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Gedicht-Suche

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Jemima, 8 Juni 2005.

  1. Jemima
    Gast
    0
    Hi :smile:

    Ich hab versucht danach zu googlen, hab aber leider nichts gefunden.
    Ich suche ein Gedicht, das ich irgendwann mal gelesen hab, weiß leider nicht mehr von wem das ist. Es ist auf jeden Fall Impressionismus und heißt irgendwie "Schönheit des Verfalls" oder so ähnlich.

    Also eigentlich hat mich ein amerikanischer Freund gefragt, ob ich ihm ein deutsches Gedicht zum Thema Krieg o.ä. schicken könnte und da ist mir dieses Verfallsgedicht eingefallen. Ich hab nämlich auch sonst überhaupt keine Gedichte gefunden, die ich irgendwie weiterempfehlen würde.
    Kennt ihr zufällig welche, die gut sind (müssen nicht unbedingt bekannt sein)?

    (meine artikulation suckt heute Lol)
    Hugs, Jemima :engel:
     
    #1
    Jemima, 8 Juni 2005
  2. glashaus
    Gast
    0
    Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
    Was dieser heute baut, reist jener morgen ein:
    Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
    Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

    Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
    Was itzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein
    Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
    Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

    Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
    Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
    Ach! was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

    Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
    Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind't.
    Noch will was ewig ist kein einig Mensch betrachten!



    Das vielleicht?

    "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius
     
    #2
    glashaus, 8 Juni 2005
  3. Santa
    Santa (37)
    Verbringt hier viel Zeit
    292
    101
    0
    Single
    Sicher nicht das Gedicht, das du meintest, aber ich finde es unheimlich gut. Wird dem Expressionismus zugeordnet.




    August Stramm



    Patrouille

    Die Steine feinden

    Fenster grinst Verrat

    Äste würgen

    berge Sträucher blättern raschlig

    gellen

    Tod.
     
    #3
    Santa, 9 Juni 2005
  4. morea
    Verbringt hier viel Zeit
    289
    101
    0
    Single
    Meinst du das " Der Tod liegt in der Schönheit und Schönheit liegt im Tode, im Verfall.."?
     
    #4
    morea, 9 Juni 2005
  5. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    Aaaaaaaaaah! Tötet Gryphius!
    (Verdammt, zu spät :grin:...)
    Entschuldigung, ich habe damals in der Schule eine Überdosis Gryphius abbekommen.

    Ein paar Kriegsgedichte, die ich großartig finde, alle aus dem Expressionismus:


    Alfred Lichtenstein:

    Punkt


    Die wüsten Straßen fließen lichterloh
    durch den erloschnen Kopf. Und tun mir weh.
    Ich fühle deutlich, daß ich bald vergeh -
    Dornrosen meines Fleisches, stecht nicht so.

    Die Nacht verschimmelt. Giftlaternenschein
    Hat, kriechend, sie mit grünem Dreck beschmiert.
    Das Herz ist wie ein Sack. Das Blut erfriert.
    Die Welt fällt um. Die Augen stürzen ein.



    Georg Trakl:

    Grodek


    Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
    Von tödlichen Waffen, die goldenen Ebenen
    Und blauen Seen, darüber die Sonne
    Düster hinrollt; umfängt die Nacht
    Sterbende Krieger, die wilde Klage
    Ihrer zerbrochenen Münder.

    Doch Stille sammelt im Weidengrund
    Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
    Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
    Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.

    Unter goldenem Gezweig der Nacht und Sternen
    Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
    Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
    Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.

    O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
    Die heiße Flamme der Geistes
    nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
    Die ungeborenen Enkel.



    Georg Heym:

    Der Krieg


    Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
    Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
    In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
    Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

    In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
    Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
    Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
    Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

    In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
    Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
    In der Ferne wimmert ein Geläute dünn
    Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

    Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
    Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
    Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
    Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

    Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
    Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
    Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
    Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

    Über runder Mauern blauem Flammenschwall
    Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
    Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
    Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

    In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
    Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
    Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
    Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

    Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
    Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
    Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
    Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.

    Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
    Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
    Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
    In die Bäume, daß das Feuer brause recht.

    Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
    Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
    Aber riesig über glühnden Trümmern steht
    Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,

    Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
    In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
    Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
    Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.
     
    #5
    Liza, 9 Juni 2005

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