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Glückwünsche nach nirgendwo...

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von feeX, 19 November 2004.

  1. feeX
    Gast
    0
    Aufgeregt... Herzrasen, gleichzeitig die ewige Wut auf dich, mich und uns in meinem Bauch. Warten auf den besten Freund, weil er mitgeht, auf die Feier, die Party. Mit zu den Menschen geht, die dir wichtig sind, die mir nichts bedeuten, um deinen Geburtstag zu feiern, zu dem du mich aus Gründen, die ich nie verstehen werde, eingeladen hast. Eingeladen mit diesem Blick, in diesem Augen-Blick, in dem in deinen Augen meine Augen waren und ich kurz zu glauben glaubte, es wäre etwas wie Schmerz darin.

    Der kurze Weg zu deinem Haus, der mir nie länger, nie gleichzeitig kürzer vorgekommen ist als in diesem Moment. Mein Arm in dem meines besten Freundes, der mit mir geht, ohne Worte zu brauchen die von dem Brauchen und der Angst sprechen, weil er dabei war, im ersten Augenblick, bei den ersten Augen-Blicken, bei all der Wut und den Tränen danach, die nie ein Ende nahmen in all den Jahren, die bedeutungslos verstrichen sind.

    Deine Augen vor mir, du vor mir, kurz Meerrauschen wie immer bei In-Deine-Augen-Blicken, mein Gesicht kalt, unverbindlich arrogant, die dir altbekannte Geste und in deinem der Spiegel, der zurückwirft was ich nicht sehen und ertragen kann. Gefühl- und bedeutungslose Worte, wir betreten den Raum, den Arm habe ich losgelassen, nur äußerlich, innerlich klammere ich mich fest an den einzigen Halt, der wissen darf, dass ich noch Halt brauche vor dir, deinen Augen und deinen Blicken.

    Ein Hallo in die Runde, ein Lächeln hier und dort und es gefriert fest auf meinen Lippen, die Worte zu dir sprachen, die ich immer bereuen sollte und Worte nie sprachen, für deren Nicht-Aussprache ich mich immer hassen sollte. Lippen, die in den nächsten Stunden wenig bis gar nichts zu dir sagen wollten, außer Floskeln und darunter nicht mal das obligatorische "Alles Gute". Das kann ich dir nicht wünschen, ohne dass du die Lüge erkennen würdest; dass ich dir nichts wünsche was ich nie haben kann, da ich dich nicht habe.

    Er kommt herein, mein größter Triumph, mein härtester Gegenschlag, er begrüßt erst mich mit einem Kuss bevor er die obligaten Worte spricht, Glückwünsche, die man sprechen muss an diesem Tag, die ich nicht sprechen will weil ich genug davon habe, dir ins Gesicht zu lügen. Dabei ist mein Schweigen Lüge genug. In diesem Augenblick - du siehst in meine Augen - und in diesem Augen-Blick erkennst du wohl, dass du mich an ihn verloren hast weil da mehr war und ist als das Dich-Vergessen-Wollen. Während diesem ewigen Augen-Blick glaube ich zu erkennen, dass du mich nicht verlieren wolltest. Wie alle Augenblicke und Augen-Blicke mit dir ist es zu schnell vorbei um es zu fassen und mein Herz zu zersprungen, um es zu glauben. Ich lächele nur, nicht unverbindlich sondern verbindlich diesmal, und es ist ein lautes Ja. Ja ich bin glücklich ohne dich.

    Ein Zurück-Lächeln reicht dir nicht als Antwort, du musst deine Freundin, die dir doch nichts bedeutete, an dich ziehen. Dein Arm um ihre Schultern ist ein Schlag in mein Gesicht und mein bester Freund reicht mir mit einem kurzen Blick rein im Geist wieder seinen Arm, den ich - ohne mich zu bewegen - ergreife und an den ich mich klammere, weil der An-Blick zu schmerzvoll ist und ich schreien will, dass du sie nicht liebst. Dass du erst vor wenigen Wochen in meine Augen gesehen hast und mit diesem Schmerz, den ich geglaubt habe zu sehen, gesagt hast, dass ich immer dein Mädchen sein werde. Ein Satz, den ich nur mit Lachen kommentiert habe, weil ich es dir nie glauben konnte und kann. Ich schreie es nicht heraus sondern wende meinen Kopf ab, nicht ohne unmerkbar mit den Schultern zu zucken, so dass nur du das Zucken siehst, weil du Dinge an und in mir siehst und spürst die andere nicht sehen, spüren oder wollen.

