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Irgendwie unfähig zu trauern...

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Pug, 23 März 2004.

  1. Pug
    Pug (34)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Hallo.

    Da ich gerade eben einen Thread gelesen habe, wo jemand schreibt, daß seine Freundin gestorben ist, wundere und ärgere ich mich irgendwie über mich selbst...

    Seinen Schicksalsschlag bedauere ich sehr. An dieser Stelle mein Beileid, auch wenn es nur wie ein leere Floskel klingt, derjenige wird schon wissen wen ich meine. Auch wenn ich in den Zeitungen lese, daß wieder ein junger Mensch gestorben ist, ärgere ich mich.

    Auf der anderen Seite habe ich irgendwie gar nichts empfunden, als vor 2 Jahren meine Tante gestorben ist, die direkt neben uns gewohnt hat und die ich nahezu täglich gesehen habe. Zwar hatten zwar kein sehr nahes Verhältniss, trotzdem kommt es mir irgendwie nicht richtig vor. Genauso ist es immer, wenn ich höre das viele Menschen auf einmal gestorben sind, z. B. durch Naturkatastrophen oder Terror, wie am 11. September. Das z. B. hat mich eigentlich nicht wirklich berührt. Höchstens der Gedanke an die vielen Familien und deren Lage.

    Ähnlich denke ich auch über meinen Tod. Vor dem Tod habe ich keine Angst, nur vor dem sterben. Mehr Gedanken mache ich mir dabei um die Leute um mich rum. Ob mich jemand vermissen würde und ob es wohl jemand bedauern würde, daß ich nicht mehr bin?


    Jetzt meine Frage:

    Geht das anderen auch so oder bin ich einfach nur ein verdrehtes Arschloch, das schlichtweg menschenfeindlich ist?
     
    #1
    Pug, 23 März 2004
  2. emotion
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Hallo Pug .

    Glaub mir, so reagieren (oder eben nicht) sehr viele Menschen.
    Gefühle kommen aus dem Unterbewußtsein, du kannst sie nicht erzwingen.
    Oftmals brechen Gefühle verspätet hervor, also nicht abrufbar bei Bedarf.

    Man kann tatsächlich nicht über jedes Menschenkind weinen.
    Und wenn man so ein relativ neutrales Verhältnis zu Verwandten hatte, muß man auch meist nicht weinen.
    Es gibt einige, die bei der einen Oma weinten, bei der anderen nicht.
    Gründe will ich hier nun gar nicht aufführen, sie sind ja doch sehr individuell.

    Ich konnte damals bei meiner Mutter auch nicht richtig weinen, Gründe ?
    Schockzustand ?
    Unverarbeitetes in der Beziehung zueinander ?
    Eigenes Leben nicht (mehr) im Griff ?

    Am Grab rattern auch die Gedanken, man fühlt sich unwirklich ?
    Denkt dran, wie schnell sein eigenes Dasein endet ?

    Wie auch immer, ganz viele Menschen können in solch einer Situation keine Träne lassen ...
     
    #2
    emotion, 24 März 2004
  3. chefchen
    Gast
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    :jaa: :zwinker: Spass

    Wenn man einen Menschen nicht Persönlich kennt, kann man auch nicht so trauen ist jetzt auf das Beispiel vom 11. Septermber gerichtet. Natürlich macht man sich Gedanken über die Angehörigen...
     
    #3
    chefchen, 24 März 2004
  4. Ich denke, jeder Mensch trauert auf verschiedene Weise...einige verschießen sich in Ihren vier Wänden...andere stürzen sich in Arbeit...und wieder andere verdrängen es. Das muss jeder mit sich selber ausmachen...da gibt es keine Regeln.
     
    #4
    Perfect Gentleman, 24 März 2004
  5. LadyEttenna
    0
    Hallo Pug,

    wie schon andere geschrieben haben, jeder reagiert da anders.

    Ich hab z.B. Rotz und Wasser geheult, als das mit dem 11. September im Fernsehen kam. Da ich aber sowieso nah am Wasser gebaut habe und ein sehr gefühlsbetonter Mensch bin, ist das für mich halt "normal".
    Muß sagen, ich brauch das auch, sonst hätte ich das Gefühl zu zerplatzen, meine Trauer, Qual oder Frustration benötigt dieses Ventil, denn danach gehts mir meistens schon ein Stück besser, wenn auch nur ein kleines.

    Es gibt auch Menschen die schlichtweg überhaupt nicht weinen können....bei einer Bekannten von mir, hab ich das schon mal erlebt. Als ihr kleiner Sohn gestorben ist mit 2 Jahren, konnte sie nicht eine Träne vergießen....ich dafür umso mehr. Sie hat aber darunter sehr gelitten und letztendlich einen Arzt aufgesucht, der ihr dann auch helfen konnte. Bei ihr hing es u.a. mit der Erziehung zusammen...ihr Vater hatte sich einen Sohn gewünscht, aber eine Tochter bekommen, diese dann aber eher wie einen Sohn aufgezogen, so nach dem Motto...weinen ist nicht und Gefühle zeigt man nicht, das ist Schwäche!!

    Für mich der größte Schwachsinn des Jahrhunderts, finde sowieso unsere Gesellschaft krankt daran : Gefühle, wer braucht die? Ist was für Schwächlinge!! Männer, die weinen?....wie uncoool......und wenn Frauen weinen, heißt es doch so oft, ach, die will damit eh nur was erreichen und dich damit weichkochen ( kann in einigen Fällen auch durchaus zutreffen, leider).

