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Gedichtsinterpretation

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von xikitito, 29 Januar 2008.

  1. xikitito
    xikitito (27)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Hallo, Bewohner des Liebesplaneten :grin:
    Ich muss morgen ein Gedicht in Deutsch vorstellen (Inhalt, Form, Interpretationsansätze) und komme nicht weiter.
    Es handelt sich um untenstehendes Gedicht von Heinrich Heine.

    Problem ist nur, dass ich nicht ganz das Gedicht verstehe.


    Sterbende (1853)

    Flogest aus nach Sonn' und Glück,
    Nackt und schlecht kommst du zurück. -->zurückkommen als Toter?
    Deutsche Treue, deutsche Hemde,
    Die verschleißt man in der Fremde.


    Siehst sehr sterbebläßlich aus,
    Doch getrost, du bist zu Haus. -->zu Haus? Exulant ist doch im Ausland?
    Warm wie an dem Flackerherde
    Liegt man in der deutschen Erde. -->Exulant wird in der Heimat begraben,oder?


    Mancher leider wurde lahm
    Und nicht mehr nach Hause kam - = nicht jeder wurde im Heimatland begraben?
    Streckt verlangend aus die Arme,
    Daß der Herr sich sein erbarme!

    Habt ihr eine Idee, was Heine an den gekennzeichneten Stellen genau meint?
    Rhetorische Stilmittel etc. hab ich viele gefunden, wenn euch noch was auffällt, dürft ihr's aber gerne schreiben :smile:
    Vielen Dank für alle Beiträge
     
    #1
    xikitito, 29 Januar 2008
  2. Anbeku
    Gast
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    Sterbende (1853)

    Flogest aus nach Sonn' und Glück, er ist ins ausland gegangen, um dort glücklich zu werden
    Nackt und schlecht kommst du zurück. -->zurückkommen als Toter?ich denke, er wurde nach deutschland zurückgeschickt, um bei seiner familie begraben zu werden, ODER vielleicht ist er noch gar nicht tot, sondern nur krank (die deutung ist aber recht gefährlich, wg. der letzten zeile)
    Deutsche Treue, deutsche Hemde, deutsche tugenden, die er kannte und auch an sich hatte
    Die verschleißt man in der Fremde. sind in der fremde verloren gegangen und er ist krank geworden, gestorben.


    Siehst sehr sterbebläßlich aus, das würde bestärken, dass er noch gar nicht tod ist, weil er noch stirbt und nicht schon tot ist.
    Doch getrost, du bist zu Haus. -->zu Haus? Exulant ist doch im Ausland? nein, er war im ausland und kehrt wieder, weil das ausland ihn "krank" gemacht hat, oder er dort gestorben ist. falls er nicht tot ist, gibt es nun in der heimat hoffnung
    Warm wie an dem Flackerherde jedoch, kann die heimat den einfluss nicht wieder ausgleichen, deswegen stirbt er. bzw. je nach deutung hat wenigstens im tod, wieder das vaterland um sich
    Liegt man in der deutschen Erde. -->Exulant wird in der Heimat begraben,oder?ja


    Mancher leider wurde lahm ist von den deutschen tugenden abgekommen (fleißig, strebsam...)
    Und nicht mehr nach Hause kam - = nicht jeder wurde im Heimatland begraben?bzw. kehrt nicht zurück
    Streckt verlangend aus die Arme, ist nicht glücklich und wünscht sich zurück, bzw. es könnte auch sein, dass er gar nicht weiß, was ihm fehlt
    Daß der Herr sich sein erbarme!und sucht hilfe bei gott

    nur meine ersten gedanken dazu. ohne jegliche garantie zu übernehmen...
     
    #2
    Anbeku, 29 Januar 2008
  3. xikitito
    xikitito (27)
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    vergeben und glücklich
    Vielen Dank für deine Hilfe :smile:
    Traut sich noch jemand?^^

    Ich meine übrigens zu glauben, dass Heine durch das Gedicht Kritik übt an den deutschen Verhältnissen/Tugenden/... (z.b. Treue gegenüber der Obrigkeit).


    "Doch getrost, du bist zu Haus.
    Warm wie an dem Flackerherde
    Liegt man in der deutschen Erde."
    -->Was bringt es dem Exulanten in der Heimat begraben zu werden? Spiegelt sich hier nicht Frust/Resignation wieder, dass man eben erst nach dem Tod in die Heimat zurückkehren kann?
    Außerdem ist Erde KALT und eben nicht WARM wie ein Herd...

    Zweites Indiz für meine Annahme:
    Die Strophe "Treue - Hemde": Hier kombiniert Heine etwas abstraktes, "Großes" mit etwas banalem.
    Zeigt das nicht eher, was er von den deutschen Tugenden hält -->nämlich nichts?
     
    #3
    xikitito, 29 Januar 2008
  4. Novalis
    Novalis (35)
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    nicht angegeben
    Zuerst eröffnet sich die Bedeutung eines Gedichtes über die Person des Autors und das Jahr der Entstehung.
    In diesem Fall sagt mir das Gedicht schon vor dessen Lektüre:

    Heinrich Heine --> Deutscher Nationaldichter ("Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht")

    1853: 1848/1849 hatten wir die Märzrevolution oder auch die Deutsche Revolution in deren Folge große nationale Erwartungen erwuchsen. Erstmals bestand die Möglichkeit, eine Deutsche Nation zu schaffen in den Grenzen eines Nationalstaates.
    Diese Revolution scheiterte.


