als langweilig abstempeln kann - zumindest hatten wir schon Aufregenderes zusammen erlebt.

    Nun aber zum gestrigen Abend. Meine Freundin fragte mich, ob ich mit unserer Beziehung gerade glücklich sei. Wenn man mit so einer Frage (zumindest so, wie sie sie stellte) aus heiterem Himmel konfrontiert wird, ahnt man Schlimmes... Und die Ahnung sollte mich nicht trügen, meine Freundin war sich unsicher, ob das zwischen uns wirklich Liebe ist.

    Erst nach einem längeren Gespräch stellte sich heraus, dass das eigentlich gar nicht ihre eigentliche Frage darstellt. Im Gegenteil, sie ist sich sicher, dass wir einander vertrauen und eine so enge Beziehung zu einander haben, dass wir beide daraus Vorteile ziehen. In den vielleicht wenig klingenden 1,5 Jahren haben wir viele Höhen und Tiefen durchgemacht, konnten uns aber immer aufeinander verlassen und haben uns gegenseitig Kraft gegeben. Das tun wir auch heute noch und der andere ist einem so wichtig, dass man ihn nicht mehr missen möchte.

    Bis sich meine Freundin dazu durchrang, mir ihr eigentliches Problem mitzuteilen, brauchte es einige vertrauensvolle Worte, Versprechungen und Tränen.

    Sie sagt, dass es ihr immer schwerer falle, sich nicht nach anderen Männern umzusehen und sie das Gefühl hat, noch mehr sexuelle Erfahrungen mit jemand anderem außer mir sammeln zu müssen. Andererseits fühle sie sich dabei schlecht und mich verletzend, weshalb sie mir einen One Night Stand mit einem anderen eigentlich nicht antun könne. Gleichzeitig macht es sie aber fertig, ständig diese Gedanken haben zu müssen, unsere Beziehung aber auf keinen Fall aufs Spiel setzen will. Sie weiß nur, dass es so nicht weitergehen kann.

    Tja, meine erste, innere Reaktion war ein Hin-und-her-gerissen-Sein, aber ich konnte ihr für diese Wünsche irgendwie nicht böse sein. Was soll ich sagen, ich bringe ehrlich gesagt sogar Verständnis dafür auf und nach einem sehr ehrlichen und intensiven Gespräch kamen ich zu dem Schluss, dass ich damit leben könnte, wenn sie mit jemand anderem Sex hätte. Eine Einstellung, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte - vielleicht, weil ich noch nie ernsthaft darüber nachgedacht habe. Schon gar nicht zusammen mit meiner Partnerin.

    Doch damit stellte sich gleich das nächste Problem heraus. Meine Freundin könnte das nur tun, wenn es uns beiden "erlaubt" wäre und wir es beide täten. Sprich, wenn sie Sex mit jemand anderem hat, soll ich mir diese Erfahrung auch holen. Nun ja - und da liegt wiederum mein Problem: Ich verspüre weder den Wunsch noch irgendeinen Reiz, mit einer anderen Frau schlafen zu wollen. Für mich persönlich braucht es eine gewisse Vertrauensbasis, um Sex miteinander zu haben, mit One Night Stands habe ich noch keine Erfahrungen und auch nie den Wunsch gehabt, welche zu sammeln. Bei meiner Freundin ist das wie gesagt anders.

    Hm, was tun wir jetzt? Meine Freundin davon überzeugen, dass sie, auch wenn nur sie "untreu" wird, sich nichts vorzuwerfen hat? Vielleicht das "untreu" generell streichen, da es ja "mit Einverständnis" wäre? Mich selbst einfach auf irgendeinen One Night Stand einzulassen? Letzteres wohl kaum, weil ich bei allem Verständnis für die Wünsche meiner Freundin auch meine eigenen berücksichtigen muss und will.
    Ich glaube, wir sind beide ein bisschen überrascht darüber, dass wir mit unserem gegenseitigen Vertrauen so weit gehen und einen Freibrief zum Fremdgehen aussprechen würden. Wir lieben uns, mögen uns so sehr, dass wir den anderen nicht verletzen wollen, aber das ist wahrscheinlich das ganze Problem an der Sache...?!

    Meine Frage an euch? Hm, ich weiß gar nicht, ob ich eine habe. Ich wollte meine Gedanken und Erlebnisse einfach mal niederschreiben und schauen, ob es dazu irgendwelche Ansichten und Meinungen gibt. Ich kann mir vorstellen, dass man das alles sehr differenziert betrachten kann...
     
    #1
    herbert24, 18 Mai 2008
  2. Fireman86
    Fireman86 (30)
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    Single
    Hi,

    die Situation kommt mir irgendwie bekannt vor.
    Bei mir war es allerdings so das sie frustiert war weil ich meistens garnicht erst gekommen bin (konnte mich meistens nicht entspannen). Ist auch nicht besser ;-)

    Du scheinst ja nicht grade das "gefühlskalte Arschloch" zu sein
    - bin da auch ziemlich sensibel.

    Hab in meiner letzten (und übrigens auch ersten) Beziehung auf ihren Wunsch eine offene Beziehung geführt. Aber ich bin halt nicht der Typ der loszieht und "eine flachlegt". Ist nicht meine Art.
    Nunja, sie hatte da weniger Probleme mit.

    Angeblich hat sie es auch hinterher bereut (was ich mir bis heute nicht glaube) - ich habe es auf jeden Fall. Auch wenn danach der Sex mit ihr (in der ersten Zeit) wesentlich besser war.

    Also wenn du in ihr nicht nur eine "Lebensabschnittsgefährtin" siehst sondern mit ihr dauerhaft zusammen sein willst:

    Lass die scheiße bleiben - wenn ihr Erfahrungen sammelt wollt, solltet ihr die gemeinsam machen.
     
    #2
    Fireman86, 18 Mai 2008
  3. JustAboutABoy
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Mach es nicht.

