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Ich komme nicht über ihren Tod hinweg

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von MsThreepwood, 29 Mai 2008.

  1. MsThreepwood
    2.424
    Hallo erstmal.

    Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll...:geknickt:

    Im Prinzip war ich mein ganzes Leben lang irgendwie mit meiner Ma zusammen. Weil sie und mein Dad getrennt waren und meine Schwester zu meiner Oma gezogen ist, haben wir fast 10 Jahre lang allein gelebt. Es war nicht immer einfach, das ist wohl klar. Aber im Großen und Ganzen war es mit uns beiden immer sehr schön.

    Als ich 14 wahr lernte sie einen neuen Mann kennen und unser Verhältnis verschlechterte sich ein bisschen. Ich musste 2mal unfreiwillig umziehen- raus aus meinem schönen Zimmer in ein kleine kleine Bude, in die grade mal ein Bett und eine Kommode passten. Trotzdem hielten wir zueinander. Sie ermöglichte mir einen Schulwechsel, weil ich in meiner Klasse nicht mehr klar kam, und auch sonst lief es wieder besser zwischen uns.

    Dann im September 2005 der Schock: Ihr ging es von einem Tag auf den nächsten sehr schlecht und im Krankenhaus wurde die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs gestellt.

    Da meine Mama immer eine Kämpferin war, haben wir fest daran gegelaubt, dass alles gut wird. Und anfangs sah es auch so aus. Die Chemo und die die andren Therapien schlugen gut an, ihr ging es gut, sie machte sich sogar wieder selbstständig.
    Ihr Freund hatte sie inzwischen verlassen und so wohnten wir wieder allein. Im Sommer 2006 fuhren wir zusammen in den Urlaub. Es hätte eigentlich nicht schöner sein können.

    Im Frühjahr 2007 verschlechterte sich ihr Zustand allerdings drastisch. Während meinen Abiprüfungen lagen sowohl sie als auch mein Dad (er hatte einen Herzanfall) auf der Intensivstation im Krankenhaus. Jeden Tag musste ich darum bangen, die beiden nie mehr wieder zu sehen.

    Mein Dad erholte sich allerdings relativ schnell wieder und auch meine Mama durfte bald nach Hause. Der Sommer kam, ich hatte meinen FSJ-K-Platz bekommen und alles war wieder gut. Quasi.

    In der 2. August Woche 2007 auf einmal der heftige Rückschlag. Innerhalb von 2 Wochen verschlechterte sich der Gesundheitszustand meiner Ma ganz drastisch. An einem tag saßen wir noch zusammen im Garten und 3 tage später lag sie auf der Intensivstation. Irgendwann wure sie umverlegt. In ein schönes Einzelzimmer. Der Grund war: Sie wollte nicht sterben mit lauter Schläuchen und Pumpen um sich. Die Ärzte machten uns keienrlei Hoffnung.
    Am 11.9. habe ich meine Mama zum letzten Mal gesehen.
    Ich wollte am 13.9. nochmal zu ihr ins Krankenhaus. Ich hatte einen MP3-Player mit ihren ganzen Lieblingssongs für sie mit und wollte grade von der arbeit losfahren, als meine Tante vor mir stand. Sie guckte mich nur ganz verstört an und sagte: „Deine Mama ist heute morgen für immer eingeschlafen“.
    Ich wollte das gar nicht glauben. Auch wenn wir darauf vorbereitet waren, traf es mich wie ein Schlag in die Magengrube.

    Ich erinnere mich noch an die letzten Augenblicke mit ihr. „Bis gleich!“ hat sie gesagt, weil meine Tante und ich nur was aus dem Auto für sie holen wollten. Als wir zurück kamen, war sie allerdings so müde und erschöpft, dass sie geschlafen hat. Wir haben ihr noch Blumen hingestellt und sind gefahren.

    Die ersten tage nach der Nachricht waren für mich wie vernebelt. Ich bin zu meinem Dad gefahren und hab mich erstmal da einquartiert. Geweint hab ich kaum.
    Ihre Beerdigung war ein paar Tage später. Es waren unheimlich viele Leute da, weil eigentlcih jeder der sie kennen lernte, meine Mama sofort ins Herz schloss.

    Ich ging weiterhin zur Arbeit, nahm mir keine auszeit. Ich versuchte so gut wie möglich weiterzumachen. Alle lobten und bewunderten mich, wie stark ich doch sei. Und tatsächlich, es ging mir gar nicht so schlecht.