    Sterbende (1853)

    Flogest aus nach Sonn' und Glück,
    Nackt und schlecht kommst du zurück.
    Deutsche Treue, deutsche Hemde,
    Die verschleißt man in der Fremde.


    Es geht hier um nicht um Tote oder ähnliches sondern schlicht und ergreifend um personifizierte Deutsche Tugend. Die Treue.
    Die Treue wird in der Ferne verschlissen wie die Hemden. Ein Vergleich um die personifizierte Treue zu verbildlichen.

    Die Frage ist, was mit der Fremde gemeint ist. Fakt ist, 1853 gab es den Krimkrieg in den viele europäische Nationen verwickelt waren und sozusagen in der Fremde verschlissen. Meines Wissens war Preußen als deutscher Staat neutral. Sicher werden aber auch andere Deutsche dort gekämpft haben.

    Ich denke aber, es wird hier um die Auswanderungswellen insbesondere nach Amerika gehen.
    Diesen Weg wählten viele Deutsche die von der Revolution 1848 enttäuscht waren und die die Freiheiten der USA lockten. Um 1848 waren das noch wenige Hunderttausend, zwischen 1850 und 1900 waren es fast 4 Millionen.

    Siehst sehr sterbebläßlich aus,
    Doch getrost, du bist zu Haus.
    Warm wie an dem Flackerherde
    Liegt man in der deutschen Erde.


    Es bezieht sich immernoch auf die Treue , nicht auf Exilanten.

    Mancher leider wurde lahm
    Und nicht mehr nach Hause kam -
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    Hier bezieht es sich vage auf Deutsche in der Ferne.

    Viel mehr zu deuten ist da nicht.
    Es gilt die Nationalen Motive und die Kritik Heinrichs mittels der Stilmittel zu unterlegen.
    Das alles vor dem Hintergrund, daß Heine 1853 bereits im Sterben lag und meines wissens sogar blind gewesen sein müsste.

    Ich denke die Grundaussage des Gedichtes ist Trauer und Resignation darüber, daß Kräfte und Tugenden wie die Treue, sinnlos in der Ferne verschlissen werden, wo sie doch zuhause gebraucht werden, um ein geeinigtes Deutschland zu schaffen.
     
    #4
    Novalis, 29 Januar 2008
  5. xikitito
    xikitito (27)
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    Wow, super Beitrag, Novalis :smile:
    Da haben mir wohl wirklich die historischen Hintergründe gefehlt. Deine Erläuterungen klingen plausibel, ich werd da noch bissle recherchieren.
     
    #5
    xikitito, 29 Januar 2008
  6. many--
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    Kleiner biographischer Fakt zu Heine: er war selber in Frankreich im Exil, ist dort ende der 1840er krank und bettlägrig geworden, in den 1850ern gestorben und liegt in Paris begraben (auf dem Montmartre, man muss etwas suchen, aber es ist ein sehr beeindruckendes Grab auf einem sehr beeindruckenden Friedhof).

    Seine späten Gedichte sind teilweise sehr von seiner Verzweiflung und seinem Hadern mit seinem persönlichen Schicksal geprägt.
    Mein Lieblingsbeispiel dazu:

    "Ob deiner Inkonsequenz, oh Herr,
    Erlaube, daß ich staune:
    Du schufest den fröhlichsten Dichter und raubst
    Ihm jetzt seine gute Laune.

    Der Schmerz versumpft den heitern Sinn
    Und macht mich melancholisch;
    Nimmt nicht der traurige Spaß ein End,
    So werd ich am Ende katholisch.

    Ich heule dir dann die Ohren voll,
    Wie andere gute Christen
    0 Misere! Verloren geht
    Der beste der Humoristen!"


    Vor diesem Hintergrund würde ich auch das vorliegende Gedicht interpretieren.

    edit: ..und gerade fällt mir auf, dass die entsprechende Schulaufgabe heute stattfindet. Bin ich wohl zu spät dran ^^
     
    #6
    many--, 30 Januar 2008
  7. xikitito
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    Nein, bist du nicht :smile:
    Unser gammeliger Lehrer hat die Stunde mal wieder verschwätzt und ich bin nicht dran gekommen...

    Interessant, was du noch anführst.

    Wollte er denn in Paris begraben werden oder eigentlich in Deutschland?
     
    #7
    xikitito, 30 Januar 2008
  8. many--
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    Ich bin kein ausgewiesener Heine-Experte, aber ich meine mich deutlich erinnern zu können, dass bei Heine immer ein Zwiespalt bestand zwischen seinem Sehnen nach "Deutschland", also seinem in der Zeit sehr unruhigen Heimatland, aus dem er verbannt war, und der Vorliebe für die (künstlerisch) freie Atmosphäre der Weltstadt Paris, in der er weniger gezwungenermaßen als vielmehr aus Neigung lebte.

    Zur Frage, wo er beerdigt werden wollte, kann man als Antwort das Gedicht zitieren, welches sein Grab schmückt:

    Wo wird einst des Wandermüden
    letzte Ruhestätte sein?
    Unter Palmen in dem Süden?
    Unter Linden an dem Rhein?

    Werd ich wo in einer Wüste
    eingescharrt von fremder Hand?
    Oder ruh` ich an der Küste
    eines Meeres in dem Sand?

    Immerhin, mich wird umgeben
    Gottes Himmel dort wie hier.
    Und als Totenlampen schweben
    nachts die Sterne über mir.
     
    #8
    many--, 30 Januar 2008

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