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Gewissens-Zwickmühle

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Melua, 14 Mai 2008.

  1. Melua
    Melua (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Hallo Community,

    im Moment gibt es hier unheimlich viele wichtigere, ernstere Themen, aber dennoch ist es für mich wichtig, mir das von der Seele zu schreiben. Vielleicht mag sich auch jemand dazu äußern.

    Wie manchen schon bekannt ist, reite ich. Seit vielen Jahren dasselbe Pferd, mit dem ich sehr gut klar komme und es quasi wie ein eigenes nutzen und pflegen darf. Der Eigentümer ist ein älterer, mittlerweile selbst kranker Mann, für den ich eine Art Enkelin bin (nicht so extrem, aber wir können sehr gut miteinander).
    Jedenfalls ist das Pferd seit einiger Zeit krank und wir haben alles versucht, was uns sinnvoll erschien.
    Jetzt kam Samstag die Ansage des Tierarztes, dass das Pferd austherapiert ist und er nichts mehr machen kann. Seine Idee war, dem Pferd ein Schmerzmittel zu geben, damit wir es den Sommer über nutzen können (in sehr eingeschränktem Maße, aber schmerzfrei) und es dann im Herbst einschläfern lassen.

    Wie ihr euch denken könnt, war das ein schwerer Schlag für uns, da für uns beide das Pferd nicht nur wegen seinen Nutzungsfaktors zählt, sondern insbesondere auch als eine Art "Familienmitglied". :cry:

    Der Eigentümer und ich haben schon zweimal darüber gesprochen und die Schmerzmittel werden erstmal gegeben. Er ist sehr glücklich, dass sein Pferd wieder freudig läuft, ist sogar getrabt und galoppiert. Wir waren uns eigentlich einig, dass es Anfang Juli gehen soll, jetzt möchte er es weiter behalten, weils ihm so gut geht.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass man zwar alles mögliche für sein Tier tun sollte, aber der Weg über "leidensverlängernde Maßnahmen" beim Tier nicht beschritten werden sollte. Ich bin froh, dass man einem Tier ersparen kann, was der Mensch erleiden muss.

    Daher finde ich es auch ein Stück weit "pervers", dass ein Pferd so krank ist, dass es gehen muss, aber man ihm Schmerzmittel gibt, um sich selbst noch ein schönes Leben zu machen. Ich kann das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Zudem haben wir so lange gehofft und uns wieder aufgerappelt und sind wieder enttäuscht worden, irgendwann muss doch mal Schluss sein.

    Jedes Mal, wenn ich in den Stall komme, bin ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil ich mir denke "noch x-mal, dann biste weg". Und ich weiß, dass eine Heilung definitiv ausgeschlossen ist, d.h. es gibt nur die beiden Optionen, es gehen zu lassen oder noch eine Weile unter Schmerzmitteln laufen zu lassen.

    Auch habe ich Bedenken, weil die Schmerzmittel auf längere Sicht (ein Jahr +) den Magen schädigen. Zudem ist das eigentliche Problem ja nicht behoben, es wird nur der natürliche und wichtige Reflex ausgeschaltet. Was, wenn es sich beim Traben ernsthaft verletzt, ev mit gebrochenem Bein rumrennt, ohne es selbst zu merken? Oder wenn wir stürzen?

    Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Würde es mir wünschen, dass es noch ein paar Jahre bei uns bleiben könnte, aber ich kann mit diesem "Tod auf Zeit" nicht aud Dauer klar kommen. Wenn es jetzt nicht geht, dann haben wir im Herbst dasselbe Problem.
    Der Eigentümer räumte mir immer schon ein großes Mitspracherecht ein, was mich auch ein Stück weit ehrt. Er verlässt sich auf mein Wissen und meine in aller Regel vernünftige Einstellung, aber ich mag diese Entscheidung auch nicht treffen. Zum einen ist es ja nicht mein Pferd, zum anderen habe ich das Gefühl, dass ich den Schwarzen Peter bekomme mit solchen Aussagen wie "Wenn du nicht mehr mitmachst, kommt es weg."

