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Herz aus Glas

Dieses Thema im Forum "News zu Liebe, Erotik und Sexualität" wurde erstellt von Hermann, 29 Juli 2004.

  1. Hermann
    Gast
    0
    Tatjana Gsell erwartet heute ihr Urteil. Und das Publikum darf etwas von ihr erwarten - die Fortsetzung einer bizarren Show. Mit beinahe allen Mitteln


    [​IMG]
    Gesamtkunstwerk der kosmetischen Chirurgie: Tatjana Gsell
    Foto: dpa



    von Michael Mielke
    Das Märchen geht weiter. Auch der düster wirkende Saal 619 im Nürnberger Amtsgericht ist nur Kulisse. "Ich hoffe, alles wird gut", sagt Tatjana Gsell zu Beginn ihres Strafprozesses.

    Da ist schon klar, dass ein Urteil den Strafbefehl kaum übersteigen wird: ein Jahr Gefängnis, natürlich ausgesetzt zur Bewährung, und 72*000 Euro Geldbuße - für die Millionenerbin keine große Summe. Erst recht nicht in Relation zu den vielen Berichten, deren Mittelpunkt sie ist. Denn wer die schmale Frau mit den angeklebten Wimpern und dem stark blondierten Haar noch nicht kannte, der kennt sie seit diesem Prozess. Und sie will ja auch, dass man sie kennt. Sie will wie ihr großes Vorbild Verona Feldbusch in die Objektive der Fotografen lachen und winken, will unter den Sohlen ihrer sündhaft teuren Pumps den roten Teppich spüren. Und nimmt, wenn es nur von Kameralampen beleuchtet ist, auch das stumpfe Linoleum eines Gerichtsflurs in Kauf.

    Jeder Prozesstag gerät zur Show. Mal erscheint sie im Unschuldsweiß des Modemachers Robert Cavalli, dann im Etuikleid von Versace; dann wieder ganz in Kookai-Rot. Oder, ihrer Weiblichkeit schmeichelnd, maskulin von Hugo Boss.

    Ihre acht Jahre ältere Richterin, die äußerlich den Vergleich keineswegs scheuen muss, nimmt diese Auftritte halb spöttisch, halb interessiert zur Kenntnis: Uta Kusch, die zum Prozessauftakt rasch die Brille absetzt, ihr ebenfalls blondes Haar nervös zurückstreicht und Tatjana Gsell im Blitzlichtgewitter für einige Sekunden die Show stiehlt. Die Miss-Prozess-Schärpe bekommt dann aber doch Frau Gsell. Zwei Tage titelt "Bild": "Die schrille Witwe und die Aschenputtel-Richterin". Wieder gibt es ein Aufflackern in diesem Leben, das die 33-Jährige selbst als transparentes Gefäß beschreibt: ein "gläserner Fahrstuhl, der hoch und runter fährt". Je nachdem.

    Dem Märchen zufolge erreichte sie, aus dem Parterre kommend, die ersten Etage 1993 auf einem Ärzte- und Apothekerball. Da heißt sie noch Tanja Gick, ist 22 und schon kokett genug, einem honorigen Gast aufzufallen: Dr. Franz Gsell, schwerreicher Nürnberger Schönheitschirurg in Scheidung. Und tatsächlich - er heiratet die 45 Jahre jüngere Arzthelferin.

    Nun gewinnt der gläserne Fahrstuhl Tempo. Sie selbst drückt den Knopf: nach oben! Die damals noch dunkelhaarige, irgendwie an Nofretete erinnernde Frau bringt sich ins Gerede und schließlich in die Kartei der bunten Magazine, Boulevardblätter und einschlägigen TV-Sendungen.

    "Es hat mir natürlich sehr geschmeichelt, als attraktive Societylady dargestellt zu werden", sagt sie Anfang 2003 der "Bunten". Und auf die Frage, wie es weiter gehe: "Ich habe viel gelernt und weiß, dass mir die öffentlichen Auftritte nicht gut getan haben." Einen Monat später erscheint sie im RTL*II-Big-Brother-Container und steigt, wie der Boulevard es süffisant beschreibt, "nur mit einem knappen Glitzer-Bikini bekleidet in die Badewanne". Posiert noch während ihres Strafprozesses bei "Promi-Schweiß und Edelweiß" auf Pro-7. Lässt sich von C-Prominenten wüst beschimpfen und steckt ihre Füße freiwillig in einen Bottich voll Kuhkot.

    Vermutlich ist auch das für sie ein Aufstieg im gläsernen Fahrstuhl. Skandalbeiwerk zur Promotion-Tour im Nürnberger Amtsgericht, wo sich die Ereignisse derweil überschlagen; wo sie als Femme fatale gleich mehreren Kerlen auf einmal die Köpfe verdreht haben soll: Allen voran Franz Gsell, der ihr sogar noch beistand, als sie schon Monate mit Hartmut Becker im spanischen Nobelort Marbella badete.

