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Ich fuehl mich immer zu schlecht fuer diese Welt

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Kyennh, 24 Juli 2008.

  1. Kyennh
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    Merke dass es jetzt grad sehr ueberhand nimmt, aber habe extreme Selbtwertprobleme. Ganz besonder in Bezug auf mein Studium und das "leisten".
    Leider leben wir in einer sehr leistugnbezogenen Gesellschaft, aber ich kann mich auch ned ganz davon loesen.

    Ich bemuehe mich wirklich alles gut zu machen und versage regemaessig. Habe das Gefuel trotz vielem Lernen und den besten Intentionen einfach nichts hinzubekommen oder kaum von der Stelle zu kommne.
    Naechste Woche habe ich Abschlussexamen und hab das Gefuehl alle anderen sind besser als ich.

    Bisher hat es eigentlich meistens gelangt. Hab glaub nur 3 Scheine nicht bestanden, wenn ich mich das richtig erinnere, aber in letzter Zeit waren die Rueckmeldungen immer relativ negativ und ich habs Gefuehl, dass mich das dadurch auch noch mehr runterzieht.
    (war auch krank und dadurh einige Wochen im Krankenhaus etc)

    Momentan weiss ich echt ned wie ich damit umgehn soll, denn ich neige einerseits dazu extrem perfektionistisch unterwegs zu sein und dadurch dann zwar eine Sache annaehernd perfekt zu machen, dafuer dann aber keine zeit f die anderen zu haben und andererseits hab ich Angst, dass wenn ich mich ned genug vertiefe, dass dann gar nichts bleibt von dem was ich lerne.

    Es fuehlt sich so bisschen an als wenn ich versuche zu laufen, aber am Boden festgeklebt bin und nur seeehr muehsam vom Fleck komme.

    Dazu kommt noch, dass meine Eltern und alle um mich rum von mir eine extrem hohe Meinung haben und denken, das muesste ich alles einfach nur so aus dem Aermel schuetteln. Ermutigungen "das schaffst Du doch mit Links" helfen einfach ned, wenn man der Ueberzeugung ist, dass man versagt.
    Und andere Tipps wie "das haben schon andere geschafft und wir auch" auch ned, weil ich habs Gefuehl, dass gerade ich das ned hinbekomme.

    Habt ihr Tipps fuer mich?
    Bin echt am Rande des Durchdrehens und dann geht Lerntechnisch gar nix mehr...
     
    #1
    Kyennh, 24 Juli 2008
  2. Kierke
    Kierke (36)
    Verbringt hier viel Zeit
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    7
    vergeben und glücklich
    Hallo Kyennh :smile:

