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Gedanken nach einem nicht ganz normalen Dienst(t)ag.....

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Luxia, 7 Februar 2005.

  1. Luxia
    Luxia (46)
    Verbringt hier viel Zeit
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    121
    0
    vergeben und glücklich
    13:00 - Kaffeezeit (bleibt es so ruhig?) - gemütliches Stündchen, wir plaudern, lachen.....

    Ein uns vertrautes Geräusch stört die Idylle - Einsatz - ist doch alles Routine, kein Adrenalinkick mehr (was wird es wohl heut wieder sein?)

    Die Kaffeetassen werden beiseite gestellt, Jacke an und los gehts.
    Einsteigen, anschnallen , ab die Post (wie immer)

    Ein Blick aufs Display - Kindernotfall (hoppala, doch Adrenalin?) , eher schon mit Respekt wird weitergelesen - regloser Säugling (nein, bitte nicht)
    die Hände fangen an zu zittern (reglos? du hast heut "nur" einen frischen Zivi mit, also reiss dich zusammen du bist auf dich allein gestellt)

    Auf der Fahrt wird so gut wie nichts geredet, keiner hat Lust dazu.
    (die Mutter kommt uns bestimmt mit einem schreienden Baby entgegen, es wird doch nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird)

    Im Funk zu hören : 0831 für Leitstelle - Notarzthubschrauber und Notarztwagen leider gerade unterwegs, also macht was ihr könnt, wird sobald es geht nachgeschickt (na bravo, kein Arzt??, warum ausgerechnet dann wenn man wirklich mal einen braucht?)

    Da winkt schon die Großmutter (der Zivi wirkt blass, wahrscheinlich so blass wie ich es grad bin)
    Die Oma weint, schreit, stammelt irgendwas von Lukas ist tot.....
    ich versuche sie zu beruhigen (oh Gott, doch so heiß essen wie es gekocht wird.....ich hab bisher nur Babypuppen reanimiert, kann ich das überhaupt?)

    Ja, ich kann es(nur ob es auch Wirkung zeigt???).....Lehrbuchmäßig, Schritt für Schritt (ich reagiere fast wie ferngesteuert).....der Säugling liegt vor mir, Lukas, 4 Monate (Lukas, tu mir das nicht an, hör wie deine Mutter weint, komm doch....)
    Nach Aussagen der Eltern schlief das Baby seit 4 Stunden, keiner weiß, wielang es so reglos im Bettchen lag..(ach so ein süßes Kind,es darf einfach nicht sein!! ich will das nicht, hab selber Kinder)
    Der Zivi steht blass und teilnahmslos neben mir, er ist nicht mal fähig die Eltern in irgend einer Weise zu beruhigen (wie denn auch, soll er sagen, wird schon wieder??)
    Das Baby wirkt mehr tot als lebendig (mein Gott, warum hab ich heut Dienst, der Alptraum jedes Sanitäters)
    Lukas reagiert nicht, bricht nicht, gluckst nicht(bleib ruhig, in der Ruhe liegt die Kraft)......ich mach weiter, nur mit 2 Finger wird das kleine Herz massiert(fühle mich hilflos)....will keinen Beutel nehmen, beatme selber, mit meinem Mund, da hab ich mehr Gefühl (er wirkt kalt, blass irgendwie tot)

    Im Hintergrund die verzweifelten Eltern, sie flehen mich an das Kind zu retten, schreien mich nahezu an (bin ich Gott??)

    ich war noch nie im Leben so ruhig (wann kommt endlich der Notarzt)

    ein kleiner zweijähriger Zwerg trabst neben mir her, es ist sein Bruder, er versteht die ganze Aufregung noch nicht....(Lukas, du hast dein Leben doch noch vor dir, mach jetzt keine Zicken)