    Der 61-Jährige - einst "Autokönig von Düsseldorf" - war da schon hoffnungslos pleite. Tatjana Gsell zahlte also, allein an Hotelkosten sollen 90*000 Euro angefallen sein. Und Becker beriet sie, so sagt er vor Gericht, "in Fragen der Schönheit und ihrer Vermarktung".

    Die Vermarktung ihres 100*000-Euro-Mercedes 500 SL habe diese Beratung nicht umfasst: Jene Gaunerei, deren Folgen Franz Gsell das Leben kosten und die im Nürnberger Amtsgericht enden sollte: Von Marbella aus schaltet Tatjana Gsell eine Anzeige. Es melden sich Mitglieder einer in Serbien ansässigen internationalen Autoschieberbande, die 30*000 Euro bieten und vorschlagen, Frau Gsell könne den 100*000-Euro-Wagen ja später als gestohlen melden.

    Sie stimmt nach einigem Zögern zu. Und auch der gehörnte Ehemann - vor Gericht nennt sie ihn, mühsam Tränen unterdrückend, ihren "väterlichen Freund" - übernimmt einen Part im geplanten Versicherungsbetrug. Doch der läuft aus dem Ruder. Als die Ganoven am 5. Januar in der Villa des Schönheitschirurgen erscheinen, haben sie die verabredeten 30*000 Euro nicht dabei. Gsell weigert sich daraufhin, die Autoschlüssel herauszugeben. Sie stoßen ihn gegen ein Treppengeländer. Der 76-Jährige erleidet Rippenbrüche und eine Lungenquetschung und stirbt am 26. März 2003. Einen Monat später wird Tatjana Gsell wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Totschlag verhaftet.

    Nun steht der gläserne Fahrstuhl still, 173 Tage lang - die verbringt sie im Nürnberger Frauengefängnis. Sie habe Hunderte Briefe bekommen, wird nach ihrer Haftentlassung kolportiert. Vor allem von schwer verliebten Männern. Unter ihnen ein Scheich aus Dubai, der sie unbedingt kennen lernen wolle; und ein deutscher Prinz aus einer, wie sie in einem Interview geheimnisvoll andeutet, "sehr bekannten Adelsfamilie".

    Und der Fahrstuhl der Träume ruckelt schon wieder. Darin kann der dritte wichtige Mann in ihrem Leben nur zum Liftboy schrumpfen: der suspendierte Staatsanwalt Stefan M., der neben Tatjana Gsell auf der Anklageplatz Platz nimmt und in diesem gläsernen Märchen nach Franz Gsell wohl der zweitgrößte Verlierer ist.

    Soll "Stevie" doch, wie Frau Gsell den Jugendfreund nennt, bei dem versuchten Versicherungsbetrug tatkräftig geholfen haben.

    Im Anklagesatz ist von einer "Vielzahl von Telefonaten und SMS-Nachrichten" die Rede, die Tatjana Gsell mit dem hoffnungslos verliebten Staatsanwalt unmittel vor und nach dem Vorfall in der Villa ausgetauscht habe. Stevie soll den Besuch der Autoschieber von einem Gebüsch aus verfolgt und später Spuren eines vermeintlichen Raubüberfalls gelegt haben: Möbelstücke wurden umgeworfen, Franz Gsell geknebelt und im Garten "eine Plastiktüte rumänischer Herkunft mit Spuren von Erdbeermarmelade" deponiert.

    Der 33-Jährige streitet das ab - hat indes bei einer Vernehmung schon einmal bestätigt, am Tatabend bei der Villa gewesen zu sein. Und auch Tatjana Gsell lässt keinen Zweifel, dass die Anklage richtig sei, sie sucht in der Verhandlung ostentativ immer wieder seinen Blick, als wolle sie demonstrieren: Wenn hier einer lügt, dann der.

    Und er weicht ihr aus und leugnet weiter. Alles wird hochgespült: Abgehörte Telefonate, in denen es um Sex in Stiefeln und Handschellen geht. Aussagen eines Ermittlers über sexuelle Abhängigkeit des Staatsanwalts. Beschuldigungen der Ex-Ehefrau des Schönheitschirurgen: die Gsell habe dem armen Franz das Geld abgepresst und gedroht, sein Toupet verschwinden zu lassen. Wieder Schlagzeilen, Spekulationen, Fotos, Gerüchte - und mittendrin Tatjana im gläsernen Fahrstuhl, die für die Zeit nach dem Prozess schon sensationelle Pläne hat.

    Sie wolle heiraten, heißt es. Wieder einen Arzt, der Hochzeitsort sei schon besichtigt: ein Schloss in Brandenburg. Alles nur PR? Egal. Hauptsache, das Märchen geht weiter. :grin:



    Artikel erschienen am Do, 29. Juli 2004
    © WELT.de 1995 - 2004
     
    #1
    Hermann, 29 Juli 2004
  2. Chrissi-Bissi
    0
    leute gibts, die gibts gar nicht :grin:
     
    #2
    Chrissi-Bissi, 29 Juli 2004
  3. User 17556
    User 17556 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    417
    103
    2
    vergeben und glücklich
    recht hasch :jaa:
     
    #3
    User 17556, 4 August 2004

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