    Ich kann den Arm innerlich loslassen und kann Luft holen und kann nach meinem Glas greifen und kann daraus trinken ohne das es zittert weil meine Hände zittern, nachdem endlose Minuten vergangen sind in denen ich - unverbindlich und arrogant - im Raum herumgesehen habe ohne deine Blicke zu erwidern. Wäre mir nicht am ganzen Körper heiß, als hätte ich Fieber, nur weil ich in dem Raum bin in dem alles begann und endete... begann und endete... begann und endete... könnte ich wohl glauben, dass deinen Nähe mich kalt lässt. Das Fieber in mir und in meinem Kopf erlaubt den Glauben nicht.

    Irgendwann verlasse ich den Raum, unauffällig, unverbindlich mit dem arroganten und abweisenden Gesicht, weil das Fieber in meinem Kopf mich verbrennt und deine Augen mich verfolgen, sich in mich bohren und dein Blick körperlich schmerzt, ich es nicht mehr ertrage bei dir zu sein ohne bei dir zu sein und dass ich einen anderen küsse und du eine andere küsst und weil du mich ansiehst, durch mich durch und in mich hinein und Dinge siehst, die keiner sieht und fühlt, weil du Dinger erkennst die ich keinem zu erkennen erlaube und du mich kennst wie es keiner darf.

    Draußen im Regen kühlt der Wind das Fieber, weht das arrogante Gesicht davon, hinterlässt eine echte Kälte und bläst dabei die aufgesetzte weg. In mir und um mich herum alles schwarz, sogar das Gras vor mir scheint schwarz zu leuchten in dem Licht der Straßenlaternen und während Regen im Rinnstein schwarz leuchtend in die Kanalisation fließt höre ich Schritte, bei denen ich mich nicht umdrehen muss, weil ich jeden Fußtritt von dir kenne, liebe, hasse, verachte und brauche.

    Deine Stimme legt sich wie ein Arm um mich und bei all der Kälte, Nässe, trotz dem Fieber, dem Hass, der Wut, dem Schmerz, bin ich kurz zu Hause während du sprichst, leise sprichst zu meinem Rücken, weil ich mich nicht umdrehe, und mich fragst, wie es mir geht. Eine Floskel, die nichts sagt und doch so viel bedeutet, weil deinen Stimme wie ein Arm um meine Schulter ist, nicht wie ein kaltes Messer durch mich schneidet, wie eine glühende Kohle Fieber entfacht und ich fühle mich zu Hause während du es fragst.

    Wie um nichtssagendes mit nichtssagendem zu erwidern in dem Wissen, dass du verstehst, wie viel ich mit dem Nichtssagenden wirklich sage antworte ich mit einem Gut und gebe meiner Stimme einen glücklichen Klang, was nicht so schwer ist wie noch vor wenigen Monaten. An deinem Atem, der nur kurz einen anderen Rhythmus anzunehmen scheint, merke ich, dass du mir glaubst und verstehst und der Arm um meine Schultern, der nicht da ist, lockert sich etwas.

    Dann fragst du, was du wirklich fragen willst, was ich dich schon gefragt habe und obwohl du dir Antwort kennst und es nur eine Antwort geben kann, dieselbe Antwort, die du mir gegeben hast und geben musstest, fragst du, ob ich glücklich mit ihm bin. Erst als ich bejahe weichst du vom Schema ab dass ich so gut kenne und hasse seit Jahren und dein Arm um meine Schulter, der nicht da ist, lockert sich nicht. Deine Stimme wird nicht hart, arrogant, unverbindlich oder verletzend sondern weich und es würde ehrlich klingen, würde irgendein Wort aus deinem Mund je ehrlich klingen für mich, als du sagst, dass du glücklich darüber bist.

    Glücklich das ich glücklich bin erscheint mir wie Hohn nach all der Zeit und allem was war und doch bin ich sekundenlang versucht dir zu glauben, drehe mich um und sehe dich an und während alles um mich und in mir schwarz ist, scheint dein Gesicht in Licht zu baden und deine Augen berühren mich wie immer, aus dem Arm um meine Schultern der nicht da ist wird einen Hand auf meiner Wange die real ist und sich in meine Haut brennt und ich fühle mich so zu Hause, so sehr daheim, und wieder ist das Fieber da. Ohne Willen schliesse ich die Arme um dich als gäbe es nichts richtigeres und wichtigeres mitten in diesem Moment voller Regen, als dich im Arm zu halten oder mich zu halten an dir.

    Ich schließe die Augen und höre, dass du sagst, du bist glücklich, dass ich glücklich bin und ich hätte jemand wie ihn verdient und kann wie immer nicht glauben was du sagst, weil er ist wie du sein wolltest und weil er der Freund ist den du nie haben kannst und er für dich wichtig ist, ohne das du es weißt und je wissen wirst und du es nicht ertragen kannst, mich mit ihm zu sehen, selbst wenn du nichts für mich empfindest, und weil ich weiß, dass es deinen Stolz so sehr verletzt und du es trotzdem sagst, glaube ich es dir, sekundenlang.