    Ich fuhr relativ oft nach Berlin, zu meiner Freundin und meinen besten Freunden. Auch dort wrde mir gesagt, dass ich so gut damit umgehen könnte.

    Aber jetzt, mehr als ein halbes Jahr später, geht es mir unheimlich schlecht. Erst jetzt hab ich begriffen, was es heißt, dass sie nicht mehr wieder kommt. Ich träume sehr oft von ihr und wenn ich aufwache, will ich mein Handy nehmen und sie anrufen. Und dann steh ich da und merke, dass das gar nicht geht.
    Vor einem Monat habe ich das erste mal geweint. Und seitdem kann ich auch irgendwie nicht mehr aufhören. Ich weine mich jeden Abend in den Schlaf.

    Es kommt mir einfach so ungerecht vor. Sie war doch erst 47...
    Als sie gestorben ist, waren perfiderweise meine Eltern grade wieder zusammen gekommen. Nach fast 20 jahren Trennung wollten wir wieder zu dritt zusammen ziehen und nochmal neu anfangen.

    Ich weiß im Moment einfach nicht wohin mit mir. „Nichts wird ohne dich mehr so sein, wie es war“. Das steht auf ihrem grabstein. Und so fühle ich mich auch...

    Tut mir leid, dass es so lang geworden ist. Ich musste mir einfach mal was von der Seele reden.

    Wenn irgendwer einen rat für mich hat: Ich wäre dankbar.
     
    #1
    MsThreepwood, 29 Mai 2008
  2. Beastie
    Beastialische Beiträge
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    ich hab leider überhaupt keinen rat für dich.
    am ende deines textes musste ich auch erst mal :cry::cry::cry:

    das du erst jetzt wirklich realisierst, dass deine mama tot is, find ich nich ungewöhnlich. ich kann mir vorstellen, dass einem das erst in alltagssituationen so wirklich klar wird.
    wenn man was tolles erlebt hat und sie anrufen würde zb.

    irgendwann wird es besser werden.

    tut mir sehr leid

    :knuddel_alt:
     
    #2
    Beastie, 29 Mai 2008
  3. User 70315
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    oh süße :cry: das sind ja äußerst traurige zeilen die ich hier lesen muss.

    ich habe vor 2 jahren meine tante durch selbstmord von einem tag zum anderen verloren. sie stand mir sehr nah. und erst ein jahr später hab ich angefangen zu verarbeiten..

    und das ist auch mein rat an dich! denn ich kann herauslesen, dass du erst gerade angefangen hast zu verarbeiten, die erste zeit wahrscehinlich eine war, in denen es dir noch gar nicht richtig bewusst war.

    diese verarbeitungsphase ist ungeheuer wichtig
    meine cousine (also die tochter meiner tante) ist jetzt, 2 jahre nach ihrem tod, zu einer psychologin gegangen. weil sie einfach 2 jahre lang so weiter gemacht hat, als könne sie es schaffen, einfach so, und im endeffekt stürzte plötzlich alles zusammen.

    lass den schmerz zu! such dir trost und gestatte dir , acuh mal schwach zu sein!

    das ist mein tipp an dich.

    liebe liebe grüße
     
    #3
    User 70315, 29 Mai 2008
  4. MsThreepwood
    2.424
    erstmal danke an euch beiden für die lieben worte.

    schwäche zeigen konnte ich irgendwie noch nie. ich weiß nicht mal warum.
    ich musste ja auch irgendwo für meine oma (die mama meiner ma) stark sein.

    das problem war, dass viele in meiner familie gesagt haben: "Naja, du musst mal sehen, dass es viel schlimmer ist, sein kind zu verlieren, als seine mutter." vielleicht ist das auch so. ich kann das nicht beurteilen, ich hab keine kinder.

    aber ich hab nunmal auch keine mama mehr. es sind vor allem diese tausend kleinigkeiten, die mir fehlen.
    jedes jahr hat sie mir gelbe tulpen zum geburtstag geschenkt, das macht jetzt keiner mehr. morgens haben wir immer zusammen 10 minuten in der stube gesessen und "frühstücksfernsehen" von sat 1 geguckt. hach mann...
     
