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Hyperaktives Patenkind ...

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von das-bin-ich, 15 Februar 2009.

  1. das-bin-ich
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Hallo,

    mein 6-jähriger Neffe hat es seit 2 Wochen schwarz auf weiß : Er hat AD(H)S !
    Meine Tante und auch der Rest der Familie ist jetzt natürlich total ratlos..., Ritalin: ja oder nein?!

    Hat irgendwer Erfahrungen mit ADS und Hyperaktivität ?

    Er ist wirklich super anstrengend und braucht städnig Aufermksamkeit ,man kann ihn auch nicht aus den Augen lassen ,aber deswegen gleich Medikamente?
     
    #1
    das-bin-ich, 15 Februar 2009
  2. Pink Bunny
    Pink Bunny (27)
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    Am besten ist es ihm nicht nur Medikamente zu geben.

    Eine multimodale Therapie hat sich bei vielen ADHS Kindern bewährt.
    Das heißt eine Mischung aus Beratung der Eltern und Lehrer sowie psychotherapeutische Maßnahmen und der zugabe von den passenden Medikamenten.

    Das Kind nur auf Medikamente zu setzen kann schlimme folgen und auch persönlichkeitsveränderungen auslösen.
    Außerdem sollte man sie erst einsetzen wenn keine andere Maßnahme mehr fruchtet. zum Beispiel Elterntrainings: Diese haben sich als sehr wirkungsvoll erwiesen, denn im Verhältnis von unruhigen Kindern und ihren Eltern läuft oft einiges schief.
     
    #2
    Pink Bunny, 15 Februar 2009
  3. Mitbewohner
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    Das muss man doch mit einem Arzt absprechen, ob es nötig ist.
    Bei einigen Kindern ist es sehr, sehr hilfreich, weil sie sich ohne Medikamente gar nciht richtig konzentrieren können, wenn es zum Beispiel um Schule und Hausaufgaben geht.
    Die können ja selbst nichts für und wie stark und wie nötig es der Junge hat, können wir doch nicht entscheiden.
     
    #3
    Mitbewohner, 15 Februar 2009
  4. das-bin-ich
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    nicht angegeben
    Also er hat anscheinend eine stärkere Form der Krankheit und der Arzt hat eben zur Behanldung mit Medikamenten geraten...

    Aber macht man es sich damit nicht zu einfach ,das Kind einfach ruhig zu stellen ?! Ich bin da ehrlichgesagt sehr skeptisch ... :ratlos: Keine Ahnung was ich darüber denken soll...
     
    #4
    das-bin-ich, 15 Februar 2009
  5. Mitbewohner
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    Ich kenne mich da nicht groß aus.
    Natürlich macht man es sich und dem Kind einfacher. Ohne geht es auch sehr schlecht, denke ich mal.
    Trotzdem sollte man halt noch die Eltern beraten und je nachdem, ob er in der Schule mit den anderen Kindern zurecht kommt, eine besondere Schule aufsuchen.
    Ansonsten eben aufklären lassen, wie die Leute, Bekannte mit ihm am besten umgehen sollen.
     
    #5
    Mitbewohner, 15 Februar 2009
  6. Pink Bunny
    Pink Bunny (27)
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    Sei da Vorsichtig. Wart ihr bei einem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten ?
    Es ist unglaublich wie oft mit der Diagnose ADHS rumgeworfen wird und genauso schnell mit Medikamenten.
    Besonders gerne machen das Hausärzte.

    Ich würde an der Stelle der Eltern zu einem Psychotherapeuten gehen der sowas mit Tests feststellen kann.Und nicht nur zu einem.

    Denn ruhig stellen heißt auch ruhig stellen bei Psychopharmaka. Von den Nebenwirkungen sage ich mal nichts.
    Bei einigen hilft es, manche sediert es aber auch einfach.

    Ich schreibe hier doch ein paar häifige Nebenwirkungen auf auch aus Erfahrungen meines Bruders bei dem als 3 Jähriger diese Fehldiagnose gestellt wurde und dem auch Ritalin gegeben wurde ohne überhaupt andere Maßnahmen zu erwähnen :

    Wachstum

    - kann bei Langzeitanwendung auch bei angemessener Dosierung bei Kindern zu einer Wachstumsverzögerung und zu reduzierter Gewichtszunahme führen. Später normalisiert es sich wieder.