    Was du beschreibst kenne ich nur zu gut. Ich bin selbst Perfektionistin und studiere, allerdings Bachelor-2-Fach und nicht auf Examen, aber bei dieser Problematik macht das nicht viel Unterschied.
    Ich weiß wie es dir gehen muss... im Gegensatz zur Schule, wo der Stoff klar umgrenzt ist, sind im Studium alle Fakten des Faches relevant und dazu auch noch alles, womit dein Fach in Verbindung steht. Das Wissen ist schier endlos, man steht in der Fachbibo und schaut sich um und denkt sich nur "Ich hätte niemals die Zeit das alles zu lesen, geschweige denn zu behalten!". Trotzdem hat man als Perfektionist das Gefühl, dass man genau das können sollte, dass man eigentlich alles wissen müsste und kommt sich vor wie ein kleiner Betrüger, der sich durchmogelt, weil man doch eigentlich so unglaublich wenig weiß.
    In Vorlesungen sprechen die Professoren sehr viel an, es gibt immer Literaturangaben in Hülle und Fülle und man kommt sich an allen Ecken und Enden unzulänglich vor. Vor lauter Arbeit die getan werden MUSS kommt man nicht dazu noch etwas darüber hinaus zu tun und dabei hat man das Gefühl, dass man allein aus Interesse doch auch mal was vertiefendes lesen sollte. In Seminaren melden sich Kommilitonen zu Wort und scheinen mühelos Fakten in ihrem Hirn parat zu haben, die einem selbst bestenfalls schonmal untergekommen sind, die man aber nicht behalten hat.
    Die Gründe warum das eigene Selbstwertgefühl immer weiter sinkt sind vielfältig und je größer die Panik wird, desto schlechter kann man sich konzentrieren und entscheiden, was tatsächlich wichtig ist für eine Prüfung und was nicht. Oft geben Professoren und Dozenten auch viel zu wenig Anhaltspunkte um das entscheiden zu können und man sitzt zuhause zwischen lauter Büchern und weiß nicht, was man nun in seine Notizen aufnehmen soll. Man fängt an aufzuschieben und auszuweichen, bis es fast zu spät ist, oder man lernt völlig unkontrolliert.
    Ich kann dir ein paar Tipps geben, auch wenn ich selbst mit dem Problem immer wieder zu kämpfen habe.
    Zunächst musst du versuchen das Idealbild eines Studenten aus deinem Kopf zu verbannen. Egal wie viele Studenten du triffst, die scheinbar alles mühelos packen - es stimmt nicht... den meisten geht es genauso wie dir, aber die Illusion wird aufrecht erhalten, weil sie selbst das Idealbild vor Augen haben, oder sie haben eine lockere Einstellung dazu und kennen deinen Perfektionismus nicht, weswegen sie sich viel weniger Druck machen. Ich habe selbst Kommilitonen von denen ich immer dachte, dass sie alles mit links schaffen... nachdem wir uns besser angefreundet hatten haben wir durch die Bank festgestellt, dass wir alle vor den Prüfungen fast durchdrehen und sehr ähnliche Probleme haben - ich selbst habe ihnen übrigens denselben Eindruck vermittelt und alle halten mich durchweg für sehr fähig und glaubten, dass ich überhaupt keine Probleme mit dem Studium habe.
    Dein Wert wird nicht durch die Meinung der Professoren und Dozenten bestimmt, du bist sehr viel mehr als dein Studium und selbst wenn du es versauen solltest kann dir niemand die Erfahrung und das Wissen nehmen, dass du dir dort erwirbst. Du wirst die Leute wahrscheinlich nie wieder sehen, dein Leben wird nach der Uni weitergehen und ihre Meinungen sind dann völlig irrelevant. Oft glaubt man auch, weil man solche Angst davor hat, dass man einen schlechten Eindruck hinterlassen hat. Einfach weil man einen Abgabetermin nicht einhalten konnte, weil man zum x-ten mal sein Thema umschmeißen will, weil man krank gewesen ist etc. Ich habe die erstaunliche Erfahrung gemacht, dass die Dozenten und Professoren eigentlich diesen Eindruck überhaupt nicht haben, wenn ich ihnen von meinen Befürchtungen und meinem Druck berichtet habe, dann haben sie mir in der Regel gesagt, dass sie mich für eine sehr fähige Studentin halten, die sich solche Sorgen nicht machen sollte. Dabei war ich fest davon überzeugt, dass ich "unten durch" wäre.
    Dass dich Stimmen aus deinem Umfeld nicht trösten ist ebenfalls völlig verständlich - so lieb es die Leute meinen... sie haben meistens keinen Eindruck von der Uni und klopfen einem auf die Schulter, weil sie einen für sehr klug und die eigenen Bedenken für völlig aus der Luft gegriffen halten. Es hilft natürlich überhaupt nicht, im Gegenteil - man fühlt sich allein gelassen, weil man selbst das Gefühl hat vollkommen zu versagen und ein "du schaffst das schon" vor allem bedeutet: DU schaffst das schon. Und das, wo man überhaupt nicht weiß WIE!!
    Deine Versagensängste sind vollkommen normal, dass man nicht ständig eine 1.0 bringen kann ebenfalls, auch wenn man damit wegen seiner eigenen Ansprüche versagt. Aber das Studium ist überhaupt nicht so strukturiert, dass das möglich wäre. Mach dir deutlich, dass die Struktur an der Universität mit dafür sorgt, dass du diese Probleme hast - mach dir ganz klar, dass es sehr vielen so geht und du bessere Leistungen bringen würdest, wenn die Umstände besser und günstiger wären.
    In der Gesellschaft herrscht zum Teil immer noch das Bild des feiernden und faulen Studenten, der sein Studium so nebenher macht. Jeder an der Uni weiß, dass solche Studenten nicht sonderlich weit kommen und das Bild nicht stimmt - nimm es dir also nicht an - du arbeitest hart und du hast einen der stressigsten Wege gewählt, den man nehmen kann. Sieh dir als Vergleich Anforderungen in anderen Bereichen an, sie sind in der Regel niedriger und schaffbarer.
    Viele Studenten absolvieren ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit, denn die Regelstudienzeit ist nicht auf einen lebenden Menschen ausgelegt. Private Probleme, Krankenhausaufenthalte, Jobben, Existenzängste wegen fehlendem Geld, Angst hinterher trotzdem keinen Job zu bekommen, Motivationsprobleme, Liebeskummer etc. - all das ist im System nicht berücksichtigt, der Idealverlauf ist nicht die Regel. Einige heroische Gestalten schaffen es trotz der Probleme ein glänzendes Studium hinzulegen. Das ist bewundernswert, aber es ist nicht nötig unbedingt zu ihnen zu gehören - und du darfst auch nicht vergessen, dass das einige Selbstaufgabe fordert, die man nicht unbedingt befürworten muss.
    Mach deinen Weg so, wie du ihn für richtig hälst, mach dich nicht verrückt - wenn alles schief geht, dann hängst du eben doch noch ein Semester an, wenn das ganze Studium doch nichts für dich ist, dann findest du was anderes, egal wie blöd es aussieht. Konzentrier dich auf deine Stärken und vertraue dir und deiner Fähigkeit einen Weg zu finden.

    So... ein ganz langer Text *lach* trotzdem noch ein paar Anmerkungen, falls du es einfach nicht schaffst deine Selbstsicht zu normalisieren:
    In der Regel haben große Universitäten über den Asta oder die Studienberatung an sich auch Psychologen an der Hand, bei denen du einen Termin bekommen kannst. Sprich mit der Studienberatung und such dir Hilfe, wenn du wirklich nicht mehr weiter weißt. Sprich einen Dozenten oder eine Dozentin auf deine Ängste hin an, den du sympathisch findest und von dem du eine gute Meinung hast, frag ihn was du machen kannst und erkläre ihm, dass du so verzweifelt bist, dass du gar nicht mehr lernen kannst.

    PS: Kluge Anmerkungen von Kommilitonen in Seminaren gehen übrigens oft auf andere Seminare zurück, die sie gerade besuchen - das kennt man auch von sich selbst und es ist kein Wunder, wenn ihnen die Fakten dann gerade geläufiger sind als einem selbst. Einige sind richtige Nerds und haben es voll drauf, aber die meisten wurschteln sich genauso durch wie unsereins :zwinker:
     
    #2
    Kierke, 24 Juli 2008

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