Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Ihr Kind ist gestorben

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Schokotorte, 15 November 2007.

  1. SottoVoce
    SottoVoce (35)
    Sehr bekannt hier
    6.466
    183
    27
    Verheiratet
    Wenn bei uns auf der Arbeit von den Kunden jemand stirbt, mit dem man mehr Kontakt hatte, geht auch immer ein Mitarbeiter der Filiale zu der Beerdigung (natürlich nur Kirche und Friedhof, aber meist nicht direkt ans Grab, und eingeladen zum Essen hinterher wurde man ja nicht). Es ist bis jetzt IMMER positiv aufgenommen worden, dass man da gewesen ist, gerade von den Angehörigen, die vielleicht auch Kunden bei uns sind und die es gut finden, dass man nicht einfach wegsieht, wenn Kummer und Leid über eine Familie hereingebrochen ist...

    Ich würde, wenn meinem Sohn was zustoßen würde, nicht wollen, dass alle wegsehen. Ich käme mir schrecklich "eingesperrt" in meinem Kummer vor, wenn ich ihn nicht irgendwo loswerden könnte, und mir täte es sicher gut, wenn ich spüren würde, dass andere da sind. Ich würde mich mit denen natürlich nciht drüber unterhalten und zB Fragen, wie es überhaupt passiert ist, würden mir zu weit gehen (es gibt wirklich Leute, die sowas ganz direkt fragen und ich find das taktlos). Aber wenn jemand herkäme, den ich kenne und mir sagen würde, dass er für mich da wär, wenn ich jemanden bräucht und mir vielleicht einfach die Hand auf die Schulter legen würd, dann würd mir das helfen. Einfach zu wissen, dass ich eben nicht allein wär (falls ich überhaupt lang genug leben würde, um nach dem Tod meines Kindes wieder arbeiten zu gehen...). Karte wäre auch gut, dann weiß man auch, dass jemand mitfühlt und einem halt nur nicht zu nahe treten möchte.

    Die Karte würd ich ihr übrigens relativ bald geben, wenn sie wieder da ist, je mehr Zeit da drüber gewachsen ist, desto schlimmer wird es, glaube ich, für sie. Weil sie es ja auch irgendwann nicht mehr erwartet, dass noch was kommt. Ich würds ihr vielleicht nicht grad am ersten Tag geben, aber in der ersten Woche, wenn sie wieder da ist, wohl schon.

    Und was Euch auch klar sein sollte: Man trauert nicht nur nen monat und dann ist es vorbei. Irgendwann wird man sich zwar wohl wieder normal benehmen und vielleicht auch mal wieder lachen, aber bis man wirklich fertig getrauert hat, wird viel, viel Zeit vergehen. Und gerade jetzt Weihnachten stelle ich mir einfach schrecklich vor, wenn das Kind 8 Monate alt war, dann hat es nie ein Weihnachten erlebt... Und vielleicht hatte die Mutter ja sogar schon Geschenke für das Kleine. Für mich sind gerade solche Gedanken das allerschlimmste, vielleicht ist es für die Mutter auch so. Dass ihr Kind nie einen Weihnachtsbaum gesehen hat oder sowas... Seid auf jedenfall besonders rücksichtsvoll ihr gegenüber und erwartet nicht zuviel von ihr in dieser Zeit...
     
    #21
    SottoVoce, 16 November 2007
  2. Schokotorte
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    95
    93
    1
    nicht angegeben
    mmh...ja...weihnachten...
    Das habe ich auch schon gedacht. Wäre ja für den Kleinen das erste Weihnachtsfest gewesen...
    Und jede Mutter freut sich darauf, mit ihrem Kind das erste Weihnachten feiern zu können....den ersten Schnee zu sehen...und im Sommer das erste Eis zu essen...
    All diese Dinge eben.

    Und die Trauerarbeit wird wohl sehr viel zeit in Anspruch nehmen, denke ich. Ich habe bisher noch keine Mutter kennengelernt, die irgendwann - auch nicht nach 30 Jahren - über den Tod des Kindes wirklich hinweggekommen ist.
    Man kann nur hoffen, dass der Schmerz mit der Zeit nicht mehr ganz so beißend und brutal ist. Das würde ich ihr von herzen wünschen!
    Mann, tut mir das alles leid:kopfschue
    Ich habe heute die ganze Nacht wachgelegen...und heute, als ich Mütter mit ihren kleinen Kindern in der Fußgängerzone gesehen habe, konnte ich meine Tränen gar nicht mehr zurückhalten.
    Wie muss es meiner Kollegin erst bei so einem Anblick gehen?!