    Ich persönlcih bin nach langen, schlaflosen Nächten, zahllosen Recherchen, Rücksprachen mit anderen, mir bekannten und als kompetent eingestuften Tierärzten zu dem Ergebnis gekommen, dass es besser wäre, es gehen zu lassen. Und ich bin wirklich die letzte, die ein Tier gehen lassen würde, aber anders halte ich es nicht für sinnvoll.

    Daher ist mein Problem, wie ich das dem Eigentümer beibringe. Er hängt sehr an dem Tier (wie ich auch, keine Frage) und es tut ihm gut, weil er selbst gesundheitlich nicht auf der Höhe ist und wenn das Pferd geht, sicherlich in ein Loch fällt. Aber wie gesagt ist keine Heilung möglich, das Problem würde nur verschoben. Er legt Wert auf meine ehrliche Meinung, die er schon teilweise so kennt, wie ich sie oben beschrieben habe. Aber er sagt auch, dass es ihm gerade so gut geht, er kann es doch jetzt nicht wegtun. Jedoch beruht dieser Zustand nur auf der Gabe von Schmerzmitteln...:cry:

    Vielleicht mag sich jemand dazu äußern oder hat noch eine andere Idee.

    LG Katie
     
    #1
    Melua, 14 Mai 2008
  2. User 25480
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Es ist schwierig, da eine Entscheidung zu treffen, aber ich denke da genau wie du. Wenn Schmerzmittel gegeben werden und die Aussicht darauf besteht, nach einer Zeit ist es möglich, die Ursache auch zu behandeln, dann ok.
    Doch alleine auf der Basis, dass das Tier dann zwar nicht leidet, es aber nur aus rein egoistischen Gründen der Menschen schmerzfrei am Leben gehalten wird, ohne jedoch die Aussicht darauf, dass es geheilt werden kann, dann bin ich dagegen.

    Wäre es mein Pferd (ich stand selbst einmal vor so einer Entscheidung) würde ich die Gabe der Schmerzmittel ablehnen und dem Pferd die Erlösung verschaffen bzw. durch den Tierarzt verschaffen lassen.

    Inwieweit der Besitzer sich vielleicht selbst an dem Tier orientiert, so nach dem Motto, dem Pferd geht es gut (augenscheinlich), ich kann mich noch daran erfreuen, also geht es mir da auch besser, ist für mich ein rein menschlich egoistisches Denken.

    Das der Verlust schwer ist, stell ich ganz sicher nicht in Abrede, denn der Verlust ist schmerzhaft und das Pferd hinterlässt eine große Lücke, aber ich würde da immer in erster Linie an das Tier denken und nicht an mich.
     
    #2
    User 25480, 14 Mai 2008
  3. Amian
    Amian (38)
    Verbringt hier viel Zeit
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    3
    Single
    ich kann dich gut verstehen und denke gleich wie du.

    ich habe selber auch ein pferd und muss mich da mit entscheidungen rumschlagen.

    ist es denn so, dass das pferd unter den schmerzmitteln denn noch genutzt wird im sinn von reiten/fahren oder steht es dann einfach schmerzfrei auf der weide?

    versuche dem besitzer deine meinung schonend nochmal klar zu machen. für mich käme es gar nicht in frage, aus eigenem egoismus das pferd noch zu "benutzen". ich würde mir überlegen, was es für andere alternativen geben könnte. wenn das pferd dem mann gut tut, wie sieht es mit einem anderen aus? einem hund? gibt es da möglichkeiten?

    ich kann das dilemma schon gut nachvollziehen. aber wenn er so viel auf deine meinung hält, würde ich es ihm klar sagen, was du denkst. was getan wird, ist ja dann noch offen, aber du hältst es ja fast nicht mehr aus so. und ihm deine meinung zu sagen hilft dir sicher ein wenig.
     