    Appetit

    - Rückgang des Appetits und der Flüssigkeitsaufnahme ist eine häufige Nebenwirkung. Verliert sich allerdings nach einigen Monaten bis hin zu einem Jahr.

    Haut

    - vermehrtes Schwitzen

    - Juckreiz

    - Ödeme

    Psyche


    - sehr oft treten Nervosität und Schlaflosigkeit auf

    - empfindlichkeit und agressivität gehen hoch

    - persöhnlichkeitsänderungen (ernster ,machineller )

    Noch dazu passiert es sehr oft das Übelkeit und Bauchweh am Anfang der Medikamentösen Therapie mit Ritalin auftreten.
    Ritalin ist stark und kann manche Kinder wie meinen Bruder damals zb. wirklich in die Ecke kloppen so das man sie nicht mehr wider erkennt.
    Umso mehr wundert es mich warum ihr keine anderen Lösungen mitbekommen habt.
     
    #6
    Pink Bunny, 15 Februar 2009
  7. Beelion
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    wie äußert sich das denn bei ihm?
    gibt ja kein einheitliches krankheitsbild... bisher ging es ja auch ohne ritalin oder?
     
    #7
    Beelion, 15 Februar 2009
  8. das-bin-ich
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    nicht angegeben
    Also man kann ihn keine Sekunde mal alleine lassen , er braucht immer Beschäftigung ,wenn sich die "Erwachsenen" dann mal unterhalten wollten ,funkt er dauernd dazwischen.
    Er ärgert Leute absichtlich und treibt es immer auf die Spitze ,er hat richtig Lust zu nerven (denkt man machmal).
    Er will immer alles jetzt und sofort ,brüllt rum ,ist laut ,trommelt oder hämmert rum.

    In der Schule läufts einigermaßen ok ( er ist ja auch erst in der 1. Klasse) mit dem Schreiben hat er allerdings so seine Porbleme (er macht jetzt auch einen Legastehnie-Test , haben allerdings noch kein Ergebnis).
     
    #8
    das-bin-ich, 15 Februar 2009
  9. Pink Bunny
    Pink Bunny (27)
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    Schau mal nach ob du hier was unter den gängisten Symptomen findest.

    Grundschulalter

    * plan- und rastlose Aktivität
    * schnelle, häufige und unvorhersagbare Handlungswechsel
    * geringe Ausdauer bei Einzel- und Gruppenspiel
    * ausgeprägte Trotzreaktionen
    * unberechenbares Sozialverhalten
    * Teilleistungsschwächen beim Hören, Sehen, Fein- und Grobmotorik ( hier ist bei Störungen warscheinlich zu einer Ergotherapie zu raten. Hilft bei vielen ADHS Kindern )
    * vermehrte Unfallgefahr
    * auffallend früher Spracherwerb oder auch verzögerte Sprachentwicklung
    * keine beständigen Freundschaften

    * Regeln in Familie, Spielgruppe und Klassengemeinschaft werden nicht akzeptiert
    * Stören im Unterricht, wenig Ausdauer, starke Ablenkbarkeit, emotionale Instabilität, geringe Frustrationstoleranz, Wutanfälle, aggressives Verhalten, schlechte Schrift, chaotisches Ordnungsverhalten
    * andauerndes Reden, Geräuscheproduktion, überhastetes Sprechen (Poltern)
    * unpassende Mimik, Gestik und Körpersprache
    * Ungeschicklichkeit, häufige Unfälle
    * Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, Lernleistungsprobleme mit Klassenwiederholungen, keine dauerhaften sozialen Bindungen, Außenseitertum
    * niedriges Selbstbewusstsein

    Positive Eigenschaften


    * Ideenreichtum
    * künstlerische Kreativität
    * Begeisterungsfähigkeit
    * Hilfsbereitschaft
    * Gerechtigkeitssinn


    Bei was für einem Arzt war denn der kleine und wie wurde die Diagnose gestellt ?
    Gibt es bei ihm sonst noch auffälligkeiten ? Zb. das er oft hinfällt oder sich hinfallen lässt, sich gerne sehr stark drücken lässt oder er auffallende Probleme hat seine Kraft einzuschätzen ( macht leicht sachen kaputt ) usw.
     