    Endlich der Arzt kommt, übernimmt (klopft mir auf die Schulter).....ich geh kurz raus, hab Tränen im Gesicht, Tränen die die Eltern nicht unbedingt sehen müssen....(ich muss ja stark sein.....muss ich das?)
    Ich weiß, dass es hoffnungslos ist, habs irgendwie von Anfang an gewusst... (war noch nie so machtlos)

    der Säugling wird noch intubiert...sämtliche mögliche Rettungsmaßnahmen werden ausgeschöpft (mag nicht mehr zusehen wie der kleine Körper, in meinen Augen noch sinnlos geschunden wird)

    Widme mich den Eltern, die mich ständig fragen ob Lukas überleben wird.
    Was soll ich ihnen sagen??? (nein, er überlebt sicher nicht???, das Übermitteln der Todesnachricht überlasse ich dem Notarzt, ich hab schon mein Bestes gegeben, mich macht nur die quälende Hoffnung der Eltern krank!!

    nach vielen Minuten

    Zeitpunkt des Todes 14h35
    Exitus - NACA´7

    wahrscheinliche Todesursache
    Sudden death in infancy (plötzlicher Kindstod)

    Hilflos, verzweifelt stehen die Eltern da, schaun mich mit vorwurfsvoller Miene an (ich hätt euch doch euer Kind so gerne zurückgebracht)

    Der Arzt bleibt noch, ich nehm die Daten auf (komm mir irgendwie pietätlos vor in dieser Situation nach den Daten zu fragen)

    Rückweg - mir ist übel, aber sowas von übel.....kämpfe mit Tränen, hab einen Kloß im Hals, der Zivi entschuldigt sich für sein Verhalten, ich kann ihm nicht bös sein´....ist o.k. mach dir keinen Kopf darüber...



    Kollegen erwarten uns nichtswissend auf der Dienststelle....

    was ist mit euch los? Schlechte Laune? - der Zivi verdrückt sich nach hinten, redet kein Wort.....(lasst uns in Ruhe, ich will jetzt einfach nicht reden)

    wir haben keine schlechte Laune, uns gehts grad nicht so gut .....

    und das vertraute Geräusch reisst uns schon wieder aus unseren Gedanken
    (es wird eben nicht Rücksicht genommen in welcher Verfassung man ist)

    Alles Routine....einsteigen, losfahren, zum Glück eine interne Einweisung, kein Kind.....

    Gefühle fehl am Platz - ihr macht das doch täglich, ihr denkt euch ja nichts mehr dabei (nein, ich bin ja aus Stein) ich könnt das nicht (das hab ich auch gedacht) und das alles ohne Bezahlung, würd ich nie machen (aber froh sind alle wenn geholfen wird)

    Dienstschluss - ich streiche sämtliche Dienste im Monat Feburar, brauch Pause..

    bekomm das blasse Gesicht des Säuglings, die verzweifelten Schreie der Eltern nicht mehr aus meinen Gedanken.....


    Nur die Besten sterben jung.....

    Luxia
     
    #1
    Luxia, 7 Februar 2005
  2. ATS21
    ATS21 (34)
    kurz vor Sperre
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    0
    nicht angegeben
    Kopf hoch........... mehr sinnvolles fällt mir dazu nicht ein.....
     
    #2
    ATS21, 7 Februar 2005
  3. Olli242
    Olli242 (41)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    Single
    Hmmm..... :frown:

    Was soll ich dazu nur sagen... Ich kann mich da sooooooo gut in dich hineinfühlen.... Die Hilflosigkeit, die einen da überkommt, die Erkenntnis, daß trotz allem man in gewissen Sachen nur eingeschränkte Handlungsmacht hat.... :frown:

    *mal ganz fest umarmt*
    :knuddel: :knuddel:
     
    #3
    Olli242, 7 Februar 2005
  4. Cora
    Cora (57)
    Verbringt hier viel Zeit
    985
    103
    2
    Verheiratet
    Ach Luxia...Freud und Leid liegen so nahe beieinander...als das passiert ist, haben wir auf den Strassen hier am Rhein gefeiert und getanzt..vielleicht muss es so sein auf dieser Welt.
     