    Sekundenlang zu Hause, sekundenlang bei dir und wirklich bei dir, mit dir und wirklich mit dir, sekundenlang Stille die nie einsam ist zwischen uns, mit uns, in uns. Deine Hand brennt immer noch auf meiner Wange, dein Arm liegt wie selbstverständlich mit dem besitzergreifenden Druck von eh und je um meine Hüfte und dein Atem ist wie eine Umarmung um mich herum und selbst der Regen scheint weich zu werden während er uns eindeckt in Ruhe.

    Nach und nach verbindet sich unser Atem, dein Herz schlägt an meiner Brust mit meinem im Takt. Um uns herum Schweigen, Ruhe, Regen, von weitem leise Geräusche derer, die weiter feiern und nichts wissen von dem Schmerz und dem leisen Meer-Rauschen zwischen den Tropfen. Deine Augen finden meine, dein Atem auf meinem Gesicht. In den Regen, der über mein Gesicht strömt, mischen sich Tränen, so sehr schmerzt das Glück und das Leid, bei dir zu sein, mit dir und um dich herum. Unsere Lippen finden sich wie von selbst, zitternd, vorsichtig erst und ich könnte glauben, in dem Zittern und dem Stocken deines Atmens das selbe Fehlen zu erkennen, dass mich zu den unbemerkten Tränen zwingt, könnte ich dir noch irgendetwas glauben nach den Jahren, in denen du mir nie glauben gelassen hast mit diesem nie definierbaren Gefühl in deinen Augen.

    Ewigkeiten vergehen irgendwo in einem Strudel, der dunkel wäre, gäbe es Helligkeit mit dir, der eben nur reissend ist und wir trennen uns wortlos. Ich erkenne noch kurz den Schmerz in deinen Augen als ich gehe und den Raum betrete in dem all die anderen warten, nichtswissend. Die mir nichts bedeuten und die auch nicht deinen Freunde sind. Ohne zu sprechen reicht mein bester Freund mir geistig den Arm weil du deine Worte und Küsse und Umarmungen und Blicke bereits wieder Lügen strafst, indem du das Mädchen an deiner Seite, die nicht ich bin, auch wenn du sagst, ich werde es immer sein, in den Arm nimmst und dein Gesicht nicht mehr ehrlich ist.

    Und das Brennen deiner Lippen auf meinen noch spürend entscheide ich mich, den Moment abzutun. Selbst als du mich anlächelst, einsam und unauffällig aus verschiedenen Ecken des Raums, den ganzen Abend lang, kralle ich mich nur innerlich an den mir gebotenen Arm im Geiste und nähre die abgrundtiefe Wut in mir, dass du wieder Öl in das ewige Feuer meiner Hoffnung gegossen hast.

    Am Ende trennen wir uns ohne weitere Worte, ich gehe mit ihm vor deinen Augen, an den Ort, den ich zu Hause nenne und der immer da war wo du warst, wo deine Stimme eine Umarmung und dein Lachen ein Kuss war. Ich gehe und bringe die obligatorischen Abschiedsfloskeln ebenso wenig über mich wie die für diesen Abend und für diesen Anlass gebotenen Glückwünsche, weil ich dir kein Glück wünschen kann, wo noch die Leere in mir brennt, die du hinterlassen hast. Später in der Nacht bin ich stolz, stolz geblieben zu sein und diesen Abend ohne Worte, ohne Zeichen von Sehnen, Fehlen oder Gefühl zumindest beendet zu haben.

    Einmal nur zurückgehen an diesen Tag, diese Zeit, diese Nacht -
    ganz ohne voller Wut von Tränen und Schmerz...
    ganz ohne voller Leid von dem Brauchen und dem Fehlen...
    ganz ohne voller Sehnsucht von der Liebe
    zu sprechen -

    nur sagen "Alles Gute zum Geburtstag"

    Verzeih mir.


    6 Jahre später
    3 Jahre zu spät
     
    #1
    feeX, 19 November 2004
  2. Lichttänzer
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Ergriffen. Sprachlos. Hochachtung.
     
    #2
    Lichttänzer, 19 November 2004
  3. *Wildrose*
    Verbringt hier viel Zeit
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    101
    0
    nicht angegeben
    Da kann ich mich der vorigen Meinung nur anschließen....

    Beeindruckend geschrieben....
     
    #3
    *Wildrose*, 19 November 2004
  4. feeX
    Gast
    0
    Danke ihr zwei...
     
    #4
    feeX, 23 November 2004
  5. die_venus
    die_venus (35)
    Meistens hier zu finden
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    Verheiratet
    Mich hat der Text auch sehr berührt! Schön geschrieben! Macht allerdings melanchonisch.
     
    #5
    die_venus, 23 November 2004

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