    #9
    Pink Bunny, 15 Februar 2009
  10. SottoVoce
    SottoVoce (34)
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    Verheiratet
    Mein Sohn hat ebenfalls eine Form von Hyperaktivität (vermutlich aber ohne ADS). Er bekommt Zappelin - ein pflanzliches Mittel gegen das Herumzappeln, das ihm auch wirklich hilft. Und er bekommt eben nunmal mehr Aufmerksamkeit als andere Kinder seines Alters. Für die Familie ist es anstrengend, in jedem Fall. Mal hat er sehr gute Tage, wo er auch in seinem Zimmer für sich spielen kann und will und mal hat er sehr schlechte Tage, wo er wirklich fast jede Sekunde Aufmerksamkeit einfordert und alle 2 Minuten neben einem steht, was will oder braucht und nie stillstehen oder -sitzen kann. Das schlaucht dann natürlich sehr!

    Ich wollte absolut überhaupt kein Ritalin und zum Glück sieht unser Arzt das ganz genauso. In der Schule kommt er vom Stoff her gut mit, auch wenn ihm längeres Konzentrieren schwer fällt, bzw. seine Konzentration einfach sehr viel schneller nachlässt als die anderer Kinder.

    Ich habe viele Kleinigkeiten festgestellt. Wenn ich ihm zB sage "Bitte räum Dein Zimmer auf", verliert er sich in dieser Tätigkeit. Ich muss das sehr genau staffeln: "Räum bitte all Dein Playmobil auf. Wenn Du damit fertig bist, musst Du den Schreibtisch aufräumen. Danach bitte noch die ganzen Papierschnipsel vom Boden aufheben. Das sind 3 Arbeitsschritte. Wenn Du alles erledigt hast, sagst Du mir Bescheid, und dann schauen wir gemeinsam, ob Du nichts übersehen hast". Wenn er die drei Sachen gemacht hat, kann ich ihm die nächsten Sachen sagen.

    Außerdem habe ich gemerkt, dass er einen ganz klar strukturierten Tagesablauf braucht. Morgens aufstehen, dann erst anziehen, dann frühstücken, dann Schule, nach der Schule erst Mittagessen, dann gleich Hausaufgaben machen. Dann folgt eine Zeit, die man frei einteilen kann, abends dann Schlafanzug anziehen, Abendessen, Gute-Nacht-Geschichte und dann geht es ins Bett. Jeden Tag gleich. Abweichungen (zB Hausaufgaben auf den Abend verschieben) machen ihn unruhiger als er eh schon ist, weil er aus seinem Trott kommt.

    Außerdem braucht er immer gleiche Personen um sich herum. Da ich voll berufstätig bin, ist er nachmittags bei meinen Eltern, die ihm auch gerecht werden können. Es bringt ihn durcheinander, wenn sie mal nicht da sind und er zu seinem besten Freund mit nach Hause geht und den Nachmittag dort verbringt. Das kann er nicht gut umsetzen... Fremdbetreuung geht schon - aber nicht zum normalen Tagesablauf. Außer bei uns (Eltern) und meinen Eltern (Großeltern) ist er fast nie bei jemandem. Vielleicht einmal im Jahr.

    Auf neue Situationen reagiert er auch immer erstmal, indem ihn alles verstärkt aus der Fassung bringt, die Konzentration leidet, er ist hibbelig und zappelig bis zum durchdrehen und braucht noch viel mehr Aufmerksamkeit als sonst. Beispielsweise, als wir ihm gesagt haben, dass mein Freund und ich heiraten werden dieses Jahr, war er für 3 oder 4 Wochen total neben der Spur. Dabei ändert sich nicht wirklich was, hier wohnen tut mein Freund schließlich schon länger!

    Fazit: Wichtig sind ganz klare Regeln, Tagesabläufe, Rhythmen usw... Keine unvorhersehbaren Dinge. Nichts, was das Kind durcheinander bringen kann... Das ist das allerwichtigste. Und eventuell braucht man dann kein Ritalin!
     