    #3
    Amian, 14 Mai 2008
  4. I´m in LOVE
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    hi!
    Ich bin selber auch Pferdebesitzerin und schließe mich der meinung meiner vorposter an:
    Sag ihm deine ehrliche (und in meinen augen auch richtige) meinung!
    Da alle tierärzte der gleichen ansicht sind und die schmerzmittel nur die symptome ausschalten ist es sicher die beste lösung das pferd zu erlösen!
     
    #4
    I´m in LOVE, 14 Mai 2008
  5. Melua
    Melua (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    0
    vergeben und glücklich
    Danke für eure Antworten, bin froh, dass ich das nicht gänzlich falsch sehe.

    Meine größte Angst ist eben, dass der Eigentümer aufgrund meiner Meinung das Pferd wegtut und hinterher bereut und ich womöglich "schuld" bin. Zudem habe ich Angst, dass er das Gesundheitlich nicht packt, da er sehr an dem Pferd hängt und ich manchmal den Eindruck habe, er lebt (fast) nur noch fürs Pferd... :cry:

    Ich bin ja selbst nicht sicher, ob das moralisch korrekt ist, wie ich denke. Mag dieses Pferd mehr als mir lieb ist, ein eigenes könnte es nicht besser haben und ich bin sicherlich die Letzte, die ein Tier aufgibt, bevor alles mögliche und realistische versucht ist. Aber ich kann mit dieser Täuschung, nichts anderes ist es ja, nicht leben bzw. ich würde mir sogar überlegen, das Pferd aufzugeben. Ich möchte nicht wieder Monate warten zwischen Hoffen und Bangen und sehen, dass es dem Pferd eigentlich nicht gut geht.
    Aber da in dieser Situation und für dieses Pferd (es kann sehr speziell im Umgang sein) sich ganz sicher niemand findet, der sich drum kümmert, wäre sein Schicksal auch besiegelt, allein schafft es der Eigentümer nicht. Und da wir leider in einem zum Turnierstall mutierten Stall stehen, ist die Einstellung zu älteren, kranken, "nutzlosen" Pferden auch keine besonders positive, von der Seite ist keine Hilfe zu erwarten.

    Werde daher versuchen, ihn vielleicht zu einem Kompromiss zu überreden. Ich habe da schon eine Idee...

    Werd euch verraten, obs was gebracht hat.

    LG Katie
     
    #5
    Melua, 14 Mai 2008
  6. Kiya_17
    Kiya_17 (27)
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    1
    vergeben und glücklich
    Was hat das Tier denn?
    Könnt ihr es nicht den Sommer noch auf der Weide stehen lassen, ohne es zu reiten oder zu stark zu belasten? Was meinst du würde sich das Pferd wünschen? Wie alt ist es denn?
     
    #6
    Kiya_17, 14 Mai 2008
  7. KleineJuliii
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Habe selbst ein Pferd (das zur Zeit auch ziemlich krank ist und ihm wahrscheinlich ein Auge abgenommen werden muss) und ich weiß wirklich wie du dich fühlst...
    Ich sitze genauso wie du zwischen den Stühlen.
    Ich würde dir raten , lass das Pferd einschläfern. So hart das auch klingt,es ist besser so.
    Es mit Schmerzmitteln vollzupumpen bis zum geht nicht mehr nur damit ihr euch noch verabschieden könnt?
    Macht ihm noch eine schöne restliche Zeit,geb ihm das zu fressen was er liebt,kuschelt so viel wie möglich mit eurem Pferd und schiebt den Moment des Abschied nehmens nicht vor euch her. Irgendwann wird er kommen.

