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Eure Meinung?

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Dezember, 24 Mai 2008.

  1. Dezember
    Benutzer gesperrt
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    Single
    Hallo,

    es geht hier zwar nicht um mich, aber um meinen Freund. Ich würde einfach gerne eure Meinung hören, da mir selbst die ganze Situation so unverständlich ist.
    Mein Freund ist 18 Jahre alt und besucht zurzeit die 11. Klasse eines Gymnasiums. Die 9. Klasse hatte er aufgrund von Mobbing seiner damaligen Klasse freiwillig wiederholt.
    Vor etwa zwei 1/2 Jahren hat mein Freund schwere Depressionen entwickelt. Er hat immer versucht, alleine damit fertig zu werden, hat dann aber irgendwann eingesehen, dass das nicht funktioniert. Wir sind seit Sommer 2006 zusammen und im Sommer/Herbst 2007 war er dann für sechs Wochen in teilstationärer Behandlung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zu der Zeit konnte er die Schule nicht besuchen. Insgesamt war er nach der Therapie zudem noch ca. einen Monat krank, und hat so viele Fehlstunden, dass er mit dem Unterrichtsstoff einfach nicht mehr mitkommt und die Lehrer ihn auch gar nicht mehr bewerten können.
    Vor fünf Wochen hat er sich dann freiwillig stationär in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Diese Therapie hat er dann diese Woche abgebrochen, weil er es in der Klinik einfach nicht mehr ausgehalten hat.
    Seit er wieder zu Hause ist, hat er wieder total Stress mit seiner Mutter (seine Eltern sind geschieden). Sie hat ihm eine Woche Zeit gegeben um sich zu entscheiden. Entweder er macht eine Nachprüfung und geht in die 12. Klasse, oder er geht zurück in die Klinik, oder sie steckt ihn in ein Heim. Er will keine dieser Möglichkeiten. Aufgrund seiner vielen Fehlzeiten hat er viel zu viel verpasst, er müsste also (falls es überhaupt die Möglichkeit einer Nachprüfung gibt) die kompletten Ferien über lernen, dann im nächsten Schuljahr noch seine Defizite aus der 11 irgendwie aufholen und sich zusätzlich aufs Abitur vorbereiten. Zudem müsste er weiterhin zur Therapie gehen (er hat jetzt einen ambulanten Therapieplatz gefunden), Zeit für Freunde und Beziehung (also mich) finden, und das alles wo er psychisch eh völlig überfordert ist!
    Zurück in die Klinik will er nicht, und in dieses Heim erst recht nicht.
    Eine Freundin meiner Mutter arbeitet beim DRK als Betreuerin (Betreutes Wohnen). uf meine Bitte hin hat sie sich mit meinem Freund in Verbindung gesetzt. In einer dieser WGs wird gerade ein Zimmer frei, da kann er bald einziehen. Er hätte dann ein eigenes Zimmer und einen gesetzlichen Betreuer, der ihn unterstützt.
    Er hat das seiner Mutter noch gar nicht gesagt, denn sie wäre eh dagegen. Er kann sich den ganzen Tag anhören, er würde seiner Mutter nur auf der Tasche liegen und es wäre ihm ja egal wie viel sie ein weiteres Jahr kosten würde, das er zu Hause wohnt. Und er würde sich überhaupt nicht anstrengen und nicht einmal versuchen irgendwie das Schuljahr zu schaffen. Der Freund seiner Mutter redet auch andauernd auf ihn ein, rechnet ihm immer wieder die Kosten vor die er verursachen würde, und meint, wenn er sein Sohn wäre, dann hätte er ihn längst rausgeschmissen.
    Jetzt sind auch noch seine Großeltern zu Besuch bekommen, und die sind da auch nichts anders. Er soll jetzt bis morgen zwei Seiten schreiben, was er in seinem Leben erreichen möchte.
