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Gedanken, die quälen mich

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von gefährlich, 29 April 2009.

  1. gefährlich
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Ich bin 22 und war eigentlich schon immer einerseits ruhig, andererseits laut und unterhaltend.

    Es begann eigentlich damit, dass ich früher von meinem Vater geschlagen und durchs Haus gejagt wurde, wenn ihn irgendetwas wütend gemacht hat. Das ging über viele Jahre so. Ich habe mich dann komplett zurückgezogen. In meiner Familie wird sehr wenig gesprochen, es wird sich meistens nicht Hallo oder Tschüss gesagt und wir essen auch nicht zusammen an einem Tisch. Meine Schwester, die neben mir ein Zimmer hat, sehe ich weniger als ihre Freunde sie. Zur Ironie des Ganzen schreiben wir manchmal über ICQ.

    Hier wird häufig gemeckert, gemotzt und alles mies gemacht. Meine Mutter nervt, mein Vater nervt, knallt die Türen und ich bin eher der, der sich von allem zurückzieht. Ich habe früher oft geweint. Irgendwie haben mir meine Eltern nie gezeigt, wie man ein Hobby beginnt, wie man Leute kennen lernt. Ich hatte immer wenige Freunde, ein kleines Selbstbewusstsein, war bzw. bin dünn und habe wenig Kraft und deshalb wurde ich eigentlich schon immer ausgegrenzt oder gemobbt. Geschlagen wurde ich nie - außer eben von meinem Vater, der sehr schlimme Spuren in meiner Seele hinterlassen hat. So bin ich sehr schreckhaft und ängstlich im Umgang mit Menschen, die über mir stehen - und das sind dann auch immer die, die mich mobben. Ich wehre mich kaum oder ignoriere oder werde nur frustrierter und dann beginnt der Teufelskreis.

    Ich habe Abitur gemacht, aber war während meiner Jugend allerdings größtenteils am PC. Das macht man wohl immer, wenn man nichts tun kann, man flüchtet sich. Allerdings bereue ich es auch nicht, da ich so viel gelesen habe und vieles Know How habe, was mir in meinem Beruf nun weiterhilft. Allerdings hatte ich nie wirklich viele Freunde. In der Grundschule 1-2 Freunde, in den jungen Jahren des Gymnasiums eigentlich nur einen Freund und dann in den späteren Jahren vielleicht 3-4 echte Freunde. Ich war in der Schule immer sehr still im Unterricht, habe mich nie von mir aus gemeldet, es herrscht eine unglaubliche Angst in mir. Nachdem ich von der Schule abgegangen war, ging es mir sehr sehr gut. Ich fühlte mich so richtig befreit. Aber ich merkte dann auch im folgendenen Zivildienst, dass ich mich nicht öffnen kann. Ich brauchte dafür fast 9 Monate, um mit allen locker reden zu können. Ich bin anfangs immer total verschlossen und vorsichtig und muss mich erst an neue Leute gewöhnen. Was für viele schon sehr abschreckend ist, da ich so sehr verschlossen und eigen rüberkomme.

    Nach meinem Zivildienst lernte ich ein Mädchen über SchülerVZ kennen, mit der ich mich traf. Nach meinem Zivldienst ging es mir aber allgemein richtig gut, weil ich mit der Vergangenheit abschliessen wollte und endlich ausbrechen wollte aus diesem Gefängnis, was mich so einengt. Denn privat war ich immer lustig, laut und mit Freunden oftmals der größere. Nur wenn dann jemand kam, der lauter war, wurde ich leiser, ängstlich.

    Also ich traf mich mit dem Mädchen, immer öfter und wir kamen zusammen. Das war eine schöne Zeit, das erste halbe Jahr. Dann wurde ich aber immer abhängiger von ihrer Liebe. Durch sie habe ich auch meinen Job gefunden, wo ich das erste mal richtig offen zur Bewerbung ging, weil mir alles egal war. Ich dachte mir "Jetzt machs halt" und es gelang, ich wurde genommen. Zuvor hatte ich einige Praktika gemacht, wo ich wieder als eher ruhig und schüchtern angenommen wurde. Privat dagegen laut und frei. Wenn ich privat unterwegs war unter Menschen, die ich nicht kenne, kann ich mir übrigens auch alles rausnehmen. Ich spreche heute auch Mädchen auf der Straße an- das ist kein Problem für mich. Seltsamerweise.