    Ich war vor ca. einem Jahr an einem sehr ähnlichen Punkt. Allerdings waren 6 Jahre dahinter, wobei das egal ist. Jedenfalls dachte ich erst auch, dass ich damit umgehen kann, dass es mir selbst auch gut tut und der Beziehung sowieso. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es mein grösster Fehler innerhalb einer Beziehung war - ich sagte, aus Angst sie zu verlieren, zu und kam irgendwann nicht mehr klar mit der Situation. (beide hatten damals nie Sex mit jmd anderem, allerdings ging sie sehr weit mit einem Typen). Ich hab aus Liebe gegen meine Meinung entschieden und es bereut.

    Sollte das nächste mal jemand mit so einem Vorschlag kommen, kann sie gleich in die Wüste gehen.

    € Ach ja - Vertrauen ist für mich das Fundament einer Beziehung. Auch wenn beide Seiten ehrlich sind - entweder seit ihr so ehrlich, dass mind. einer verletzt wird. Oder es entsteht Misstrauen. Und beides bedeutet früher oder später das KO einer Beziehung.

    €2: Ich formuliere es noch ein bisschen spitzer: Sie setzt damit nicht eure Beziehung aufs Spiel, sie macht sie def. kaputt.
     
    #3
    JustAboutABoy, 18 Mai 2008
  4. Fireman86
    Fireman86 (30)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    Single
    Yep, das mit eindeutig jedes Vertrauen!

    Kann ich so unterschreiben!
     
    #4
    Fireman86, 18 Mai 2008
  5. I´m in LOVE
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    @ herbert
    also zuerst mal: der text ist echt wahnsinnig gut und gefühlvoll geschrieben!

    mir gehts genauso wie deiner freundin, wobei es bei uns so ist dass wir beide bald 19 werden und seit mehr als 2 jahren zusammen sind und davor noch keine anderen (sex)partner hatten.
    Mich selber macht es auch fertig wenn ich mich dabei erwische wie ich denke "wow der typ is ja hammer, mit dem würd ich gern mal" aber da der wunsch mit einem anderen zu schlafen immer stärker geworden ist habe ich mit meinem freund darüber geredet und er hat mir quas die erlaubnis gegeben. Ich muss dazu sagen dass das jetzt einige monate her ist und seit dem gespräch ist irgendwie der reiz gar nicht mehr so groß bzw weiß ich jetzt selber nicht mehr ob ich es wirklich könnte!

    so das waren nur kurz meine erfahrungen zu diesem thema, vielleicht kannst du ja doch was damit anfangen ;-)

    lg
     
    #5
    I´m in LOVE, 18 Mai 2008
  6. herbert24
    herbert24 (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    86
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    in einer Beziehung
    Zunächst einmal vielen, vielen Dank für all eure netten Worte.

    @Fireman86:
    Nein, eine Lebensabschnittsgefährtin sehe ich in meiner Liebsten ganz und gar nicht. Für mich ist sie der wunderbarste und ehrlichste Mensch, den ich kenne - und gerade letzteres weiß ich an ihr in dieser jetzigen Situation ganz besonders zu schätzen.

    Bei mir ist es genauso wie bei dir: Einfach so jemanden für einen One Night Stand aufzureißen, liegt mir nicht - ich würde mich dabei nicht wohl fühlen und da schon die Motivation dazu fehlt, glaube ich nicht, dass es jemals passieren wird.

    Und bei dir war das anders? Das heißt, du hast dich darauf eingelassen? Oder meintest du mit "ich habe es auf jeden Fall hinterher bereut", dass sie Sex mit jemand anderem hatte?


    @JustAboutABoy:
    Das, was du sagst, klingt im Grunde sehr vernünftig. Natürlich weiß ich jetzt nicht zu hundert Prozent, ob ich hinterher - d.h., sollte es dazu kommen, dass meine Freundin Sex mit jemand anderem hat - nicht völlig anders reagiere.

    Ein Vertrauensbruch entstünde ja nur dann, wenn man das Vertrauen oder den "gutgläubigen" Partner ausnutzt und etwas tut, was diesen verletzt. Mir ist schon klar, dass eine Abmachung wie die unsere trotzdem die gleichen Folgen nach sich ziehen kann wie ein heimlicher Seitensprung, weil ich wie gesagt nicht hundertprozentig sicher sagen kann, wie ich hinterher damit umgehe.

    Misstrauen ist - da gebe ich dir völlig Recht - natürlich ein totales K.O.-Kriterium einer Beziehung. Zum Glück sind wir an diesem Punkt nicht angelangt und ich bin nicht nur optimistisch sondern auch sicher, dass es bei der gegenseitigen Offenheit bleibt. Wir tun uns beide damit einen großen Gefallen, denn mit dem Gefühl, den anderen absichtlich zu verletzen, könnte keiner gut leben.

    @I´m In LOVE:
    Zuerst mal danke für dein Lob, obwohl ich meinen Text gar nicht so wunderbar strukturiert finde, weil ich ihn in einer Situation geschrieben habe, wo ich noch ein bisschen "durch den Wind" war... Aber gefühlvoll sollte er schon rüberkommen - schön, wenn mir das gelungen ist.

    Vor allem ist es aber schön, mal ein Statement aus einer ähnlichen Perspektive wie der meiner Freundin zu hören. So ganz ungewöhnlich ist der Wunsch, trotz (glücklicher) Beziehung Sex mit einem Anderen zu haben, offenbar nicht. Es ist wohl zum Teil etwas sehr Unterschiedliches jemanden zu lieben oder einfach nur Sex zu haben.

    Dass sich dieser Wunsch auch irgendwann wieder fast von alleine legen kann, ist natürlich - wie man bei dir sieht - auch gut möglich.

