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Hilfe beim Verständnis vom Gedicht "Herbst" von Rilke

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Chacaline, 13 September 2007.

  1. Chacaline
    Chacaline (27)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    kann mir mal jemand erklären, worum es bei dem Gedicht geht?


    Herbst

    Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
    sie fallen mit verneinender Gebärde.

    Und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit.

    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an: es ist in allen.

    Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
    unendlich sanft in seinen Händen hält.






    mein bisheriges Resultat...


    Sowohl der Machtmensch Kohl als auch der sich zu Hemingway bekennende Schröder, sind es, die sich einem Lyriker verschreiben, der weder politisch aktiv noch sonderlich politisch interessiert war. Rainer Maria Rilke war ein österreichischer Dichter, der sich ganz auf die Innerlichkeit der Dinge beschränkte. In seinen Werken kam vor allem der Expressionismus zum Ausdruck. Hierbei handelt es sich um eine Epoche des 20. Jahrhunderts, die im bewussten Gegensatz zum Impressionismus steht. Kennzeichnend für die Werke ist die grell-sinnliche Darstellung innerer Wirklichkeitserlebnisse.
    In seinem Werk „Herbst“, welches 1902 veröffentlicht wurde, beschreibt er die alljährlich wieder kehrenden Jahreszeit „Herbst“ und die damit verbundene Trübseligkeit, die in den Menschen aufsteigt, wenn der sonnige Teil des Jahres zu Ende geht und die kalte und dunkle Zeit naht.
    Das vierstrophige Gedicht ist beim erstmaligen Lesen relativ schwer zu verstehen. Man muss es zwei bis drei Mal lesen, bis man einen Eindruck davon bekommt, was Rainer Maria Rilke damit ausdrücken wollte. Das es um das Thema Herbst geht ist schon alleine auf Grund der Überschrift sofort klar erkennbar. Doch was er mit Versen, wie z.B. „Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.“ (V.6) sagen will, findet man erst heraus, wenn man sich intensiver mit diesem Gedicht beschäftigt.
    In der ersten Strophe, welche aus 3 Versen besteht, beschreibt Rilke, wie die Blätter im Herbst von den Bäumen fallen. Er benutzt das „Fallen der Blätter“ als Metapher, um das Gefühl der Ausweglosigkeit und Unglückseeligkeit der Menschen zu verdeutlichen. Markant wird dies aufgrund der dreimaligen Wortwiederholung „fallen“ (V. 1,3) in der Strophe. Ebenso gebraucht Rilke eine Personifikation, „sie fallen mit verneinender Gebärde“ (V.3), durch welche die Metapher in dem Gedicht hervorgehoben wird. Bei Verneinung bewegt man den Kopf hin und her; man schüttelt ihn. In seinem Werk spricht Rilke wehmütig die Blätter an, die braun und verwelkt zu Boden sinken, als seien sie im Himmel gewachsen und würden nun im Herbst sterbend zur Erde fallen. – Im Herbst breitet sich die Einsamkeit aus. Der zweite Vers ist ein Vergleich zum ersten Vers und stellt das Geschehen bildhaft dar, um es besser vorstellbar auf den Leser wirken zu lassen. Das Semikolon am Ende des zweiten Verses, zeigt die enge Verbundenheit zum ersten Vers, welche ich schon erwähnte. Hierbei wird eine Gedankenpause eingelegt, um dann den dritten Vers anzuschließen.
     
    #1
    Chacaline, 13 September 2007
  2. Ginny
    Ginny (35)
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    vergeben und glücklich
    Ich würde Rilke weniger dem Expressionismus, sondern eher der Moderne/dem Symbolismus zuordnen, Expressionismus beginnt ja eher so um 1910. Rilke greift in seinen Gedichten oft die moderne-typischeThematik des Verfalls auf, Stichwort Fin de Siècle, Ästhetisierung des Morbiden.
     
    #2
    Ginny, 13 September 2007
  3. Chacaline
    Chacaline (27)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Single
    aber der expressionismus gehört doch auch zum 20. jahrhundert und somit auch in die Moderne
     
    #3
    Chacaline, 13 September 2007
  4. Ginny
    Ginny (35)
    Sehr bekannt hier
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    vergeben und glücklich
    Nö, mit Moderne meine ich im engeren Sinn die eigenständige Epoche, die Literatur um 1900. Also etwa von 1890 bis 1910, darunter dann Untergruppierungen wie Berliner und Wiener Moderne, Jugendstil, Symbolismus, Avantgarde. Der Expressionismus mit Kafka und Co schließt sich daran an und greift die Moerne natürlich auf und die Übergänge sind eh immer fließend. Aber ich kenne Rilke eher als Symbolisten.
     
    #4
    Ginny, 13 September 2007
  5. Melia
    Melia (37)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    Wie Ginny sehe ich überhaupt nicht expressionistisches in dem Gedicht; Rilke steht wesentlich deutlicher in der Tradition der Strömungen der Jahrhundertwende.
    Deine Deutung greift sehr kurz (den Absatz zum Verständnis würde ich komplett streichen; mir fehlt eine generelle Einordnung ins Werk; es ist nicht nur ein Jahreszeitengedicht wie Du es hauptsächlich stark machst; was ist mit dem "Einen"? etc.)
    Sprachskepsis bei Rilke solltest Du Dir in jedem Fall mal ansehen (Chandos-Brief etc) und schön fände ich die Verbindung zu einem weiteren Herbstgedicht von Rilke:


    Ende des Herbstes

    Ich sehe seit einer Zeit,
    wie alles sich verwandelt.
    Etwas steht auf und handelt
    und tötet und tut Leid.

    Von Mal zu Mal sind all
    die Gärten nicht dieselben;
    von den gilbenden zu der gelben
    langsamem Verfall:
    wie war der Weg mir weit.

    Jetzt bin ich bei den leeren
    und schaue durch alle Alleen.
    Fast bis zu den fernen Meeren
    kann ich den ernsten schweren
    verwehrenden Himmel sehn.
     
    #5
    Melia, 13 September 2007
  6. nic
    nic (34)
    Verbringt hier viel Zeit
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    91
    0
    nicht angegeben
    wenns hilft

    [​IMG]
     
    #6
    nic, 14 September 2007

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