    #4
    MsThreepwood, 29 Mai 2008
  5. User 70315
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    hm.. schwäche zulassen ist aber ganz wichtig. ich finde es nicht in ordnung, das du die starke sein musst. und der spruch: "es ist doch viel schlimmer sein kind zu verlieren als seine mutter..."von deiner familie... na ja ich bezweifel dass man bei solch tragischen sachen überhaupt differenzieren kann/sollte.
    klingt ein bisschen so, als könntest du in deiner familie nicht so auf das verständnis stoßen, das dir eigentlich gebührt?!

    diese kleinen (wichtigen) dinge, die du grad erwähnst , z.b. das mit den tulpen, vielleciht hilft es dir, diese sachen niederzuschreiben. wie ein kleiner erinnerungsbrief an deine mum.

    ich handhabe es meist so, so habe ich praktisch die doppelte versicherung, dass ich ja nichts vergesse.
     
    #5
    User 70315, 29 Mai 2008
  6. Melua
    Melua (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    Es ist leider sehr schwer, dir zu raten, da jeder anders reagiert und auch jedem andere Methoden helfen können. Aber ich versuchs trotzdem.

    Ich würde glaube ich auch versuchen, nicht in ein Loch zu fallen. Dass man Tage hat, an denen man nicht mal aufstehen möchte und jemand schon beim Frühstück fehlt (siehe Frühstücksfernsehen), ist okay und man sollte das auch zulassen.

    Aber, so blöd das jetzt klingen mag, dein Leben muss weiter gehen. Deine Mama hätte sicherlich gewollt, dass du dein Leben im Griff hast und behältst. Sie hat ja sicherlich auch während ihrer Krankheit versucht, dich zu entlasten, soweit es möglich war.
    Das heißt nicht, dass du vergessen oder gar verdrängen sollst, im Gegenteil. Was spricht denn dagegen, wenn du an "den schlimmen Tagen", an denen du deine Mama am meisten vermisst, eben allein oder mit Freunden Frühstücksfernsehen schaust und dabei daran denkst, was deine Mama wohl zu diesem und jenen Beitrag sagen würde. Das sind solche Momente, in denen man sich der vermissten Person ganz nahe fühlen kann...

    Oder gehe an deinem Geburtstag los und kaufe dir selbst gelbe Tulpen - und bring deiner Mama auch welche mit. Sie würde sich sicher freuen! Du könntest auch Freunde fragen, diese "Tradition" zu übernehmen, aber das wäre nicht dasselbe und vielleicht sogar noch schwerer...

    Versuche, die Gedanken zuzulassen, die so während des Tages an dich herankommen. Aber lass dich nicht runterziehen, sondern versuche, sie als kleine Momente des Glücks zu sehen.

    Ich muss z.B. selbst immer an meine Omi denken, die hat als ich 5 oder 6 Jahre alt war immer einen Kinderreim mit meinem Gesicht drin aufgesagt. Auch heute noch ist es so, dass wenn ich ein kleines blondes Mädel in dem Alter sehe, mir unwillkürlich der Spruch einfällt und ich lächeln muss. Oder wenn ich Vergissmeinnicht sehe, die hatte sie sehr gern. Ich habe auch die "Tradition" übernommen, dass es an Silvester zum Mittagessen Würstchen mit bayrischem Kartoffelsalat gibt.
    Das war zu Anfang gar nicht leicht, mittlerweile sind es überwiegend schöne Momente, die mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und mir so ein wenig den Tag versüßen.

    Und scheue dich nicht - sofern du das für sinnvoll hältst - psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manchmal tut es auch nur gut, sich da mal auszusprechen, da Freunde da manchmal einfach überfordert oder im Extremfall genervt sind.

    Ich wünsche dir alles Gute!
     
    #6
    Melua, 29 Mai 2008
  7. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Das mag so sein. Deine Trauer ist DEINE Trauer, und dass es furchtbar ist, seine Mutter in so jungen Jahren zu verlieren, ist klar. Besonders, wenn das Verhältnis so gut und eng war. Die "jungen Jahre" sind sowohl auf Dich als auch auf sie bezogen.

    Du hast funktioniert - und jetzt gehts nicht mehr, weil langsam die Trauer "durchschlägt". Du hast ein RECHT zu trauern. Für die Mutter Deiner Mutter ist es natürlich schlimm, dass sie ihre Tochter verloren hat. Aber das ist kein Leidenswettbewerb - Du darfst trauern.


    Und dass erst jetzt Tränen kommen, ist auch völlig okay. Bislang hast Du eben verdrängt und anderen beigestanden und SCHIENST stark zu sein. Erst jetzt begreifst Du, dass ihr Tod bedeutet, sie nie wieder in den Arm nehmen zu können etc. Dieses "nie wieder"-Gefühl ist schlimm - und schwer auszuhalten.