    Der aktuelle Stand bei mir und meiner Freundin ist nun folgender:

    Nach einem sehr netten Grillabend bei Freunden, zu dem wir gemeinsam gegangen sind, hat mich meine Freundin nach Hause gefahren und wir mussten einfach noch einmal über unser Beziehungsproblem reden. Tja, für Außenstehende waren wir auf dem Grillabend wohl ein glückliches Pärchen, das hin und wieder auch gerne Zärtlichkeiten austauscht. Für uns beide war das halt auch wieder eine Gelegenheit zu sehen, wie gern wir uns haben und wie nah wir uns in so vielen Dingen stehen.
    Meine Freundin aber machte mir deutlich, dass sie im Moment total im Konflikt mit ihren Gedanken steht. Sie hat nach wie vor das Problem, dass sie sich nicht sicher ist, ob das wirklich Liebe ist, was sie für mich empfindet. Das läge aber weniger daran, dass sie sich unwohl in meiner Nähe fühlt oder gern weniger Kontakt zu mir hätte, sondern so ein Gefühl wie das Verliebtsein am Anfang zur Zeit vermisst. Dazu kommt, dass sie im Moment wirklich unglaublich viele Probleme um die Ohren hat, ihr Studium sie an allen Ecken und Enden einspannt und sich dabei selbst nur zu gern so sehr unter Druck setzt, dass sie sich sagt, sie schaffe das alles nicht. Die Verzweiflung stand ihr wirklich ins Gesicht geschrieben - und es muss unglaublich hart sein für sie sein sagen zu müssen, dass ich der wichtigste Mensch in ihrem Leben bin und sie mich keinesfalls verlieren will, gleichzeitig aber zweifelt, ob es wirklich Liebe ist, was sie für mich empfindet.

    Tja - Liebe ist ja nun ziemliche Definitionssache, wobei es letztlich eigentlich völlig egal ist, wie man sie definiert - letztlich kommt es doch nur darauf an, dass man selbst fühlt und für sich sagen kann, "Ja, das ist jetzt für mich Liebe". Bei meiner Freundin sieht es leider so aus, dass sie geradezu zwanghaft eine greifbare, verbale Definition von Liebe zu finden versucht, aber schlichtweg keine Ruhe findet, um sich einfach nur einmal von rein gefühlsmäßiger Seite, ohne zwingende Erklärungen, der Frage zu stellen. Und das ist jetzt keine Einschätzung von mir über sie, sondern gibt das wieder, was unser Gespräch ergeben hat.

    Zu der Seitensprungs-Problematik steht sie nach vielem Nachdenken mittlerweile so, dass sie mich eigentlich auf gar keinen Fall mit jemand anderem betrügen will und kann. Sie fühlt sich schuldig, dass sie so selbstsüchtig ist und "besseren" Sex will. Ich habe versucht ihr deutlich zu machen, dass es hier eigentlich gar nicht vorrangig um irgendeine Schuldfrage geht, sondern darum, wie wir eine für uns beide zufriedenstellende Lösung für das Problem finden. Klar, die eine Variante wäre die gewesen, mit anderen Sexualpartnern "zu üben" bzw. herumzuexperimentieren. Die andere ist, es einfach zusammen zu lösen.

    Mein Gott, so schwer kann es doch nicht sein, mal ein paar Schalter im Kopf umzulegen und etwas "unverkopfter" Sex zu haben, denke ich mir. Es gibt ja schließlich auch die Möglichkeit, bei "drohendem" frühzeitigen Ejakulieren spontan und nicht weniger wild eine andere stellung einzunehmen und sich zwischendurch auf andere Weise zu verwöhnen. Dass ich beim Sex körperlich ab einem gewissen Punkt einen Gang runterschalte, hat ja erstmal auch nur den Grund, dass sich im Kopf tausend Gedanken abspielen, was ich jetzt alles beachten muss, um die tolle Situation jetzt bloß nicht zu gefährden. Ein spontaner Stellungswechsel würde dem Ganzen glaube ich die Angespanntheit nehmen, überhaupt spontan zu sein ist glaube ich das A&O, um den Sex wirklich aufregend und erfüllend zu machen. Das ist für mich zumindest die Erfahrung, die ich ganz klar aus dem Sex mit meiner Freundin gewonnen habe - wenn wir spontan eine andere Stellung eingenommen oder oft gewechselt haben, war es für mich leichter, "die Kontrolle zu behalten" (ohne groß den Kopf dabei zu bemühen) und für uns beide im Ergebnis ein wesentlich besseres und erfüllenderes Sexerlebnis - sieht man mal von einigen "Lernversuchen" zum Finden der richtigen Stellung ab.

    Tja, mit diesem Vorschlag bin ich meiner Freundin dann bei unserem Gespräch noch nicht gekommen, der Gedanke hat sich ja auch erst danach entwickelt. Ergebnis unseres Gesprächs war vielmehr, dass wir uns jetzt bis Freitag eine Kontaktsperre auferlegt haben - keine Zwänge für sie, erklären zu müssen, ob sie mich liebt; kein Zwang, über diese Frage überhaupt nachdenken zu _müssen_, wenn sie im Moment einfach gerade tausend andere Dinge um sich hat; und vor allem - vielleicht einfach ein bisschen Ablenkung.

    Für uns beide irgendwie schon ein kleiner, großer Schritt. Wir haben uns zwar nicht jeden Tag gesehen, aber wie wir festgestellt haben, eigentlich jeden Tag zumindest miteinander telefoniert, sei es auch nur ein ganz kurzes Gespräch um zu sagen, dass man gerade an den anderen denkt, ihm eine gute Nacht wünscht oder einen Kuss "schickt". Insofern ist das, obwohl man wirklich nicht sagen kann, dass wir in den 1,5 Jahren ständig "aufeinander gehockt" haben (das erste Dreivierteljahr habe ich noch nicht mal in derselben Stadt gewohnt, sonder 200 km entfernt), ein ziemlich bedeutender Schritt für uns. Wir denken, dass das vielleicht eine Möglichkeit ist, wieder zu "lernen", sich auf den anderen "so richtig" freuen zu können, also richtig intensiv das Gefühl zu haben, den anderen zu vermissen. Denn das ist bei uns beiden nun schon eine ganze Weile her, dass wir das spüren konnten. Für mich jedenfalls ist das auch ein Gefühl, was ich mit Liebe in Verbindung bringe - natürlich abhängig von der Intensität des Vermissens - na ja, ist halt doch irgendwo ein reines Bauchgefühl...

    Aber was wäre so eine Abmachung, wenn meine Süßeste sich nicht noch ein kleines Hintertürchen offen gehalten hätte? :smile: Wenn es ihr ganz schlecht gehen sollte, ist ein Anruf erlaubt... Gilt natürlich auch umgekehrt für mich, wobei ich diesen Joker nicht vorhabe einzusetzen.