    Mit der Ausbildung kam auch die Berufsschule. Ich kam hin und am Anfang stellte ich mich niemandem vor. Ich war gehemmt. Warum auch immer. Ich redete wenig und in der Pause spielten wir Ball, wo ich aber miteingebunden wurde und alle nicht so richtig gut warn und ich mir dachte "ja das kann man mal spielen mal kucken". ich lachte zumindest oft und fand Schule eigentlich recht gut. Dann im Winter kam Stress mit der Freundin, ich lies meine Hobbies immer mehr sausen - moderiere im Internetradio, was mir sehr viel gegeben hat und wodurch ich auch in die Zeitung kam - und mein Selbstbewusstsein begann immer mehr zu bröckeln. War ich zuvor noch ausgeglichen und gefasst, sicher, so war mir nun wieder alles viel zu wichtig und ich hatte Verlustangst auf allen Ebenen.

    Ich bin sehr still, weil ich mich auch von meiner Freundin vor kurzem getrennt habe. Sie hat auch mit einem anderen rumgemacht dann direkt danach und es mir bei der Trennung angekündigt. Das tat mir extrem weh. Ich war am Ende und meine Gefühle total blankgelegt und direkt im Herz verletzt. Ich hatte mich so stark gefühlt die letzten Monate und war auf dem besten Weg, alles kaputt. Ich war wieder klein, emotional und voller Selbstzweifel und Unlust. Nachdem die Trennung vollzogen war, hatte ich eine lange Sinnkrise, spielte mit Selbstmord. Ich hatte einige Kilo abgenommen obwohl ich eh sehr dünn bin. Fühlte mich nicht mehr meinem Körper, meinem Ich zugehörig. Ich merkte meine Verwirrung und die Ziellosigkeit, ich hatte alle Prinzipien und Ziele verworfen für diese Frau. Ich hatte nichts mehr was mich hält, irgendwie fühlte ich mich so, als hätte ich die letzten Monate nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Meine Eltern haben nie bemerkt, dass ich abends geheult habe. Zu meinen Freunden hatte ich kaum noch Kontakt. Ich versuchte aber mit ihnen zu schreiben, was allerdings oft nichts brachte. Ich lies die Arbeit schleifen und redete mit meinem Chef und der Sekretärin über meine Probleme, vor der musste ich weinen. Ich lies alles raus und erzählte ihr die Geschichte.

    Nun sind 3-4 Wochen vergangen, ich merke wie ich langsam, sehr langsam wieder neuen Mut fasse und neue Pläne entdecke. In der Schule bin ich nun allerdings an dem Punkt wo ich wieder als stiller, seltsamer Typ abgestempelt bin, dem man einen Amoklauf zutrauen könnte. Hab ich mich anfangs noch 2-3 Mal gemeldet - was schon ein Erfolg für mich war, lass ichs nun wieder ganz sein und will den Tag einfach nur rumkriegen. Und das obwohl ich auch lustige Dinge zu meinen Nachbarn sage. Aber ich kann mich einfach im Moment nicht zu sehr öffnen und bin frustriert. Klar lache ich viel, aber ich kann oft auch nicht verbergen, dass es mir richtig beschissen geht. Und das sieht man halt. Beim Ballspielen in der Pause war ich richtig gelähmt und es kamen viele Sachen wie "oooh spiel doch!" "lebst du noch?" "du laterne stehst nur im weg rum" usw. was mein Selbstbewusstsein natürlich weiter drückte. Und die Leute, die mich drücken, die erfreut es, dass es mir wehtut. Wegen so einem kleinen Spiel. Mittlerweile konzentriere ich mich wieder, aber trotzdem geht es mir nicht grade gut. Ich hab Angst davor, dass gleich wieder der nächste Kommentar kommt.

    Manchmal wünsche ich mir, ich würde mal wieder alles riskieren und einfach mal die Menschen überraschen und laut sein und das ist denke ich auch das beste Rezept. Nur davor habe ich Angst. Ich fresse im Moment ALLES in mich hinein, egal wer was zu mir sagt. Es tut immer weh. Ich denke stundenlang darüber nach, analysiere, stell mich selbst in Frage. Was hilft dagegen? Brauch ich professionelle Hilfe? Worin liegt die Ursache?