    Du bist nicht allein, Du hast Deine Freundin, Du hast Deinen Vater. Aber SIE fehlt: Deine Mutter. Das ist schlimm, und Du darfst so viel heulen, wie Du willst, wie es Dir gut tut. Lass Dir nicht einreden, dass es doch "langsam mal gut sein müsste", weil es ja schon "so lange" her sei. Trauer hat ihre eigenen Regeln - und wie man trauert, ist eben verschieden. Du musst nicht vor anderen weinen, wenn Du das nicht willst - vielleicht sind sie so an Deine nach außen getragene Stärke gewöhnt, dass sie gar nicht wissen können, wie es in Dir aussieht? Vielleicht kannst Du Deinem Vater und Deiner Großmutter einen Brief schreiben und Deine Gefühle erklären? Vielleicht tut Euch ja gut, gemeinsam mal Fotos von Eurer Mutter/Tochter/Frau anzuschauen und über sie zu reden? Trauer kann auch zueinanderführen.

    Vielleicht hilft es Dir, bestimmte Rituale beizubehalten, die Euch beiden gehörten? Schau weiter Frühstücksfernsehen und kommentier so, wie Du es mit Deiner Mutter gemacht hast. Wenn Du das willst natürlich nur. Red mit ihr in Deinen Gedanken, wenn Dir danach ist. Hör Dir ihre Lieblingsmusik an, die Du für sie gebrannt hast (wenn Du das willst).

    Red mit anderen Leuten über sie, erinner Dich an sie, halt sie für Dich selbst lebendig. Wenn Du das willst.

    Du hast einen schweren Verlust hinter Dir. Es gibt auch einige Bücher über das Trauern, die verständlich machen, was da eigentlich mit einem passiert. Ich weiß nicht, ob Du derlei lesen möchtest, ggf. kann ich mal nach Titeln suchen.
     
    #7
    User 20976, 29 Mai 2008
  8. MsThreepwood
    2.424

    Ich muss da allerdings auch sehr zwischen der Familie väterlicherseits und mütterlicherseits differenzieren. Bei meinem Dad finde ich sehr viel Halt und Verständnis. Ebenso bei seiner Mutter - also meiner anderen Oma.
    Mütterlicherseits sind die meisten inzwischen vollkommen abweisend zu mir. Mir wurde von ihnen auch "verboten", meine Oma mütterlicherseits anfangs zu besuchen, weil ich zu sehr wie meine Mama aussehe. Der Teil der Familie ist im Moment auf dem Trip, so zu tun, als hätte meine Mama nicht existiert.


    Danke für diese Sätze. Das ist eines meiner größten Probleme. Ich rede mir irgendwie selbst ein, dass ich doch schon längst damit fertig sein sollte. Und dass es eben genug Menschen gibt, die mir viel bedeuten.

    Das will ich auf jeden Fall.
    Vor kurzem bin ich aufgewacht und hab mit Erschrecken festgestellt, dass ich mich nicht an ihre Stimme erinnern kann. Sogar an die Stimme meiner Grundschullehrerin konnte ich mcih erinnern, aber nicht an die meiner Mutter.
    Zum Glück hatte ich aber noch das Video von meiner Einschulung hier.
    In mir ist zur Zeit die Angst, sie zu vergessen, sehr groß.
     
    #8
    MsThreepwood, 29 Mai 2008
  9. DarkPrince
    Gast
    0
    Tut mir sehr leid, daß dir sowas passiert ist und dazu noch in so jungen Jahren. :knuddel:
    Wie lange es her ist, ist völlig egal. Das hat damit gar nichts zu tun. Trauern kannst du wann und so lange du willst. Ich hab vor 10 Jahren meinen Opa verloren und vermisse ihn bis heute.

    Ich weiß ja nicht wie du zum Thema Tattoo's stehst aber du könntest dir z.B ein Portrait von deiner Ma tätowieren lassen damit du sie sozusagen immer bei dir hast :smile:
     
    #9
    DarkPrince, 29 Mai 2008
  10. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Das ist wohl ihr Weg, mit der Trauer umzugehen - Verleugnung. Ich halte es für keinen guten Weg, aber vielleicht können sie so leichter mit dem Verlust umgehen, wenn sie ihn verdrängen. Klar ist das für Dich sehr traurig, dass sie sich so verhalten. Aber Deine Mutter HAT existiert, leider hat sie nicht so lang gelebt, wie Du und Deine Familie und sie selbst es Euch gewünscht hättet. Halt Du sie für Dich lebendig. Denk an sie, wenn Du willst, rede von ihr und auch mit ihr, wenn Du es willst. Und wenn Du mal einen Zeitraum nicht an sie denken willst oder Dir die Kraft zum Trauern fehlt, ist das auch okay. Das ist nicht treulos oder illoyal - es geht beim Trauern um DICH, darum, was DIR gut tut.