    Irgendwie bin ich so froh darüber, dass man ein Beziehungsproblem auch so rücksichtsvoll und ehrlich angehen kann - meine ersten beiden Erfahrungen, die ich zu diesem Thema machen durfte, waren mit einem Wort nur schrecklich.
     
    #6
    herbert24, 19 Mai 2008
  7. JustAboutABoy
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    nicht angegeben
    Ich weiss nicht, was du vorher erlebt hast, aber ich würd deinen/euren Zustand momentan als schrecklich definieren. Weil das Ding mit der Kontaktsperre, dem Zeit geben, auf Abstand gehen, nach Möglichkeiten suchen etc. haben wir genau gleich durchgemacht. Ich kann noch mehr schreiben solange es erwünscht ist, das wird dann aber ein bisschen länger weshalb ich es nur auf Verlangen mache :zwinker:
     
    #7
    JustAboutABoy, 19 Mai 2008
  8. herbert24
    herbert24 (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    in einer Beziehung
    Wenn es deine Zeit zulässt - ich bitte darum! Es hört sich ja ganz so an, als hätte das auf Abstand Gehen bei dir/euch nichts gebracht...
     
    #8
    herbert24, 19 Mai 2008
  9. JustAboutABoy
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Das ist genau der Knackpunkt. Das muss jeder selbst für sich abmachen - allerdings kenn ich eigentlich nur solche, die dachten sie kommen damit klar (was evt. auch eine zeitlang stimmte) und am Ende kam es schlimmer.

    Bei uns war es so, dass sie darauf jemanden kennengelernt hat und diesem auch nur am Rande von uns erzählt hat. Während unserer offenen Beziehung küssten sie sich, mehr lief da nicht. Auch redeten wir über alles und ich konnte ihr vertrauen. Jedenfalls entwickelte sich eine extreme Unsicherheit - ging sie in den Ausgang, so kamen Gedanken wie "was ist wenn". Ich versuchte sie darauf zu kontrollieren. Nicht kontrollieren direkt aber z.Bsp Kontrollfragen stellen. Irgendwann fühlte sie sich dadurch gezwungen, sich mir gegenüber zu rechtfertigen. Naja, kann und konnte beide Seiten verstehen. Ich war verzweifelt, wusste nicht mehr wo ich selbst stand und konnte mit der Situation nicht so toll umgehen wie ich mir das Anfangs dachte. Auch sie hatte zunehmends Probleme damit aber was soll ich sagen? Die Kreisel haben begonnen sich zu drehen. Ich habe daraufhin temporär Schluss gemacht und ihr klar gesagt, dass ich da nicht mehr mitspiele und sie sich melden kann, sobald sie einen klaren Kopf hat. Nach 3 Tagen konnten beide nicht mehr, tragen uns zur Aussprache. Wir wollten alles besser machen; dahinter waren schliesslich 6 Jahre, vollstes Vetrauen und eigentlich der Seelenpartner. Doch die vielen Situationen kamen immer wieder hoch, es blieb ein Misstrauen. Wir genossen jede Minute zusammen, wussten eigentlich, dass wir zusammengehören. Doch sie war nach wie vor in einem Konflikt...das gab natürlich immer wieder Diskussionen. Also gingen wir auf Abstand, damit waren allerdings beide nicht glücklich. Bis wir dann schlussendlich in einem Schwebezustand gelandet waren, wo keiner von uns ein Ausweg fand. Wir trennten uns daraufhin...

    Ich konnte meine Freundin in dieser Zeit verstehen. Ich hatte selbst eine solche Phase, allerdings ~1.5 Jahre früher. Ihr einziger Fehler war, dass wir darüber gesprochen haben solange sie keine Ahnung hatte, wohin sie wollte. Ich machte es mit mir selbst ab (manche nennen es Egoismus, ich Vorsicht) und wusste, dass ich nur sie wollte. Doch durch ihre Gespräche und Unsicherheit, wurde auch ich verunsichert. Und sie erkannte nicht wirklich, wie tief es mich verletzt hat. Ich mein, das körperliche fremdgehen ist das eine. Aber der emotionale Schmerz sitzt um einiges tiefer und das Wissen, dass es sich dabei um seine Freundin handelt...naja, nicht einfach.

    Allerdings kann ich dir keinen Tipp geben. Als ich in deiner Situation war, dachten wir, dass wir alles richtig gemacht haben. Haben wir vielleicht auch, auch wenn wir nun getrennt sind. Für mich war und ist es auch wichtig zu sagen "Damals war es die richtige Entscheidung". Ich habe so entschieden, wie es für mich richtig aussah. Auch wenn ich im Nachhinhein vieles anders machen würde...

    Falls du noch mehr wissen willst, gib einfach Bescheid. Kann auch sein, dass mein Text ein bisschen verwirrt wirken mag - liegt daran, dass ich zu dieser Zeit ziemlich aufgewühlt war und chronologisch wohl nicht mehr alles ganz richtig im Kopf habe. Sind zuviele Tränen geflossen damals..

    Noch wegen dem auf Abstand gehen: Wir wussten, dass wir uns lieben. Aber wir befanden uns in einer Sackgasse. Wir gingen auf Abstand und vermissten einander. Wir sahen uns wieder und waren glücklich (das ist heute noch so eigentlich). Allerdings ist auf Abstand gehen nie die Lösung - das Problem liegt woanders und man verschiebt es einfach. Probleme löst man, indem man miteinander das Problem überhaupt findet, Lösungswege bespricht und sich dann festlegt. Aber in einer Beziehung Probleme lösen zu wollen, in dem man nicht redet scheint für mich ein Trugschluss zu sein. Mag sein, dass es Fälle gibt in denen es geklappt hat - ich hab damit allerdings negative Erfahrung.
     
    #9
    JustAboutABoy, 19 Mai 2008
  10. herbert24
    herbert24 (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    86
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    in einer Beziehung
    Sie war da!

    Die uns selbst auferlegte knapp einwöchige Kontaktsperre ist seit vorhin vorbei!