    Von allen Seiten reden sie auf ihn ein, lassen ihn aber selbst kaum zu Wort kommen, glauben ihm nicht und machen ihn total fertig. Sie meinten, er solle aufhören "rumzuheulen" und sich wie ein "Mann" verhalten!
    Verdammt nochmal, es geht hier um einen hochgradig depressiven Jungen! Aber nicht einmal das scheinen sie ihm zu glauben! Nachdem was er mir erzählt hat, scheinen sie ihm zu unterstellen dass er nur in die Klinik gegangen ist damit er eine Entschuldigung hat das Schuljahr zu wiederholen!
    Dass er mit Verdacht auf Borderline in die Klinik gekommen ist und dass auf seinem Entlassungsschein die Diagnose "schwere rezidivierende Depression" stand, scheinen sie alle zu ignorieren!
    Ich muss selbst zugeben, nach außen hin macht mein Freund meist einen sehr fröhlichen und selbstbewussten Eindruck. Aber so ist er nicht wirklich. Es fällt ihm sehr schwer, sich Menschen anzuvertrauen, und im Grunde zeigt er nur mir sein wahres Gesicht. Die haben alle nicht mitbekommen, wie er oft stundenlang weinend in meinen Armen gelegen hat, wie oft er von Selbstmord gesprochen hat (er hat mit 16 einen Selbstmordversuch unternommen). Er ist einmal mitten in einer Deutschklausur in Tränen ausgebrochen weil es in dem Text, den er behandeln sollte, um Selbstmord ging! Er hat sich mehr als einmal selbst verletzt, ist schon mehrmals ausgerastet, hat extreme Stimmungsschwankungen.
    Auch wenn er das so sehr zu überspielen versucht... Denken sie denn, diese Diagnose ist aus Spaß gestellt worden?
    Ich bin selbst nicht begeistert davon dass er die Therapie abgebrochen hat. Aber denken die denn dass irgendetwas besser wird wenn sie ihn so systematisch fertig machen und unter Druck setzen? Sie stellen Anforderungen an ihn, die er allein aufgrund seines Krankheitsbildes zurzeit gar nicht bewältigen kann.
    Ich finde es auch schade dass er jetzt zum zweiten Mal wiederholen muss (vor allen Dingen weil eindeutig nicht dumm ist - seine ehemalige Therapeutin hat ihn als hochintelligent eingestuft). Aber er hat so viel verpasst, war zudem so oft krank (was sehr wahrscheinlich am Stress liegt). Es ist wohl wirklich das beste für ihn, das Schuljahr zu wiederholen.
    Er ist inzwischen so weit, dass er einfach nur noch weg will und seine Familie nie wieder sehen möchte. (Ich hoffe dass sich zumindest letzteres noch ändert.)
    Ich bin froh, dass er da in diese WG ziehen wird und dann einen Betreuer hat (vermutlich wird das sogar die Freundin meiner Mutter sein). Dass er sich einfach mal auf sich konzentrieren kann, ohne dass ständig jemand auf ihn einredet und ihm Vorwürfe macht. Dass er sich einfach darauf konzentrieren kann gesund zu werden und sein Leben in den Griff zu bekommen.
    Mein Freund ist nicht dumm und er ist auch nicht faul. Wenn er etwas will, dann schafft er das auch. Und dass er das Schuljahr wiederholen möchte hat meiner Meinung nach absolut nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Er muss sich einfach erst einmal um seine Gesundheit kümmern und sich eine halbwegs stabile Grundlage schaffen. Wie soll er sich denn auch in seiner derzeitigen Situation aufs Abitur vorbereiten können?
    Ich kann einfach nicht verstehen, warum ihm nicht zumindest etwas Verständnis entgegengebracht wird. Sein Verhalten wird ja scheinbar als pure Faulheit gedeutet, und niemand scheint zu registrieren dass er einfach krank und völlig überfordert ist.