    Ganz schön gemein (aus Deiner Sicht), den Kontakt zu verweigern, weil Du Deiner Mutter ähnlich siehst und Deine Großmutter an sie erinnert wird. Sie wird doch eh oft an ihre verstorbene Tochter denken "müssen"... klar schmerzt das. Aber deswegen den Kontakt zu "verbieten"? Vielleicht können die Verwandten Deiner Mutter nicht anders. Vielleicht haben sie auch ein Problem, ihre Schwäche und ihre Trauer zu zeigen, und tun so, als sei alles okay, weil die Trauer sie überwältigt - und sie sich nicht anders zu helfen wissen? À la "Das Leben geht weiter"? Klar geht das Leben weiter. Aber eben anders.

    Gut, dass Deine Familie auf der Seite Deines Vaters da anders ist.
    Besuchst Du Deine Oma mütterlicherseits denn trotzdem? Wie steht sie selbst dazu?

    Klar gibt es andere wichtige Menschen in Deinem Leben. Aber Deine Mutter ist eben nicht mehr auf der Welt. Und es ist NICHT lange her. Schon gar nicht, wenn Du selbst erst nicht wirklich trauern konntest, sondern funktioniert hast.

    Es gibt keinen festen Zeitplan für Trauer. Du DARFST um sie trauern. Ggf. auch eine Auszeit nehmen von Ausbildung etc. (wobei Du ja erst Dein Studium beginnen wirst und jetzt bald der Umzug ansteht, wenn ich das aus dem anderen Thread richtig in Erinnerung habe?). Red Dir nicht ein, dass Du damit fertig sein "solltest". Denn es zählt, was DU fühlst, wie es DIR geht. Und nicht, was andere erwarten. Klar ist es nicht gut, sich komplett gehen zu lassen über längere Zeit - aber zu heulen und wirklich mal den Gefühlen freien Lauf zu lassen, ist völlig in Ordnung. Wenn Du weiter tust, als sei das schon überstanden und okay so, dann kommt die Trauer irgendwann später wieder hoch. Warum nicht jetzt? Du darfst trauern, für Dich oder mit Deiner Freundin, mit Deinem Vater... wie Du es für richtig hältst.

    Es ist schade, dass die Familie Deiner Mutter so dicht macht. Aber Du musst das für Dich entscheiden, wie und wann Du trauern willst.

    Auch das ist wohl eine recht verbreitete Angst. Du wirst sie nicht vergessen. Vielleicht sind bestimmte Merkmale nicht immer präsent. Mal wird sie Dir sehr nahe sein gedanklich, mal weniger. Schön, dass Du so ein Video hast! :smile: Hast Du denn in Deiner Wohnung Fotos von Deiner Mutter aufgehängt oder aufgestellt? Vielleicht tut Dir das ja gut, wenn sie so "ein Auge auf Deine Wohnung" hat?
     
    #10
    User 20976, 29 Mai 2008
  11. MsThreepwood
    2.424
    Ich lasse mir im Juli ein Tattoo stechen. Eine gelbe Tulpe und eine weiße Gerbera, bei denen die Stängel verkreuzt sind und zwischen den Stängeln ist ein Notenschlüssel. Ist eine Erinnerung an meine Ma und daran, dass sie mich zur Musik gebracht hat.

    Ja, das ist richtig. Ich fange im November mein Studium in Berlin an. Im Moment mach ich "nur" mein freiwilliges soziales Jahr.
    Ich habe das Glück, einen sehr guten und sozialen Chef zu haben. Wenn er bei mir merkt, es geht nicht mehr, schickt er mich auch mal 2 Stunden früher nach Hause. Ich brauche allerdings meine Arbeit auch, weil ich dort das Gefühl habe, dass ich was KANN und dass ich gebraucht werde. Und das ist schön.

    Ja, ich fahre quasi heimlich hin. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihr und verbringe gerne Zeit mit ihr. Wenn ich bei ihr bin spielen wir meistens Karten oder sie zeigt mir ein paar Tricks fürs Häkeln. Sie ist auch immer sehr froh wenn ich zu ihr komme, weil ich laut ihrer Aussage die einzige Person bin, mit der sie noch lachen kann.