    Ich will offen sein und ich will kein stiller Eigenbrödler sein, ich will das leben, was ich auch privat mal war: Ein humorvoller, kreativer Macher, der sein Leben selbst in der Hand hat und zu seiner Meinung steht, egal was kommt. Ich war mal so selbstzufrieden. Wieso kann ich das nicht in der Schule oder im Job? Aber auf der Straße, in der Disko, im Radio oder vor der Kamera oder unter Freunden fällt es mir extrem leicht?

    Ich freue mich auf eure Kommentare und Tipps
    gefährlich
     
    #1
    gefährlich, 29 April 2009
  2. kuschelschnecke
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Hallo gefährlich

    deine Geschichte erinnert mich ziemlich sehr an meine und die wünsch ich wirklich keinem. Ich bin auch kein Mensch vieler Freunde, aber wenn ich welche hatte/hab, dann waren/sind es eigentlich wirklich gute.

    Was mich bei dir sehr verwirrt ist, dass du irgednwie zwei Gesichter hast: zu deinen Freunden aufgeweckt und in der Schule ziemlich sehr eingeschüchtert.
    Es gibt ja drei verschiedene Arten von Verunsicherung, eine ist die Stimmulierende, bei der man sich den Problemen stellt und sie somit überwindet, was du wohl bei deinen Freunden machst die Paralysierende, die du irgednwie in der Schule an den Tag bringst die dritte geht in sinnlose Handlungen, wie zB Gewalt über, aber die hast du ja nicht. Normal wäre es, dass ein Mensch nur eine der drei Verunsicherunstypen aufweist, du aber zwei und das verwirrt mich.
    Bei mir war es klar eine, die paralysierende Verunsicherung aus der dann auch eine starkte Depression resultierete und therapiert werden musste (war freiwillig in der Psychiatrie).
    Da du nun aber zwei aufweist kann ich nicht sagen ob das bei dir bereits in eine Depression ausgeartet ist, dafür bräuchte ich noch ein paar Antworten von dir:
    1. War deine Freundin deine erste Freundin?
    2. Bist du dir sicher, dass du deinen Freunden mit deiner
    Gelassenheit nichts vorspielst?

    Du sagtest ja du hast dich von der Liebe deiner (Ex-)Freundin abhängig gemacht, was dann halt bei der Trennung auch zum Verlust der existentiellen Sicherheit führte und stark zum Auftreten einer Depression beisteuert.
    Zudem hast du auch gesagt du hättest deine Freunde vernachlässigt. Ich weiß nicht wie es nun ist, ob du den Kontakt wiederfinden musstest oder er einfach noch da war, ohne, dass sie sauer waren/sind, denn wenn sie sauer waren, dann musstest du dich ja auch anstrengen und ihnen somit auch einen Gelassenes, tolles Ich präsentieren, was du dann hättest vorspielen müssen und so wer ganz anders warst/bist, was wiederum zu einer Depression führen würde.

    Gott, irgendwie klint das als würde ich dir versuchen einzureden, dass du eine Depression hast, aber es klingt für mich nunmal so und wenn es welche sein sollten, dann währe es eindeutig besser dich therapieren zu lassen. Du könntest ja einmal so zu einem Psychologen /Therapeuten gehen, nur für eine Stunde erstmal, mit ihm reden und dir ne Diagnose erstellen lassen, ich denke das wäre wirklich das Gescheiteste und Vernünftigste.

    Weiterhin hast du gefragt, was du machen kannst, meine Tipps:
    Beschäftige dich in dem du zB Sport treibst, dich heimwerklich betätigst, in einen Verein eintritts usw
    aber das alle Beste, finde ich, ist sich einfach mal ausschreien. Irgendwo hinstellen -wenn du nicht möchtest, dass es jemand hört, dann halt in ein Feld oder Wald- und aus vollem Hals schreien, die Ganze Wut, den Zorn, die Amgst rausbrüllen.


    Ich weiß jetzt nicht ob ich dir in irgendeiner Weise helfen konnte, aber ich hoffe schon.

    Ganz lieben Gruß
    kuschelschnecke
     
    #2
    kuschelschnecke, 29 April 2009

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