    #10
    SottoVoce, 15 Februar 2009
  11. User 76250
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Off-Topic:
    Ich frage mich, woher diese "Mode" (das meine ich nicht negativ) mit Hyperaktivität und ADS kommt. Wurde das früher so nicht erkannt? Oder gibt es tatsächlich mehr Fälle als früher? Und schlimmere? Und wenn ja, woher kommt es? Erbgutveränderungen durch Umwelt- und Nahrungsbelastungen (künstliche Geschmacksstoffe etc.)? Kriegen wir jetzt die Quittung für die Sorglosigkeit unserer Vorfahren?
     
    #11
    User 76250, 16 Februar 2009
  12. User 35148
    User 35148 (43)
    Beiträge füllen Bücher
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    nicht angegeben
    BigDigger, das musst Du nicht OT machen :zwinker:

    Es kommt daher, daß viele Eltern sich nicht mehr richtig um die Kinder kümmern, und diese nur mit TV und Computer - also durch Alleinelassen- "erziehen", und ihnen alles geben was sie wollen,
    Hauptsache es ist Ruhe wenn sie beide von der Arbeit geschafft nach Hause kommen, und sich dann den für sie wichtigeren Dingen widmen wollen.

    Daß Kinder dann entsprechend reagieren, ist wohl klar.

    In manchen Fällen können auch traumatische Erlebnisse wie Streitereien und Scheidungen dazu führen, aber ich bin beileibe kein Experte.
    Nur habe ich im Bekanntenkreis ähnliches schon leider häufiger beobachten können :schuechte

    Die Kinder, aber auch die Eltern tun mir leid :schuechte

    :engel_alt:
     
    #12
    User 35148, 16 Februar 2009
  13. User 86199
    User 86199 (36)
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    Hi!

    Pink Bunny hat auf jeden Fall recht, diese Diagnose kann im Grunde nur durch ein ausführliches Interview eines Spezialisten gesichert werden. Es ist definitiv empfehlenswert eine Art ads/adhs-Ambulanz oder einen spezialisierten Therapeuten aufzusuchen, da sich durch Verhaltenstrainings für Eltern und Kind gute Erfolge erzielen lassen. Verhaltenstraining für die Eltern übrigens nicht deshalb, um ihnen die Schuld in die Schuhe zu schieben, sondern weil für ads/adhs-Kinder eine "normale" Erziehung leider nicht ausreicht.
    Keine Ahnung, wo du herkommst: am ZI in Mannheim gibt es entsprechende Spezialisten, im Rhein-Main-Gebiet könnte ich dir sicher auch weiterhelfen.

    Viele Grüße
    Honigblume
     
    #13
    User 86199, 16 Februar 2009
  14. Samaire
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    Off-Topic:
    Ich habe ne ganz andere Theorie: wer früher einfach ein schwer erziehbarer Rotzlöffel war, hat heute ADS und ist daher krank und arm und überhaupt. Und bevor ich jetzt gesteinigt werde, ja ich weiss, dass es tatsächlich welche gibt, die krank sind und da würde ich auch nichts gegen sagen und eine Behandlung unterstützen. Aber es sind nunmal ganz bestimmt nicht so viele, wie es immer heisst. Mit solchen Krankheiten wird einfach zu lockerflockig umgegangen, vorzugsweise ja auch noch in Selbstdiagnose. Das ist so ähnlich wie bei Depressionen, jeder, der mal eine schlechte Phase hat, ist gleich depressiv, was natürlich völliger Bullshit ist. Und jeder aggressive, nicht erziehbare Rotzlümmel, der seinen Eltern keinen Funken gehorcht, hat heute eben ADS. Naja, ganz so einfach ist es ja dann doch nicht.


    Voilà, ganz genau.
     