    Ja, ich hab das letzte Foto hier, was von ihr/uns gemacht wurde. Das war auf meinem Abiball, ca 1 Monat bevor sie gestorben ist.


    Ist es eigentlich irgendwie makaber die Sachen einer verstorbenen person zu tragen? Weil... ich hab genau die Kleidungsgröße meiner Mama. Sie hatte unheimlich viele Sachen und die lagern im Moment bei mir im Keller. Bei mir im Schrank hängt allerdings ihr Kleid vom Abiball und ich das passt mir auch. Ich bin schon seit Tagen am überlegen, ob ich es wohl anziehen könnte, oder ob das irgendwie... ich weiß nicht, seltsam wirkt.


    edit: soeben rief mich meine oma an. mein dad wurde grad ins krankenhaus gebracht. er hat schon wieder was an der bauchspeicheldrüse. ich sollte dazu erwähnen, dass mein vater früher auch einen tumor an der bsd hatte- nur bei ihm war er gutartig....
     
    #11
    MsThreepwood, 29 Mai 2008
  12. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Das ist ein schönes Motiv! Ich bin kein Tattoo-Fan, aber wenns so eine persönliche Bedeutung hat, dann ist es noch einmal was anderes.

    Super. Wirklich. Dass Du gebraucht wirst - aber dass Dein Chef auch merkt, wenns Dir schlecht geht, und Dich dann früher nach Haus schickt. Das finde ich schön.

    Ihr seid also "Verbündete" :zwinker:. Schade, dass andere Verwandte da "querschießen". Aber es ist wirklich toll, dass Ihr so einen guten Draht zueinander habt. Und dass Ihr miteinander lachen könnt, ist echt wunderschön. :smile:

    Eine schöne Erinnerung.
    Übrigens kann ich mir vorstellen, dass es für Dich schwer ist, dass Du "zu spät" kamst bzw. Dich beim letzten Besuch vor ihrem Tod nicht wirklich verabschieden konntest, da sie eingeschlafen war und Du sie nicht stören wolltest. Aber so ist das manchmal, der Tod kommt - auch bei Schwerkranken - plötzlicher als erwartet, man konnte nicht mehr loswerden, was man noch sagen wollte... Ich hoffe, Du weißt, dass Du Dir nichts vorzuwerfen hast.

    Finde ich gar nicht.

    Hauptsache, Du fühlst Dich wohl. Wenns ein schönes Kleid ist - trag es. Deine Mutter würd sich bestimmt freuen, Dich darin zu sehen, es wird Dir bestimmt gut stehen! Ich finde es absolut in Ordnung, Kleidung von ihr zu tragen. Erstens ist es "nur" Kleidung - Gebrauchsgegenstände. Nicht verflucht oder sonstwas. Und zweitens ist es für Dich ja auch eine Erinnerung an Deine Mutter, vielleicht ein tröstliches Gefühl, wenn ihre Klamotten nicht im Schrank verstauben, sondern an die frische Luft kommen? :zwinker:

    Vielleicht ist es für Deinen Vater erst seltsam und traurig, wenn er Dich in ihrem Kleid sieht, weil er das Kleid eben an seiner Frau kennt. Aber ich denke, dass es okay ist, wenns für Dich okay ist und Du Dich damit wohlfühlst.


    Edit: Oh Mensch. Ich drück die Daumen, dass es nicht so schlimm ist mit Deinem Vater!
     
    #12
    User 20976, 29 Mai 2008
  13. Augen|Blick
    0
    Ich denke ich kann Dir ganz gut nachfühlen. Ich war immer ein sehr selbstständiger Kerl, alles andere als ein Muttersöhnchen. Aber es ist extrem seltsam, wenn man eben nicht mehr das Handy nehmen kann um anzurufen. Da fällt einem auf, was man überhaupt verloren hat. Und es tut mir aufrichtig leid, dass es Dich so jung getroffen hat. Ich vermisse meine Mutter auch sehr.
    Nein, das ist Käse, ich habe mein Kind mit 19 sterben sehen. Ist auch schlimm, ohne Frage, aber wenn die Mutter stirbt, das gehört zu den wirklich harten Prüfungen im Leben. Ich würde da keine Rangliste machen wollen. Einige in Deiner Familie sind schlichtweg Arschlöcher, sorry, anders kann ich es nicht ausdrücken. Mach Dir nix draus, diese Erkenntnis gehört zum Leben dazu, ebenso wie mit so einem Todesfall umzugehen
    LG
     
    #13
    Augen|Blick, 29 Mai 2008
  14. MsThreepwood
    2.424
    Ich hab auch lange überlegt, weil es ja für immer ist. Es ist aber eben kein plattes Arschgeweih-Tribal-Feen-Tattoo, sondern etwas, in dem sehr viel Liebe steckt.

