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Geschichtshausaufgabe Versailler Frieden

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Linguist, 6 Februar 2009.

  1. Linguist
    Linguist (26)
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    vergeben und glücklich
    Hallo, ich habe als Hausaufgabe die Beschreibung und beurteilung des Versailler Friedens auf. Zu dem Text habe ich noch ein Schaubild angefertigt. Kritik ist gerne gesehen, die Hausaufgabe muss richtig gut werden damit ich irgendwie an meine 15 Punkte komme. Den letzten Teil füge ich noch an.

    Der am 28.06.1919 geschlossene Versailler Frieden oder das – aus zeitgenössischer deutscher Sicht – Diktat von Versailles beinhaltete eine Reihe von Beschlüssen, die einen erneuten Konflikt auf europäischen Boden durch eine nachhaltige Schwächung Deutschlands verhindern sollte. Wie aus dem Schaubild hervorgeht, sah der von Präsident Wilson aufgestellte 14-Punkte-Plan in erster Linie die Aufhebung aller Handelsbeschränkungen sowie Selbstbestimmung europäischer Völker vor. Statt starker wirtschaftlicher Einschränkungen Deutschlands präferierte Wilson eine Art „geeintes Europa“, dessen politische Plattform der am 10.01.1920 gegründete Völkerbund bilden sollte. Großbritannien verfolgte angesichts der Entwicklungen in Russland eine „Balance of Power“-Strategie, um eine Pufferzone zwischen den Westmächten und dem erstarkenden Kommunismus zu errichten. Da britisches Territorium während des ersten Weltkrieges weitestgehend unberührt blieb, stellte Premierminister George zu Beginn finanzielle Forderungen, die nur die Kriegskosten abdecken sollten. Unter dem starken innenpolitischen Druck jedoch sah er sich gezwungen den Deutschen außerdem die Kosten für eine Pension der Kriegsinvaliden aufzuerlegen. Des Weiteren verkleinerte er die deutsche Kriegsflotte, um sämtliche imperialistische Tendenzen zu unterbinden. Frankreich traf der erste Weltkrieg am härtesten: Über 1,3 Millionen französische Soldaten starben in den Schützengräben, weite Teile Frankreichs wurden durch neuartige Waffensysteme verwüstet und Materialschlachten belasteten die französische Wirtschaft. Dies manifestierte sich letztendlich in den französischen Forderungen: Rückgabe des strategisch bedeutsamen Elsass-Lothringen, Besetzung des Rheinlandes und Bildung einer Rheingrenze, vollständige Entschädigung der Kriegszerstörungen und eine Erklärung der alleinigen Kriegsschuld. Am 28.06.1919 schließlich, wurde der Versailler Frieden geschlossen.

    Aus zeitgenössischer, französischer Sicht war der Versailler Vertrag ein gerechtfertigtes Mittel, um die in den Kriegsjahren entstandenen Schäden – zumindest in Ansätzen – zu beheben. Der deutsch-französische Krieg 1871 und der Erste Weltkrieg führten zu einem tiefen Vertrauensbruch in den Beziehungen beider Nationen. Vier Kriegsjahre brachten unermessliches Leid über die französische Bevölkerung. Frauen und Kinder trauerten um ihre Ehemänner und Väter, die als Soldaten in menschenverachtenden Stellungskriegen ihr Land verteidigen mussten. Auch das nationale Selbstbewusstsein war durch den Sieg Deutschlands 1871 schwer angeschlagen, sodass hohe Strafen eine logische Konsequenz darstellten. Die zwei Hauptziele Selbstbestimmung der europäischen Völker und nachhaltige Schwächung Deutschlands wurden durch die im Schaubild beschriebenen Maßnahmen auch umgesetzt. Für die Deutschen hingegen nahm der Versailler Frieden eher die Form eines auferlegten Diktats an, welches völlig unbegründet und unverhältnismäßig war, da die Alliierten eine Teilschuld am Krieg trugen. Dass der Erste Weltkrieg nicht der Verteidigung Deutschlands diente, wollten die wenigsten einsehen. Zu leicht ließ sich doch die Verantwortung auf Wilhelm den II abwälzen und zu schwer fiel die Einsicht, dass der proklamierte „Platz an der Sonne“ und die Überlegenheit des Deutschen Volkes nur ein – vom Nationalismus ausgehender – Trugschluss war. Für den Großteil der Deutschen stand fest: Das Diktat von Versailles ist ungerechtfertigt und die damit einhergehenden Strafen reine Demütigung Großdeutschlands.