    #14
    Samaire, 16 Februar 2009
  15. stubsi
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verlobt
    ADS ist eben bequem. Mein Sohn (2. Klasse) hat dieses Jahr unheimlich Probleme in der Schule. Er tanzt der Lehrerin auf der Nase rum und macht nie was sie sagt. Ich war beim Elterngespräch und sie erzählte mir von ihrer Vermutung er hätte ADS ich solle das doch bitte abklären lassen. In weiteren Gesprächen sprach sie von ihm dann schon als ADS-Kind, sie hatte ihre Diagnose schon getroffen. Wir haben das dann in vielen Stunden beim Kinderpsychologen abklären lassen und seit einem Monat das Ergebnis, kein ADS.
    Auf die Frage warum er nicht auf seine Lehrerin hört sagt er, weil er es nicht muss. Wenn sie ihn ermahnt fängt er an mit ihr zu diskutieren und sie macht mit. Irgendwann hat sie keine Lust mehr und ignoriert ihn einfach, erlässt ihm also die Strafe. Und wundert sich dann, warum er nicht macht was sie sagt ...
     
    #15
    stubsi, 16 Februar 2009
  16. Samaire
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    nicht angegeben
    Was bin ich froh, dass eine Mutter das über ihr eigenes Kind sagt - danke! :smile:
     
    #16
    Samaire, 16 Februar 2009
  17. Augen|Blick
    0
    Das ist eine Kernfrage, kein OT.

    Ich bin durch meinen Stiefsohn selbst mit dieser Problematik konfrontiert und habe den ADS-Verdacht. Aber andere Probleme waren erst einmal dringender, ich sah seine Rechtschreibung und dachte Legastheniker. Ich machte einen Test bei Fachleuten mit ihm, Ergebnis zu 98% positiv, er braucht da Hilfe. Die Mutter hatte den Fehler begangen auf seine LehrerInnen zu hören, die nach einem angeblichen Schultest meinten, der Junge wäre einfach nur faul. Hat ihn in allen Hauptfächern in den letzten 2-3 Jahren mindestens eine Note schlechter gemacht und ihm die Lust an der Schule verbockt. Großes Pädagogen-Kino.

    Mein zweiter Verdacht ist ADS, nicht krass ausgeprägt, aber reicht um mir aufzufallen. Der Haken ist, mir ist völlig klar, schleift man ihn mit dem Verdacht zum Arzt, wird Ritalin rauskommen und ich behaupte einfach mal, dass ist Symtombekämpfung, nicht Ursache. Wo die liegt, dass ist die wirklich schwierige Frage und ich fürchte, die Antwort liegt letztlich immer in der sozialen und der psychischen Basis von Schule, Eltern und der Lebensrealität der Kinder. Nur läßt sich die oft nicht verändern, es ist schlicht einfacher das Kind mit Pillen gefügig zu machen.

    Um vom Einzelfall mal auf BigDiggers Einwurf zu kommen, ich denke wie alle großen Probleme, ist die Ursache des ADS-Phänomens polymorph. An Ernährung oder ähnliches glaube ich nicht, ist mir zu esoterisch und früher haben die Leute übleren Dreck gefuttert als den Industriemüll, den es heute gibt. Ich denke, die Ursachen liegen viel näher. Z.B. im Stress der Eltern, die sich beide Totarbeiten müssen, um ein Kind überhaupt durchbringen zu können. Der grundsätzlichen Erwartungshaltung, dass bereits ein Kind etwas besonderes Leisten muß, der Druck fängt doch schon in der ersten Klasse an.

    Hinzu kommt eine mediale Aufmerksamkeitsfalle, jeder 6-jährige hat doch schon 100.000 Werbespots gesehen, Computerspiele haben die Eigenschaft den Fokus der Aufmerksamkeit auf extrem hohen Level zu halten und billige Erfolgserlebnisse zu spendieren, TV dient doch nicht nur der Propaganda und Verblödung, man vergißt die Wirkung auf Kinder. TV, Game an, Kind aus. Doch kann man es den Eltern verdenken? Bei 12h Arbeitstagen in der neuen sozialen Marktwirtschaft?

    Zuletzt noch die Überpädagogisierung und Dramatik bei Banalitäten. Gerade schwierige Kinder werden so schnell zu Problemfällen abgestempelt, dass mir schlecht wird, dabei braucht es nur ein bisserl hinhören und die Ursachen ließen sich abstellen. Statt dessen kommt lieber ein ADS-Stempel drauf und alle Verantwortlichen können sich mit der Diagnose davonstehlen.

    Wie ich mich bei einem 6-jährigen Verhalten würde, ich weiß es nicht. Aber mein Bauch würde mir sagen, Chemie kann nicht die Lösung sein. Wenn das Kind Pillen braucht um zu funktionieren, dann stimmt etwas mit der Gesellschaft nicht und zwar grundsätzlich.
     