    Ich habs da wirklich gut getroffen. Zu meinem Chef hab ich ein ziemlich gutes Verhältnis und er hat mir auch gleich Hilfe angeboten, als er vom Tod meiner Mutter erfahren hat. Da war ich grad mal 10 Tage dort. Seine Eltern sind allerdings auch beide in relativ jungen Jahren an Krebs gestorben. Da kann er es eher nachvollziehen als andere außenstehende.


    Natürlich habe ich mir anfangs sehr viele Vorwürfe gemacht. Diese "Was hätte ich noch tun können"-Gedanke ist irgendwie immer da. Aber letztendlich bin ich vor allem froh, dass sie keine Schmerzen hatte.

    Wir haben sehr oft über den Fall der Fälle gesprochen, weil wir wussten, dass ihre Krankheit tödlich enden kann.
    Da hat sie auch erwähnt, dass sie sehr stolz auf mich und das, was ich geleistet habe, ist.

    Nur manchmal ist meine Beziehung etwas belastet, weil ich weiß, dass meine Mama ein Problem mit meiner Beziehung zu einer Frau hatte.

    @augen blick: vielen dank für die mitfühlenden worte. das mit deiner tochter tut mir sehr leid für dich.
    ixh glaube es ist immer schwer, jemanden zu verlieren, der einem so nahe steht.
     
    #14
    MsThreepwood, 29 Mai 2008
  15. Sternschnuppe_x
    Benutzer gesperrt
    6.884
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    Single
    Off-Topic:
    Außerdem: Bei Schmuck ist es ja merkwürdigerweise total normal, ihn weiterzuvererben, da schaut keiner komisch, wenn man sagt "der Ring ist ein Familienerbstück" oder "die Perlenkette ist von meiner Oma". Eigentlich nicht wirklich einleuchtend, weshalb das bei Kleidern soviel anders sein sollte. :ratlos_alt: Da solltest du dir wirklich kein schlechtes Gewissen einreden, wenn du dich wohl in den Sachen fühlst und vielleicht auch das Gefühl hast, du hast ein bißchen was von deiner Mutter bei dir, wenn du sie trägst, mach das ruhig!
     
    #15
    Sternschnuppe_x, 29 Mai 2008
  16. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Deine Mutter war zu Recht stolz auf Dich. Vielleicht hätte sie - wäre die Krankheit nicht dazwischengekommen - später viel positiver über Deine Beziehung gedacht? Viele Eltern benötigen Zeit, um eine lesbische oder schwule Beziehung ihres Kindes zu akzeptieren. Ich denke, sie wollte letztlich, dass Du glücklich bist!

    Kannte sie denn Deine Freundin? Wie lange wart Ihr zusammen, als das mit der Krankheit so schlimm wurde?

    Lass das nicht Deine Beziehung überschatten. Ihr habt Euch geliebt und wart füreinander da. Nun lebt sie nicht mehr und kann nicht erleben, dass Du mit Deiner Freundin glücklich bist und Ihr zusammenzieht. Vielleicht hätte sie im Lauf der Zeit das ganz normal gefunden und sich für Euch gefreut. Klar gibt es auch Eltern, die damit dauerhaft Schwierigkeiten haben. Was zählt, ist doch Eure intensive Mutter-Tochter-Bindung - auch wenn in manchen Bereichen man nicht ganz einig miteinander ist.

    Dass Ihr auch über ihren möglichen Tod gesprochen habt, war sicher nicht so einfach in dem Moment, aber sicher ist es jetzt ein Trost, dass Ihr auch darüber sprechen konntet und offen zueinander wart.
     
    #16
    User 20976, 29 Mai 2008
  17. MsThreepwood
    2.424
    Ja, meine Mutter kannte meine Freundin. Sie ist aber sehr lange davon ausgegangen, dass wir nur "normale" Freundinnen sind. Waren wir ja auch etwa 1 jahr lang.

    Als wir zusammen kamen hab ichs meiner Mutter bald erzählt. Nach ca 6 Wochen oder so. Einfach, weil ich kaum Geheimnisse vor ihr hatte, vor allem keine großen.