    Ich habe übrigens heute doch eine Karte besorgt. Allerdings weiß ich nicht, ob die in Ordnung ist - oder doch ein Griff ins Klo.
    Sie ist auß weißem Papier und hat ein paar kleine, ganz zarte Blümchen in blassem Hellblau. Und darunter steht "In enger Verbundenheit". Die Karte ist recht "unscheinbar" und unaufdringlich", finde ich.
    Also für mich wäre die okay (Text kommt natürlich noch dazu) - weiß allerdings nicht, ob sie das nicht komisch findet. Ich hoffe nicht!
    Und ich dachte, dass ich ihr die Karte lieber per Post zukommen lasse als sie ihr auf der Arbeit zu geben. Ist vielleicht besser, wenn sie sie in Ruhe lesen kann.
    Mein Vater hat heute wieder gemeint, er würde es komisch finden, eine Karte zu schicken und fragte, warum ich nicht persönlich mit ihr rede. Aber die Aussagen in diesem Forum bestätigen mich darain, dass dies doch nicht jedermanns Sache wäre. Mir persönlich wären Karten auch lieber. Und außerdem haben die den Vorteil, dass man sie aufbewahren und so oft lesen kann, wie man will.
    Mein vater hatte dann noch den Enwand, ob es sinnvoll wäre, dass ich alleine eine Karte schicke. Er meinte, es wäre üblicher, als ganzes Kollegium eine Karte zu schicken. Ich finde das total albern und lächerlich. Warum soll ich denn nicht mein Mitgefühl ausdrücken dürfen? Ist das denn so ungewöhnlich?!:ratlos:
    Außerdem schließt das Eine das Andere doch nicht aus.
     
    #22
    Schokotorte, 16 November 2007
  3. User 54458
    Verbringt hier viel Zeit
    334
    113
    45
    vergeben und glücklich
    Hey Du, :smile:
    Du machst Dir ja schon bald viel zu viele Gedanken. Trauer ist etwas, was jeder sehr persönlich für sich selbst handhaben muss. Du kennst Deine Kollegin ja schließlich - mach einfach, wie Dein Herz Dir sagt, dann ist es recht getan und wird den Weg zu ihrem Herzen finden.

    Ja, es ist furchtbar und grausam, erst recht jetzt in der nahenden Weihnachtszeit. Es macht einem bewusst, wie kostbar das Leben ist.
    Das Leben scheint stillzustehen, doch irgendwann und irgendwie wird und muss es weitergehen, auch für die Mutter.
     
    #23
    User 54458, 16 November 2007
  4. User 35148
    User 35148 (44)
    Beiträge füllen Bücher
    6.358
    218
    333
    vergeben und glücklich
    Hmm... das ist schwierig.

    Üblicherweise gehen bei uns Sammlungen für Unterschriften und etwas Geld für Verabschiedungen und für Geburten herum.
    Geburstage, Hochzeiten und andere freudige Anlässe werden einfach so gefeirt, indem die betreffende Person zu einem Frühstück oder zum Kaffe+Kuchen in der Abteilungsküche einlädt.

    Trauerfälle werden sehr privat behandelt.
    Das ist fast wie ein Tabu irgendwie.

    Das ist mir letztens leider selber passiert :cry:
    Ich hab es nur meinem Chef (wegen der damit verbundenen Abwesenheit ) erzählt, und darum gebeten, dass er es nicht meinen Kollegen sagt, weil ich die Beileidsbekundungen von eigentlich Fremden nicht ausgehalten hätte.
    Selbst an dem Tag, als "es" passiert ist, war ich "ganz normal" in der Firma, und hab versucht, mir nichts anmerken zu lassen.
    Wenigen ganz guten Kolleginnen und Kollegen hab ich es gesagt, aber die meisten wissen es heute immer noch nicht, und werden sie es auch nicht wissen.
    Zur Trauerfeier hatten wir nur enge Freunde und die Verwandten eingeladen.

    Bei Deiner Kollegin ist es natürlich tragisch, dass sie ihr so junges Kind verloren hat.
    Wenn ihr in der Firma etwas sammeln wollt, ist das wirklich nett, und eine entsprechende Karte auch ok.