    #17
    Augen|Blick, 16 Februar 2009
  18. User 67627
    User 67627 (46)
    Sehr bekannt hier
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    vergeben und glücklich
    Bei meinem Stiefsohn wurde auch ADHS diagnostiziert.
    Er kam mit 11 Jahren zu uns, da seine Mutter nicht mehr mit ihm zurechtkam. Zuerst dachte ich auch ....sofort Medi absetzen. Da muss es doch andere Möglichkeiten geben.
    Wir waren beim Kinderpsychologen mit ihm und bei verschiedenen Ärzten. Auch bei einem Arzt, der sich auf Homöophatie spezialisiert hatte. Aber auch das brachte nichts.

    Schliesslich und endlich...er bekam morgens eine halbe Tablette Ritalin, da er es ohne einfach nicht in der Schule geschafft hätte. Wir hatten ihn erst ein halbes Jahr ohne Medikation an der Schule und es hagelte täglich Anrufe von Lehrern und anderen Eltern. Irgendwann wird man dann wahnsinnig :geknickt:

    Mit den Tabletten haben wir sein Leben zumindest morgens soweit geregelt, dass er anständig lernen konnte, am Unterricht teilnahm und seine Hausaufgaben erledigen konnte (mit einem Glas Cola). Damit wird er nicht ruhiggestellt...herumgehampelt hat er noch immer :zwinker:,aber er hatte sich soweit im Griff, dass er wenigstens seine Sachen erledigen konnte.

    Mit 14 wurde das Medikament dann abgestellt. In dem Alter lernen die meisten Jugendlichen mit Ihrer Hyperaktivität umzugehen und es wurde etwas besser.
    Aber er hat noch schwer damit zu kämpfen, verschiedene Dinge unter einen Hut zu bringen.
     
    #18
    User 67627, 16 Februar 2009
  19. Tinkerbellw
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    Allgemein hätte ich schon bedenken, auf die Meinung eines einzige Arzttes zu vertrauen. ADS ist meiner MEinung nach teilweise eine Modeerscheinung, die Ärtze oft diagnositizieren, da es ja sehr einach ist, die Auffällligkeiten des Kindes nicht auf das Erziehungsverhalten der Eltern oder chaotische Familienverhältnisse etc.. zu scheiben sondern einfach mal das Kind vom Symptomträge zur Ursache zu machen.
    Ich sage nicht, dass es diese krankheit nicht gibt, aber ich sage aus therapeutischer Erfahrung, dass es neben der gabe von Medikamenten viele andere Möglichkeiten gibt, das Auffäliige Verhalten des Kindes in den Griff zu bekommen und dass ich als Elterntel wohl erstmal diese Nutzen würde, bevor ich zu Medikamenten greife.
    Ich kenne sowohl aus der Praxis, als auch im integrativen Kindergarten in dem ich arbeite Fälle bei denen die Kinder Medikamente nehmen sollten, wobei das Kind im Kindergarten sehr unauffällig war solang sie sich adäquat ebschäftigen konnte. Meine Ergotherapeutenkollegen in der praxis haben viel hyperaktive Kinder und arbeiten sehr viel mit Elterntraining Beratung und Videofeedback und haben damit auch ganz gute Erfolge.
     
    #19
    Tinkerbellw, 16 Februar 2009
  20. das-bin-ich
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    Also meine Tante war mit ihm bei einem Kinderpsychologen ,der diese Diagnose dann eben gestellt hat...

    Er besucht auch wöchentlich eine Ergotherapie (das aber schon seit seinem 3. Lebensjahr) Aber ich hab ehrlichgesagt keine Ahnung ,was da genau gemacht wird...

    Das von SottoVoce genannte pflanzliche Mittel Zappelin bekommt er auch bereits , das schlägt aber nicht richtig an...Bzw eigentlich gar nicht.

    Das Porblem ist ,dass es zu diesem Thema eben so viele verschiedene Ansichten gibt und ich persönlich keine Ahnung hab ,was ich denken soll. :geknickt:
     
    #20
    das-bin-ich, 16 Februar 2009

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