    Persönlich finde ich es trotzdem immens wichtig, Gefühle zu zeigen und auch zuzulassen, zu akzeptieren und zu respektieren...in welcher Form auch immer.

    @Pug...das du wenig bis nichts empfindest, wenn z.B. jemand Verwandtes stirbt, kann dies auch eine Schutzreaktion sein, du läßt das alles eben nicht so an dich heran. Das hat aber bestimmt nichts mit menschenfeindlich zu tun! Jeder Mensch verarbeitet Trauer anders und reagiert auch unterschiedlich.
     
    #5
    LadyEttenna, 24 März 2004
  6. Wetterhexe
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    ich denke so geht es sehr sehr vielen menschen.

    besonders wenn man die verstorbenen nicht persönlich gekannt hat oder nicht besonders gut.

    letzte woche ist ein mädchen gestorben, was 03 bei uns auf der schule abi gemacht hat.ich hatte nichts mit ihr zutun. da hatte ich das gleiche gefühl... natürlich hab ich an ihre Familie und an ihre geschwister gedacht... aber nicht mehr.

    ich denke das ist normal
     
    #6
    Wetterhexe, 24 März 2004
  7. Kaneda
    Gast
    0
    Hi!

    Bei mir ist das auch so, wenn nicht sogar extremer.
    Bei Todesfällen die nicht mein Umfeld betreffen bleib ich völlig kalt, es interessiert mich nicht die Bohne.
    Als meine Oma gestorben war habe ich auch nicht sehr getrauert, aber am Grab zu stehen während der Sarg heruntergelassen wird ist ein echt komisches Gefühl. So unheimlich bedrückend...
     
    #7
    Kaneda, 25 April 2004
  8. gnomy
    Gast
    0
    hi zusammen,

    bei mir starb auch die oma vor ca. 1 1/2 jahren..... als wir es erfahren haben, war ich mit meiner familie in den ferien... mein vater reiste dann zurück um sich um das ganze zu kümmern... ich habe damals auch nicht geweint, vielmehr habe ich mir sorgen um meinen vater gemacht so im sinn von: oh der arme, ist jetzt ganz alleine dort und muss sich um alles kümmern usw....

    als ich dann viel viel viel später mal an ihrem grab stand (das grab ist eben in italien) ging es mir sehr sehr sehr nahe....

    z.t. kann ich mir auch vorstellen, dass man mit dem herz noch gar nicht realisiert hat, dass jemand gestorben ist... der kopf weiss es dann schon, es ist so wie, wenn man diese person einfach lange nicht sieht (man wird sie auch nie mehr sehen)...... irgendwie so.....
     
    #8
    gnomy, 25 April 2004
  9. Clairexxy
    Gast
    0
    ich kann dich sehrgut verstehen, denn es geht mir ähnlich.
    Ich hatte mal eine Art Schlüsselerlebniss, da habe ich wochenlang nur geheult. Ab dem Tag an, und das ist sehr sehr lange her, habe ich höchstens noch wegen körperlichen Schmerzen geweint, nicht aber aus Trauer oder Wut.
    Ich habe mich fürchterlich vor mir selbst geschämt, als ich mit Freunden darüber geredet habe, wo jeder von uns grade war, und was er empfunden hat, als die Flugzeuge ins WTC flogen.

    Mein erster Gedanke war: "Zum Glück hat es mich nicht getroffen"...aber das würde ich niemals zugeben... ich habe nicht geweint und es hat mich auch nicht wirklich berührt... ich glaube einfach, als Mensch der noch nie einen Krieg mitbekommen hat, realisiert man das alles nicht so wirklich. Es war zu weit weg, um mich in irgendeiner Weise zu beängstigen.

    sonst kann ich meinen vorrednern nur recht geben: Jeder Mensch fühlt anders, drückt seine emotionen anders aus... nicht weinen zu können ist kein zeichen von kaltherzigkeit, auch wenn einem das oft von außen vorgeworfen wird.

    Ich kann tief trauern, ohne eine Träne zu verdrücken.
     
    #9
    Clairexxy, 25 April 2004
  10. Don.R.Wetter
    0
    Mir gehts da ähnlich, wenn nicht sogar 'schlimmer'...
    Vor etwa 2 Jahren ist meine Urgrossoma gestorben. Ich hatte das von meiner Oma erfahren, hab dann zwar bisschen drüber nachgedacht... aber so Trauer kam da irgendwie nicht auf. War eher so, das ich dachte "naja, is halt tot"
    Hatte mir im Nachhinein viel öfters den Kopf darüber zerbrochen ob ich ein Herz aus Stein hab?? Ob ich noch normal bin? :rolleyes2

    Letztes Jahr im September ist mein Ex-Freund gestorben. Da hab ich mir dann auch eher Gedanken um seine Familie gemacht, aber so richtig emotional getroffen hat mich das nicht...

    Als dagegen vor etwa 10 Jahren mein Wellensittich gestorben ist, hab ich Rotz und Wasser geheult - tagelang :cry:
    Und soweit ich mich erinnern kann, gab es auch keine weitere Situation mehr die mich zum weinen brachte (auf Trauer bezogen).

    Bin jetzt immer noch bisschen der Meinung das ich irgendwie "anders" bin :geknickt:
     
    #10
    Don.R.Wetter, 26 April 2004

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