    Meine Freundin kam uns dann mal besuchen und meine Mutter war relativ kühl ihr gegenüber. Sie (meine Freundin) hat dann aber ganz lieb für uns 3 gekocht und als sie dann duschen war, meinte meine Mama ganz lieb: "Ach Mensch, jetzt war ich so gemein zu ihr und sie ist so lieb zu mir." Ab da an gings mit den beiden.
    Im Endeffekt denke ich schon, dass es ihr am wichtigsten war, dass ich glücklich bin.
     
    #17
    MsThreepwood, 29 Mai 2008
  18. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
    13.614
    398
    2.056
    vergeben und glücklich
    Das klingt doch gar nicht mal so übel! :smile: Zeigt auch ne gewisse Selbsterkenntnis. Bestimmt hätten sich Deine Mutter und Deine Freundin noch weiter angefreundet.

    Bestimmt. Ich finde, Deine Beschreibung klingt so, als musste Deine Mutter sich eben erst an den Gedanken gewöhnen, dass ihre Tochter eine Frau liebt.

    Ich denke mal, Deine Heirats(antrags)pläne und dergleichen hätte Deine Mutter bestimmt ganz gerührt zur Kenntnis genommen. Sie wollte - wie die meisten Mütter - doch Dein Bestes. Auch wenn sie vielleicht von Schwiegersohn und irgendwann Enkeln träumte. Mütter sind so :zwinker:.
     
    #18
    User 20976, 29 Mai 2008
  19. Augen|Blick
    0
    Woher weißt Du das ich eine Tochter verloren habe? Stimmt zwar, habe ich aber nicht erwähnt. Sie hieß Alina.

    Egal, ich wünsch Dir viel Kraft. Halt die Ohren steif, so doof solche Floskeln klingen, manchmal wirken sie dennoch.

    Was noch ein Vorteil nach so einem Todesfall ist, man ist gezwungen erwachsen zu werden. Da ist ne seltsame Parallele zum Kinderkriegen, wenn die Eltern sterben oder man früh ein Kind bekommt, man ist gezwungen erwachsen zu werden.

    Wünsch Dir auf alle Fälle alles Gute,
    LG
     
    #19
    Augen|Blick, 30 Mai 2008
  20. User 83901
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    nicht angegeben
    EnfantDuSang,
    ich möchte dir auch einmal sagen, dass es mir Leid für deinen Verlust tut. Ich wünsche dir viel Kraft und Mut und Lebensfreude für die Zukunft, damit du den Verlust deiner Mutter irgendwann verarbeiten kannst.

    Bis dahin ist es wirklich gut und heilsam, wenn du weinst, sobald dir danach ist, da kann ich den anderen Schreibern nur zustimmen. Manchmal beweist man eben Stärke auch dadurch, dass man Schwächen zulässt. :smile: Und da solltest du auch nicht auf andere hören, die sagen, andere Verluste wären schlimmer. Trauer ist immer subjektiv!

    Die Idee mit dem Tattoo finde ich unglaublich schön! So trägst du immer ein Andenken mit dir. Dazu kann ich gleich auch noch etwas Persönliches schreiben, aber das ist etwas off-topic.

    Ich finde es auch ganz toll, dass du so einen verständnisvollen Chef hast, der dich auch mal gehen lässt, wenn dir doch alles zuviel wird. Aber ich kann auch verstehen, dass du arbeiten möchtest. Als ich damals einen guten Freund verloren habe, wollte ich auch weiter arbeiten, weil ich mir zwar Zeit zum Trauern genommen habe, aber nicht in ein tiefes Loch fallen wollte. Das Leben geht ja (man empfindet es ja manchmal als leider) auch ohne den geliebten Menschen weiter und man möchte es ja auch irgendwann wieder ein wenig genießen können.
    Insofern hoffe ich auch, dass deine Freundin dir da noch ganz viel Kraft und Liebe schenken kann, damit du trotz deiner Trauer auch ganz bald wieder lächeln und lachen kannst.

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Off-Topic:
    P.S.: Vor drei Jahren bestand bei meiner Mutter der Verdacht auf Krebs und sie wurde operiert. Ich habe sie ins Krankenhaus gebracht und bin bei ihr geblieben, bis sie aus dem OP zurück war und die Ärzte mir bestätigen konnten, dass der erste Befund negativ sei. Ich habe an ihrem Bett gesessen und sie gestreichelt, und das so lange, bis die Angst langsam der Erleichterung wich.
    Ein Jahr später hat sie eines ihrer Tattoos (auf dem Schulterblatt) um einen Rosenstrauch und meinen Namen erweitern lassen. Sie hat damals einfach nur gelächelt.
     
    #20
    User 83901, 30 Mai 2008

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