    Da meine Eindrücke erst einige Minuten bzw. Stunden alt sind, möchte ich sie gerne sofort hier festhalten - vielleicht auch, um später noch einmal zu sehen, ob sich meine Eindrücke geändert haben.

    Um es kurz zu machen - es ging los mit einem sehr, sehr unguten Vorgefühl (Angst davor, dass sie jetzt Schluss macht), entwickelte sich zu einem Gefühl der Hoffnungslosig- und Endgültigkeit, schlug dann aber abrupt um in Überraschtheit, Glücklichkeit und Zuversicht. Was fehlt, und das ist im Nachhinein schon sehr merkwürdig, ist jede Art von Enttäuschung oder Verletztsein.

    Aber lest euch einfach mal durch - und schreibt hinterher vielleicht eure Gedanken dazu.

    Je näher die Uhrzeit, zu der wir uns verabredet hatten, und die das Ende unserer fünftägigen Kontaktsperre bedeuten sollte, rückte, umso unruhiger wurde ich. Einerseits war ich ja guter Hoffnung, dass wir jetzt im Gespräch herausfinden werden, dass es für all unsere Probleme irgendeine (gemeinsame) Lösung geben wird. Aber der Gedanke, dass meine Freundin einfach - um es möglichst kurz und "schmerzlos" zu machen - einen Schlussstrich unter unsere Beziehung zieht, beherrschte mich immer mehr. Kurz, ich war absolut unsicher und nervös.

    Der Augenblick, als sie vor meiner Tür stand, war ebenso wundervoll wie voller Aufregung. Ich zitterte wie vor einem ersten Date und begann gleich damit, jede ihrer Bewegungen zu deuten. Dabei sah ich schon eine Hiobsbotschaft darin, dass man sich nicht einfach glücklich in die Arme fiel, weil man sich endlich wiedersehen konnte. Aufgrund der Bedeutsamkeit unseres Beziehungsproblems wäre das allerdings auch klar zu viel verlangt gewesen, wie mir auch eigentlich im selben Moment bewusst wurde.

    Ich hatte ein wenig in meiner Wohnung umgeräumt und so blieb es zunächst bei diesem oberflächlich anmutenden Smalltalk. Als wir uns gesetzt hatten, fragte meine Freundin zu allererst, wie es mir gehen würde. Ich konnte darauf keine wirkliche Antwort geben, nur, dass ich mich unglaublich freue sie wiederzusehen, gleichzeitig aber auch unsicher bin, was jetzt geschehen wird. Die Frage richtete ich also auch an sie und mein Eindruck war, dass sie sich jetzt innerlich fasste, einen Moment Luft holte und sehr überlegt vorging. Sie sagte mir, dass sie in den letzten Tagen viel nachgedacht, aber auch mit einigen Leuten geredet hätte und sie sich nun über vieles sehr viel klarer sei, als vorher.

    Den Pessimismus konnte ich in dem Moment nicht abstellen...

    Sie begann damit, zu sagen, was sie an mir schätzt und mag. So wunderschön diese Worte auch waren, so ehrlich und wirklich ernste Komplimente beinhaltend, so sehr hörte es sich aber auch für mich an, dass daraufhin gleich das Fazit "Trennung" folgen muss.

    Sie mag an mir, dass ich so wunderbar aufmerksam ihr gegenüber bin, ihr auch in schwierigen Situation immer zur Seite stehe und ihr Kraft gebe, es so viele schöne Momente zwischen uns gegeben hat und sie mir einfach so viel Vertrauen entgegenbringen kann.

    Nach noch mehr lieben Worten, wurde sie jedoch ganz konkret in dem, was sie herausgefunden hatte - beim Nachdenken und durch Gespräche mit Freundinnen. Ein Problem ist, dass sie mich zwar süß findet, aber eben nicht attraktiv. Das mag sich, wenn man es so liest, ziemlich hart anhören, wenn man so etwas von der eigenen Freundin gesagt bekommt. Ihre Erklärung aber zeigte mir sehr schlüssig, dass sie damit keine grundlegende Abneigung gegen mein Äußeres hat oder mich gar hässlich findet, es aber vermisst, dass ich mir nicht das Gefühl gebe, mich für sie attraktiv zu machen.

    Tja, als sie das so sagte, habe ich auch gleich verstanden, was sie damit meint. Und ich muss zugeben, dass ich mich in der Hinsicht wirklich nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert habe. Natürlich laufe ich nicht wie der letzte Depp herum oder lege gar keinen Wert auf mein Äußeres. Ich bin auch kein unhygienischer Typ, der sich tagelang nicht wäscht und dann erwartet, von seiner Freundin trotzdem mit offenen Armen empfangen zu werden. Dass ich aber auch ein wenig nachlässiger in gewissen Dingen geworden bin, muss ich aber leider zugehen. Ich find's zum Beispiel nicht so schlimm, mal längere Zeit nicht zum Friseur zu gehen - okay, ich gebe zu, weil ich irgendwie zu faul dazu bin. In letzter Zeit zumindest... Auch bei Kleidung habe ich irgendwie in letzter Zeit nicht das Bedürfnis gehabt, mich z.B. schicker oder moderner kleiden zu müssen, sondern eher nach dem Motto "das, was ich habe, ist doch ganz okay". Das Paradoxe daran ist aber, dass ich eigentlich immer viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt habe, d.h. auch häufiger zum Friseur gegangen bin oder mir öfter mal ein neues Kleidungsstück gegönnt habe. Natürlich tut man das auch, um seiner Liebsten (äußerlich) besser zu gefallen. Nicht nur, aber eben auch. Den Gedanken, dass ich meine Freundin damit aber (zumindest ein wenig) begeistern könnte, habe ich wohl in letzter Zeit nicht gehabt.

    Doch Kleidung/Friseur sind natürlich nur Äußerlichkeiten am Rande, die sicher nicht allein zur Nicht-Attraktivität beitragen (ich schreibe extra nicht unattraktiv, weil meine Freundin mich natürlich nicht hässlich findet). Dazu kommt, dass ich auch für meinen Körper (außer gesundem Essen :smile:) nichts tue. Ein bisschen Sport zum Muskelaufbau oder zur Konditionsverbesserung, aber auch allgemein zum besseren Wohlbefinden, könnte wirklich nicht schaden - zumal ich das auch vor und am Anfang unserer Beziehung tatsächlich gemacht habe.

    Ja, ich habe mich wohl ein wenig gehen lassen - auch wenn es jetzt nicht an meinem eigentlichen Aussehen liegt, aber dass ich mir keine Mühe gebe, mich attraktiv für meine Freundin zu machen, ist wohl die eigentliche Ursache dafür, dass sie darin ein Problem sieht. Und eine Ursache zugleich, wie sie findet, denn das hätte auch negative Auswirkungen auf unser Sexleben. Ich Idiot, darauf hätte ich ja auch schon mal selber kommen können, dass meine "Verkopftheit" natürlich nicht das einzige Problem zum raren und dann auch noch schlechten Sex ist. Es kommt halt eins zum anderen...

    Das nächste Problem - meine Fixierung nur auf sie. Stimmt mittlerweile leider. Natürlich ist es schön, mit dem Partner Zeit zu verbringen. Ich habe aber in letzter Zeit aber darüber "vergessen", auch andere Freunde zu haben als meine Partnerin. Nein, vergessen kann man nicht sagen. Aber ich habe, und das habe ich mir auch schon vor unserem Gespräch selbst eingestanden, es wirklich schleifen lassen, selbst die Initiative zu zeigen und etwas mit Freunden zu unternehmen. Klar, wenn jemand gefragt hat, war ich dabei - aber irgendwie war es auch immer mehr so, dass dann auch meine Freundin mit dabei war. Einfach nur mal einen Abend oder einen Nachmittag alleine mit einem Freund / einer Freundin verbringen? Das war schon lange her. In dieser Woche habe ich das akut gemerkt, wie sehr mir solche Dinge eigentlich fehlen - erklären, warum ich so initiativlos gewesen bin, kann ich mir eigentlich immer noch nicht. Aber angefangen, diese Unart zu ändern, habe ich schon. Einfach mal spontan mit Freunden getroffen. Alleine, auch einzeln, aber ohne meine Partnerin. Und siehe da, es war gar nicht so schwer - warum auch?!

    Der nächste Punkt war, dass meine Freundin darüber hinaus denkt, dass ich neben ihr nichts Wirkliches in meinem Leben hätte, wofür ich mich wirklich reinhänge - d.h., neben der Arbeit. Das war früher anders - also früher heißt, noch bevor ich meine Freundin überhaupt kannte. Soziales Engagement, Filme mit Freunden selbstgedreht etc. - Hobbys, für die ich immer weniger Zeit gefunden habe, auch durch mehr Arbeit. Das liegt aber wohl daran, dass meine Arbeit gleichzeitig auch mein Hobby ist und ich wirklich gern arbeite.
    Um in diesem Punkt Klarheit zu schaffen: Es ist nicht die (viele) Arbeit, was meine Freundin an mir stört. Im Gegenteil, das ist etwas, wofür sie mich bewundert, wo sie stolz auf mich sein kann, wo sie von mir beeindruckt ist. Bei meinen "ehemaligen" Hobbys wäre sie das auch (über die Ergebnisse ist sie es immer noch...). Nur dass ich im Augenblick mir keine Zeit dafür nehme, verhindert, dass sie dieses Gefühl bekommt.
    Was sie daran stört ist aber natürlich auch - und vor allem - dass ich damit nicht glücklich sein kann. Und damit hat sie Recht, so wirklich glücklich - wenn ich mal ganz tief in mich gehe - bin ich damit natürlich nicht. Ich habe nur eine andere Art, damit umzugehen: Ich nehme es so hin, denke mir, deine Arbeit macht dir auch Spaß, die bringt auch Erfolgserlebnisse, also konzentrier dich nur darauf.

    Zusammengefasst findet mich meine Freundin also nicht mehr attraktiv, stört sich an meiner Abkapselung von Anderen und würde mich gerne mehr "bewundern" können bzw. einen tollen Eindruck von mir bekommen, weil ich mich für eine Sache richtig ins Zeug lege. Welche, sei jetzt erstmal dahingestellt.

    "Und deshalb..." - in dem Moment habe ich damit gerechnet, dass sie mit etwas kommt wie "... sehe ich keine Chance mehr für eine Beziehung und wir sollten uns trennen."
    Es kam aber völlig anders. So anders, dass ich wohl ziemlich verdutzt ausgesehen haben muss und meine Verwunderung auch offen zugab.
    Ihr Fazit war nämlich, dass sie glaubt, dass wir unsere Beziehung noch retten können - und das will sie unbedingt versuchen, weil sie mich auf keinen Fall verlieren will, weil ich ihr verdammt wichtig bin.

    Das hat mich innerlich umgehauen und mir, nein nicht nur mir, die Tränen in die Augen schießen lassen. Wie kann das sein, dass sie uns trotz dieser Probleme eine Chance gibt? Dass ich mich auch mehr auf mich selbst konzentrieren, das hätte ich noch verstanden (ist ja auch schließlich mein Ansatzpunkt gewesen, etwas zu verbessern). Aber wenn ich für sie nicht mehr attraktiv bin, wie sollte sich das ändern lassen?

    Das Entscheidende daran ist, dass ich das, was ich oben bereits habe mit einfließen lassen, erst nach und nach realisiert habe. Zum Beispiel, dass ich sehr wohl Einfluss darauf nehmen kann, mich wieder attraktiv - oder auch "interessant" - für meine Freundin zu machen. Sie vermisst u. a. ja auch das Gefühl, dass sie "um mich kämpfen muss", d.h. ich gebe ihr halt nicht das Gefühl, dass sie sich sonderlich um mich bemühen muss. Und dass alle Probleme irgendwie zusammenhängen, wird mir nun auch immer klarer.

    Meine Freundin erzählte mir, wie es dazu kam, dass sie merkte, dass sie irgendetwas in unserer Beziehung störe. Die Zweifel, dass sie mich nicht mehr lieben würde, kamen ihr schon vor ca. einem halben Jahr. Sich selbst gegenüber hat sie sie aber ignoriert, weil sie fand, wenn sie mit mir zusammen ist, fühlt sie sich gut und geborgen. Dann kam jedoch hinzu, dass sie irgendwann andere Männer (körperlich) attraktiv, begehrenswert, fand. Attraktiver als mich. Sie verstand das als Zeichen dafür, dass unsere Beziehung damit nicht so ganz in Ordnung sein könne, war aber gedanklich nie so weit, dass sie jemanden, den sie attraktiv fand, sich auch als Partner hätte vorstellen können. An dieser Stelle stand eben ich, denn bis auf diesen kleinen, großen "Schönheitsfehler", war sie mit unserer Beziehung sehr zufrieden.

    Was soll ich sagen? Ich war irgendwie mit einem Mal so glücklich, dass es wirklich eine realistische Chance gibt, unsere Beziehung zu retten. Nicht um der Beziehung willen, sondern weil die Veränderungen für uns beide besser und nötig sind. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist uns auch klar, aber wir wollen es auf jeden Fall versuchen.

    Mit einem Mal wurde sie jedoch wieder stiller und meinte, sie müsste mir jetzt noch etwas sagen. In dem Moment ging wieder meine Pessimismus-Vorahnung an und ich glaubte wieder zu wissen, was jetzt kommt: der geplante (erlaubte) Seitensprung war bereits geschehen.

    So hörte es sich an... Vor zwei Wochen hat sie auf einer Party jemanden kennengelernt, mit dem sie sich gut verstanden hat. Sie haben vereinbart, sich eventuell noch einmal zu treffen. Sie war sich zunächst unsicher, was sie nun von ihm halten sollte, beschloss dann aber, genau das herauszufinden. Meine Freundin war dann vor 1,5 Wochen bei ihm zuhause. Sie hätte sich zwar auch gut mit ihm unterhalten, aber sonderlich tiefgehendere Gespräche seien mit ihm nicht möglich gewesen. Zögerlich beichtete meine Freundin mir, dass sie ihn geküsst habe und sie dabei eine starke körperliche Anziehung empfunden habe und ...

    Gut, das war für mich der Moment, wo ich dachte, jetzt sagt sie mir, dass sie mit ihm geschlafen hätte. Ich kann es kaum beschreiben, irgendwie war ich während dieser Erklärung total ruhig, eigentlich gar nicht aufgebracht, für mich war irgendwie bereits klar, dass sie sich halt Gewissheit verschafft hat - und damit gut.

    Aber es kam natürlich wieder anders, was ich mir eigentlich hätte denken können bei meiner Vorahnung, die ja scheinbar grunsätzlich irrt.
    Das Verlangen nach körperliche Zuneigung sei dagewesen, aber sie habe nicht mit ihm geschlafen und sei dann nach Hause gegangen.

    Anfang dieser Woche, unserer Kontaktsperren-Woche, war sie sich noch immer unsicher, was sie nun für diesen jemand empfindet. Sie hat sich daraufhin noch einmal mit ihm getroffen, um das herauszufinden. Als sie ihn dann auch noch mit nach sich zu Hause genommen hat, war es aber vorbei für sie. Ihr war klar, dass sie das nicht wollte und schickte ihn weg. In dem Moment, sagte sie, sei ihr auch klar geworden, dass sie mir das nicht antun will und könne.

    Meine Reaktion darauf war weiterhin gelassen, auch wenn ich tatsächlich glaubte, dass ich auch einen Seitensprung verkraftet hätte. Ob das so wäre, sei mal dahingestellt. Meine Freundin irritierte meine Reaktion allerdings, sie fühlte sich schuldig, mich so unfair behandelt und mir nichts gesagt zu haben von dem Zwischenfall. Es sei halt auch nicht nur Rumgeknutsche gewesen, da sie ja schließlich fast mit ihm im Bett gelandet sei. Nicht nur schuldig, auch schlecht fühlt sie sich, mich damit verletzt zu haben und fragte mich, ob ich es richtig fände, dass sie es mir gesagt hätte.
    Ich bejahte das und fand auch, dass es sogar noch richtiger sei, dass sie es erst jetzt gesagt hat. Ich glaube, wäre ich damit so aus heiterem Himmel konfrontiert worden, ohne um ihre (unsere) Probleme zu wissen, ich hätte vermutlich anders reagiert - auf jeden Fall enttäuschter und verletzter.

    Was merkwürdig ist: Ich fühle mich auch jetzt nicht verletzt, habe irgendwie den Eindruck, als ob das passieren musste, um ihr und mir zu zeigen, dass etwas getan werden muss für unsere Beziehung. Meine Freundin sagt auch von sich, dass sie sich irgendwann nicht mehr richtig bemüht hat um uns, um mich. Eben weil sie sich sicher war, dass ich zu ihr stehe.

    Im Sexleben aber hatte dieses gegenseitige Nichtbemühen fatale Folgen: Miteinander zu schlafen war unerfüllt, letztlich für uns beide. Über die mangelnde Spontaenität haben wir auch gesprochen und befunden, dass die auf jeden Fall abgeschafft gehört... Also mehr "Einsatz" - von uns beiden.

    Als letztes machte meine Freundin noch den Vorschlag, dass wir zu einer psychologischen Beratungsstelle an der Uni gehen könnten, da dort auch Paaren geholfen wird - wovon ich sehr angetan war, da ein Außenstehender uns vielleicht besser dabei helfen kann, wie wir unsere Problemlösungsstrategie beginnen. Vielleicht aber auch erst einmal nur, um noch mehr Erklärungen für unsere Probleme zu finden.

    Leider musste meine Freundin gerade wieder weg, morgen sehen wir uns auf einer Party bei einer gemeinsamen Freundin. Am Sonntag wollen wir uns wieder treffen, um weiterzureden.

    Ich bin ein bisschen durcheinander, aber weniger als vorher. Glücklich, dass unsere Beziehung doch so viel wert ist, wie ich ihr an Wert gegeben habe. Und voller Erwartung, meine Liebste wiederzusehen und zu spüren.