    Ich wünsche dir viel Kraft,und bin froh das es noch Menschen auf der Welt gibt die ihr Tier genauso als Mitglied einer Familie ansehen wie einen Menschen!:herz:
     
    #7
    KleineJuliii, 14 Mai 2008
  8. Melua
    Melua (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    Möchte noch schnell auf den Beitrag von Kira_17 antworten:

    Das Pferd hat einen Sehnenschaden, der leider nicht wie gewünscht verheilt ist. Wir haben alles mögliche außer einer Op machen lassen. Die OP deshalb nicht, weil wahrscheinlich schon die Vollnarkose in dem Alter (24) zuviel gewesen wäre, das Pferd 4-6 Wochen in der Klinik gestanden hätte und der Heilungerfolg maximal 50/50 war. Zudem, dass muss man trotz aller Tierliebe sagen, wären die Kosten nicht im Ansatz wett gemacht worden.

    Klar könnte man das Pferd auf eine Wiese stellen und es leben lassen. Aber dieses Pferd braucht Beschäftigung, ich sage damit nicht, dass es geritten werden möchte, aber es braucht etwas zu tun (Spaziergang, Bodenarbeit, Lektionen, Spazierritte). Aber jede dieser Bewegungen strapaziert das Bein, sodass an sich keine leichte Bewegung möglich ist. Sogar auf die Weide sollte es nicht, weil schon die Belastung des langsamen Umherwanderns und die Versuche, mit anderen mitzurennen, Gift für das Bein sind.
    Zum zweiten hat es auch auf der Wiese Schmerzen beim traben oder galoppieren. Und was ist ein Leittier, wenns den anderen hinterhergeht, nicht mitrennen kann?
    Und zuguterletzt haben wir ja ein Pferd, um es zu reiten. Klar sind unsere Ansprüche nicht hoch und wir verzichten gern, aber ein kreuzunglückliches Pferd 20 min Schritt zu reiten, es überall zügeln zu müssen, ihm jeden Spurt verweigern zu müssen ist nicht toll. Und einfach wegstellen nach dem Motto "auf einer Wiese gehts jedem Pferd gut" - das stellt für mich genauso eine Gewissenberuhigung dar wie die Gabe von Schmerzmitteln.

    Letztlich dient es nur dazu, dass der Mensch sich vor der Entscheidung drückt. Und es nur mit Schmerzmitteln auf die Wiese zu stellen halte ich persönlich auf längere Sicht auch nicht für toll, letztlich ist es nur ein Verschleiern und die Gabe der Mittel müsste auch mit der Zeit erhöht werden. Und dann? Die Mittel schlagen auf den Magen, wenn also da Probleme sind, bekommt es da auch ein Mittel. Und wenn die Nieren im Eimer sind? Kein Problem, da findet sich auch eins, vielleicht noch einmal wöchentlich Dialyse? Ihr seht worauf ich raus möchte...

    Ich bin wirklich dafür alles zu tun, auch wenns manchmal vom Kostenfaktor her unvernünftig erscheint, aber wenn keine Heilung in Sicht ist und der momentane Zustand auch nicht gut, welche realistischen Möglichkeiten bleiben noch?

    Wir telefonieren fast täglich und tauschen uns aus, wie läuft es, zeigt es Schmerzen, frisst/säuft es ausreichend, sonstige Probleme. Das ist verdammt schwer... Bin mittlerweile soweit, nach dieser Geschichte nicht mehr zu reiten und auch keins meiner sonstigen Tiere mehr zu "ersetzen", wenn sie sterben...

    Alle sagen mir, sie finden es stark und toll, dass ich mich da nicht ausgeklinkt habe und das Pferd weiter pflege und auch die Entscheidungen mit treffe/trage. Aber wies in mir aussieht, will keiner wissen...
     
    #8
    Melua, 15 Mai 2008
  9. medice
    medice (27)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    (zuerst: ich bins Kiya_17 unter dem Account meines Freundes)

    Ich bin auch nicht dafür ein Tier auf Zwang das Leben um ein paar Monate zu verlängern... ich kann dich schon verstehen :geknickt:

    Was war mit der Idee, die du gestern hattest? Ist daraus etwas geworden oder nicht?

    Ich kann dich verstehen... hab ja selber Haustiere :geknickt:
     
    #9
    medice, 15 Mai 2008

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