    So... Ich hoffe, dass das jetzt überhaupt irgendwer gelesen hat...
    Ich wollte mir einfach mal all das von der Seele schreiben und ich würde gerne einfach nur hören, was ihr dazu sagt.
    Bin ich zu nachgiebig mit meinen Freund? Oder ist das Verhalten seiner Familie für euch ebenso unverständlich wie für mich?

    Danke schon mal fürs Lesen!
     
    #1
    Dezember, 24 Mai 2008
  2. User 12900
    where logic cannot intervene
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    4.923
    nicht angegeben
    Hey du,
    viel helfen werden wir dir eh nicht können, aber ich bewundere, wie du mit der Situation umgehst und dass du so zu ihm hältst, ist ja sicher auch nicht immer einfach.
    Zu deiner Frage: Ich sehe es genauso wie du und finde es ehrlich gesagt er schreckend, wie sich seine Familie verhält!
    Vielleicht wissen sie aber auch genau, was mit ihm los ist und wollen es einfach nicht wahrhaben, weil er sich ja in ihrer Gegenwart doch immer recht normal verhält?
    Hat er oder ihr beide denn schon mal versucht, mit seiner Mutter darüber zu reden? Und was sagt sein Vater dazu, wäre das nicht vielleicht eine Möglichkeit?
    Da dein Freund aber ja jetzt ohnehin erstmal in die WG ziehen wird, sieht es doch für seine Therapie gar nicht mal so schlecht aus. Ich kenne mich damit leider nicht aus, aber wie wird sein betreutes Wohnen da finanziert? Nur von seiner Mutter? Gibt es da keine Zuschüsse o.ä.?
    Wünsche dir und ihm auf jeden Fall viel Glück, halt weiter so zu ihm! :smile:
     
    #2
    User 12900, 24 Mai 2008
  3. Dezember
    Benutzer gesperrt Themenstarter
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    Single
    Danke für deine Antwot! :smile:

    Während der Therapie gab es mehrere Gespräche zwischen meinem Freund und seiner Mutter zusammen mit dem Therapeuten. Da ging es auch eigentlich recht gut.
    Aber jetzt klappt das Reden scheinbar gar nicht mehr.
    Was sein Vater dazu sagt weiß ich nicht. Mein Freund versucht den Kontakt zu ihm möglichst gering zu halten.

    Auf der einen Seite kann ich seine Mutter ja verstehen. Dass er die Therapie einfach abgebrochen hat und dennoch das Schuljahr wiederholen möchte, ist halt nicht so toll. Aber ich denke dass die Schule im Moment wirklich erstmal zweitrangig ist. Wie soll er denn jemals gesund werden, wenn er immer unter Stress steht und unter Druck gesetzt wird? :kopfschue

    Wie das genau mit der Finanzierung ist wissen wir noh nicht. Das wird vermutlich bis er 21 ist vom Jugendamt übernommen.
     
    #3
    Dezember, 24 Mai 2008
  4. User 12900
    where logic cannot intervene
    9.748
    598
    4.923
    nicht angegeben
    Und wieso genau hat er die Therapie abgebrochen? Weshalb hat er es in der Klinik nicht mehr ausgehalten?

    Außerdem macht er doch jetzt eine ambulante Therapie, falls ich das richtig verstanden habe - was passt seiner Mutter denn daran nicht?
     
    #4
    User 12900, 24 Mai 2008
  5. Dezember
    Benutzer gesperrt Themenstarter
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    2
    Single
    Einfach dieses "in einer Klinik sein", einfach nicht in gewohnter Umgebung sein, das hat er nicht mehr ausgehalten. Zudem hatte er Stress mit ein paar Mitpatienten, und sein Therapeut war zwar gut, aber nicht sehr sensibel, und das hat ihn fertig gemacht.

    Ich weiß auch nicht genau, was seine Mutter denkt. Vielleicht dass er im Grunde gar nichts ändern will und nur nach Ausreden sucht. Dass er jetzt halt weder Therapie macht noch ins nächste Schuljahr geht. Eines von beiden verlangt sie wohl von ihm.
     
    #5
    Dezember, 24 Mai 2008
  6. batida de chaos
    Meistens hier zu finden
    389
    128
    129
    in einer Beziehung
    Huhu,

    ich bin beeindruckt wie differenziert du dich zu der Situation außerst. Ich finde es beachtlich, dass du dir soviele Gedanken machst und deinen Freund so gut unterstützt.