    Aus heutiger Sicht stellt der Versailler Frieden eine der bedeutendsten Ursachen dar, die die Beseitigung aller demokratischen Strukturen unter Adolf Hitler und den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit seinen menschenverachtenden Facetten begründet. Die umgesetzten Beschlüsse setzten die Ziele der Alliierten nur unzureichend um. Eine Selbstbestimmung der Völker lässt sich nicht durch planmäßige Abtrennung deutscher Gebiete erreichen, in denen zu großen Teilen auch Deutsche leben. Es ist außerdem ein Trugschluss, man könnte Deutschland durch Auferlegung wirtschaftlicher Lasten und Besetzung des Rheinlandes kontrollieren und so einen erneuten Konflikt verhindern. De facto bedeuten Reparationen und eine weniger schlagkräftige Armee zwar eine deutliche Schwächung Deutschlands, aber keinen demokratischen und geordneten Wandel innerhalb der Gesellschaft. Dieser ist jedoch unabdingbar um längerfristigen Frieden zu gewährleisten. Wägt man aus heutiger Sicht Kosten und Nutzen der Reparationen ab, so muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die auferlegten wirtschaftlichen Lasten niemals mit den Zielen einer friedlichen Koexistenz aller europäischen Nationen vereinbar sind. Zum einen verursacht Armut nur noch weitere Unruhen innerhalb der instabilen Weimarer Republik, zum anderen ist es Hitler trotz aller auferlegten Lasten gelungen, die deutsche Wehrmacht in vier Jahren (-> Vierjahresplan) zu einer der schlagkräftigsten Armeen auszubauen und Europa in den Zweiten Weltkrieg zu stürzen. Die Grundlage für Frieden müssen immer Respekt und gemeinschaftliches Streben nach einer Verbesserung der Lebensumstände bilden. Erste Maßnahmen wären eine stärkere Einbindung Deutschlands in den Völkerbund und ein stetiger demokratischer Wandel innerhalb der Gesellschaft. Wandel geht mit einer Aufarbeitung der Geschichte einher. Durch Partizipation aller Europäer sollte die Behebung der Kriegszerstörungen ein gemeinschaftliches Projekt sein und keine Abstrafung der Schuldigen. Durch den Versailler Frieden wird Deutschland nur geschwächt, nicht jedoch die Gefahr gebannt. Deutschland wird unberechenbarer, bietet hervorragenden Nährboden für radikale Ideologien und ist aus militärischer Sicht ein unkalkulierbares Risiko, dessen Kraft durch scheinbar visionäre Propheten wie Hitler jederzeit wieder entfesselt werden kann.
     
    #1
    Linguist, 6 Februar 2009
  2. simon1986
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    Ich bin nicht Historiker, und darum kann ich nur ganz beschränkt helfen.
    Aber mir sind deine letzten Sätze aufgefallen.

    Weisst du, wie Deutschland bei mir rüber kommt?

    als unberechenbar, als Nährboden, als unkalkulierbares Risiko. Wie eine dumpfe blinde Naturgefahr ohne eigenen Willen. Ist das deine Absicht?

    Aus dem Geschichtsunterricht weiss ich noch dass Deutschland ca. 1926 in den Völkerbund aufgenommen wurde und sogar einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat bekam.
     
    #2
    simon1986, 6 Februar 2009
  3. User 34625
    User 34625 (45)
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    Hier wechselst Du von der Zeit her in die Gegenwart, d.h. es liest sich wie ein zeitgenössischer Text in der Zeit um oder nach 1933. Gewollt?
     
    #3
    User 34625, 6 Februar 2009
  4. Linguist
    Linguist (26)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    Unberechenbar und unkalkulierbar, ja. Dumpfe, blinde Naturgefahr ohne eigenen Willen klingt aber zu negativ. Ich beurteile die Lage 1919 mehr so: Die Deutschen haben keinerlei Erfahrung mit einem demokratischen System und der "plötzlichen" Auswahl mehrerer Parteien, die alle vorgeben, die schwierige soziale Lage verbessern zu können. Der Großteil der Deutschen ist einfach extrem anfällig für radikale Propaganda. Das wird ja auch während der Reichstagswahlen deutlich, in der die NSDAP mit undifferenzierten Parolen sehr viele Menschen auf ihre Seite zieht. Hätten sich die Siegermächte "kooperativer" gegeben, auf Reparationen verzichtet und mehr Einfluss auf die Gestaltung eines demokratischen Deutschlands genommen, so sähe die Sache doch ganz anders aus.

    Ja, aber das ändert ja nichts an den auferlegten Beschlüssen seitens der Siegermächte. Natürlich gibt es einige die sich im Völkerbund engagieren, aber ein großer Teil der Deutschen empfand den Versailler Frieden als ungerecht.

    Nein, wird noch geändert :smile:
     
    #4
    Linguist, 6 Februar 2009
  5. BABY_TARZAN_90
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    Ich würde beim Friedensvertrag 1919 hervorheben, dass der US-Präsident Wilson einen andern Frieden im Sinn hatte, als die andern Mächte:
    Keine Annexionen; Selbstbestimmungsrecht der Völker; Schaffung einer internationalen Friedensordnung (Völkerbund) mit dem alleinigen Recht, militärische Sanktionen zu beschliessen.

    Die Idee, die Kriegskosten dem Besiegten anzuhängen, praktizierten die Deutschen schon 1871 gegenüber Frankreich.
    Die Reparationszahlungen der Deutschen wurden schrittweise erleichtert, um 1932 waren sie vom Tisch - auch im Zusamenhang mit der Weltwirtschaftskrise.

    Die meisten Gebiete, die Deutschland abtreten musste, waren überwiegend von Polen, Dänen und Franzosen bewohnt. Ungarn z.B. wurde 1919 ganz anders gerupft.

    Der Kampf der nationalen Rechten gegen die deutsche Demokratie sollte auch erwähnt werden (Kapp-Putsch, Ermordung von Rosa Luxemburg, Rathenau u.a., Hitlerputsch).
     
    #5
    BABY_TARZAN_90, 6 Februar 2009
  6. User 24257
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Ganz wichtig ist m.E. auch das Wort "Dolchstoßlegende" und der Hintergrund selbiger, nämlich, daß die Republikaner die Armee und damit das deutsche Volk von hinten erdolcht haben durch die Annahme des Vertrages.
    Außerdem würd ich kurz auf die Verträge von Rapallo und Locarno eingehen und die damit verbundene Revisionspolitik und Integration Deutschlands.

    und irgnedwie hab ich auch den Eindruck, der Vertrag kommt bei dir etwas zu schlecht weg. Deutschland ist da nämlich eigentlich noch ganz gut rausgekommen. Nur wurde der Vertrag natürlich ideologisch ausgeschlachtet ohne Ende.
     
    #6
    User 24257, 6 Februar 2009

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