    Was Du davon abgesehen selber machen willst, hängt doch davon ab, wie gut Du Dich mit ihr verstanden hast bisher.

    Wenn ihr "nur so" Kolleginnen seid, würde ich sie nicht so direkt ansprechen, eher feinfühlig versuchen, wenn überhaupt.

    Wenn Du mehr für sie tun möchtest, frag sie einfach ob sie mit Dir einen Tee oder Kaffee trinken möchte. Lenk sie ab.
    Aber sag ihr nichts von Dir aus, und sprich das eine Thema besser nicht gleich an.

    :engel_alt:
     
    #24
    User 35148, 17 November 2007
  5. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
    13.628
    398
    2.134
    vergeben und glücklich
    Ich finde, eine Karte allein von Dir ist okay - ich würd es so machen. Auf einer gemeinsamen Karte stehen dann doch nicht die persönlichen Worte, sondern eben eher Gemeinsames. Schreib Ihr, was Du schreiben willst, vielleicht schickt Ihr ja auch noch eine Kollegiumskarte.
     
    #25
    User 20976, 18 November 2007
  6. Drachengirlie
    Verbringt hier viel Zeit
    707
    113
    35
    vergeben und glücklich
    Hey Du!

    Einer guten Bekannten von mir, sie ist 19, ist vor zwei Wochen ihre Mutter verstorben. Ich war so dermaßen geschockt. Ich hab das über ihren Freund erfahren, der mit mir befreundet ist und ein wenig geweint hat... Die Mutter ist an Darmkrebs und Schlaganfall gestorben...

    Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Ob ich mit ihr darüber reden soll, ob ich ihr meinen Beileid ausrichten soll. Weil die ganze Sache ja eigentlich nicht jeder wissen sollte. Ich habe mich dann dazu entschlossen, sie in Ruhe zu lassen und mich so normal wie möglich zu verhalten. Als ich sie dann wieder in der Schule und bei mir auf der WG gesehen habe, hat sie auch schon wieder gelacht. Aber sie war auch ernster gewesen... *seufz*

    Hmmm... das mit der Beerdigung, wenn du weißt, wann die Beerdigung ist und du dahin gehen möchtest - dann geh dahin. Ich war dreimal auf einer Beerdigung. Weil mein Onkel gestorben ist, mein Opa und meine Uroma. Ich war dann immer am Grab und jedes Mal gerührt, wieviele Leute doch da waren. Wieviele Leute sich nochmal verabschiedet haben, obwohl einige gar nichts mit ihnen zu tun hatten, sondern einfach nur Freunde von mir oder meinen Eltern waren.

    Nuja, wenn ich jetzt an ihrer Stelle wäre, würde ich es überhaupt nicht mögen, wenn jeder zu mir kommt und seinen beileid ausdrückt. oder wenn mich plötzlich total viele umarmen. so was mag ich nicht...

    LG,
    Drache
     
    #26
    Drachengirlie, 18 November 2007
  7. Die_Kleene
    Verbringt hier viel Zeit
    1.786
    121
    0
    vergeben und glücklich
    Also ich halte die Karte für eine wirklich gute Idee, da sie sich nicht aufdrägt und dennoch Anteilnahme bekundet.

    Manchmal ergeben sich aus solchen "Schock-Situationen" ganz neue Freundschaften, die dem Betroffenen Mut machen und sehr weiterhelfen.

    Ich habe eine Freundin, die an Krebs erkrankt ist. Wir hatten uns vorher zwar auch immer sehr gut verstanden, waren aber noch nicht so super eng befreundet.
    Und als ich dann davon gehört habe, dass sie im Krankenhaus liegt, hab ich sie mal angerufen und das hat uns beiden richtig gut getan. Wir haben dann letztendlich während der ganzen Zeit in der sie im KH war, alle 2-3 Tage telefoniert.
    Ich denke, es hat ihr gut getan mit jemandem über das alles zu reden, der auch nicht direkt zur Familie gehört.

    Wie dem auch sei, deiner Arbeitskollegin wird deine liebe Karte sicherlich sehr gut tun.
     