    #4
    Cora, 7 Februar 2005
  5. Olli242
    Olli242 (41)
    Verbringt hier viel Zeit
    166
    101
    0
    Single
    :angryfire
    lass uns feiern, in anderen Ländern tun sie halt sterben, ist halt einfach mal so auf dieser Welt.... :madgo:
    :kotz:
     
    #5
    Olli242, 7 Februar 2005
  6. Luxia
    Luxia (46)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich

    tja, so ist das Leben....
    ich glaub ich würd so etwas, wärs mein eigenes Kind, nicht überleben.....
    zumindest wär mein Leben ein Trümmerhaufen....glaub es gibt nichts Schlimmeres auf dieser Welt, als sein eigenes Fleisch und Blut zu verlieren.
    Mir ist auch nicht zum Feiern (bin sowieso ein Faschingsmuffel )


    danke Olli, ja, du weißt am aller besten was ich meine *dich drück*


    Kopf ist oben :smile: DANKE
     
    #6
    Luxia, 7 Februar 2005
  7. thomas
    Gast
    0
    Ich kann nach vielen Jahren Sanitätsdienst und Wasserwacht mit Dir fühlen.
    War zwar ehrenamtlich, aber ein Leben verliert kein Helfer gerne.
    Ich drück Dich mal, und hoffe, das Du noch viele positive Einsätze hast.
    Denk dran, Du hilfst auch vielen Menschen. :gruppe:
     
    #7
    thomas, 7 Februar 2005
  8. Luxia
    Luxia (46)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich

    das Positive überwiegt zum Glück...
    und....

    ich bin auch ehrenamtlich
     
    #8
    Luxia, 7 Februar 2005
  9. Cora
    Cora (57)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    Ich glaube ich muss hier mal was richtigstellen...hab mich in meinem Posting ziemlich unglücklich ausgedrückt, denke ich, so das es falsch rübergekommen ist. Das was ich geschrieben habe war auf keinen Fall gleichgültig und oberflächlich geadcht, im Gegenteil.
    Ich hab Luxias Bericht gelesen, und mein "Ach Luxia" sollte dafür stehen das es mir wahnsinnig leid tut was sie da erlebt hat und was da passiert ist.
    Und eins steht mal fest, wenn mir ähnliches passiert wäre, sei es im Bekannten- Familienkreis, oder halt wie Luxia im beruflichen Bereich, dann wäre mir ganz bestimmt nicht nach feiern zumute gewesen.
    Aber es wird immer auf der Welt so sein, das irgendwo gefeiert wird, jemand überglücklich ist, während woanders Menschen ein schreckliches Schicksal erleiden.
    Ich wollte damit nur sagen das es nach schwerem Schicksalsschlägen, auch irgendwann wieder Freude geben kann, und wenn Luxia bei einem anderen Einsatz einem Menschen das Leben retten wird, und diese Menschen ihr dann ewig dankbar sein werden...das meinte ich mit "Freud und Leid liegen nah beieinander."

    Mir tut es ehrlich leid, das mein Posting durch meine unglückliche Ausdrucksweise falsch rübergekommen ist.
     
    #9
    Cora, 8 Februar 2005
  10. Luxia
    Luxia (46)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    stimmt......es wird immer so sein, dass auf der einen Seite Freud herrscht, auf der anderen Leid.
    In jener Sekunde, in der ein Mensch stirbt, erblickt irgendwo anders ein anderer das Licht der Welt.
    Es nützt auch nichts aufgrund des Elends auf dieser Welt das Leben nicht mehr zu genießen.
    Es ist kurz genug.
    Klang nur mit dem "Feiern" ein wenig merkwürdig, nachdem ich Cora aber bereits ein bisschen kenn und weiß, dass sie mit Leib und Seele Mutter ist hab ichs auch richtig verstanden :smile:

    Leben retten ist halt viel schwieriger als eins zu verliern....
     
    #10
    Luxia, 8 Februar 2005

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