    Ich halte es für eine gute Lösung, dass dein Freund in eine betreute WG zieht. Ihr solltet euch wegen der Übernahme der Kosten aber nochmal genau beim Jugendamt erkundigen. Normalerweise müsste eine Finanzierung durch das Jugendamt möglich sein. Da dein Freund aber bereits volljährig ist, könnten da andere Regelungen gelten. Das Ganze sollte möglichst geklärt und abgesichert sein, bevor er seine Eltern einweiht.
    Der Freund seiner Mutter, scheint ja auch nicht gerade sensibel zu sein und ich habe den Eindruck, seine Mutter lässt sich von ihm beeinflussen. Allerdings sollte man hier mit Vorverurteilungen vorsichtig sein. Bei manchen psychischen Erkrankungen, neigen die Patienten auch zu einer verzerrten Wahrnehmung und geben manches Erlebte ohne böse Absicht schlimmer oder extemer wieder, als es wirklich ist. Dennoch halte ich den Umzug in eine betreute WG für eine sinnvolle Idee, da er sich in der Familie ja offensichtlich sehr unwohl und unter Druck gesetzt fühlt und anscheinend keine Besserung in Sicht ist.

    Was für eine ambulante Psychotherapie macht er denn zur Zeit?
    Es gibt ja verschiedene Formen, sowohl mit tiefenpsychologischen als auch verhaltenstherapeutischen Ansätzen.
    Therapie ist ja nicht gleich Therapie und es ist gerade hier besonders wichtig, dass der Patient Vertrauen zum Therapeuten fassen kann. Deswegen würde eine Fortsetzung der Klinik-Therapie mit dem gleichen Therapueten wohl wenig bringen.
    Während einer akuten, schweren Depression erscheint es mir außerdem trotz Hochbegabung deutlich zuviel verlangt das Abitur zu absolvieren.
    Bei der Beschreibung der Symptome wäre vielleicht eine dialektisch-behaviorale Therapie sinnvoll. Die wurde zwar in Hinblick auf Borderline-Patienten entwickelt, wird aber wohl auch bei anderen psychischen Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik eingesetzt.

    Schau mal hier
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dialektisch-behaviorale_Therapie

    Beim Dachverband, kannst du schauen, ob da sogar eine ampulante Therapie in eurer Nähe möglich wäre.
    http://www.dachverband-dbt.de/

    Ich wünsche dir und deinem Freund alles Gute.
    Schön, dass du ihm beistehst.

    Lg batida
     
    #6
    batida de chaos, 25 Mai 2008
  7. Dezember
    Benutzer gesperrt Themenstarter
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    103
    2
    Single
    Hallo batida! :smile:

    Momentan macht er noch keine Therapie, aber er hat endlich einen Therapeuten gefunden und wird dort bald mit einer Therapie beginnen können, nur wann genau, das weiß er noch nicht.
    Wer entscheidet eigentlich, welche Therapieform angebracht ist?
    Hat es überhaupt einen Sinn, so direkt nach einer bestimmten Therapieform zu suchen? Mein Freund hat jetzt ein Dreivierteljahr gebraucht, um irgendeinen Therapeuten zu finden.
    Morgen macht mein Freund erst einmal einen Termin beim Jugendamt. Laut der Betreuerin übernimmt das Jugendamt die Kosten bis er 21 ist. Danach müssen vermutlich seine Eltern zahlen, oder?
    Ich bin froh, dass seine Betreuerin ihm da wirklich bei allem helfen kann. Selbst wenn er gesund wäre, wäre er mit der Regelung wohl überfordert, da er ja bis jetzt zu Hause gelebt hat. Die Betreuerin ist auch wirklich nett, ich kenne sie ja schon seit ein paar Jahren und habe sie schon öfters um Rat gefragt wegen meinem Freund (wegen Therapie etc., da kennt sie sich ja auch aus), deshalb weiß sie auch schon einiges über ihn.
    Ich kenne sogar seine zukünftigen Mitbewohnerinnen, da er in genau das Zimmer einziehen wird, in dem meine Mutter bis vor 1 1/2 Jahren eine Zeit lang gewohnt hat! (Ist das nicht irgendwie ironisch?)
    Ich hoffe nur, dass er nicht plötzlich Heimweh bekommt und dann wieder zurück will. :-(
     
    #7
    Dezember, 25 Mai 2008

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