    #27
    Die_Kleene, 18 November 2007
  8. Schokotorte
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    95
    93
    1
    nicht angegeben
    ich habe gestern mit jemandem gesprochen, der Lehrer ist, und der schon einige seiner Schüler verloren hat, weil die bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind o.ä.
    Er hat mir erzählt, dass er mit diesen Trauerfällen anderes umgeht als die meisten seiner Kollegen. Während das Thema in den meisten Klassen in der Unterrichtszeit eher verschwiegen behandelt wird, opfert er mehrere Unterrichtsstunden, um mit den Mitschülern zu sprechen und stellt dabei fest, dass das Bedürfnis nach Gesprächen bei fast allen riesengroß ist. Auch mit den Angehörigen der Verstorbenen spricht er. Zumindest bietet er ihnen an, sich zusmmenzusetzen, einfach zu schweigen oder zu reden, in den Arm zu nehmen o.ä.
    Erst kürzlich verstarb einer seiner Schüler kurz vor dem Abi. Und alle im Kollegium sagten ihm, die Mutter des Schülers wolle alleine sein,wolle mit niemandem reden und niemanden sehen. Es wurde davon abgeraten, sie anzurufen o.ä., es würde sie zu sehr belasten hieß es. Tatsächlich waren dies nur Annahmen. Eigentlich hatte niemand mit der Mutter bisher ein einziges Mal geredet.
    Mein Bekannter hat sie dann trotzdem angerufen und siehe da: Die Frau hatte jemanden zum Reden dringend nötig! Es tat ihr gut, dass sie mit jemandem sprechen konnte, der ihren Sohn gut kannte. Sie trafen sich öfter zum Tee, redeten über Banalitäten - aber auch über ihren Sohn. Und das tat der Frau sehr, sehr gut!
    Es half ihr auch, zu hören, mit welcher Resonanz die Klasse auf den Tod ihres Sohnes reagiert hatt, wie traurig und schockiert alle waren.
    Inzwischen ist der Tod des Schülers ein halbes Jahr her. Mein Bekannter trifft sich noch geleegentlich mit der Mutter. Sie reden dann über Gott und die Welt, manchmal bringt sie Kinderfotos mit von ihrem Sohn oder erzählt Geschichten, was er alles alles angestellt hat als Jugendlicher, was er für liebenswerte Seiten hatte, und was für schwierige Seiten :smile:
    Das ist ihre Art der Bewältigung. Und bei meinem Bekannten muss sie nicht das Gefühl haben, sie könnte ihm zur Last fallen.
    Ich glaube, dieses Problem haben viele, die einen lieben Menschen verloren haben. Für Außenstehende ist der Tod ein Ereignis, das passiert, aber vorbeigeht. Für sie bleibt der Verlust und die Trauer ein Leben lang. Sie wird Teil des Alltags.
    Und man muss versuchen, dieser Trauerarbeit einen festen Platz im Leben einzuräumen. Man darf nicht versuchen, sie zu verbannen. Das ist ohnehin nicht möglich.

    Diese Geschichte zeigt, dass man sich unbedingt selbst ein Bild machen sollte von den Betroffenen und von dem, was ihnen jetzt gut tun würde und was nicht. Nur weil sich jemand in den vier Wänden einmauert, heißt das ja noch lange nicht, dass er für alle Zeit in Ruhe gleassen werden will. Viele dieser Leute wissen einfach selbst nicht wohin mit ihrem Schmerz und vielleicht wollen sie auch niemanden belästigen.

    Die Idee mit der Karte ist wirklich gut.
    Ich werde ihr einfach sagen, dass ich für sie da bin, wenn sie möchte. Ganz egal, ob in den nächsten Tagen oder Monaten oder erst in einem Jahr. Sie entscheidet das ganz alleine, aber wenn sie mich braucht, bin ich da. Fertig.

    Danke, ihr habt mir sehr geholfen mit euren Gedanken!
     
    #28
    Schokotorte, 18 November 2007
  9. User 35148
    User 35148 (44)
    Beiträge füllen Bücher
    6.358
    218
    333
    vergeben und glücklich
    Du machst das schon richtig :smile:

    Es bleibt ganz ihr überlassen, ob sie darüber reden will.
    Vielleicht kann sie es im Moment nicht, weil die Schmerzen einfach zu groß sind.
    Eventuell wird sie eines Tages darüber sprechen können,
    aber sicherlich auch nicht mit jedem.
    Mit wem sie reden wird, und worüber, ist ihre Sache, aber das ist es auch ohne so ein Schicksalschlag :engel:

    :engel_alt:
     
    #29
    User 35148, 18 November 2007

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten