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Es fehlte nur noch der Regen

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von feeX, 22 Dezember 2004.

  1. feeX
    Gast
    0
    Es fehlte nur noch Regen, um den Abend perfekt zu vermiesen. Kein Stern am Himmel, kalter Wind - ich schauderte in meinem Top, hatte wie immer keine Jacke oder Pulli dabei. Keiner aus der Clique war zu sehen - "Bis du da bist, sind wir auch schon auf dem Weinfest!" - natürlich. An meiner Seite plapperte ein entfernt Bekannter Unwesentlichkeiten in mein Ohr, die Tatsache ignorierend, dass ich ihm nicht zuhören mochte. Mein Blick brannte sich arrogant neben den Kopf meines Ex Freundes, an die Kirchmauer. An der er lehnte, mit einer anderen im Arm. Sich meines Blickes bewusst, die Lippen zu einem verächtlichen Lächeln verzogen.

    Wieder spürte ich ihn...

    Wie lange war es her? Drei Wochen? Immer noch spürte ich seine Hände auf meiner Haut, sein Kopf auf meiner Schulter, seine Arme um meinen Leib. Sein Lächeln auf meiner Wage, die Augen in meinen versunken. Immer noch hörte ich die leisen Worte, leise wie fallende Stecknadeln - "Ich glaube, ich liebe dich wirklich total..." Wieder der Schmerz. Zeriss mich, innerlich, vor drei Woche. Jetzt und hier... er lächelte die andere an. Mit dem Mund, die Augen immer noch auf mich gerichtet...

    Ich erwiderte den Blick ohne sichtbare Regung.

    Wie lange schon? Zwei Jahre? Spielte er wirklich seit 2 Jahren diese alles überschattende Rolle in meinem Leben? Immer noch hörte ich die ersten Worte - "Gehst du mit?" - immer noch hörte ich bei diesen Worten Meer-Rauschen, immer noch Gänsehaut. Zwei Jahre später angereichert mit einem Kloß im Hals, bei diesem Anblick gar mit einem würgenden Stein in der Kehle. Küss sie doch, forderten meine Augen ihn kalt heraus, das Kinn trotzig vorgeschoben. Mich triffst du damit nicht.

    Er küsste sie. Ich wand mich ab.

    Ein Freund von ihm fing mich kurz vor dem Weinstand ab. Er redete mit mir, er lachte. Lächelte. Flirtete mit mir? Ich redet... lächelte... flirtete? Ein kurzer Blick zurück an die Kirchenmauer, zwischen uns Hunderte Köpfe und doch kein Mensch. Seine Augen verengt... die Brauen zusammengezogen beobachtete er - lauernd - das Reden, das Lachen. Das Flirten? Sein Grinsen von vorher spiegelte sich auf meinen Lippen. Siehst du wohl, sprach ich stumm. Küss ihn doch, antwortete er.

    Ich zögerte, er wand sich ab. Überhebliches Lächeln.

    Die Band auf der Bühne zwischen uns begann ein neues Lied. "Oh ich lieb dich, egal wie es klingt..." imitierte der Sänger "Pur" und meine Augen kehrten ohne meinen Willen zurück. Trafen sich über Hunderte andere Augen hinweg mit seinen Augen, versanken darin. Das Meer rauschte wieder. Das Überhebliche, die Arroganz verflog wie Rauch, ohne meinen Willen. Die andere legte die Hand auf seine Schulter als ihr bewusst wurde, dass er sie nicht länger beachtete. Er wischte sie weg, eine kurze, harte Handbewegung. Sprach weiter zu mir. Oder sprach nur mein Kopf von diesem unheimlichen Band, das wir erneut woben, das nie zeriss? "...ich lieb dich, ich weiß dass es stimmt..." und seine Augen glänzten wie meine es wohl taten.

    Es zeriss - in mir. Ich zeriss - den Blickkontakt. Lief blindlings los - wohin?

    Auf die Toilette. Kaum eine Zuflucht - nur ein menschliches Bedürfnis... augenscheinlich. Biss dort die Zähne zusammen, bis mein Kiefer knirschte. Presste die Augen zusammen, als ob sein Bild und seine Augen hinter der Schwärze verschwinden könnten. Einbildung, hämmerte mein Kopf. Das ewige Spiel. Keine Liebe, kein Fehlen! Minuten, die sich anfühlten wie Stunden, vergingen. Ein tiefer Atemzug, das Rückrat durchdrücken, straffen. Ich stand auf, warf die Haare in einer bewusst arroganten Bewegung über die Schulter. Ging hinaus auf den Gang, das Gesicht wieder kalt.

    Er wartet auf mich.

    Weit weg rauschte das Meer, ich sah ihn von unten und doch von oben herab an. Die spöttisch verzogenen Lippen wollten sich öffnen, etwas sagen - kalt, arrogant, wie wir eben miteinander redeten. Aneinander vorbei? Bevor ich Luft holen konnte stieß er mich an die Wand, kalt und hart bohrte sich die Mauer in meinen Rücken. Er hielt meine Hände fest, sein Gesicht näherte sich, seine Lippen trafen meine hart. Ihn wegstoßen, schrie mein Kopf, mein Stolz. Schon verlor ich mich in ihm, umklammerte seine Hände in rasender Aufruhr und erwiderte den Kuss. Wie immer, seit diesen schier endlosen zwei Jahren entfachte es ein Fieber in mir, brennend, reißend, verlangend, schmerzhaft. Ich verschwand irgendwo in einem dunklen Strudel, Meerrauschen um mich. Tränen brannten hinter meinen Lidern während sich das alte Feuer neu entfachte. Meine Finger, von seinem umklammert, schmerzten fast. Ich war zu Hause. Minuten, die sich anfühlten wie Sekunden vergingen. Er löste sich, hielt mein Gesicht in beiden Händen, sah mich an. Ohne Arroganz - ohne Lächeln. Flüsterte, seine Lippen an meinen, "Du bist mein Mädchen. Für immer."

    Er ging. Lies mich alleine zurück. Fassungslos.

    Wieder im Freien, die Augen suchten meine Leute in dem Gemenge; etwas anderes schrie nach ihm. Die anderen saßen an einem Tisch, ich lies mich neben seinem Freund nieder, der wieder redete... lächelte... flirtete. Offensichtlich flirtete. Sinnloses Unterfangen, flüsterte eine kleine Stimme hinter meiner Stirn. Sie flüsterte seinen Namen, immerzu. Ein Zittern überlief meinen Körper, im Nacken stellten sich die Haare auf. Gegen jede Erfahrung drehte ich meinen Kopf, sah ihn, vielleicht 10 Schritte entfernt, an einem anderen Tisch. Er küsste die andere. Wie er mich geküsst hatte? Alles in mir spannte sich an, verhärtete sich kurz. Ich hätte es wissen müssen, dass sein "Für immer" nur ein kurzer Moment war.

    Ich straffe mich, drehte mich, zu seinem Freund.

    Der lächelte, redete. Flirtete. So offensichtlich wie sinnlos. Nur das Timing stimmte perfekt. Ich lächelte zurück. Redete. Flirtete. So offensichtlich wie ohne Gefühl. Nicht ganz, brennender Hass loderte hinter den flirtenden Augen, die kurz sein Gesicht streiften. Sein Blick kalt, über mich lachend. Du tust es ohnehin nicht, sprach er. Du bist mein Mädchen, ob du willst oder nicht. Weißt nie, ob ich dich will oder nicht. Seine Augenbrauen zuckten kurz belustigt in die Höhe. Es hieß: ich kenne dich...

    Das tust du, schrie mein Seitenblick.

    Nicht halb so gut wie du denkst, sprach meine Hand, die die seines Freunde berührte, sie plötzlich hielt, die Finger umschlungen. Unsicherheit flackerte auf, das arrogante Gesicht bekam Risse. Er löste sich von der andere. Redete kurz mit ihr. Ein kurzer Kuss auf die fremden Lippen - wie kurz "Für immer" war... Er stand auf, schlenderte gewohnt unterkühlt auf unseren Tisch zu. Als er ankam, küsste ich seinen Freund. Erst zögernd, dann überzeugter. Etwas in mir beruhigte sich dabei. Ich löste mich von den fremden Lippen ohne Bedauern - wie lange "Für immer" sein kann - und sah in seine Augen. Er ging, wortlos, ohne Verabschiedung, ohne an den Tisch der anderen zurückzukehren. Ein kleiner Sieg in unserem Krieg. Wie immer, so sehr ich es ignorierte, ging ein Teil von mir mit ihm, lies mich allein und verloren zurück.

    Es fehlte nur noch Regen, um diese Nacht perfekt zu vermiesen.
     
    #1
    feeX, 22 Dezember 2004
  2. Kimberly
    Kimberly (30)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    Es ist kompliziert
    wow! der text ist wunderbar geschrieben und hat nicht nur meine gedanken, sonder auch meine gefühle berührt.
     
    #2
    Kimberly, 22 Dezember 2004

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