    Die festen Umarmungen und das zarte Streicheln unserer Gesichter während unseres Gesprächs beginne ich schon wieder zu vermissen - und warte jetzt auf morgen, aber nicht ohne gleich einen Teil meines/unseres Problems zu bekämpfen: Ich werde eine Freundin anrufen, der ich mich mittlerweile gegen Mitte dieser Woche anvertraut hatte. So schön ein anonymer Beitrag im Internet auch sein kann, er ersetzt auf keinen Fall ein tolles Gespräch mit einem guten Freund oder einer guten Freundin. Und Freundinnen sind da wohl, so zeigt die Erfahrung, die einfühlsameren Gesprächspartner.

    Trotzdem danke an euch, die ihr mir so nette Ratschläge und Worte während dieser Phase des Wartens gegeben habt.
     
    #10
    herbert24, 23 Mai 2008
  11. herbert24
    herbert24 (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    in einer Beziehung
    Es ist schön, sich so ausgesprochen zu haben - und wir haben das auch noch weiter getan. Am Samstag, wir waren beide auf einer Party bei gemeinsamen Freunden, haben wir uns sehr lange über unsere Probleme unterhalten, d.h. viel mehr darüber, wie wir sie nun lösen wollen.

    Bei meiner Freundin ist nach wie vor das Problem vorhanden, dass sie nicht weiß, was sie will. Na ja - sie weiß es, aber nur zum Teil und das ist entscheidend.

    Sie weiß, dass sie mich nicht ganz verlieren will und kann, sie weiß aber nicht, ob sie mich liebt, auch wenn es sehr starke Gefühle sind, die sie mir gegenüber hat.

    Sie weiß aber auch nicht, ob sie diesen Typen, den sie geküsst hat, noch mal wiedersehen will oder muss.

    Sie weiß allerdings, dass es nur eine körperliche Anziehung ist, die sie an ihm gereizt hat.

    Sie weiß, dass sie im Moment nicht einfach so unsere Beziehung weiterführen kann bzw. sofort damit beginnen kann, sie neu aufzubauen und zu entdecken, ohne vorher zu wissen, was sie will.

    Was schwierig ist: Sie braucht jetzt eine Pause, sie will jetzt Zeit für sich zum Nachdenken, aber sie will nicht den Kontakt zu mir abbrechen. Sie weiß auch, dass es wunderschön für sie und mich ist, sich in die Arme zu nehmen und die körperliche Nähe und Wärme zueinander zu spüren - auch wenn da in dem Moment bei ihr nichts Sexuelles mitspielt (hier müssten wir SEHR daran arbeiten, dass sie wieder Lust auf mich bekommt).

    Unser Gespräch war anfangs leider ein bisschen festgefahren - ich glaube, weil ich eine kurze, richtige Trennung nicht für gut befand und glaubte, dass diese nichts retten würde. Dass ich damit eher kontraproduktiv war, habe ich aber recht schnell selbst eingesehen und ihr gesagt, dass wir dann wohl eine Trennung in Kauf nehmen müssten.

    Die Gefahr bei mir ist, das weiß ich, dass ich in solch einer Situation dazu neige, meiner Freundin möglichst alles recht zu machen, ohne dabei auf mich zu achten. Ich habe daher eingesehen, dass ein Nicht-Trennen, sondern Fortführen einer "Beziehung" im Grunde bedeutet, mir selbst etwas vorzumachen.
    Bei einer (wenn auch nur zeitweisen, oder kurzen) Trennung, wäre das Gefühl, es könnte alles vorbei sein, zwar größer, auch würde ich sie wesentlich mehr vermissen - aber der Schmerz kann auch ein Ansporn sein, dass ich voller Kraft für die Beziehung kämpfen muss - und das ist vielleicht gerade das, was meine Freundin will: mehr Enthusiasmus (solange eher fair ist).

    Rücksicht, nein eigentlich eher Respekt und Verständnis, zolle ich meiner Freundin damit aber auch. Sie braucht die Zeit zum Nachdenken und das muss und will ich jetzt akzeptieren. Die Hoffnung, dass wir beide unsere Beziehung wieder neu erfinden können, grenzt schon an einer Gewissheit, die mich stark macht. Stärker jedenfalls, als ich zu Anfang war.

    Und ich weiß auch, was mich gerade so stark macht: Die offenen Gespräche, bei denen wir immer wieder etwas Neues über uns herausgefunden und dem anderen gegenüber gesagt haben.

    Nach der Feier sind wir beide noch ein Stück zusammenen auf dem Nachhauseweg gegangen und blieben kurz vor der Weggabelung stehen, um noch einmal ein intensives Gespräch fortzuführen. Dabei haben wir so offen wie noch nie über unsere Sexprobleme geredet und festgestellt, dass wir da beide Fehler gemacht haben. Hauptgrund war die fehlende Kommunikation, ich habe mich unter Druck gesetzt gefühlt, dabei meine eigenen Wünsche zurückgestellt, letzteres hat sie auch, um mich nicht unter Druck zu setzen. Paradox? Genau, das war es wohl. Aber es ist definitiv so, dass der Zustand geändert werden kann, schon allein, weil wir nun unsere Wünsche - sie möchte beim Sex "erobert" werden statt von vornherein das Ruder zu übernehmen - kennen. Vielleicht haben wir sie vorher schon erahnt, aber so deutlich wie jetzt haben wir sie uns nie gesagt.
    Bei mir sieht es so aus - ich finde es schon reizvoll, wenn sie die Kontrolle übernimmt, bin aber auch neugierig herauszufinden, wie es umgekehrt ist. Dass ich das kann, daran habe ich keine Zweifel - und, was angesichts der derzeitigen Situation fast schon ein wenig merkwürdig daherkommen mag - meine Freundin auch nicht.

    Wir haben das Gespräch in trauriger Stimmung begonnen und in wesentlich besserer beendet und uns auch so voneinander verabschiedet.

    Dass wir uns jetzt einfach Zeit geben müssen, das werde ich ihr in unserem nächsten Gespräch noch einmal in aller Klarheit sagen. Und, dass ich auch bereit bin, das zu tun.
     
    #11
    herbert24, 25 Mai 2008

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